Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 45)

„Dir sind deine Sünden vergeben!“

Von der heilsamen Wirkung der Einzelbeichte

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Zwei Arten zu beichten: Die innere Beichte – dabei tritt ein Mensch in der Stille mit seinen Fehlern vor Gott und bittet um Vergebung.
   

Bei Andrea hatte beichten eine sehr angenehme „Nebenwirkung“: Ihre Gürtelrose heilte zusehends. Die 36-Jährige erzählt: „Ich hatte Schwierigkeiten mit meinen Eltern. Das zog sich über längere Zeit hin bis es dann ganz schlimm für mich wurde.“ Sie bekam ein Magengeschwür, das abgelöst wurde von einer Gürtelrose. „Mit der Zeit wurde mir klar, dass nicht nur meine Eltern Mist gebaut hatten, sondern dass auch ich Schuld auf mich geladen hatte.“ Schließlich fuhr sie – nach Rücksprache mit dem Arzt – mit einer Freundin für eine Woche nach Taize.
„Dort habe ich die heilsame Wirkung der Beichte erlebt“, sagt die junge Mutter. Im Gespräch mit einem Taize-Bruder hatte sie die ein oder andere hilfreiche Erkenntnis. Schließlich hat sie bei ihm gebeichtet. „Mir war schon klar, dass Gott mir vergibt, aber dieses Wissen hat mein Herz nicht erreicht“, schildert sie. „Der Zuspruch des Bruders, dass meine Schuld vergeben ist, hat mir enorm gut getan. Das von einem anderen Menschen so deutlich gesagt zu bekommen, ist ein befreiendes und intensives Erlebnis.“

„Wie auch wir vergeben ...“

Die Gespräche mit dem Bruder hätten ihr gut getan, doch ohne Beichte hätte sie nicht diese Befreiung erfahren. „Es war der Zuspruch, dass mir vergeben ist, der einen Knoten in mir gelöst hat“, sagt Andrea. Aber schon allein die Atmosphäre in Taize, die spirituelle Umgebung, habe ihr gut getan. „Meine Schmerzen waren schon nach dem ersten Gottesdienst fast weg.“ Ganz wichtig war für Andrea auch, nicht nur zu erleben, dass Gott ihr vergeben hat, sondern auch ihren Mitmenschen vergeben zu können. „Dass ich meine Schuld erkannt habe und sie mir vergeben wurde, das hat mich befähigt, den anderen zu vergeben.“ Und nur beides zusammen habe ihr geholfen mit sich Frieden zu schließen. „Beichten ist eine feine Sache“, sagt sie und bedauert, dass die Einzelbeichte in der evangelischen Kirche nicht sehr verbreitet ist. „Das würde sicher vielen Menschen helfen“, ist sie überzeugt. Das sieht nicht nur sie so, sondern auch Pfarrerinnen und Pfarrer. Zum Beispiel Hanns Kerner, Leiter des Gottesdienstinstituts in Nürnberg. „Die meisten evangelischen Christinnen und Christen nehmen die Einzelbeichte nicht als das wahr, was sie ist: die Vergegenwärtigung, dass Gott uns unsere Sünden vergibt.“ In den 60er Jahren habe es viel Kritik an der Beichte gegeben, so Kerner. „Leider ist bis heute in vielen Köpfen Beichte noch als etwas einengendes abgespeichert, als etwas, das den Menschen Freiheit nimmt.“ Beichte werde oft völlig falsch verstanden. Viele Menschen denken an Beichtstühle und die katholische Kirche. „Aber auch Martin Luther schätzte die Beichte sehr hoch und hätte sie vermutlich gern zum Sakrament erklärt.“ Aber Jesus hat für die Beichte kein Zeichen eingesetzt.

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Bei der Einzelbeichte spricht ein Mensch mit einem Geistlichen, der ihm die Vergebung der Sünden zuspricht. Der Beichtstuhl, wie hier zu sehen, ist allerdings in der evangelischen Kirche unüblich. Fotos: Wodicka
   

Es werden drei Arten von Beichte unterschieden: Die innere Beichte, die Einzelbeichte und die Gemeindebeichte. Beichtgottesdienste gibt es in den meisten Kirchengemeinden vor allem an Gründonnerstag oder Karfreitag und am Buß- und Bettag. Auch der Altjahresabend ist ein gern genutzter Tag. Nicht zu vergessen die Konfirmandenbeichte. „Bei der Gemeindebeichte sprechen die Kirchenbesucher ein Schuldbekenntnis und werden vom Pfarrer gefragt, ob sie ihre Sünden bereuen“, so Hanns Kerner. Der Pfarrer spricht ihnen dann die Vergebung zu. Bei der inneren Beichte tritt jemand für sich in der Stille vor Gott und bekennt seine Sünden. „Das Besondere bei der Einzelbeichte ist, dass jemand da ist, der mir ganz direkt die Vergebung zuspricht, der sagt: Dir sind deine Sünden vergeben.“ Damit weiß der Beichtende, er ganz persönlich ist gemeint, nicht eine Menschenmenge. „Bei der inneren Beichte fehlt eben dieser Zuspruch“, sagt Kerner.

Konkreter Zuspruch

Andrea kann das aus Erfahrung bestätigen. „Ich weiß, dass Gott mir meine Sünden vergibt. Aber es gibt Situationen im Leben, da genügt dieses Wissen nicht. Da muss ich das von einem anderen Menschen gesagt bekommen.“ Genauso erlebt es Pfarrerin Thea Vogt. Sie macht in ihrer Gemeinde auf die Möglichkeit der Einzelbeichte aufmerksam. „Bei der Beichte übernimmt ein Mensch die Verantwortung für seine Schuld und schiebt sie nicht ab auf andere.“ So gesehen ist beichten etwas sehr Mutiges. Thea Vogt betont: „Beim beichten geht es nicht um ein allgemeines Schuldgefühl, nicht um die Herabsetzung des Selbstwertgefühls, sondern um das konkrete Erkennen und Benennen der Schuld.“ Sie sieht die Beichte als einen Heilungsraum.

Mehr Bewusstsein um Beichte

„Es wäre schön, wenn die Einzelbeichte wieder mehr ins Bewusstsein käme“, meint Hanns Kerner. In den elf Communitäten in Bayern werde die Beichte sehr gepflegt. Doch sonst komme sie in der evangelischen Kirche wenig vor. „Vermutlich liegt es auch daran, dass die meisten Menschen trotz Beichtgeheimnis die Anonymität schätzen.“ Kerner betont außerdem: „Beichte ist kein Beratungsgespräch, in der Beichte geht es vor allem um den Zuspruch.“
Auch Andreas Arzt dürfte zum Befürworter der Beichte geworden sein – wenn auch vor allem aus medizinischen Gründen. Als seine Patientin fast gesund aus Taize zurückkehrte, war sein Kommentar: „Ich sollte in Zukunft wohl mehr Patienten eine Woche nach Taize zum beichten schicken.“

Karin Ilgenfritz

 

 


 

Weitblick für die Ewigkeit

Jesus sagte zu seinen Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, dass er seinen Besitz verschleudere. Und er ließ ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich da von dir? Lege Rechenschaft über deine Verwaltung ab; denn du kannst nicht länger Verwalter sein. Da dachte der Verwalter: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir die Verwaltung weg; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich abgesetzt werde. Und er rief die Schuldner seines Herrn einzeln zu sich und fragte den ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Eimer Öl. Und er sagte zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib fünzig. Danach fragte er den zweiten: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er antwortete: Hundert Sack Weizen. Er sagte zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig. Und der Herr lobte den unehrlichen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind untereinander klüger als die Kinder des Lichts. Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit sie euch, wenn er euch ausgeht, in die ewigen Wohnungen aufnehmen.
Lukas 16,1-9

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Wohin geht es mit uns, wenn das Leben unerwartet gekündigt wird? Der dänische Künstler Joern Henrik Olsen (www.joernhenrik.dk) lässt mit seinem Werk „The unexpected II“ („Das Unerwartete“) an Katastrophen, wie die Flutwelle „Tsounami“ denken. Foto: Olsen
   

Ein Unternehmer hatte einen Geschäftsführer, dem unterstellt wurde, sein Vermögen zu veruntreuen. Als dieser Geschäftsführer erkannt hatte, dass er gegen die Vorwürfe nicht ankommen würde, begann er, sich Schritte zu überlegen für die Zeit nach seiner Entlassung: Er räumte für Partnerfirmen günstigere Handelsbedingungen ein. So verschaffte er sich ein gutes Image, um später dort unterzukommen. Bei der Kündigung gestand ihm sein Unternehmer zu: „Obwohl ich dich entlassen muss, allen Respekt: Du hast jedenfalls klug und mit Weitblick gehandelt!“

Nach den herrschenden Gesetzmäßigkeiten war der Geschäftsführer tatsächlich ungerecht. Er hatte seine Vollmachten im alten Betrieb zugunsten seiner eigenen Zukunft genützt. Er wusste, dass sein momentaner Chef ihn nicht behalten würde; so gründete er seine Zukunft nicht auf vage Hoffnungen, sondern suchte eine gewisse Zukunft.
Jesus redet nicht dem Unrecht das Wort, sonst würde er im Anschluss nicht sagen: „Wer im Wenigsten ungerecht ist, der ist auch im Vielen ungerecht.“ Jesus zeigt uns, dass die Verhältnisse, in denen wir leben, nicht so bleiben werden. Viele Mitglieder der Bekennenden Kirche im Dritten Reich wussten das und setzten deshalb nicht auf Kompromisse mit dem regierenden Regime. Sie handelten aus Loyalität zu Gott und seinen Geboten gegen das bestehende Gesetz. Hätten mehr Menschen solchen Weitblick gehabt, wäre uns vielleicht ein Weltkrieg mit unzähligen Opfern und auch das furchtbare Morden an Millionen jüdischer Mitbürger erspart geblieben.

Und heute? Wo sind Menschen mit Weitblick, die den Herr der Ewigkeit und seine Gebote im Blick haben? Wer denkt in seiner Lebensgestaltung ans ewige Leben?
Jesus errinnert in seinem Gleichnis vom unloyalen Geschäftsführer daran, dass Wertmaßstäbe und Normen dieser Welt nicht für die Ewigkeit gelten. Unser Leben ist so gefährdet und so kurz. Natürlich dürfen wir all das Schöne, was darin liegt, dankbar genießen. Aber nur der geht weitblickend damit um, der sich der Kürze und Hinfälligkeit bewusst ist. „Wo wirst du die Ewigkeit verbringen?“, fragt ein vom Tode gezeichneter Evangelist auf der Palliativstation des Krankenhauses seine Mitpatienten. Wohin geht’s für dich, wenn dir plötzlich dein vergängliches Leben gekündigt wird? Oft passiert diese Art von Kündigung fristlos: Infarkt, Unfall, Erdbeben, Tsounami (siehe Bild).
Wohl dem, der dann nicht ins Leere stürzt, sondern weiß, dass sein HERR der Ewigkeit ihn auffängt.

Pfarrer Gerhard Muck, Falkenstein

Gebet: Ewigkeit, in die Zeit leuchte hell hinein, dass uns werde klein das Kleine und das Große groß erscheine, sel’ge Ewigkeit!
(Marie Schmalenbach)

Lied 518: : Mitten wir im Leben sind

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