Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 47)

„Jugendarbeit gibt Orientierung, Sinn und Halt“

Landesbischof Johannes Friedrich richtet Blick in seinem Bericht vor der Synode auf Jugendliche

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Der Eröffnungsgottesdienst zur Tagung der Landessynode in Weißenburg war gut besucht.
   

Das Singspiel in der Stadtkirche St. Andreas in Weißenburg war beeindruckend: Kinder- und Jugendchor führten zusammen mit Erwachsenen das vertonte Gleichnis von den „klugen und törichten Jungfrauen“ auf. Sie zeigten, dass es darauf ankommt, genügend Öl für die Lampe zu haben und allzeit bereit zu sein. Zweierlei mag in den Köpfen der Zuschauer – vor allem Mitglieder der Evangelisch-Lutherischen Landessynode – vorgegangen sein: Glücklich wer so eine Kinder- und Jugendarbeit hat. Zum anderen mag dabei der Haushalt in den Sinn gekommen sein und die Frage: Wie können wir sparsam haushalten, damit unser „Öl“ ausreicht? Beide Themen spielten bei der der Herbsttagung der bayerischen Landessynode im mittelfränkischen Weißenburg eine Rolle. Hauptthema bei der Synode im November ist traditionell das liebe Geld.

Schwerpunkt Jugend

„Wer in der Kirche über und mit Jugend redet, traut der Kirche Zukunft zu“, sagte Landesbischof Johannes Friedrich in seinem Bericht vor der Landessynode aus tiefster Überzeugung. Der Bischof machte die „Jugendarbeit in der Kirche“ zu seinem Schwerpunktthema. Bei seiner Wahl vor sechs Jahren hatte Friedrich die Jugend in der Kirche zu seinem besonderen Anliegen erklärt. Nun bei der Halbzeit seiner Amtsperiode will er sich an den Erwartungen messen lassen, die sich besonders in diesem Arbeitsbereich mit seiner Person verknüpfen lassen.

Die biblische Basis sowohl für die Jugendarbeit, als auch den gesamten Bericht des Bischofs, fand Friedrich im Buch Jesus Sirach: „Wenn du in der Jugend nicht sammelst, wie kannst du im Alter etwas finden?“ (JesSir 25,5). „Evangelische Jugendarbeit ist wirkliche Wurzelarbeit, die junge Menschen zu Persönlichkeiten heran wachsen lässt, die Sinn, Orientierung und Halt gibt”, sagte Friedrich. Er stellte damit klar, dass es um weit mehr geht, als um die kirchliche Nachwuchsarbeit. In vielen Familien fände keine Einübung in Kirche und Glauben mehr statt. Stattdessen würden Eltern diesen wichtigen Bereich an Schule und Kirche delegieren. In der evangelischen Jugendarbeit gehe es „in ganz entscheidendem Maße um die Kinder und Jugendlichen und ihre Reifung zum Glauben, zur Nächstenliebe und zur Hoffnung“, erläuterte der Landesbischof.
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Links: Landesbischof Johannes Friedrich, Synodalpräsidentin Heidi Schülke und Bischof Imre Szebik aus Ungarn (von links) in andächtiger Haltung. Fotos: mbb
   
In der evangelischen Jugendarbeit in Bayern engagieren sich über 12.000 Ehrenamtliche und erreichen mit ihren Angeboten regelmäßig etwa 140.000 Kinder und Jugendliche. Friedrich würdigte dabei sowohl die Arbeit von Jugendverbänden, als auch die der Kirchengemeinden. Die wöchentliche Gruppenstunde sei nach wie vor die Basis der Jugendarbeit und würde meist ehrenamtlich geleitet. Daher sei es eine der „wesentlichen Aufgaben von Hauptberuflichen, Ehrenamtliche zu gewinnen, sie zu begleiten und zu schulen“. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer seien dabei „unglaublich engagiert“, so der Eindruck des Bischofs. Einen großen Platz räumte Friedrich der Bedeutung des Jugendgottesdienstes für die Spiritualität von Jugendlichen ein. Er schloss seine Überlegungen zur Jugendarbeit mit der Forderung, in ihr eine Kernaufgabe zu sehen. „Jugendarbeit ermöglicht Kindern und Jugendlichen, den Sozialraum Kirchengemeinde als Lebensort zu erfahren.“

Hohes Ansehen

Aus seiner Arbeit als Landesbischof zog Friedrich eine erfreuliche Bilanz: „Unsere Kirche hat in der Öffentlichkeit in der Region ein hohes Ansehen.“ Bei Besuchen in bayerischen Dekanaten traf er viele Haupt- und Eherenamtliche, die „sich mit Herzblut für unsere Kirche engagieren“. Er stellte besonders die Arbeit der Pfarrerinnen und Pfarrer heraus, die er „engagiert, kompetent und menschenzugewandt“ erleben würde. Die Kirche müsse mit dem „Schatz“, den sie in ihrer Pfarrerschaft habe, sorgsam umgehen und die Pfarrerinnen und Pfarrer „anderswo entlasten“, damit sie ihre Grundaufgaben in Gottesdienst, Seelsorge, Unterricht und Begleitung Ehrenamtlicher nachkommen könnten. Im Rückblick auf die Geschehnisse in der Ökumene in den vergangenen Monaten, bekannte er sich zu einer „Aufgabe, die Gott uns gestellt hat, zur Einheit zu gelangen“. Dabei sprach er sich für eine lutherisch profilierte Haltung aus, in der der ökumenische Weg beschritten werden sollte.

Besonderer Gast?

Trotz der ernsthaften Themen die die Landessynode zu behandeln hatte, eröffnete Synodalpräsidentin Heidi Schülke fröhlich und mit einem Scherz die Herbsttagung: Herzlich begrüßte sie einen besonderen Gast – den frisch gebackenen Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Deutschland (VELKD). Dieser ist seit wenigen Wochen niemand anderes als Bayerns Landesbischof Johannes Friedrich.
„Wir brauchen klare Entscheidungen auch im Hinblick auf die kommende Kirchenvorstandswahl”, forderte Schülke. Besonderes Augenmerk legte Schülke in einem Gespräch mit dem Evangelischen Sonntagsblatt auf die Kirchengemeindeordnung, die Dekanatsbezirksordnung und das Landessynodalwahlgesetz. Die Verabschiedung dieser Gesetze wären notwendig, um auf den verschiedenen Ebenen der Kirche weiterarbeiten zu können, meinte Schülke und wandte sich gegen einen „Perfektionismusrausch“, der ein abschließendes Ergebnis wieder verhindern könnte.

Martin Bek-Baier

 


 

Offen für Gottes Advent

Und ich sah in der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, beschrieben innen und außen, versiegelt mit sieben Siegeln. Und ich sah einen starken Engel, der rief mit großer Stimme: Wer ist würdig, das Buch aufzutun und seine Siegel zu brechen? Und niemand, weder im Himmel noch auf Erden noch unter der Erde, konnte das Buch auftun und hineinsehen. Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde das Buch aufzutun und hineinzusehen. Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe auch dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.
Offenbarung 5,1-5

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Advent – die Wochen vor Weihnachten sollen unseren Blick auf Gott richten. Foto: imago
   

Es gibt Menschen, die sind für mich wie ein Buch mit sieben Siegeln, verschlossen und unzugänglich finde ich beim besten Willen keinen Zugang. Ich rätsle, woran es liegt. Ist mein Gegenüber einfach ein verschlossener Mensch und will für sich sein? Oder würde er sich gerne öffnen und er kann es einfach nicht? Oder liegt es gar an mir? Kann er sich nur mir nicht öffnen? Es fällt mir schwer, mit Menschen zu leben, die verschlossen sind. Wie soll ich damit umgehen? Es wäre schön, wenn es mir gelänge, mein Gegenüber zur Offenheit zu bewegen. Doch Vorsicht! Die Versuchung, Gewalt anzuwenden, ist groß. Dabei wirkt die sanfte Gewalt oft schlimmer als der klar erkennbare Versuch, den anderen zu mehr Offenheit zu bewegen. Eine weitere große Gefahr liegt in der Enttäuschung, zu einem verschlossenen Menschen keinen Zugang zu finden. Ich lege meine Gedanken und vor allem meine Phantasien in den Nächsten hinein und dabei denke ich oft schlecht von ihm.

Wenn es in der Offenbarung heißt, dass Jesus das Buch der sieben Siegel öffnet, so möchte ich ihm auch zutrauen, dass er verschlossene Menschen öffnen kann. Vor allem möchte ich ihn bitten, dass er zu mir selbst kommt und mich zu Gott hin öffnet. Das kann es mir auch leichter machen, mit einem verschlossenen Menschen umzugehen und zu leben. Jesus Christus öffnet mich für die Zukunft und die Ankunft, den Advent Gottes und wenn ich zu ihm hin offen bin, verwandelt diese Offenheit vielleicht auch meinen Nächsten.

Wenn ich zur Zeit die Weltlage betrachte, kommen mir Zweifel an einer guten Zukunft. Der Ausgang der Geschichte ist ungewiss und verborgen, ein Buch mit sieben Siegeln. Terror ist eine schreckliche Realität und es scheint tief in allen Menschen der Glaube zu sitzen, Konflikte mit Gewalt lösen zu können. Auch haben mir riesige Naturkatastrophen in diesem Jahr die Ohnmacht von uns Menschen deutlich vor Augen geführt. Die Sorge um die Zukunft kann ich nicht leugnen, aber ich merke auch, wie sie mich blockiert und verschlossen macht. Meine Wut gegen die, die mit Terror die Welt verändern wollen, kann ich nicht verbergen und ich will die Welt auch nicht den Terroristen überlassen. Gegenüber Naturkatastrophen fühle ich mich ohnmächtig, aber ich will nicht gleichgültig die Zerstörung der Natur hinnehmen.

Trotzdem – Wut macht mich blind und öffnet keinen Blick für die Zukunft und in der Resignation verschließe ich mich selbst und gebe der Zukunft keine Chance. Jesus öffnet das Buch der sieben Siegel. Er will meinen Blick öffnen für die Zukunft, den Advent Gottes. Ich darf glauben, dass trotz aller Gewalt und aller Katastrophen Gott der Herr der Welt ist und ich kann die Hoffnung haben, dass er trotz aller Misserfolge alles zum Besten lenken kann. Das Schicksal dieser Welt hängt nicht von meinem Erfolg oder Misserfolg ab. Das bedeutet nicht, naiv zu glauben, alles werde sowieso gut und es heißt auch nicht, die bestehenden Verhältnisse zu dulden. Jesus öffnet das Buch der sieben Siegel, er öffnet mir den Blick für Gottes Zukunft seinen Advent, er zeigt mir, dass ich der Verheißung Gottes trauen kann. Mit dieser Kraft kann ich meine kleine Kraft einsetzen, um an einer friedlicheren Welt mitzubauen.

Dekan Kurt Kräß, Memmingen

Wir beten: Jesus Christus, öffne uns zu Gott hin: Mach uns offen im Umgang miteinander. Öffne uns, mit deiner Kraft in deiner Welt zu rechnen und mach uns offen für deine Ankunft. Amen.

Lied EG7: O Heiland, reiß die Himmel auf

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