Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 3)

„Rothenburg aus der Kiste“

Modellprojekt für arbeitslose Jugendliche wird durch Diakonie gefördert

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Stolz werden die ersten Modelle der Bauwerke, die Gustav Weltzer entworfen hat, präsentiert.
   

Am Anfang stand eine Idee von Steffen Schroth, dem Leiter der Projektschmiede Rothenburg. Arbeitslosen Jugendlichen sollte irgendwie geholfen werden. Nach vielen Überlegungen und Gesprächen kristalisierte sich dann das Projekt „Rothenburg aus der Kiste“ heraus. Im Mittelpunkt des Projektes steht nun ein Produkt, das gemeinsam mit Gustav Weltzer, einem Stadthistoriker und Künstler, und den Jugendlichen gestaltet und erweitert wird. Dabei handelt es sich um eine Holzkiste, die ansatzweise die Umrisslinie der Stadt Rothenburg beschreibt. In dieser Kiste befinden sich die Häuserfrontansichten berühmter Bauwerke der Stadt. Diese können, bis auf die Tore, auf der Kiste frei bewegt werden. Tore und Türen sind zum Teil ausgeschnitten, so dass sich immer verschiedene Sichtwinkel ergeben. Das Set eignet sich also zum Spielen für Kinder, aber auch zu dekorativen Zwecken, etwa um in einem abgedunkelten Raum ein wunderbares Lichtspiel mit immer neuen Variationen zu entwickeln.

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Steffen Schroth ist mit viel Engagement bei der Sache, um seine Idee zu Verwirklichen.
   

Lernen von A-Z

Für die arbeitslosen Jugendlichen dauert die Maßnahme sechs Monate. In dieser Zeit sollen sie ganzheitlich lernen. Symbolisch ausgedrückt, von A-Z in den Produktionsablauf eingegliedert werden. Dazu konnten viele Unterstützer gewonnen werden, die die Jugendlichen auf ihrem Weg begleiten. So ist eine Schreinerei gewonnen worden, die beim praktischen Arbeiten hilft. Auch Dieter Koch, ein ehemaliger Berufsschullehrer, ist mit von der Partie. Er unterrichtet die Jugendlichen einmal pro Woche; dazu hat die Berufsschule Rothenburg-Dinkelsbühl eigens einen Raum bereitgestellt. Dort können mit den Teilnehmern die Schablonen aus Kunststoff hergestellt, aber auch Raumberechnungen und Grundrechenarten vermittelt werden. Auch Themen wie Arbeitssicherheit und Betriebswirtschaft stehen auf dem Stundenplan.
Dieter Koch beteiligt sich gern in seiner Freizeit am Projekt: „Es macht mir großen Spaß, die Jugendlichen zu motivieren und mitzuhelfen, ihnen ein neues und eigenes Selbstwertgefühl zu vermitteln.“

Eigener Betrieb

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Selbst einfach so in der Werkstatt aufgestellt, beeindruckt das „Stadtbild“ Rothenburgs bereits.
   

Gemeinsam mit den Jugendlichen wird eine „Übungsfirma“ gegründet. Organisatorisch wird sich die Firma in Produktion, Vermarktung und Vertrieb gliedern. Je nach ihren Stärken können die Jugendlichen verschiedene Aufgabengebiete innerhalb des Unternehmens einnehmen. Auch ein Wechsel innerhalb des Unternehmens ist natürlich möglich und sogar gewünscht. Durch die Vernetzung ist es zum Beispiel möglich, dass ein Jugendlicher zusammen mit einer Werbeagentur die Vermarktung und Präsentation des Produktes in die Wege leitet. Koch fügt an: „Die Jugendlichen lernen viele Bereiche kennen und wir können dann sehen wo wir sie später einmal einsetzen können.“
Für die Zuweisung der Jugendlichen zu diesem Projekt ist die ARGE (Arbeitsgemeinschaft) und die Agentur für Arbeit des Landkreises Ansbach zuständig. Die jungen Menschen sollen durch die Übungsfirma und ihr Produkt eigenständiges, unternehmerisches Handeln erlernen. Realistische, marktwirtschaftliche Gegebenheiten sollen erkannt werden.
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Die Jugendlichen sind mit großem Eifer bei der Sache. Bei so viel Fleiß müssen auch ständig Sägeblätter ausgetauscht werden. Fotos: M. Noack
   
„Wir wollen ihre eigenen Stärken und auch Schwächen herausarbeiten und durch die breite Vernetzung von Unternehmern, Dienstleistern und Bevölkerung, Integration und gleichfalls Motivation schaffen“, sagt Steffen Schroth über das Modellprojekt, das inzwischen über die Grenzen Rothenburgs hinaus Beachtung gefunden hat.
Das Projekt wird jetzt von der Diakonie mit 8000 Euro Anschubfinanzierung gefördert. Diakoniepräsident Ludwig Markert erläutert: „Rothenburg aus der Kiste“ hat Modellcharakter für ganz Bayern. Die Idee, regionale Ressourcen geschickt zu nutzen, um Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit erfolgreich zu initiieren, sollte Schule machen und von anderen diakonischen Werken in Bayern aufgegriffen werden. Modellfunktion hat das Projekt vor allem auch, weil es auf jede andere Stadt leicht zu übertragen ist.

Weitere Informationen zum Projekt, das sich derzeit um den Deutschen Förderpreis „Jugend in Arbeit“ bewirbt, sowie Angaben zu den Kosten des Produktes „Rothenburg in der Kiste“ sind erhältlich bei der Rothenburger Projektschmiede e.V., Schlachthofstraße 37 c, 91541 Rothenburg ob der Tauber oder unter der Telefonnummer: 09861/935133 und per Fax unter: 09861/935132. Ebenfalls kann man Anfragen an die E-mail-Adresse: Rothenburger.Projektschmiede@t-online.de senden und sich im Internet unter: www.projektschmiede.org informieren.

Manuela Noack

 


 

Grenzenlos frei werden

Naaman, der Feldhauptmann des Königs von Aram, (...) war ein gewaltiger Mann, jedoch aussätzig. Aber die Kriegsleute der Aramäer (...) hatten ein junges Mädchen weggeführt aus dem Lande Israel; die war im Dienst der Frau Naamans. Die sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien. (...) So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas. Da sandte Elisa einen Boten zu ihm, der sprach: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil, und du wirst rein werden. Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und den Namen des Herrn, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien. (...) Seine Diener sprachen: Wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, hättest du es nicht getan? Wie viel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein! Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil (...) Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel.
2. Könige 5,1–3.9–15

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Radfahrer passieren den deutsch-dänischen Grenzübergang Schusterkate bei Wassersleben.
   

Diese Geschichte aus dem Alten Testament erzählt von Grenzüberschreitungen. Dabei geht es um mehr als um sichtbare Grenzen.
Wir Menschen ziehen aus Furcht vor Fremden Mauern zwischen uns: sichtbare und innere. In einem immer größer werdenden Europa kennen wir kaum noch erfahrbare Grenzen zwischen Staaten. Die sichtbare Mauer, die Deutschland teilte, ist Geschichte. Kaum ein Land, in dem wir mit unserem deutschen Pass nicht problemlos einreisen könnten. Aber unzählige Menschen auf der Flucht oder auf der Suche nach einem besseren Leben scheitern täglich an Grenzen. In Nordafrika stehen sie vor bewachten Stacheldrahtzäunen, die ihnen die Einreise nach Europa verwehren und an denen ihre Hoffnungen zerbrechen. Wir Europäer möchten am Liebsten nur Ausgewählten die Grenzen öffnen. Wir haben nicht nur praktische Einwände, sondern viel mehr innere Vorbehalte. Das Heil haben wir sicher nicht. Gegen die Hoffnung der Verzweifelten halten unsere Grenzen jedoch letztlich nicht stand.

Ganz unbegegründet sind die Ängste, die zu den Grenzen führen, nicht. Denn das Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft und sozialen Möglichkeiten schafft neue Grenzen: sichtbare soziale Abgrenzungen und innere Vorbehalte.

Propheten der Bibel überschritten immer wieder Grenzen: ihre eigenen, physischen, die ihres Landes, oft auf der Flucht, und die Grenzen dessen, was Menschen für möglich halten, wenn sie im Auftrag Gottes Zeichen und Wunder wirken. In der Zeit des Alten Testamentes herrschte die Meinung unter den Frommen vor, der Gott Israels sei einzig dem auserwählten Volk vorbehalten. In der Geschichte von Naaman zei-gen das Mädchen und der Prophet Elisa, dass Gottes Heil allen Menschen gilt. Obwohl sie durch ihr Schicksal Grund gehabt hätte, feindselig gegen Naaman zu sein, macht das Mädchen den ersten Schritt zu einer Grenzüberschreitung und ist zur Hilfe bereit. Sie weist ihren Peiniger auf den Propheten Elisa hin. Diese Öffnung wirkt: Der Feldhauptmann Naaman, angetrieben von einer neuen Hoffnung, überschreitet seinerseits mehrere Grenzen: die zu einem fremden Land, die seines Stolzes und die seines Vertrauens und Glaubens.

Der Prophet Elisa schließlich zeigt, dass Gottes Größe und Macht keine Grenzen kennt. Weder lässt sich Gott auf ein Volk beschränken, noch sind seiner heilenden Kraft von der Natur Grenzen gesetzt.
Die Grenzen, die wir Menschen ziehen, mögen ihre Gründe haben. Sie werden letztendlich unhaltbar. Sich seiner Vorbehalte bewusst zu werden und sie zu überwinden, ist sicher eine der schwersten Aufgaben, vor der man als Christ steht. Die Gewissheit, dass Gott alle Grenzen überwindet, macht letztlich grenzenlos frei.

Pfarrer Martin Bek-Baier, Kammerstein

Gebet: Gott, unser Herr, lass uns, in Hoffnung auf dein grenzenloses Heil, offen werden für andere Menschen.

Lied EG 393: Lobt Gott den Herrn

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