Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 6)

Vom namhaften Pianisten zum Evangelisten

Der Künstler Waldemar Grab gab alles auf, um Jesus nachzufolgen

Beim synodalen Jahresempfang auf der Hohen Rhön spielte er zunächst ganz bescheiden im Hintergrund am Piano. „Hintergrundmusik“, wie man sie allenthalben buchen kann. Aber der Mann, der sich da am Flügel hingebungsvoll zu seiner perlenden Musik wiegte, fiel mir zunehmend auf. Er spielte einfach noch besser, als man das von durchschnittlichen Pianisten kennt. Kein Wunder – als er dann vorgestellt wurde, erfuhr ich mit allen geladenen Gästen, dass uns an diesem Abend Waldemar Grab, langjähriger Präsident des Deutschen Pianistenverbands, unterhielt. Fürwahr kein gewöhnlicher Mann! Und wir gerieten immer mehr ins Staunen, als er dann auch sang – und aus seinem Leben erzählte.

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Waldemar Grab – Pianist und Christ aus Leidenschaft. Foto: Privat
   

Der Star-Pianist

Seine Biographie verrät: Waldemar Grab war zunächst gelernter Verlagskaufmann. Dann wurde er Flugbegleiter – und Krankenpfleger. Schließlich wurde er Abteilungsleiter in der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministers und flog bis 1982 in der Regierung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt und des Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher als Chef-Steward um die Welt. Franz Josef Strauß war es, der völlig außerplanmäßig während eines Fluges nach Kairo den damals 24-jährigen Waldemar Grab in 25.000 Fuß Höhe zum Oberfeldwebel beförderte – was eigentlich nur dem Bundesminister für Verteidigung zustand. Deshalb wurde schnell noch über Funk die Genehmigung des zuständigen SPD-Ministers eingeholt. Alles klappte.

Nach dieser Zeit wurde Grab CDU-Geschäftsführer des größten Hamburger Kreisverbandes sowie einer Werbegemeinschaft des Einzelhandels. Und er war Ghostwriter (Redenschreiber) verschiedener Hamburger Politiker und Wirtschaftsfachleute.
Der Hobby-Pianist, der als Bub acht Jahre lang Klavierunterricht erhalten hatte, ließ es sich bei alledem nicht nehmen, sich während seiner beruflichen Unternehmungen auch immer wieder in Bars oder bei Privatfeiern ans Klavier zu setzen. Nach einigen Jahren hatte er nebenbei so viele Engagements als Musiker, dass er seinen Beruf aufgab und das Hobby zur Berufung machte. Er wechselte ins Profilager, gründete eine Agentur für Profi-Pianisten und hatte nach einer ausgeklügelten Werbestrategie bereits nach einigen Monaten fast 200 Pianisten unter Vertrag, die irgendwo in Deutschland für ihn auf dem „Klavierhockern“ saßen. Sein Klavierspiel war so spritzig und brillant, dass er in einer Lübecker Piano-Bar von keinem Geringeren als André Rieu vom Fleck weg für ein Konzert in Maastricht (Holland) gebucht wurde. Aber auch mit Paul Kuhn, Peter Alexander, Michael Schanze sowie vielen anderen saß er an den Tasten. Von 1994 bis 2000 war er dann Präsident des Deutschen Pianistenverbandes. Er kam zum Fernsehen und spielte im Hamburger „Großstadtrevier“ sowie im „Tatort“ als Pianist mit. 1993 machte er seine erste Kreuzfahrt als Show-Pianist. Nachdem TV-Produzent Wolfgang Rademann in einem Hamburger Hotel auf ihn aufmerksam wurde, fuhr Waldemar Grab mit dem ZDF-Traumschiff „MS DEUTSCHLAND“ über die Weltmeere.
Doch mit der Zeit erfüllte es ihn nicht mehr, mit „falschen Freunden“ und „goldenen Wasserhähnen“ durch die Welt zu ziehen. Er änderte sein Leben schlagartig. Ich unterhielt mich mit dem Lebenskünstler.

Lieber Herr Grab, Helmut Schmidt, Genscher, Strauß, André Rieu – ein Leben mit Prominenten! Da hätten Sie doch sicher manch besonderes Erlebnis zu berichten?

Ja, eine ganze Menge. Manche kann man bereits nachlesen, manche Geschichtchen kommen noch, über andere spricht man nicht. So genannte Highlights meiner Laufbahn waren die intensiveren Begegnungen mit Franz-Josef Strauß und seiner Familie, mit André Rieu, mit seiner Majestät, dem König von Tonga, mit Horst Naumann, Berti Vogts, Siegfried Jerusalem, Sabine Christiansen, April Hailer und vielen, vielen mehr. Es waren Begegnungen, die nicht flüchtig waren, sondern in denen es Ereignisse oder Gespräche gab, die auf beiden Seiten hängen blieben, da bin ich sicher.

Sie haben wirklich ein halbes Leben lang aus dem Koffer gelebt?

Ja, in der Tat. Bei der Flugbereitschaft waren es weit über 11.000 Flugstunden, die ich mit den Herrschaften „in der Luft“ war. Und auf den Weltmeeren waren es mehr als 100 Reisen mit der Deilmann-Flotte. Das prägt und verändert einen.

Inwiefern?

Eigentlich bin ich gar nicht so der „gesellige“ Typ. Nach jedem Auftritt oder Engagement verkrümele ich mich meistens sofort in eine stille Ecke. Ich war eigentlich immer auf der Suche nach Erfolg, oder – wie ich es heute sagen würde – nach Feedback oder Liebe. Und so steigerte ich mich in den Job hinein, wollte besser und besser werden, doch das Privatleben blieb auf der Strecke. Es ging mir wie den meisten Künstlern: Man vereinsamt mitten auf der Bühne, während einem die Menschen zujubeln.

Sind Sie denn verheiratet?

Tja, ich bin geschieden, habe eine Tochter, sie ist jetzt 25.

Sie waren in der Politik bei den „ganz Großen“ dabei und haben auch im Showgeschäft immer wieder vorne gestanden. Trotzdem haben Sie diese Tätigkeiten nach 20 Jahren aufgegeben. Warum?

Ich habe mich während der Jahre auf dem ZDF-Traumschiff sehr stark mit den verschiedenen Religionen und Kulturen dieser Welt beschäftigt. Das machen viele, die intensiv und gerne reisen. Doch je mehr ich über andere Religionen erfuhr, desto weiter habe ich mich von ihnen entfernt. Keine, wirklich keine, hatte das zu bieten, was mir der christliche Glaube anbot. Und so entschied ich mich eines Nachts in der Südsee, an Deck des Traumschiffes, ganz alleine, mit meiner Bibel in der Hand, neu für den Glauben an Jesus Christus. Nicht einfach nur so, sondern ich übergab ihm mein ganzes Leben, legte ihm Gegenwart und Zukunft in die Hände. Von da an wusste ich, dass ich, egal was auf mich zukommt, unter seinem Schutz stehe. Ich werde von Gott so geliebt, wie ich es mir ein Leben lang gewünscht hatte. Und ich weiß nun endgültig, dass ich nach dem Tod in alle Ewigkeit bei Gott sein darf. Das ist eine Gewissheit, die mir kein Guru oder Prophet dieser Welt geben kann.

Und wie ging es seit damals weiter?

Mir wurde sehr bald klar, dass „Pianist“ nicht mehr mein Job fürs Leben sein konnte. Und dass ich – auch wenn ich sozusagen die ganze Welt gewonnen hatte – die Jahre zuvor bereits gehörigen „Schaden an meiner Seele“ genommen hatte, wie es in Lukas 9,25 heißt. Also schrieb ich einen freundlichen Brief an die Reederei, auf den ich aber nie eine Antwort bekam. So ging ich einige Monate später in der Karibik von Bord. Schneller und anders, als ich es immer geplant hatte. Das ist jetzt 14 Monate her. Ich habe meine Hamburger Wohnung aufgelöst, alles weggegeben oder verkauft, habe kaum noch Besitz und studiere nun im zweiten Semester an der Bibelschule am „Neues Leben“-Seminar in Wölmersen, um mich für einen vollzeitlichen Verkündigungsdienst vorzubereiten. Meinen Unterhalt verdiene ich durch christliche Liederabende und Predigtdienste in christlichen Kirchen. Und ich kann Ihnen versichern, ich bin glücklicher und „reicher“, als ich es jemals zuvor war!

Weiteres auf Waldemar Grabs Homepage: www.spirit-piano.de.

Werner Thiede

 


 

Worauf wir stolz sein können

Wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne; dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr.
Jeremia 9, 23

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Der Einzelne kommt in der Masse der modernen Konsumgesellschaft wenig zur Geltung. Durch Gott kommt uns die Geltung zu, die wir brauchen, sagt der Prophet Jeremia. Der Prophet hebt die Wege in die Zukunft mit Signalfarbe hervor. Foto: epd
   

„Ich fühle mich nicht verstanden. Niemand beachtet, was ich kann.“ Diese Sätze hört man an vielen Stellen. Oft ist die Klage berechtigt. Der Einzelne bekommt in der Konsumgesellschaft nicht genug Geltung. Nicht der Mensch zählt, sondern Erfolg und Geld. Hat das etwas zu tun mit der Botschaft aus dem Mund des Jeremia? Aus dem Prophetenwort gehen zwei Linien hervor. Uns wird gesagt: Verlass dich auf Gott, der dafür sorgt, dass dir Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit zuteil werden. Wer sich rühmen will, der soll darin seinen Ruhm finden, dass er klug ist und den Gott kennt, der so für uns sorgt. Modern ausgedrückt: Wer auf sich stolz sein will, der soll darauf stolz sein, dass er klug ist und Gott kennt. Da wird mir Geltung zuteil, die ich brauche. Dies hebt der Prophet als Klugheit hervor.

Beim Apostel Paulus lesen wir ähnliche Sätze. Er will sich nicht selbst rühmen. Er spricht vielmehr von dem Ruhm, der ihm durch das Kreuz des Herrn Jesus Christus geschenkt wurde (Galater 6,14). Da ist für ihn gesorgt. Da ist ja ein Ruhm für jeden Menschen da. Das ist die eine Linie, die von diesem Wort ausgeht. Sie ist eine tröstliche Botschaft für alle, die darunter leiden, dass sie nicht gebührend geachtet werden. Christus am Kreuz hat mich so geschätzt. Er erhebt sich nicht über mich. Er wendet sich nicht von mir ab. Das stärkt mein verletzliches Ich und mein ganzes Selbstwertgefühl. Der Prophet sieht darin die Klugheit, dass er diesen Gott kennt. Die andere Linie aus dem Prophetenwort greift kritisch in unser Denken ein. Viele Erfahrungen – gute und schlechte – prägen uns heute. Wenn wir wollen, dass unser Können nicht unbeachtet bleibt, dann stehen wir damit ja nicht allein. Viele raten uns dazu. Wir sind verschiedene Typen. Ob Weisheit, ob Stärke oder ob Reichtum in den Vordergrund tritt, hängt von unserem Typ ab. Damit wollen wir uns so ger- ne rühmen, wollen wir stolz auf uns sein. Wir sollen das nicht tun, weil das nicht wirklich klug ist – so müssen wir aus dem Text folgern.

Da prallen verschiedene Welten aufeinander. Paulus wusste schon, dass das Wort vom Kreuz von Menschen oft als Torheit aufgefasst wird. Ihm war es jedoch die Kraft von Gott, aus der heraus er selig werden wollte. Diese zweite Linie des Prophetenwortes markiert einen Gefahrenbereich. Hier werden die Wege mit Signalfarbe hervorgehoben, die nicht klug sind und die nicht weiter in die Zukunft führen. Der Prophet hat ein Wort von Gott weiter zu sagen. Es soll den Menschen durch kritische Mahnung helfen. Mit diesem Wort machte der Prophet sich nicht gerade beliebt. So etwas hören wir Menschen nicht gern. Kein Wunder, dass der Prophet vor dieser Aufgabe, Gottes Wort unverändert den Menschen zu sagen, auch einmal zurück geschreckt ist.

Bei genauem Hinsehen merken wir es. Auch diese kritische Linie aus der Botschaft wendet sich uns zu. Sie ruft uns zum Herrn. Er verwirklicht Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit auf unserer Erde. Das ist die Liebe Gottes, die durch das kritisch-wegweisende Wort des Herrn hindurch klingt. Wir würden uns Schaden zufügen, wenn wir diese Frage an uns vorschnell zurückweisen. Sie hilft uns. Wir bleiben nicht in der Sackgasse stecken. Wir können einen erfüllten Weg mit und zu Gott gehen.

Pfarrer Rudolf Keller, Neuendettelsau

Gebet: Lieber Herr und Gott, du rufst uns durch dein Wort zu Dir. Gib uns offene Ohren, dass wir deine Stimme im Gewirr der Meinungen erkennen und ihr folgen. Du bist mein Herr. Das ist meine Klugheit. Ich danke dir, dass du mir die Tür geöffnet und mir Heimatrecht gegeben hast. Amen.

Lied EG 91, 5+6: Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden

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