Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 13)

"Diakonie ist Kirche – Kirche ist Diakonie"

Frühjahrssynode beriet über diakonische Herausforderungen

„Themen der Diakonie sind nichts Binnenkirchliches, sondern gehen alle Menschen gleichermaßen an.“ Das unterstrich Landesbischof Johannes Friedrich in seinem Bericht vor der Frühjahrssynode in Bad Alexandersbad, die das Schwerpunktthema „Diakonie – Kirche in Wort und Tat“ verfolgte. Diakonie – so Friedrich – sei der ausgestreckte Arm der Kirche in die Gesellschaft hinein, den die Kirche „verhungern“ lassen würde, wenn sie diakonisches Handeln nicht kultivieren würde. „Umgekehrt hätte die Diakonie keinen Kraft spendenden Pol, wenn die Kirche nicht als Leib Christi im Zentrum stünde.“

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Landesbischof Johannes Friedrich (ganz oben) und Diakoniepräsident Ludwig Markert.
Fotos: Borée
 
   

Die Rolle der Kirchengemeinden als „Kirche vor Ort“ hob der Landesbischof in diesem Zusammenhang besonders hervor: Gemeinden dürften ihr diakonisches Profil nicht dadurch unscharf werden lassen, dass sie sich auf die Arbeit der eigenständigen Diakonischen Werke verließen – nach dem Motto: „Das machen andere“. Für ihn, Friedrich, könne es keine Kirchengemeinde geben, die sich nicht als diakonisch versteht, und kein diakonisches Werk, das sich nicht als Teil der Kirche versteht. Nach seiner Überzeugung „wird eine Gemeinde, die den diakonischen Blickwinkel verstärkt, andere Akzente als zuvor setzen.“ Von daher empfahl er, bei der im Herbst anstehenden Kirchenvorstandswahl Gemeindeglieder zu berücksichtigen, die sich ehren- oder hauptamtlich im Bereich der Diakonie betätigten.

Alles diakonische Handeln aber ziele, so der Bischof weiter, langfristig über Hilfe für den Einzelmenschen hinaus: Es gelte immer auch, „für gesellschaftliche Strukturen und ebenso für die wichtigen Rahmenbedingungen einzutreten, die nachhaltig für das Leben dienlich und förderlich sind.“ 

Dabei müsse sich diakonisches Handeln mehr und mehr auch auf die Bedürfnisse einer alternden Gesellschaft einstellen. Die Synode wende sich insbesondere dem Thema „Demenz“ zu. Unter dem Beifall der Synodalen wies Friedrichi darauf hin, dass die Zuweisungen von Pflegstufen für Demente überdacht werden sollten: „Derzeit kann es passieren, dass ein dementer Patient, der aufwändige soziale und psychosoziale Betreuung braucht, dennoch in die niedrigste Pflegestufe (Stufe 0) eingruppiert wird, nur weil er rein körperlich gesehen keine auffälligen Gebrechen aufweist.“ Das aber entspreche nicht der benötigten Hilfe. 

Veränderungen in Gang setzen 

Auch Ludwig Markert, Präsident des Diakonischen Werkes Bayern, unterstrich in seiner Rede: „Diakonie ist Kirche, und Kirche ist Diakonie.“ Mit Blick auf die biblischen Wurzeln der Diakonie gelte es, Leben zu fördern – für Menschen mit Behinderung, für Arbeitslose, für alte und junge Menschen. Mit Recht habe die Diakonische Konferenz auf Bundesebene kürzlich betont, dass auf die christliche Bindung der Mitarbeitenden Wert zu legen sei. Von daher seien Fort- und Weiterbildung immer auch „Orte der Vermittlung von spiritueller Kompetenz.“ Diakonie stifte Gemeinschaft zwischen Starken und Schwachen, und sie setze Veränderungen in Gang. 

Markert wandte sich gegen „eine zunehmende Verrechtlichung und Bürokratisierung menschlicher Hilfeleistung. Überhaupt müsse Diakonie mehr sein als der „verlängerte Arm des Sozialstaats“. Kirche und Diakonie seien gemeinsam unterwegs im Zeichen des Kreuzes. Werner Thiede

Werner Thiede


Stimme für die Verstummten

Rektor der Rummelsberger fordert "öffentlich gelebte Religion" ein

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Rektor Karl Heinz Bierlein (ganz oben) und Anspiel der Behindertengruppe zum Eröffnungsgottesdienst.
Fotos: Borée
 

Verstummt, bewegungslos saß der Rollstuhlfahrer im Altarraum. Unter einer grauen Decke war er vor allen Augen verborgen. In ihrem Anspiel begleitete eine Gruppe aus den Rummelsberger Anstalten die zentrale Botschaft zur Eröffnung der Bayerischen Landessynode. 

Karl Heinz Bierlein hob in seiner Predigt die Verantwortung für Menschen ohne eigene Ausdrucksmöglichkeiten hervor: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.“ Diesen Vers aus den Sprüchen Salomos deutete Bierlein in der voll besetzten Stadtkirche zu Wunsiedel im Sinne einer „Diakonie des Wortes“. Er stellte die Notwendigkeit einer „Wiederentdeckung der Inneren Mission“ in einer Zeit heraus, die sowohl von einer neu erwachten „religiösen Sehnsucht“ als auch dem „Umbruch des Sozialstaats“ geprägt sei. Wenn dies gelänge, bedeute es „öffentlich gelebte Religion“.
 
Auch in dem Anspiel lernte der Rollstuhlfahrer sich zu artikulieren - wenngleich nur durch eine Bewegung: Er ist kein Fußabtreter, kein Ruhekissen für andere. Zusammen mit seinem Gegenüber, das ihn zunächst nicht einmal wahrnahm, sah er vor sich ein Ziel. 

„Das Wort tritt nicht an die Stelle der Taten, sondern das Wort löst Taten aus.“ Eine solche „Sprachheilschule des Glaubens“ forderte Bierlein. Er warnte, die religiöse Verantwortung dürfe nicht zu einer „Kirche und Diakonie-Service-Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung“ werden. Mit Inbrunst und voller Stimmkraft antworteten die Synodalen  singend auf diese Anfragen. Die Worte „Wenn wir in Frieden beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und der Schwachen schonten, dann würden wir den letzten, heilgen Willen des Herrn erfüllen“ stiegen auf zu den barocken Deckengemälden der Stadtkirche im Fichtelgebirge. 

Susanne Borée


Was wahre  Größe ausmacht

Des Menschen Sohn  ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern, dass er diene und gebe sein Leben  zu einer Erlösung für  viele. 
Matthäus 20, 28

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Wenn ein Mensch dem anderen dient, dann wird er wahrhaftig groß. Ehrenamtliche Helfer in Berlin waschen und pflegen Obdachlosen die wunden Füße.   
Foto: KNA
 
   

Zwischen Bethlehem und Golgatha ging einer, für den waren die Menschen wichtig. Da war einer, der lebte die konsequente Liebe. Da war einer, der wusste wie es aussieht in den finsteren Tälern des Lebens. Da war einer, der hat die Menschen durchschaut und wurde dennoch nicht irre an ihnen. Da war einer, dem kam es nicht auf Macht, Einfluss oder Ansehen an, sondern der sah es als seine vornehmste Aufgabe an, den Seinen zu dienen: „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele“. 

So versteht Jesus seinen Auftrag. Wenn wir auf Jesus blicken, dann sehen wir den vollkommenen Gehorsam in den Willen Gottes.  Sobald wir dies sehen, wittern wir Gefahr, denn wir können nicht im Jahr 2006 auf Jesus blicken, ohne das Kreuz zu sehen. Wir sind zwar dankbar für das Kreuz – für die Rettung, die Vergebung, die Hoffnung auf ewiges Leben, denn dies alles wird uns durch das Kreuz angeboten. Aber wir fürchten auch das Opfer. Wagen wir wirklich die konsequente Nachfolge im Gehorsam? Wollen wir wirklich dienen?

Bei Jesus gilt ein anderer Maßstab, der in ganz neuer Weise die Größe eines Menschen beschreibt und wahre Größe ermöglicht. Wann wird ein Mensch wahrhaftig groß? Wenn er sich bückt und den anderen Menschen dient! Es ist nicht die Aufgeblasenheit, die den Menschen zu einem großen Menschen macht. Es ist sein Dienst, seine Liebe, seine Unterordnung, seine Geduld und Beständigkeit, die wahre Größe ausmacht. Wir Menschen folgen in unserer Gesellschaft so oft den falschen Kriterien. Und auch die Gemeinden sind davon nicht verschont. Doch Jesus hat einen anderen Weg für uns!  Wo alle einander in Liebe und Wahrheit dienen, ist das Himmelreich nahe herbeigekommen. 

Blicken wir in dieser Passionszeit auf Jesus, dann sehen wir vollkommene Hingabe für den Dienst an Gott und den Menschen. Die Zeit, sich zu entspannen und zu vergnügen ist so kurz. Geben wir unsere Zeit?  Nie hat man genug Kraft und Energie, um all das zu tun, was man gerne tun möchte.  Geben wir unsere Energie?  Und Jesus sagt: „Wer sein Leben liebt , wird es verlieren.“ Wir werden verlieren , weil wir fürchten uns zu geben , weil wir herrschen wollen und nicht dienen. Wir blicken auf Jesus und sehen seine grenzenlose Liebe. Hier liegt das Geheimnis und der Schlüssel. Ein Christ zu sein bedeutet  Gott zu lieben, den himmlischen Vater, der uns zuerst geliebt hat und uns seinen Sohn gab, um uns zu erlösen.  Dies ist eine tiefe, persönliche Beziehung. Aus der Liebe heraus ergibt sich nämlich Gehorsam und Hingabe von selbst. Eine solche Liebe macht uns zu Botschaftern der Frohen Botschaft. Liebe dient.Jemand hat einmal gesagt: Wer hoch hinaus will, muß tief hinab. Es gibt sonst keinen Anteil an der Selbsterniedrigung Gottes. Der Theologe Reinhold Schneider sprach davon, daß Jesus Christus in „dienender Herrlichkeit“ zu den Menschen kam. Die Kirche hat dort ihre vollkommenste Gestalt und wird dort am glaubwürdigsten in der Welt, wo sie dient. Es ist unsere Aufgabe und ständige Herausforderung in einer Zeit, die sich vermeindlich sozial gibt, aber damit oft nur Strukturen ihres Egoismus zudeckt, alle Kräfte für eine dienende Gemeinde zu mobilisieren. Jesus hat uns ein Beispiel gegeben. Dienen ist erlernbar bei dem, der diente bis zu seinem Ende am Kreuz auf Golgatha.

Pfarrer Burkhard Stark
Weihenzell

Gebet: Geheiligt werde Dein Name, nicht meiner; Dein Reich komme, nicht das meine; Dein Wille geschehe, nicht der meine; Gib uns Frieden mit Dir, Frieden mit den Menschen , Frieden mit uns selbst und befreie uns von Angst.

Dag Hammarskjöld

Lied 54: O Mensch, bewein dein Sünde groß

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