Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 50)

„Manches im Leben braucht einfach Zeit“

Der Krippenbauer von Kalbensteinberg – „Bauet sie nach eurer Heimat“

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Die Riederkirche ist das Wahzeichen von Kalbensteinberg bei Gunzenhausen.
   

Im Raum hängt ein Bild mit dem Denkspruch, den Franz von Assisi ausgesprochen haben soll: „Bauet die Krippe zum Lobe des Herrn, aber bauet sie nach eurer Heimat!“ Das hat sich Erich Reif, Krippenbauer aus dem fränkischen Kalbensteinberg (Dekanat Gunzenhausen) zum Leitsatz werden lassen.
Begonnen hatte alles vor knapp 25 Jahren, als ein Unfall Reif in die häusliche Ruhe zwang. Der ehemalige Mauerer baute in seiner heimischen Werkstätte für seine Tochter die erste Krippe. Danach noch eine für sich und seine Frau. Verwandte und Bekannte sahen die Krippen und wollten auch eine. Seit die Familie auf dem Spalter Weihnachtsmarkt ihre Krippen anbietet, hat es sich in der ganzen Region – weit über das Spalter Hopfenland hinaus – herum gesprochen, dass Erich und Erna Reif besonders schöne Krippen machen.

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Die Gebäude entshen vorwiegend im alpenländischer Stil ...
   
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...und als originalgetreue fränkische Krippenhäuser, wie in der Kirche. Foto: mbb
   

Seine erste Krippe hatte Reif schon als Schüler für seine Patin gebaut. Das allerdings hatte er bisher nicht einmal seiner Frau Erna Reif erzählt, denn es gingen Jahrzehnte ins Land, bis Reif wieder zum Krippenbau zurückfand. „Für manches braucht man eben Zeit im Leben, dass es sich entwickeln kann“, sagt er.
Etwa 40 Krippen haben die Reifs in ihren Verkaufsräumen auf Vorrat. Meist sind es schindelbedeckte Häuser und Ställe im alpenländischen Stil. Doch Erich Reif und sein Helfer Karl Schuster arbeiten derzeit in der Werkstatt am Nachschub. Jede Schindel wird zweimal gespalten und noch nachgeschnitzt, so dass drei Schichten dabei herauskommen. Erna Reif bemalt die Schindeln in fünf Schichten: rot, braun, grün, orange und etwas schwarz, damit sie alt wirken. Auch für die sonstigen Malerarbeiten ist sie zuständig.

Die Reifs zeigen besondere Liebe zum Detail: Neben den Krippen flackert im gemauerte Backofen das Feuer. Daneben liegt meist Holz auf einem Haufen zum Spalten bereit. Tauben tummeln sich auf ihrem Taubenhaus. Die Mistgrube wird nicht vergessen. Die Katze schleicht dem abweisenden Wirt um die Beine. Die Figuren dazu stammen zum größten Teil aus dem Grödnertal. „Holz war schon immer mein Lieblingsmaterial“, sagt Erich Reif, der früher vor dem unfall als Mauer arbeitete. „Das staubt zwar, macht aber nicht so einen Dreck wie die Steine und der Mörtel“, kommentiert seine Frau. Es gibt Tage, an denen es gar nicht läuft, an denen man immer wieder von vorne beginnt, und dann gibt es Tage, an denen läuft es, wie von selbst, sagt der Krippenbauer. Am liebsten arbeiten der Künstler und sein Gehilfe Schuster am Abend, „da hat man seine Ruhe und kann dran bleiben“.

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Erich Reif (rechts) und Helfer Karl Schuster beim Krippenbau.
   

Mit den Jahren würde man Erfahrungen sammeln, berichtet Reif. Zuerst habe er alle Ziegel einzeln mit dem Messer geschnitzt, jetzt habe er ein Verfahren gefunden, wie man sie mit der Maschine herausarbeiten kann. Für das originalgetreue Bauernhaus mit Hopfenscheune, das die Reifs mit Karl Schuster für einen Kunden aus Stockheim am Brombachsee angefertigt haben, benötigten sie über 3.000 Holzziegel. Bei dieser fränkischen Krippe stimmt alles: die Sandsteinquader wurden mit Quarzsand dargestellt, die über 40 Fenster mit Fensterglas und Holzläden versehen, die alte Haustüre mit ihren Verzierungen wurde oiginalgetreu kopiert. Sogar das „Abortheisla“ steht hinterm Haus. Die Scheune hat einen Hopfenboden mit Hopfenläden, wie es im Spalterland üblich war und ein Saustall fehlt natürlich auch nicht. „Dazu passen nur heimatliche Figuren und keine im orientalischen Stil“, sagt Erich Reif „So was mag man fast nicht hergeben“, seufzt seine Frauwehmütig.

Ein Prachtstück der Krippenausstellung in einem der vier Verkaufsräume, ist ein fränkisches Fachwerkhaus. Als Vorbild für das Fachwerk diente die alte Wirtschaft, die gleich neben der Kirche steht. Als Wirtshaus wird das schöne Haus schon lange nicht mehr benutzt, sehr zum Bedauern der Kalbensteinberger. Es wurde aber vor einigen Jahren fachgerecht renoviert und vervollständigt zusammen mit dem Pfarrhaus und anderen alten Häusern das historische Ensemble auf dem Platz vor der Kirche. Die Haustür des fränkischen Krippenhauses ist eine kleine Kopie des alten Eingangsportals eines gediegenen Bauernhofes, der ebenfalls in der Nachbarschaft der Kirche steht.
Dann sah es der Pfarrer und wollte auch so eine fränkische Krippe für die Kirche. „Dann haben wir eben eine größere für die Kirche gemacht.“
„In der Kirchenkrippe steckt noch viel mehr Arbeit, als in den anderen Krippen“, errinnert sich der Krippenmacher. Damit er sehen konnte, wie sie werden sollte, baute Reif die kleinere Version erst fertig, die nun den Ausstellungsraum in Patere des Bauernhofes schmückt.
Nun steht das große Ensembel in der berühmten Riederkirche. Der Wirt steht in abwehrender Haltung vor dem alten Kalbensteinberger Gasthaus: „Die Herberge ist voll!“ Davor läuft ein Berner Sennenhund aus Holz, eine Sonderanfertigung vom Pfarrershund Felix. Vor der Stallszene mit Maria und Josef und dem Jesuskind steht ein Korb in dem ein Hase sitzt. „Das ist der wichtige Hinweis auf Ostern, die Auferstehung Jesu“, weiß Mesnerin Reif zu berichten. Jedes Jahr kommt zur prachtvollen Kirchenkrippe etwas hinzu: dieses Mal stiften die Reifs eine Sau, „denn die gehört unbedingt mit auf einen fränkischen Bauernhof.“

„Da hängt schon was dran, wenn du so etwas machst“, sagt Erich Reif und stapelt damit etwas tief. Dann erzählt er doch, dass diese Arbeit ihm damals vor etwa sechs Jahren fast zuviel geworden wäre. Sie hatten mehr als vier Wochen zu dritt daran gearbeitet. „Aber warum soll man es nicht machen, wenn man Freude dran hat?“, sagt der Krippenbauer aus Berufung und man spürt es ihm ab, dass es ihm sehr große Freude macht.

Martin Bek-Baier

 


 

Gottes großes „Ja“ ist verwirklicht

Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe. Gott ist´s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.
2. Korinther 2, 18-22

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In einer Woche ist wieder Weihnachten. Manche werden erleichtert sein. Die Vorbereitungszeit mit all der Hast, hoffentlich aber auch mit Zeit zu stiller Besinnung am Adventskranz, ist bald vorüber. Foto: Wodicka
   

In einer Woche ist wieder Weihnachten. Manche werden erleichtert sein. Die Vorbereitungszeit mit all der Hast ist vorüber. Nur die Anspannung wird bleiben, ob alles gut verläuft. Mit der ersten Weihnacht hat das wenig zu tun. Das sollte auch nicht verwundern, denn die erste Weihnacht liegt schon über 2000 Jahre zurück und die Erinnerung ist verblasst.

1. Wenn die Erinnerung verblasst

Viele Menschen singen zwar noch die schönen Weihnachts-Choräle, aber Weihnachtsschlager wie „Jingle bells“ und „Rudi the Red Nose Reindeer“ haben mit dem ersten Weihnachten nichts mehr zu tun. Die Krippen- und Hirtenromantik fasziniert zwar immer noch viele Menschen, aber dass mit Weihnachten eine Weltenwende eingetreten sein soll, glauben auch viele Christen nicht mehr.
Mit zeitlicher Entfernung von der ersten Weihnacht hat solche Skepsis aber wenig zu tun. Schon die Christen in Korinth bezweifelten, ob sich mit dem Kommen Christi wirklich Entscheidendes geändert hätte. Sie klagen Paulus sogar an, dass er um die Wahrheit herum redete und jegliche inhaltliche Klarheit vermied. Paulus ist allerdings nicht um eine Antwort verlegen und davon überzeugt, dass durch das Kommen Christi alles anders geworden ist.

2. Die Verheißungen sind erfüllt

Paulus betont: In Christus „ist das Ja verwirklicht. Er ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat.“ Jesus ist die Antwort auf die Erwartungen und Sehnsüchte der Menschen und die Erfüllung der Verheißungen Gottes. Gott hat, wie Luther immer wieder sagt, uns in Jesus sein Herz gezeigt. Wir sind nicht auf Spekulationen angewiesen, sondern hören in Christus Gott selbst. Man kann natürlich einwenden, Paulus sei zwar überzeugt gewesen, doch sei er einer subjektiven Täuschung erlegen. Aber wie steht es mit den Fakten? Paulus scheint mit solch einem Einwand schon gerechnet zu haben. Er kannte die Menschen in Korinth. Er war dort nicht der einzige Missionar. Es gab auch viele Vertreter anderer Religionen, die ihre Heilswege anpriesen. Deshalb wies Paulus auf ein Faktum hin, das bezeugte, dass die Wende schon eingeläutet ist.
3. Die Wende ist schon eingeläutet. Paulus wies darauf hin, dass wir bei der Taufe durch das Kreuzeszeichen das Siegel Christi aufgedrückt bekommen. Durch die Taufe werden wir von Allerweltskindern zu Kindern Gottes. Uns wird das Ja Gottes zugesprochen. Wir haben jetzt schon Anteil am neuen Leben, das im ewigen Leben seine Vollendung und Erfüllung finden wird. Das kleine Jesuskind, das einst in Bethlehem geboren wurde, wird zu unserem Bruder und Herrn. Wir werden hineingenommen in das große Ja Gottes, das sich in der ersten Weihnacht ereignete und im letztendlichen Kommen Gottes und Christi seine Erfüllung finden wird. Darum dürfen wir einstimmen in den großen Jubel: “Jesus ist Kommen, Grund ewiger Freude.“

Prof. Dr. Dr. Hans Schwarz, Regensburg

Wir beten: Himmlischer Vater, wir danken Dir für Dein Ja in Jesus Christus, mit dem Du die Verheißungen des alten Bundes erfüllt hast. Wir danken Dir für den Taufbund, mit dem Du dieses Ja mit jedem Einzelnen von uns bekräftigt hast und uns an die Erfüllung der Kindschaft in Deinem Reich erinnerst. Amen.

Lied EG 16: Die Nacht ist vorgedrungen.

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