Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 46)

Unsterblichkeit der Seele – eine Glaubensgewissheit

Was Martin Luther zum Thema „Leben nach dem Tod“ in Grundzügen gelehrt hat

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Die Unsterblichkeit der Seele hat Martin Luther nicht als Naturgesetz, sondern als Geschenk Gottes gedeutet, dessen Erkenntnis sich dem Gekreuzigten und Auferstandenen verdankt. Hier das Bildnis über der Thesentür der Schlosskirche zu Wittenberg. Foto: imago
   

Das Leben nach demTod beginnt schon vor dem Tod. Martin Luther hat das immer wieder unterstrichen. Das irdische Leben ist für ihn nichts anderes als „ein Vorlauf oder besser ein Anfang des zukünftigen Lebens. Das gilt für jeden Menschen. Der Reformator sagt es in aller Deutlichkeit: „Der Mensch ist hinsichtlich seines zeitlichen Körpers im gegenwärtigen Zeitraum, hinsichtlich der Seele aber im zukünftigen. Beide nämlich enthält er, und an beiden hat er teil.“

Die Hölle ist ausgelöscht

Luther ist bewusst, dass der Tod nicht nur äußerlich, sondern allemal innerlich über den Menschen herrscht – nämlich durch die Furcht vor ihm. Entsprechendes gilt vom göttlichen Gericht: Es greift „vom Ende der Tage über unseren Tod hinweg hinein in unser Leben.“ Dank der Erlösungstat Jesu Christi am Kreuz gibt es für den glaubenden Menschen eine positive Perspektive: Die Mächte des Todes und des Gerichts sind entmachtet und dürfen das Gewissen nicht länger bedrücken, weil Christus sie stellvertretend auf sich genommen und als Gottes Sohn durchlitten hat. „Während wir anfangen zu glauben“, sagt Luther, „fangen wir zugleich an, dieser Welt abzusterben und für Gott zu leben im zukünftigen Leben, so dass der Glaube eigentlich Tod und Auferstehung ist.“
So hat die Zukunft schon begonnen für den, der glaubt. Luther erklärt: „Wenn ich nun solches weiß und glaube, so ist mein Herz oder Gewissen und Seele schon auch durch den Tod und durchs Grab hindurch bei Christus im Himmel..., so dass nicht mehr als der linke Fuß zurückbleibt! Denn die Sünde ist schon vergeben und ausgetilgt, Gottes Zorn und die Hölle sind ausgelöscht; und der Glaubende lebt bereits in und bei Christus nach dem besten Stück, nämlich der Seele, teilhaftig des ewigen Lebens.“ Weil der auferstandene Christus nicht nur das Haupt der Christenheit, sondern der innerste Bezugspunkt jedes einzelnen Gläubigen ist, kann Luther formulieren: „Wir sind schon über das Haupt, ja über den Rücken und Bauch, die Schulter und Beine aus dem Tod heraus; und der Tod hat nichts mehr an uns, das er halten kann, höchstens eine kleine Zehe – die soll auch bald hindurch kommen!“

Mit Sicherheit unsterblich

„Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen...“ Den Text dieses mittelalterlichen Kirchenliedes hat Luther umgestülpt: „Mitten im Tode sind wir mit dem Leben umfangen“! Insofern Luther von daher die Sterblichkeit der Seele geleugnet hat, hat er ihre Unsterblichkeit behauptet. Dies muss ganz lapidar festgestellt werden im Gegenüber zu namhaften Lutherforschern wie etwa Peter Meinhold und Werner Elert. Allzu einseitig haben sie entweder jedes unmittelbare Weiterleben der Seele nach dem Tode für Luthers Anschauung bestritten – oder deren Unsterblichkeit nur auf die gläubi-gen Christen beschränken wollen.
Tatsächlich konnte Luther betonen, gerade durch den Glauben in einem „unsterblichen Wesen“ zu sein. Und er hat die Unsterblichkeit der Seele nicht in einem „natürlichen“ Sinn vertreten, der dann womöglich mit dem Gedanken einer Seelenwanderung zu verbinden gewesen wäre, wie das der Schweizer Reformator Huldreych Zwingli erwogen hatte. Vielmehr hat Luther die Seelenunsterblichkeit von der Heiligen Schrift und von seinem Gottes- und Christusverständnis her begründet. Gerade weil er sie als von Gott gewollte Beziehung zu jedem Menschen gesehen hat, hat er niemals ein Aufhören dieser Beziehung in Erwägung gezogen: „Die Person des redenden Gottes und sein Wort weisen darauf hin, dass wir solche Geschöpfe sind, mit denen Gott bis in Ewigkeit und auf unsterbliche Weise reden will. Allein mit dem Menschen redet er. Wo also und mit wem auch immer Gott redet – ob im Zorn oder in Gnade –, der ist mit Sicherheit unsterblich.“
Nach Luthers Überzeugung redet Gott mit den Menschen durch die Heilige Schrift und den Heiligen Geist, die beide hinweisen auf Jesus Christus als das eigentliche, entscheidende Wort Gottes in Person. Von daher wird die Unsterblichkeit aller Seelen als Geschenk gedeutet: Christi Erlösungstod wirkt so kräftig, „dass er alle anderen Toten getauft hat, dass sie nicht Tote heißen sollen, sondern Schläfer.“ Auf dieser Grundlage kann Luther geradezu universell formulieren: „Was ist’s, dass wir viel Kummer haben um andere oder gleich selbst sterben und begraben werden? Stirbt doch nur ein Mensch und dennoch nicht der ganze Mensch, sondern ein Stück allein, der Leib.“

Ganzheitliche Vollendung

Wenn Luther die Toten als Schläfer bezeichnet, so ist das durchaus typisch für seine Anschauung. Der Reformator nennt den Zustand der Seele nach dem Tod aus vier Gründen oft und gerne „Schlaf“. Zum ersten deshalb, weil er die entsprechende Redeweise häufig in der Heiligen Schrift vorfindet. In Verbindung damit steht der zweite Grund: Durchaus im Sinne biblischer Redeweise drückt seine Vorstellung vom Schlafen der Verstorbenen ein Stück Verachtung des Todes aus. Dessen Sieg ist kein echter. Wir Christen, so meint noch der alte Luther, „sollen uns üben und gewöhnen im Glau-ben, den Tod zu verachten und als einen tiefen, starken, süßen Schlaf anzusehen, den Sarg nicht anders denn als unseres Herrn Christi Schoß oder Paradies...“
Dem entspricht der dritte Grund: „Die Bezeichnung Schlaf trifft nicht auf einen zu, der tot ist, sondern der mit Sicherheit wieder aufersteht.“ Das heißt, der Zustand der Seele nach dem Tode ist als leibloser Zustand jedenfalls nur ein vorläufiger und entsprechend der biblischen Verheißung auf die Auferstehung der Leibes im Zuge der Weltvollendung bezogen. Den so genannten „Zwischenzustand“ zwischen individuellem Tod und allgemeiner Auferstehung der Toten hat Luther als „Schlaf“ bezeichnet, um so den „wachen“ Zustand in der Vollendungswelt des Gottesreiches qualitativ davon abheben zu können.
Bleibt noch ein vierter Grund zu nennen: Mit dem gewiss im übertragenen Sinn zu verstehenden Wort „Schlaf“ lässt sich auf geniale Weise ein nachtodlicher Bewusstseinszustand andeuten, der einerseits der Bewusstlosigkeit gleichkommt und andererseits doch wie im Traum inhaltlich gefüllt sein kann. Auf die Frage, wo sich die schlafenden Seelen befinden, antwortet Luther: „Es ist genug, dass du weißt, sie sind in Gottes Händen – und in keiner Kreatur Schoß oder Raum.“ Wir dürfen „wissen, dass des Menschen Seele oder Geist keine Ruhe oder Stätte hat, wo er bleiben möge, als das Wort Gottes – bis er am Jüngsten Tag zur hellen Gottes-schau kommt.“
Unsterblich ist der Mensch nach Luther um Gottes willen. Unsterblich ist seine Beziehung zu Gott dem Schöpfer und Vollender, so dass diese Unsterblichkeit im Endeffekt auf Auferstehung, nämlich auf ewiges Leben der ganzen Person im Gesamt der vollkommen gewordenen Schöpfung zielt. Konnte damals und kann heute eine größere Hoffnung gedacht werden?

Werner Thiede

 

 


 

Durch Tränen gehen

Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.
Psalm 126, 5 - 6

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Weinen und Lachen können nahe beieinander liegen. Fotos: imago
   

Die graue Stimmung des Novembers drückt vielen auf die Seele. Jetzt fällt es besonders schwer, Schwieriges und Trauriges leichter zu nehmen und nach dem zu schauen, was einen fröhlicher und dankbarer stimmt. Ganz abgesehen von der besonderen Stimmung des Novembers: Viele können es nicht ertragen, wenn sie traurig sind, wenn ihnen Tränen in die Augen kommen. Schmerz und Traurigkeit sind ihnen zuwider, sie passen nicht zu dem Bild, das sie von sich haben. Man tut sich nichts Gutes, wenn man den Tränen und dem Weinen in seinem Leben keinen Raum gibt.

In der Alten Kirche sprach von der Gnadengabe der Tränen. Das bezog man auf den Gottesdienst und man meinte: Wenn jemand weint, wenn er im Gottesdienst vom Leiden Christi hört und von dem, was er für uns getan hat, dann ist das eine Gnade. Es ist eine Gnade, angesichts der Not Christi die Not des eigenen Lebens zu spüren und sich mit dieser Not bei Christus aufgehoben zu fühlen.

Es ist guter christlicher Brauch, die Tränen, die in einem aufkommen, herausgehen zu lassen und sie nicht zu unterdrücken. Dazu ermuntert der 126. Psalm. Gerade die Worte in diesem Psalm, die von den Tränen erzählen, sind immer wieder in der evangelischen Kirchenmusik vertont wurden. Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein haben über sie eine Motette geschrieben, die jeweils ganz ähnlich aufgebaut ist. Ganz langsam und schwer ist das Singen bei den Worten:
„Die mit Tränen säen...“ und „Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen ...“
Das ist nicht nur ein Ausdruck für das schwere Herz eines traurigen Menschen, das nicht in Sprüngen geht. Das zeigt auch: Trauer kostet Zeit. Schwieriges und manchmal auch vergebliches Mühen um das Leben ist oft kein rasch vorübergehender Zustand. Das Leben ist für viele mühselig und muss immer wieder durchlitten sein. Gut, wer weinen kann und sein Leiden spürt. Wer weint, will sich nicht in seinem Leiden verlieren, der hofft auf Rettung und sucht sie. Viele erfahren Rettung aus bedrückender Not, aus zunächst nicht endender Trauer, aus einem Strom anscheinend nicht versiegender Tränen.
Diese Erfahrung von Rettung wird auch in den beiden Motetten von Schütz und Schein spürbar. Heiter, fröhlich, erlöst ist das Singen bei den Worten: „...werden mit Freuden ernten ... und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.“
Da geht das Herz wirklich in Sprüngen und kann nicht traurig sein. Mir machen diese Gedanken bewusst:
Das christliche Leben ist treue Arbeit, die durch Tränen und Weinen hindurchgeht. Tränen und Weinen helfen, ausdauernd und geduldig zu sein und der Verzweiflung entgegenzutreten. Eine solche Einstellung zum Leben brauchen wir bei uns. Viele Fragen und Probleme, die sich heute stellen, kann man nicht anders als durchleiden und treu durchstehen. Schnelle Wunderlösungen für das, was an Schwierigem ansteht, gibt es nicht. Es gibt nur ein treues Ausharren dort, wo wir hingehören und bei den Menschen, zu denen uns Gott gestellt hat. Die alten Glaubensworte aus der Bibel, aus dem Gesangbuch und aus der Kirchenmusik können wir immer wieder als Begleiter auf solchen Wegen in Anspruch nehmen. Es gibt so viel, was zum Weinen, zum Ausharren und zum Freuen hilft. Das können wir gut brauchen.

Regionalbischof Hans-Martin Weiss, Regensburg

Wir beten: Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not; der kann mich allzeit retten aus Trübsal, Angst und Nöten, mein Unglück kann er wenden, steht alls in seinen Händen. Amen.

Lied 384: Lasset uns mit Jesum ziehen

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