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Als die Synagoge in Burghaslach brannte
Zeitzeugen
erinnern sich an das finsterste Kapitel ihrer Ortsgeschichte
„Klein,
aber oho!“ So konnte
man die Senioren-Runde bezeichnen, die sich kürzlich in
Burghaslach traf, um konkrete Erinnerungen an die jüdische
Mitbevölkerung und ihre Vertreibung aus dem Marktflecken 1938
auszutauschen. Die Idee zu dem Zeitzeugen-Treffen verdankte sich
letztlich einem Artikel im Evangelischen Sonntagsblatt (Nummer 30), der
zum Israelsonntag 2005 erschienen war: Darin war über das
Projekt „Synagogen-Gedenkband Bayern“ berichtet
worden, das Anfang 2007 publizistisch erste Früchte tragen
wird. Leser im mittelfränkischen Burghaslach – kurz:
„Hosla“ – hatten sich daraufhin an die in
jenem Artikel vorgestellte, landeskirchlich finanzierte Mitarbeiterin
Barbara Eberhardt gewandt: Eine Fülle von interessanten
Informationen hierzu harre vor Ort noch der Entdeckung.
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Der
jüdische Friedhof von Burghaslach erinnert an Zeiten guten
Zusammenlebens im Ort. – Bild unten: Heutige Teilansicht der
einstigen Synagoge in der Ortsmitte.
Foto: Thiede
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Daher fand es
Robert Hofmann, der Kulturbeauftragte des Ortes im Steigerwald,
naheliegend, zu dem Erinnerungstreffen der Zeitzeugen neben Pfarrerin
Eberhardt auch den Chefredakteur des Sonntagsblatts einzuladen.
Außerdem dabei war Johann Fleischmann aus
Mühlhausen, der bereits vier Bände über die
Spuren jüdischer Vergangenheit herausgegeben hat –
im Namen des „Arbeitskreises Jüdische Landgemeinden
an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach“ (weitere Bände
sind in Vorbereitung).
Bevölkerung
sträubte sich
Schon
jahrhundertelang gab es jüdische Bürger in
Burghaslach – bis 1938. Der von einer hohen Mauer umgebene
Friedhof zeugt von alten, ganz überwiegend guten Zeiten. Die
meist über 80 Jahre alten Bürgerinnen und
Bürger in der Runde wissen noch, dass das Verhältnis
zu den jüdischen Mitbürgerinnen und
Mitbürgern erst im Laufe der zwanziger Jahre schlechter
geworden war. An den wachsenden Spannungen dürften
maßgeblich Hetz-Kampagnen der SA schuld gewesen sein, die es
in Burghaslach schon frühzeitig gegeben hatte. Im Gesangverein
zum Beispiel, auf Bällen und in der Schule – seit
1924 gab es keine eigene „Judenschule“ mehr
– waren die Juden des Ortes gut integriert gewesen und hatten
die Kultur mitgeprägt. Mitunter hätten sie zuviel
Zinsen verlangt und damit die Bauern der Ortschaft
überfordert, hieß es; aber das sei nicht der
eigentliche Grund für den aufkommenden Judenhass gewesen, der
bekanntlich ideologisch begründet war.
Gerade
die
Vorgänge um die Kristallnacht in Burghaslach zeigten das
deutlich. Die hiesige Bevölkerung habe sich weithin
gesträubt, als es in der
„Reichskristallnacht“ 1938 darum ging, die Synagoge
anzuzünden. Das taten vor allem Auswärtige, und
relativ schnell schritt die Feuerwehr ein. Einer der Zeitzeugen legte
einen detaillierten Erinnerungsbericht über jene Ereignisse
von der Nacht jenes 9. November vor, die in dem von der Bekennenden
Kirche geprägten Ort ganz überwiegend als Unrecht
empfunden wurden und viele weinenden Nachbarn zu Zeugen werden
ließen.
Schadensbegrenzung
versucht
„Mitten
in der Nacht weckte man meinen Vater durch
Rütteln an der Haustür“, erzählt
der alte Mann. „Vor ihm stand der ihm bekannte
Sturmbannführer der SA aus Neustadt/Aisch und forderte ihn
auf, sofort die örtliche SA zu alarmieren: ‚Ihr in
Burghaslach schlaft ja – in ganz Deutschland brennen schon
die Synagogen!’ Nun war der Vater zwar für einige
Zeit SA-Reserve-Führer gewesen, hatte dieses Amt aber
aufgegeben, nachdem er mitbekommen hatte, wie antikirchlich man in der
SA eingestellt war. Darum antwortete er: ‚Da bin ich nicht
mehr zuständig.’ Auf Nachfrage nannte er die
mittlerweile zuständigen Leute. Schließlich
erkundigte sich der Sturmbannführer noch nach dem
Feuerwehrkommandanten. ‚O Herrschaft, das bin ich!’
So musste er denn die Feuerwehr alarmieren. Es wurde
‚Feuer’ geblasen, die Glocken läuteten.
Die Feuerwehr machte sich einsatzbereit.“
Aus
den Erzählungen seines Vaters weiß der
Zeitzeuge: „Die einzelnen Männer sind so um die
Synagoge aufgestellt worden, dass das geplante Feuer umgehend
gelöscht werden konnte. Mittlerweile traf aus Oberrimbach mit
einem LKW ein SA-Trupp von etwa 30 Mann unter Führung des
SA-Ortsführers ein. Aus Burghaslach waren ebenfalls
SA-Männer tätig. Sie alle zerstörten das
Innere der Synagoge. Bänke und anderes Mobiliar wurde auf
einen Haufen geworfen, Stroh und Benzin herbeigeschafft und dann das
Ganze angezündet. Bürgermeister Mühlberger
konnte es nicht verhindern. Die Gendarmerie, die den Vorgang als
Rechtsbruch ansah, versuchte zu den Vorgesetzten Verbindung
aufzunehmen. Doch das war nicht möglich, alles war
blockiert.“ Als das Feuer eine Weile gebrannt hatte, so der
Erzähler weiter, fragte sein Vater den
Sturmbannführer: „Wer trägt hier eigentlich
die Verantwortung?“ Die Antwort lautete:
„Natürlich die Feuerwehr!“ Darauf
zögerte der Feuerwehrkommandant nicht mehr lange und gab den
Befehl: „Wasser Marsch!“ Schnell war das Feuer
gelöscht.
Das
Schicksal der Juden am Ort aber war bitter: „Die SA
Männer holten alle Juden einschließlich der Kinder
aus den Häusern und trieben sie im Saal des nahe gelegenen
Gasthauses zusammen. Gutwilligen Nachbarn der Juden war es
unmöglich, zu helfen, auch nicht den Kindern zuliebe. Im
Gasthaus blieben sie mehrere Tage. Dann wurden sie freigelassen unter
der Auflage, zeitnah Burghaslach zu verlassen. Einige Juden hatten
fliehen können. Das Inventar in den Häusern war zum
größen Teil zerstört worden.“
Erst
durch die historisch gesicherten Auskünfte von Johann
Fleischmann erfuhren die Burghaslacher in neuerer Zeit, dass es eine
unzutreffende Annahme gewesen war, die aus dem Ort stammenden Juden
hätten die Vernichtung durch das Hitler-Regime alle
überlebt. Mindestens 17 Menschen jüdischen Glaubens,
die 1933 noch in Burghaslach gelebt hatten, gehörten am Ende
zu den Opfern der Schoah. Etwa 20 Personen gelang die Auswanderung nach
New York oder nach Palästina. Eine Gedenktafel gibt es in
Burghaslach bislang nicht, ist aber, wie Robert Hofmann
abschließend verlauten ließ, konkret in Planung.
Werner
Thiede
Freue dich - die Welt läuft auf ein Ziel zu
Einige
zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in
guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur
Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen
Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir
Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was tut’s
aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es
geschene zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich
darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich
weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet
und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte
und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern
dass frei und offen, wie allzeit so auch jetzt, Christus verherrlicht
werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus
ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.
Philipper
1,15 - 21
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„Christliche
Lebenskunst, das ist die Freude darüber, dass die Welt
– und wir mit ihr – noch nicht zu Ende ist, sondern
auf etwas zuläuft, mit uns etwas vorhat: die Verherrlichung
Christi am eigenen Leib.“ Foto: Wodicka
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Deutschland
im Jahre 2006. Von Freude ist so viel nicht zu spüren. Eher
dominiert anderes: Vorsicht, Ängstlichkeit, Depression.
Während diese Zeilen geschrieben werden, klingen die
Nachrichten über die Vogelgrippe immer schriller. Was kommt
auf uns zu? Tod von Millionen von Vögeln und Haustieren,
Keulen von ungezählten Hühnervölkern?
Springt der Virus über auf den Menschen? Und wenn es diese
Sorge nicht ist, dann ist es die Globalisierung, die uns mit dem Virus
der neoliberalen Marktwirtschaft infiziert und Arbeitsplätze
und Lebensperspektiven auffrisst. Wo soll da Freude sein?
Höchstens noch in verordneter Form: ein wenig Fasching, der
hinter uns liegt, ein wenig Osterlachen, das vor uns liegt?
Wem das zu
wenig ist, dem bleibt nichts anderes übrig als die
Fröhlichkeit in Comedyform, Dauerlachen per Knopfdruck. Die
Welt, meine Lebenswelt fällt auseinander: die
bedrückenden Sorgen hier, die seichte Fröhlichkeit
dort. Und dazwischen der Sonntag Lätare: sich freuen, aber
wie? Wie sähe sie aus, die Freude als eine Übung
christlicher Lebenskunst?
„Ich
freue mich darüber.
Aber auch künftig werde ich mich freuen“, so
schreibt Paulus, Apostel und christlicher Lebenskünstler.
Nicht über die Freude redet er, predigt seine ferne Gemeinde
nicht an, doziert nicht über das, was Freude ist, sein soll,
sein könnte, sondern er freut sich. Wo keine Freude ist, wird
auch die Predigt in Sachen Freude misslingen, auch an Lätare.
Fragt sich nur:
woher die Freude nehmen? Worüber freut sich
Paulus? Seltsam, dass er sich überhaupt freut. Denn er sitzt
im Gefängnis . Ihm sind die Hände gebunden in Sachen
Verkündigung des Evangeliums. Und auch diese läuft so
gar nicht in seinem Sinne. Zwar wird von Jesus Christus
erzählt, aber mit zwielichtigen Motiven, aus Eigeninteresse.
Gute Absichten mischen sich mit menschlichem Kalkül,
Konkurrenz in Sachen Gottes droht die Sache Gottes zu verderben.
Worüber sich also freuen, wenn man selber festsitzt,
während der Virus der Sünde das Menschengeschlecht
befällt, packt, schüttelt? Oder ist es die
sadomasochistische Freude an der „selbsteigenen
Pein“? Solche protestantischen Abgründe mag es
geben, paulinisch sind sie nicht.
Paulus freut sich
nicht wegen des
Leidens, sondern weil trotz allem etwas voran geht, vorwärts
geht. Freilich: ideal ist sie nicht, diese Welt, manchmal
ähnelt sie eher einem Gefängnis der eigenen
Hilflosigkeit. Ideal ist es nicht, wie Christenmenschen, Gemeinden und
Landeskirchenämter, Pfarrer und Bischöfe
(Pfarrerinnen und Bischöfinnen immer eingeschlossen) ihre
Aufgabe als Nachrichtensprecher des guten Gottes wahrnehmen. Selten
Grund zur Freude. Die Freude begründet sich anders,
entzündet sich daran, dass in, mit und unter allem, was
läuft und schief läuft, der gute Gott selber
mitläuft und das Evangelium weiter läuft.
Das
hält die Welt zusammen: die Angst, unterzugehen, und die
Freude, mitgenommen zu werden, die Sorge übers Sterben wie die
Fröhlichkeit, einfach zu leben. Christliche Lebenskunst, das
ist die Freude darüber, dass die Welt – und wir mit
ihr – noch nicht zu Ende ist, sondern auf etwas
zuläuft, mit uns etwas vorhat: die Verherrlichung Christi am
eigenen Leib. Wer sich freut, ist dem schon ein gutes Stück
näher gekommen.
Pfarrer
Dr.
Hans-Jürgen Luibl
Poxdorf
Gebet:
Herr, schenke mir die Freude am Leben. Amen.
Lied
396: Jesu,
meine Freude
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