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"Diakonie ist Kirche – Kirche ist Diakonie"
Frühjahrssynode
beriet über diakonische Herausforderungen
„Themen
der Diakonie sind
nichts Binnenkirchliches, sondern gehen alle Menschen
gleichermaßen
an.“ Das unterstrich Landesbischof Johannes Friedrich in
seinem Bericht
vor der Frühjahrssynode in Bad Alexandersbad, die das
Schwerpunktthema
„Diakonie – Kirche in Wort und Tat“
verfolgte. Diakonie – so Friedrich
– sei der ausgestreckte Arm der Kirche in die Gesellschaft
hinein, den
die Kirche „verhungern“ lassen würde, wenn
sie diakonisches Handeln
nicht kultivieren würde. „Umgekehrt hätte
die Diakonie keinen Kraft
spendenden Pol, wenn die Kirche nicht als Leib Christi im Zentrum
stünde.“
Die Rolle der Kirchengemeinden als
„Kirche vor Ort“ hob der Landesbischof in diesem
Zusammenhang besonders hervor: Gemeinden dürften ihr
diakonisches Profil nicht dadurch unscharf werden lassen, dass sie sich
auf die Arbeit der eigenständigen Diakonischen Werke
verließen – nach dem Motto: „Das machen
andere“. Für ihn, Friedrich, könne es keine
Kirchengemeinde geben, die sich nicht als diakonisch versteht, und kein
diakonisches Werk, das sich nicht als Teil der Kirche versteht. Nach
seiner Überzeugung „wird eine Gemeinde, die den
diakonischen Blickwinkel verstärkt, andere Akzente als zuvor
setzen.“ Von daher empfahl er, bei der im Herbst anstehenden
Kirchenvorstandswahl Gemeindeglieder zu berücksichtigen, die
sich ehren- oder hauptamtlich im Bereich der Diakonie
betätigten.
Alles diakonische Handeln aber ziele, so der
Bischof weiter, langfristig über Hilfe für den
Einzelmenschen hinaus: Es gelte immer auch, „für
gesellschaftliche Strukturen und ebenso für die wichtigen
Rahmenbedingungen einzutreten, die
nachhaltig für das Leben dienlich
und förderlich
sind.“
Dabei müsse sich diakonisches Handeln
mehr und mehr auch auf die Bedürfnisse einer alternden
Gesellschaft einstellen. Die Synode wende sich insbesondere dem Thema
„Demenz“ zu. Unter dem Beifall der Synodalen wies
Friedrichi darauf hin, dass die Zuweisungen von Pflegstufen
für Demente überdacht werden sollten:
„Derzeit kann es passieren, dass ein dementer Patient, der
aufwändige soziale und psychosoziale Betreuung braucht,
dennoch in die niedrigste Pflegestufe (Stufe 0) eingruppiert wird, nur
weil er rein körperlich gesehen keine auffälligen
Gebrechen aufweist.“ Das aber entspreche nicht der
benötigten Hilfe.
Veränderungen
in Gang setzen
Auch Ludwig Markert, Präsident des
Diakonischen Werkes Bayern, unterstrich in seiner Rede:
„Diakonie ist Kirche, und Kirche ist Diakonie.“ Mit
Blick auf die biblischen Wurzeln der Diakonie gelte es, Leben zu
fördern – für Menschen mit Behinderung,
für Arbeitslose, für alte und junge Menschen. Mit
Recht habe die Diakonische Konferenz auf Bundesebene kürzlich
betont, dass auf die christliche Bindung der Mitarbeitenden Wert zu
legen sei. Von daher seien Fort- und Weiterbildung immer auch
„Orte der Vermittlung von spiritueller Kompetenz.“
Diakonie stifte Gemeinschaft zwischen Starken und Schwachen, und sie
setze Veränderungen in Gang.
Markert wandte sich gegen „eine
zunehmende Verrechtlichung und Bürokratisierung menschlicher
Hilfeleistung. Überhaupt müsse Diakonie mehr sein als
der „verlängerte Arm des Sozialstaats“.
Kirche und Diakonie seien gemeinsam unterwegs im Zeichen des Kreuzes.
Werner Thiede
Werner
Thiede
Stimme für die Verstummten
Rektor
der Rummelsberger fordert "öffentlich gelebte Religion" ein
Verstummt,
bewegungslos saß der Rollstuhlfahrer im Altarraum. Unter
einer grauen Decke war er vor allen Augen verborgen. In ihrem Anspiel
begleitete eine Gruppe aus den Rummelsberger Anstalten die zentrale
Botschaft zur Eröffnung der Bayerischen
Landessynode.
Karl
Heinz Bierlein hob in seiner Predigt die Verantwortung für
Menschen ohne eigene Ausdrucksmöglichkeiten hervor:
„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für
die Sache aller, die verlassen sind.“ Diesen Vers aus den
Sprüchen Salomos deutete Bierlein in der voll besetzten
Stadtkirche zu Wunsiedel im Sinne einer „Diakonie des
Wortes“. Er stellte die Notwendigkeit einer
„Wiederentdeckung der Inneren Mission“ in einer
Zeit heraus, die sowohl von einer neu erwachten
„religiösen Sehnsucht“ als auch dem
„Umbruch des Sozialstaats“ geprägt sei.
Wenn dies gelänge, bedeute es „öffentlich
gelebte Religion“.
Auch in dem Anspiel lernte der Rollstuhlfahrer sich zu artikulieren -
wenngleich nur durch eine Bewegung: Er ist kein Fußabtreter,
kein Ruhekissen für andere. Zusammen mit seinem
Gegenüber, das ihn zunächst nicht einmal wahrnahm,
sah er vor sich ein Ziel.
„Das
Wort tritt nicht an die Stelle der Taten, sondern das Wort
löst Taten aus.“ Eine solche
„Sprachheilschule des Glaubens“ forderte Bierlein.
Er warnte, die religiöse Verantwortung dürfe nicht zu
einer „Kirche und Diakonie-Service-Gesellschaft mit
beschränkter Hoffnung“ werden. Mit
Inbrunst und voller Stimmkraft antworteten die
Synodalen singend auf diese
Anfragen. Die Worte „Wenn wir in Frieden beieinander wohnten,
Gebeugte stärkten und der Schwachen schonten, dann
würden wir den letzten, heilgen Willen des Herrn
erfüllen“ stiegen auf zu den barocken
Deckengemälden der Stadtkirche im Fichtelgebirge.
Susanne
Borée
Was wahre Größe ausmacht
Des
Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse,
sondern, dass er diene und gebe sein Leben zu einer
Erlösung für viele.
Matthäus
20, 28
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Wenn ein Mensch dem anderen dient, dann wird er wahrhaftig
groß. Ehrenamtliche Helfer in Berlin waschen und pflegen
Obdachlosen die wunden
Füße.
Foto: KNA
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Zwischen Bethlehem
und Golgatha ging einer, für den waren die Menschen wichtig.
Da war einer, der lebte die konsequente Liebe. Da war einer, der
wusste wie es aussieht in den finsteren Tälern des Lebens. Da
war einer, der hat die Menschen durchschaut und wurde dennoch nicht
irre an ihnen. Da war einer, dem kam es nicht auf Macht, Einfluss oder
Ansehen an, sondern der sah es als seine vornehmste Aufgabe an, den
Seinen zu dienen: „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass
er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu
einer Erlösung für viele“.
So versteht
Jesus seinen Auftrag. Wenn wir auf Jesus
blicken, dann sehen wir den vollkommenen Gehorsam in den Willen
Gottes. Sobald wir dies sehen, wittern wir Gefahr, denn wir
können nicht im Jahr 2006 auf Jesus blicken, ohne das Kreuz zu
sehen. Wir sind zwar dankbar für das Kreuz –
für die Rettung, die Vergebung, die Hoffnung auf ewiges Leben,
denn dies alles wird uns durch das Kreuz angeboten. Aber wir
fürchten auch das Opfer. Wagen wir wirklich die konsequente
Nachfolge im Gehorsam? Wollen wir wirklich dienen?
Bei Jesus gilt ein
anderer Maßstab, der in ganz neuer Weise die
Größe eines Menschen beschreibt und wahre
Größe ermöglicht. Wann wird ein Mensch
wahrhaftig groß? Wenn er sich bückt und den anderen
Menschen dient! Es ist nicht die Aufgeblasenheit, die den Menschen zu
einem großen Menschen macht. Es ist sein Dienst, seine Liebe,
seine Unterordnung, seine Geduld und Beständigkeit, die wahre
Größe ausmacht. Wir Menschen folgen in unserer
Gesellschaft so oft den falschen Kriterien. Und auch die Gemeinden sind
davon nicht verschont. Doch Jesus hat einen anderen Weg für
uns! Wo alle einander in Liebe und Wahrheit dienen, ist das
Himmelreich nahe herbeigekommen.
Blicken wir in
dieser Passionszeit auf Jesus, dann sehen wir vollkommene Hingabe
für den Dienst an Gott und den Menschen. Die Zeit, sich zu
entspannen und zu vergnügen ist so kurz. Geben wir unsere
Zeit? Nie hat man genug Kraft und Energie, um all das zu tun,
was man gerne tun möchte. Geben wir unsere
Energie? Und Jesus sagt: „Wer sein Leben liebt ,
wird es verlieren.“ Wir werden verlieren , weil wir
fürchten uns zu geben , weil wir herrschen wollen und nicht
dienen. Wir blicken auf Jesus und sehen seine grenzenlose Liebe. Hier
liegt das Geheimnis und der Schlüssel. Ein Christ zu sein
bedeutet Gott zu lieben, den himmlischen Vater, der uns
zuerst geliebt hat und uns seinen Sohn gab, um uns zu
erlösen. Dies ist eine tiefe, persönliche
Beziehung. Aus der Liebe heraus ergibt sich nämlich Gehorsam
und Hingabe von selbst. Eine solche Liebe macht uns zu Botschaftern der
Frohen Botschaft. Liebe dient.Jemand hat einmal gesagt: Wer hoch hinaus
will, muß tief hinab. Es gibt sonst keinen Anteil an der
Selbsterniedrigung Gottes. Der Theologe Reinhold Schneider sprach
davon, daß Jesus Christus in „dienender
Herrlichkeit“ zu den Menschen kam. Die Kirche hat dort ihre
vollkommenste Gestalt und wird dort am glaubwürdigsten in der
Welt, wo sie dient. Es ist unsere Aufgabe und ständige
Herausforderung in einer Zeit, die sich vermeindlich sozial gibt, aber
damit oft nur Strukturen ihres Egoismus zudeckt, alle Kräfte
für eine dienende Gemeinde zu mobilisieren. Jesus hat uns ein
Beispiel gegeben. Dienen ist erlernbar bei dem, der diente bis zu
seinem Ende am Kreuz auf Golgatha.
Pfarrer
Burkhard Stark
Weihenzell
Gebet:
Geheiligt werde Dein Name, nicht meiner; Dein Reich komme, nicht das
meine; Dein Wille geschehe, nicht der meine; Gib uns Frieden mit Dir,
Frieden mit den Menschen , Frieden mit uns selbst und befreie uns von
Angst.
Dag
Hammarskjöld
Lied
54: O
Mensch, bewein dein Sünde groß
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