Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 4)

ZDF attackiert erneut christliches Jesus-Bild

"Terra X-Sendung wärmt Scheintod- und Indien-Thesen auf

Beim ZDF ist es schon Tradition: Informationssendungen über Jesus stellen das christliche Jesus-Bild – gemeint sind Grundaussagen über Jesus Christus nach Schrift und Bekenntnis – massiv in Frage. Und zwar meist aus der Warte esoterik-naher Positionen. So sahen sich Millionen von Zuschauern am Sonntagabend, den 22. Januar, mit merkwürdigen Thesen und Hypothesen über Jesu Leben und Tod konfrontiert. In der „Terra X“-Folge „Der Fall Jesus“ von Renate Beyer wurde die rund ein Jahrhundert alte Legende, Jesus sei in seinen unbekannten Jahren in Indien gewesen und dort schließlich auch gestorben, neu und mit spürbarer Sympathie aufgewärmt.

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Natürlich kann und muss sich jeder sein eigenes Bild von Jesus machen. Aber sich hierbei an den geschichtlichen Vorgaben zu orientieren, das sollte auch auf dem Gebiet der Religion – zumindest wenn es sich um geschichtlich gebundene Religionen handelt – Gewissenssache sein. Foto: Imago
   

Jesus in Kaschmir begraben?

Das Ganze geschah unter dem hochtrabenden Untertitel „Der Galiläer im Visier der Forschung“. Dabei wurde insgesamt der unzutreffende, ja irreführende Eindruck vermittelt, als drehe sich „die“ Forschung um genau diese Fragen – und als sei die „Indien“-Legende am Ende genau so wahrscheinlich oder unwahrscheinlich wie die „legendären“ Darstellungen der neutestamentlichen Evangelien. In Wahrheit diskutiert ernsthafte Forschung diese Thematik praktisch kaum. Es handelt sich um sektiererische Hypothesen und höchst fragwürdige Quellen, mit deren Hilfe eine Nähe zwischen Jesus und Buddhismus, zwischen Auferstehungs- und Seelenwanderungsglaube konstruiert werden soll, die ihrerseits wissenschaftlich gerade nicht seriös behauptet werden kann. Tatsache ist vielmehr: Die dem christlichen Glauben grundsätzlich entgegenstehenden Behauptungen, Jesus sei in jüngeren Jahren in Indien gewesen, in Jerusalem nicht wirklich gestorben und später wiederum in Kaschmir begraben worden, sind religionswissenschaftlich längst als unhaltbar widerlegt. Autoren wie Siegfried Obermeier („Starb Jesus in Kaschmir?“, 1993) und Holger Kersten („Jesus starb in Indien“, 1983), die derlei Thesen populär machten, sind zu keiner Zeit Universitätswissenschaftler gewesen.

Dagegen hat der seriöse Religionswissenschaftler Norbert Klatt bereits 1988 in seinem Buch „Lebte Jesus in Indien? Eine religionsgeschichtliche Klärung“ mit dieser Art von Volksverdummung aufgeräumt. Auch Günter Grönbold („Jesus in Indien – das Ende einer Legende“,1985) und Salcia Landmann („Jesus starb nicht in Kaschmir. Ohne Kreuzestod kein Christentum“,1996) haben dazu beigetragen, der vorsätzlichen Verwirrung entgegenzutreten.

Das ZDF ist sich nun wieder einmal nicht zu gut gewesen, pseudo-wissenschaftliche Thesen um Jesus neu aufzuwärmen. Es begann in der besagten „Terra X“-Sendung schon damit, dass gesagt wurde, „manche Forscher“ gingen davon aus, dass Jesus vor Beginn seiner Verkündigungstätigkeit verheiratet gewesen sei. Dabei hatte ein anderer ZDF-Film in derselben Reihe erst eine Woche zuvor (siehe Meldung auf Seite 4) entsprechende esoterisch geförderte Thesen dieser Art als „Legenden“ kritisch entlarvt. Doch jener Beitrag scheint eine Ausnahme gewesen zu sein. Dabei hätten genau die Thesen vom „indischen“, nämlich buddhismus-getränkten Jesus und vom Jerusalemer „Scheintod“ genau derselben, hellsichtigen Entlarvung bedurft.

Jesus von Buddha inspiriert?

Schon vor über hundert Jahren hatte der Religionswissenschaftler Richard Garbe zu bedenken gegeben: „Die Ähnlichkeiten zwischen buddhistischen und neutestamentlichen Erzählungen haben einen Tummelplatz des Dilettantismus geschaffen, auf dem seit langer Zeit ein fröhliches Leben herrscht“ (Indien und das Christentum. Eine Untersuchung der religionsgeschichtlichen Zusammenhänge“, 1914). Die neue ZDF-Sendung bleibt hier dilettantisch und fragt suggestiv: „Ließ sich der Begründer des christlichen Glaubens von Buddha inspirieren?“ Die Sendung sinnierte: Übte sich der Mann aus Nazareth in indischer Askese? Hat er vielleicht deshalb auch die Kreuzesmarter überlebt?

Die Zuschauer bekamen zu hören, beispielsweise das Wunder von der Brotvermehrung Jesu sei von der Art, wie sie nur Magiern zugesprochen werde. Dass die betreffende Wundererzählung im Neuen Testament aber nichts mit Magie oder Esoterik zu tun hat, jedoch sehr viel mit einer sehr ähnlichen Geschichte im Alten Testament, wird verschwiegen.

Keine handfesten Argumente

Erst im Laufe der Neuzeit war die Behauptung aufgetaucht, dass Jesus nicht am Kreuz gestorben, sondern nur scheintot gewesen sei und weitergelebt habe. Aus mancherlei durchsichtigen Interessen heraus, zu denen gewisse sektierische ebenso zählen wie rationalistische, wurde jene Scheintod-These logischerweise mit einer Negation der Auferstehungsbotschaft verknüpft. Man begegnet derartigen Versuchen innerhalb der modernen theologischen Diskussion seit Heinrich Eberhard Gottlob Paulus (1761-1851), dessen Buch „Das Leben Jesu als Grundlage einer reinen Geschichte des Urchristentums“ (1828) etliche Nachahmer gefunden hat – bis hinein in unsere Zeit.

Dass derlei Konstrukte jedoch in der Sache unhaltbar sind, haben nicht nur namhafte Neutestamentler wie Martin Hengel und Roman Heiligenthal, sondern selbst ein Journalist wie Günther Nenning („Buddha, Jesus und der Rest der Welt“, 1999) vermerkt. In der ZDF-Sendung selbst betonte der Neutestamentler Professor Wolfgang Stegemann von der Augustana-Hochschule Neuendettelsau, es gebe keinen Hinweis, dass Jesus je das Land Israel verlassen habe. Aber solche Aussagen und ähnliche Interview-Ausschnitte dienten in dem Film, der durchsichtig ein anderes Ziel verfolgte, lediglich dazu, den Anschein der Seriosität zu wahren.

Dem von den ältesten Quellen überlieferten Befund des Todes Jesu am Kreuz entspricht das Apostolische Glaubensbekenntnis, wenn es ausdrücklich formuliert: „gestorben und begraben“. Der höchst spekulative ZDF-Beitrag über den „Fall Jesus“ richtet sich wie schon manch früherer Jesus-Film des ZDF – etwa 2003 in der Reihe „Discovery“ oder eine Sendung über „Maria Magdalena“ am Karfreitag 2005 – der Intention nach gegen das christliche Grundbekenntnis, ohne wirklich substanzielle Argumente in der Hand zu haben. Eigentlich ein Skandal!

Werner Thiede

 


 

Füreinander beten

Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet, dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwenglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat.
Epheser 1,15–20a

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Paulus bittet um den Geist der Weisheit für seine Mitchristen. Im Gottesdienst bitten wir für alle Menschen und dazu brauchen wir den Heiligen Geist. Foto: epd
   

„Einfach spitze, dass ihr da seid!“ sagt mir eine Freundin zum Jahresanfang und strahlt mich an. Ich freue mich wie ein Kind – was für ein Geschenk! Worte, die wärmen mitten im Winter und die Mut machen, den Weg in das Jahr hoffnungsvoll zu beginnen – wo ich doch gelegentlich so gar nicht zufrieden mit mir und meinem Da-Sein bin und das Gefühl habe, mir selber und anderen im Weg zu stehen. Und da kommt jemand und sagt „Danke“ dafür, dass es mich gibt. Sicher ist das auch ein Danke an mich – aber doch nicht nur. Mein Da-Sein ist schließlich keine Leistung, sondern Geschenk: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin!“ lautet die Losung aus dem 1. Korintherbrief, die ich im Neujahrsgottesdienst für mich gezogen habe. Sie gilt nicht nur mir, sondern allen Menschen. Grund genug, Gott zu danken für die wunderbare Vielfalt an Menschen, die um mich herum leben, für ihren Glauben und ihre Liebe.

Für Paulus sind seine Mitchristen Grund zum Danken: „Ich höre nicht auf, für euch zu danken...“ Mich beschämt das ein wenig, empfinde ich doch manchmal Mitchristen als lästig, ja geradezu als Last, die zu tragen ich nicht immer gewillt bin. Wer kennt das nicht: Menschen, bei denen ich am liebsten die Straßenseite wechseln würde, weil sie immer so viel zu erzählen haben, besonders, wenn vor mir ein wichtiger Termin liegt. Oder Menschen, die immer gute Ratschläge parat haben, die ich aber gerade überhaupt nicht hören will. Menschen, die anscheinend immer Streit suchen, selbst wenn es um nichtige Dinge geht. Möglicherweise bin ich selbst einer von diesen Menschen?

Sicher ist auch Paulus nicht immer nur gut mit allen ausgekommen. Aber in dem, was er für die Gemeinde in Ephesus tut, liegt ein Schlüssel zu dem Geheimnis, wie wir alle als Christen in aller Unterschiedlichkeit miteinander und füreinander leben können. Denn Gott „Danke“ sagen, auch für die Menschen, mit denen ich es schwer habe, kann Leben verändern – das der anderen und meines. Ein Dankgebet zu sprechen lenkt den Blick darauf, dass jeder von Gott seine besondere Würde und seinen eigenen Wert bekommen hat – und ich darf mich daran machen, ihn zu entdecken. Für einen anderen Menschen danken macht mich aufmerksam auf seine Stärken und barmherzig im Umgang mit seinen Schwächen. Es lässt mich den anderen mit den Augen Jesu sehen. Und dann erkenne ich auch, wo mein Nächster meine Fürbitte braucht. Um den Geist der Weisheit für seine Mitchristen bittet Paulus; darum, dass sie Christus erkennen. Im Gottesdienst bitten wir für alle Menschen, die Gottes Nähe brauchen. Auch den Menschen in unserem persönlichen Umfeld tut ein Gebet für sie gut – so wie es uns guttut, wenn andere für uns beten: „Ich danke Gott, dass du da bist; und ich bitte ihn, dich zu bewahren. Amen.“

Pfarrerin Katharina Winkler, Rothenburg

Gebet: Herr, unser Gott, lass uns füreinander sorgen – durch Essen und Trinken, Kleidung und ein Dach überm Kopf, und durch unsere Gebete, Gedanken der Liebe für die Menschen, die uns aufgetragen sind. Amen.

Lied EG 334: Danke für diesen guten Morgen

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