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"Schatz für die Protestanten in Franken"
Seit
60 Jahren sind viele Neubürger mit der Evangelischen Kirche
verbunden
„Sperrt
eure Höfe zu, hier sind Rumänen. Wer weiß,
ob das nicht sogar Zigeuner sind.“ An diese Warnung kann sich
Wigant Weltzer noch sehr genau erinnern. Der heute 81-Jährige
kam nach dem 2. Weltkrieg aus Siebenbürgen nach Rothenburg ob
der Tauber. „Bis die Einheimischen akzeptierten, dass wir
Deutsche sind, war es eine schwierige Zeit“, fährt
er fort. Und dabei kamen die Siebenbürger Sachsen vor 60
Jahren – Anfang April 1946 – extra aus einem Grund
aus Niederbayern, wo sie zunächst Zuflucht gefunden hatten,
nach Franken: Sie waren genau wie viele Einheimische evangelisch.
Inmitten
der Nachkriegswirren wurde so noch immer ein Grundsatz
beherzigt, der 400 Jahre zurückreicht: die Einteilung der
Konfessionen nach Regionen. Im Kern geht diese Regelung auf den
„Augsburger Religionsfrieden“ von 1555
zurück. Danach bestimmten die jeweiligen
Landesfürsten die Konfession ihrer Untertanen. Wer nicht damit
einverstanden war, wie zum Beispiel die Salzburger, musste auswandern.
Bei den Siebenbürgern wurde vor 60 Jahren immer noch versucht,
ihnen gemäß ihrer Konfession eine neue Heimat zu
geben. Allerdings funktionierte dieser Grundsatz nicht mehr in allen
Fällen: Denn die katholischen Sudetendeutschen, die nach dem
Krieg in Franken gelandet waren und im Austausch mit den
Siebenbürger Sachsen nach Niederbayern sollten, wollten in
vielfach keinen erneutem Ortswechsel auf sich nehmen.
Kirchentreue Siebenbürger
Flüchtlinge und Vertriebene, „Dispaced
Persons“ – im Gefolge des Zweiten Weltkrieges wurde
das 20. Jahrhundert in Deutschland zu einer Ära der
Wanderung. Vorher waren schon Kriegsgefangene und Verschleppte
nach Deutschland geströmt. Und kaum hatten die letzten
Vertriebenen die Baracken der Auffanglager verlassen, folgten die
ersten Gastarbeiter, die im deutschen Wirtschaftswunder Arbeit suchten.
Gerade die Siebenbürger Sachsen kamen in mehreren
„Wellen“ nach Deutschland. Auf die Trecks der
Aussiedler zum Kriegsende, die – entgegen der
Volksmeinung – nicht aus dem rumänischen, sondern
dem ungarischen Teil Siebenbürgens stammten, folgten in den
60er Jahren tröpfchenweise Spätaussiedler aus
Rumänien. Weltzer berichtet, dass die rumänische
Regierung sich jede Ausreise mit 800 Dollar bezahlen ließ.
Und dann kam das Jahr 1989: Nach dem Sturz Ceaucescus waren mit einem
Mal alle Schleusen geöffnet! Fast alle Siebenbürger
Sachsen leben inzwischen in Deutschland. Nur noch etwa 14.000 von ihnen
sind in Rumänien geblieben. Sie hatten zumeist in
rumänische Familien eingeheiratet. Insgesamt 200.000
Siebenbürger Sachsen leben heute in Deutschland.
Georg Hiesch kam gleichfalls mit seiner Familie Ende 1990 aus Hamlesch
nach Rothenburg. Sein erster Eindruck von der Tauberstadt war
–der Weihnachtsmarkt. Er betont, dass er und seine Familie
sehr freundlich aufgenommen wurden. Seine Eltern knüpften an
die Tradition an, dass viele Siebenbürger besonders begehrt
als Mesner waren.
„Früher galt: Auf 20 Rothenburger kommt ein
Siebenbürger, aber auf zehn Rothenburger Kirchgänger
kommt ebenfalls ein Siebenbürger.“ Die Verbundenheit
mit den evangelischen Gemeinden ist Wigant Weltzer wichtig. Allerdings
ging diese Bindung bei den späteren Aussiedlern merklich
zurück. „Sie waren traditionell Landwirte, wurden
aber bereits 1950/51 enteignet und zu Industriearbeitern“,
erklärt der Weltzer. „Da ist es nur
natürlich, dass sie ihre Verbundenheit mit der Kirche oft
nicht aufrecht erhalten konnten.“
Doch auch die Spätaussiedler aus Siebenbürgen waren
nicht die letzten Neubürger, die nach Rothenburg kamen. Der
Jugendmigrationsdienst der Evangelischen Jugendsozialarbeit setzt sich
für die Integration der nachwachsenden Generation von
Spätaussiedlern aus den Ländern der Ex-Sowjetunion
sowie der Kinder klassischer Gastarbeiter ein. Viele Russlanddeutsche
erinnerten sich noch an ihre evangelischen Wurzeln –
für Diakon Thomas Raithel vom Rothenburger
Jugendmigrationsdienst ein großer Schatz gerade für
fränkische Gemeinden. „Bei einer
Konfirmandenfreizeit waren plötzlich von 30 Jugendlichen zehn
russlanddeutscher Herkunft“, begründet er sein
Engagement. Und er fügt hinzu: „Plötzlich
ging mir auf: Die verstehen ja kaum etwas.“
Wichtig sind ihm und seinem Kollegen Oliver Huber neben individueller
Beratung und Hilfe – etwa bei der Planung des
späteren Berufsweges – vor allem interkulturelle
Sporttreffs. „Die Hemmschwelle zu einem Beitritt in
reguläre Vereine ist oft sehr hoch.“ Streetball
bietet sich da an – und wird gerne angenommen.
Der Sport und die Integration: Der neue Beauftragte für
Aussiedlerfragen des Bundes, Staatssekretär Christoph Bergner,
ist gleichzeitig für die Fußball-Weltmeisterschaft
zuständig. Zwar gibt es bei manchen traditionellen
Aussiedlerverbänden laut der
„Siebenbürgischen Zeitung vom Janaur die Sorge,
„dass ihre Angelegenheiten angesichts der
Weltmeisterschaftaft vernachlässigt“
würden. Doch im Sinne der Integration ließe sich aus
dieser Kombination einiges machen.
Susanne
Borée
Was zählt am Ende wirklich?
Mein
Freund hatte einen Weinberg und wartete darauf, dass er gute Trauben
brächte; aber er brachte schlechte. Wohlan, ich will euch
zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll
weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer
soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn
wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt
werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen. Des Herrn Zebaoth
Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine
Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe,
da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei
über Schlechtigkeit.
Jesaja
5, 1 - 7
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Das Weinberglied
des Propheten Jesaja ist ein Gleichnis für unser Leben mit
Gott. Alles was wir tun, steht in Zusammenhang mit dem Weinberg Gottes.
Foto: epd
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In
Pakistan brennen Kirchen. In Nigeria werden Christen getötet.
Aufgebrachte Volksmengen bringen ihren Zorn zum Ausdruck. Verletzte
religiöse Empfindungen oder von Verführern
aufgehetzte Massen? Was ist wirklich richtig? Auf der einen Seite
schlimme Barbareien, auf der anderen Seite das Gefühl, tief
gekränkt und in den ureigensten menschlichen Rechten verwundet
worden zu sein. Seinen Glauben leben zu dürfen und in der
Ausübung des Glaubens anerkannt zu werden, gehört zu
den wichtigsten menschlichen Rechten. Im Recht zu sein – das
nehmen oft Menschen für sich in Anspruch, die in Grausamkeiten
verstrickt sind.
Wer kann wirklich Recht und Gerechtigkeit für
sich beanspruchen? Dieser Frage geht der Prophet Jesaja in seinem
berühmten Weinberglied nach. Sein Lied knüpft die
fröhliche Stimmung des jüdischen Erntedankfestes an:
Es besingt die Arbeit eines Winzers. Die Freude am Leben kommt zum
Ausdruck: Arbeit und Mühe, Liebe und Glück,
Fröhlichkeit und Heiterkeit gehören dazu. Nur das
Ende passt nicht ins Bild: Die Belastungen und Anstrengungen waren
vergebens. Aber auch das gehört zum Leben, eine
fröhliche Stimmung erträgt einigen Ärger und
Misserfolg.
Nun wird das fröhliche Lied urplötzlich
ernst: Der Winzer gerät in Zorn. Er kündigt die
grausame Zerstörung seines geliebten Weinbergs an. Und Gott
kommt ins Spiel. Sein Urteil ist hart: „Er wartete auf
Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da
war Geschrei über Schlechtigkeit.“ Was
zählt am Ende wirklich? Was ist an dem, das wir Menschen
einbringen können, nach den Maßstäben
Gottes wertvoll? Nicht die fleißige Arbeit oder der gute
Wille, nicht die persönliche Rechtschaffenheit, sondern die
auf alle bezogene Gerechtigkeit.
Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg
ist das Lied einer enttäuschten Liebe. Gott ist
enttäuscht von seinem Liebeswerben um die Menschen. Das Lied
vom nutzlosen Weinberg will uns vor Augen führen: Eine
freundliche, gerechte Welt gibt es nur durch Gott. Wir Menschen
können uns für oder gegen Gott entscheiden. Was als
Zorn Gottes, als Zerstörung und Gericht beschrieben wird, ist
die Folgen unserer Entscheidung gegen Gott.
Trotz dieser Konsequenzen
bleiben wir nicht allein, denn Gottes Liebe zu dieser Welt ist
unerschöpflich. Was immer Menschen an Verhängnissen
und Nöten herbeiführen, Gott nimmt sich seiner
gequälten Schöpfung an. Wenn menschliche
Ungerechtigkeit alles zu bestimmen scheint, setzt Gott seine neue
Gerechtigkeit dagegen. Gott will seinen Weinberg nicht
zerstören. Gott hat sich entschieden – für
seine Schöpfung. Gott selbst bürgt dafür,
dass das Leben weitergeht.
Alles was wir tun und lassen, mit großer oder mit kleiner
Anstrengung, steht im Zusammenhang mit dem Weinberg Gottes. Es gibt
keine persönliche Rechtschaffenheit an der großen
Gerechtigkeit Gottes vorbei. Aber es gibt viele kleine Schritte und
Handlungen zu der großen Gerechtigkeit hin. Deshalb ist Gott
das scheinbar Unscheinbare wertvoll – die winzige Rebe, die
kleine Traube, die bescheidene Tat, ein gutes Wort. So ist der Weinberg
ein Gleichnis für unser Leben mit Gott: Wir sind umgeben von
Gottes Liebe und wirken in seiner Schöpfung mit als seine
Partner, wenn wir den Ruf nach seiner Gerechtigkeit trauen. Pfarrer
Dr. Alfred Seiferlein, Bechhofen
Gebet:
Herr mache mich zum Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe
übe, wo man sich hasst. Amen
Lied
EG 96: Du
schöner Lebensbaum des Paradieses
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