Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 5)

Mit Couscous und Bibel zu mehr Verständigung

Die Nürnberger „Brücke“ fördert das Gespräch zwischen Religionen

In der Leonhardstraße in Nürnberg reden sie miteinander: Christen und Muslime, Frauen und Männer, Türken und Deutsche, Iraner und Iraker. Seit 1993 treffen sie sich im kirchlichen Begegnungszentrum „Brücke – Köprü“. Es sind Frauen, die bei Tee und Gebäck über Gott und die Welt schwatzen. Regelmäßig kochen sie miteinander christliche und muslimische Gerichte, die zu Weihnachten, Ostern oder zum Fest des Fastenbrechens auf den Tisch kommen. Bei persischem Linsenreis, Couscous aus Tunesien oder fränkischer Kürbissuppe lässt es sich eben leichter erzählen über Kinder und Familie, den Alltag und die eigene Religion. Seit diesem Jahr ist das Angebot auch um jüdische Speisen erweitert worden, erzählt der Leiter der „Brücke“, Pfarrer Hans-Martin Gloël, der nun auch auf jüdische Interessenten hofft.

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In der Nürnberger „Brücke“ kochen Frauen aus unterschiedlichen Herkunftsländern gemeinsam...
   

Bibel- und Korankreis

In der „Deutschsprechstunde“ pauken einmal wöchentlich Türkinnen, Iranerinnen und Irakerinnen ihre ersten Lektionen. Auch Nevin Durak hatte hier angefangen, Deutsch zu lernen. Jetzt kommt die zarte Türkin im Nadelstreifenanzug zweimal im Monat zum Bibel- und Korankreis. Neben ihr sitzt Leila Dörr, eine Kopftuch tragende Muslimin. Die Tochter eines Marokkaners und einer Spanierin wuchs in Frankreich auf und lebt jetzt in Nürnberg. „Ich habe keine Probleme mit Maria und Jesus“, sagt sie selbstbewusst. Am Bibel- und Korankreis nimmt sie ebenso teil wie ihr künftiger Verlobter Wolfgang Scheffbuch. Der aus streng christlichen Kreisen stammende Nürnberger arbeitet seit einigen Jahren ehrenamtlich in der „Brücke“ mit. „Nicht nur Ausländer müssen sich in Deutschland integrieren. Auch die deutsche Gesellschaft muss sich verändern und kann nicht so bleiben wie vor 20 Jahren“, meint er selbstkritisch.

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...persischen Linsenreis, Couscous aus Tunesien, aber auch fränkische Kürbissuppe.
   

„Ressentiments abzubauen und einen kleinen Beitrag zum Frieden zwischen Christen und Muslimen zu leisten“, lautet das Credo der „Brücke“, dem sich die zwei Hauptamtlichen, neben Pfarrer Gloël die Diakonin Doris Zenns, und die rund 25 Ehrenamtlichen verpflichtet fühlen. Zu mehr als 100 Vorträgen und Seminaren in Bayern waren der Pfarrer und die Diakonin im vergangenen Jahr in der Brücke-Mission unterwegs. Nicht ganz ohne Erfolg: Im Herbst hat das deutschlandweit einmalige Zentrum den interkulturellen Preis der Stadt Nürnberg erhalten und wird inzwischen vom Bundesinnenministerium als Musterprojekt gelobt. Getragen wird es unter anderem vom bayerischen Missionswerk, der finnischen Mission und der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis.

Seit einigen Monaten bereichert der offene Treff „Oase“ das Programm. „Wir gehen gemeinsam arabisch oder türkisch Essen, unterhalten uns, tanzen, spielen und hören orientalische Musik“, erzählt Christine Dörr, die an einem Freitag im Monat die „Oase“ leitet. Die 22-Jährige fand durch ihren türkischen Freund vor einem Jahr in die Leonhardstraße. Damals wollte sie mehr vom Islam erfahren. Heute studiert sie in Erlangen Islamwissenschaften, nachdem sie ihren Job als Bankkauffrau an den Nagel gehängt hat.

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Der Leiter der „Brücke“, Pfarrer Hans-Martin Gloël (ganz links) mit den Mitgliedern vom Bibel-Koran-Kreis. Fotos: Privat
   

Gegenseitiges Lernen

Die Brücke-Angebote kann auch Azzam Zeitoum aus Regensburg gut nutzen. Der Libanese ist mit einer deutschen Ärztin verheiratet und fährt, wann immer es geht, nach Nürnberg. Vor sechs Jahren kam er nach Deutschland, hat den Schulabschluss nachgemacht, eine Lehre als Kfz-Mechaniker angehängt und obendrein noch Betriebswirtschaft studiert. Obwohl er fast ausschließlich deutsche Freunde hat und perfekt Deutsch spricht, spürt der 31-Jährige die Vorbehalte gegen Ausländer überall. „In Geschäften halten die Leute ihre Tasche fest, als sei ich ein Dieb.“
Seiner Meinung nach wissen die Deutschen einfach oft zu wenig vom Islam und werfen deshalb alle Menschen mit schwarzer Haarfarbe und orientalischem Aussehen in einen Topf: „Eigentlich lebe ich ganz normal“, sagt er. „Ich trinke Alkohol, glaube an Gott, bin Muslim und stolz darauf. Und trotzdem werde ich wie ein Terrorist angesehen.“

Annekathrin Jentsch

 


 

Jesus: A und O, Anfang und Ende steht da!

Ich, Johannes, euer Bruder, bin auf der Insel Patmos gewesen, in der Verbannung, weil ich Gottes Wort lehrte und Jesu Zeugnis vertraute. Es war ein Sonntag, nach Sabbath, die Stunde des Herrn, als ich auf einmal die Stimme hörte. In meinem Rücken, laut dröhnend wie eine Posaune. Als ich mich umwandte, sah ich, auf einmal, die sieben goldenen Leuchter und in ihrer Mitte den MENSCHEN, bekleidet, bis zu seinen Füßen mit einem langen Gewand. Die Augen: lodernde Flammen, und seine Füße: glühendes, im Ofen zerschmelzendes Erz, funkelnd wie Gold. Da! In seiner Rechten die Sterne: sieben! Und sein Mund: ein mächtiges, doppelschneidiges Schwert. Wie die Sonne, hoch im Zenit, ein strahlender Ball, so war sein Anlitz. Als ich ihn sah, warf ich mich nieder vor ihm. Er aber legte die Rechte auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte. Der Lebendige bin ich. Ich war tot, aber jetzt lebe ich wieder von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Offenbarung 1, 9–18 i. A.

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Die moderne Christusfigur in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin. Der segnende Jesus schwebt vor einem tiefen Blau und lässt so eine tiefe Ahnung von seiner Weltenherrschaft erahnen. Foto: Imago
   

Starker Tobak sind die Worte des judenchristlichen Propheten Johannes im Buch der Offenbarung. Er lebte am Ende des ersten Jahrhunderts herum auf der Insel Patmos in Verbannung und hat uns seine Vision als Brief hinterlassen. Das letzte Buch der Bibel ist voll von Symbolen, Bildern und Kreaturen, die gut aus einem modernen Horrorfilm stammen und einen leicht ängstigen können. Vieles in der Offenbarung ist uns eher befremdlich und lehrt uns vielleicht das Fürchten, etwa die Beschreibung der Endzeit oder der Kampf zwischen Gut und Böse. Manches wiederum kommt uns sehr vertraut vor, wie das „Fürchte dich nicht“, das insgesamt 63 mal in der Lutherbibel, von der Weih–nachtsgeschichte bis hin zur Erzählung des Ostermorgens, vorkommt. Ich habe zwei Bilder bei dem Text vor Augen. Da ist zum einen die Beschreibung des Menschen, den Johannes sieht: Bekleidet, bis zu den Füßen mit einem langen Gewand. Die Füße: funkelnd wie Gold. Wie die Sonne, hoch im Zenit, ein strahlender Ball. Ich kenne auch so eine Christusfigur. Hoch schwebend, Gold funkelnd und strahlend und segnend. Mitten in der oft hektischen und lauten Hauptstadt Berlin ist sie in der neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche zu sehen. Schon beim Eintritt in die Kirche bekomme ich durch das tiefe Blau eine Ahnung von der Unendlichkeit Gottes. Mittendrin die Christusfigur.

Zum anderen sind es die Osterkerzen, die ich gestalte. Alpha und Omega sind immer darauf abgebildet. Der erste und der letzte Buchstabe des griechischen Alphabetes sind für mich von jeher Sinnbild für das, was das Ostergeschehen aussagt: Verzweifelt nicht! Das, was ihr leidet, ist überwunden. Eurem Leid steht der Sieg Jesu gegenüber. Er hat gesiegt über die Mächte, vor denen ihr Angst habt, sogar über den Tod. Und: Jesus Christus ist erhöht in den Himmel, um uns zur Rechten Gottes mit seinem Segen beizustehen. „Fürchte dich nicht – von Weihnachten bis zum Karfreitag. Fürchte dich nicht – vom Karfreitag bis zum Ostermorgen“. Ich bin Alpha und Omega, der Erste und der Letzte. Unter meinem Segen könnt ihr leben, an jedem neuen Tag. Was für eine Prophezeiung und Offenbarung!

Prädikantin Manuela Noack, Rothenburg ob der Tauber

Gebet: Unser Herr Jesus Christus, erfülle du die ganze Erde mit deinem Glanz, der von dir ausgeht, damit alle Menschen deine Herrllichkeit immer wieder – von Ewigkeit zu Ewigkeit – neu erfahren können. Amen.

Lied EG 66,8: Jesus ist kommen, die Ursach zum Leben

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