Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 44)

Ein besonderer Nachmittag

Betreuungsgruppe für Demenzkranke

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Im Oktober stand bei der Gruppenstunde das Thema „Kärwa“ auf dem Programm: Das Bild oben zeigt die Mitarbeitenden Gerda Schwab und Gerda Weisenberger, die sich inhaltlich um die Ausgestaltung des Nachmittages gekümmert haben, beim Ausbacken der selbst ausgezogenenn Küchle,...
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...die dann mit Puderzucker bestreut und manch eigenwillige Forrm oder Figur ergebend, beim Kaffee verzehrt wurden.
   

„Es sind die Augen der Patienten, die einen so faszinieren“, erlebte eine Besucherin einer Betreuungsgruppe für Demenzkranke. Aus den Menschen die zu Beginn unruhig, manche teilnahmslos erscheinen werden im Laufe der Stunden Menschen mit einem Glanz in den Augen, die lachen und fröhliche Regungen zeigen. Auch die Angehörigen die ihre Besucher abholen sind immer wieder erstaunt ob der Verwandlung die während den Gruppenstunden geschieht.

Bei Demenzen handelt es sich um Erkrankungen, die mit einer Beeinträchtigung des Gedächtnisses sowie weiterer Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit einhergehen. Bei vielen Betroffenen entwickeln sich im Verlauf auch noch andere Auffälligkeiten in körperlicher und seelischer Hinsicht. Die häufigste Ursache einer Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Während früher eine Demenzerkrankung als kaum zu beeinflussendes Schicksal galt, zeichnen sich nun therapeutische Ansätze ab, wenngleich eine Heilung, insbesondere der Alzheimer-Demenz und der gefäßbedingten Demenz, noch nicht möglich ist. Nicht bei jedem Kranken treten alle Symptome regelmäßig auf. Die Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit müssen zwar vorhanden sein, um die Diagnose einer Demenz zu stellen. Ob aber Unruhe, Wahn oder Halluzinationen auftreten, ist sehr unterschiedlich. Manche Kranke sind eher getrieben und unruhig, andere dagegen sind kaum zu einer Aktivität zu bewegen. Grundsätzlich bleibt festzustellen, dass die Erkrankung immer chronisch und fortschreitend verläuft.

Entlasstung und Freiräume

Damit ergeben sich gerade für die Angehörigen oft große Probleme und es wird von ihnen ein hohes Maß an Toleranzbereitschaft und Betreuungsaufwand gefordert. Viellerorts haben sich inzwischen Betreuungsgruppen für Demenzkranke gebildet , um den Angehörigen eine Auszeit zu schenken – und einen besonderen Nachmittag für die Betroffenen. Für pflegende Angehörige bieten die Betreuungsgruppen planbare Freiräume und die Möglichkeit, stundenweise etwas zu ihrer eigenen Entlastung zu tun. Stressfrei einen Einkaufsbummel zu tätigen oder einfach mal in Ruhe ein Buch zu lesen, ist für viele Angehörige, die einen Demenzkranken pflegen, nicht mehr möglich. Während der Gruppenstunden werden die Kranken von einem geschulten Team betreut. Auch in Rothenburg und Schillingsfürst bietet die Diakonie seit zwei Jahren solche Gruppen an. Die Betreuung findet in in Kleingruppen bis zu sechs Personen statt und wird zweimal im Monat für einen Zeitraum von drei Stunden angeboten. Während dieser Stunden übernehmen Ruth Banna als Fachkraft sowei ihr geschultes Team, bestehend aus Christa Mc Naughton, Gerda Schwab, Gerda Weisenberger, Evi Bär und Fritz Böller, die Betreuung.
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Vor dem Kaffetrinken wurden dann „Kärwalieder“ vorgetragen und auch gemeinsam gesungen, dabei löste sich bei vielen die Anspannung und offenbar wurden viele Erinnerungen geweckt.
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So wurde die Stimmung gelöst und am Ende tanzten viele sogar mit. Fotos: M. Noack
   
Ruth Banna ist dabei besonders stolz auf ihr Team: „Ohne das Team und das Engagement jedes einzelnen könnte so eine Gruppe nicht angeboten werden. Die bringen alle eine hohe Einsatzbereitschaft mit. Allein die Schulung umfasste 40 Fortbildungseinheiten!“ Hinzukommen jetzt die Treffen, also alle zwei Wochen zwei Nachmittage und alle sechs Wochen die Mitarbeitertreffen. Dort wird vor allem das laufende Programm besprochen. „Da wir Menschen mit sehr unterschiedlichen Demenzen haben, müssen wir Mitarbeiter lernen, ein Gespür für die Kranken und das Krankheitsbild zu bekommen. Dazu ist es wichtig, dass wir uns immer wieder mit den Patienten und dem, was wir machen, auseinandersetzten müssen. Auch dazu dienen die Mitarbeiterstunden“, ergänzt die Pflegedienstleitung des Zentralen Diakonievereins, Ruth Banna.

Fasching, Kärwa, Abendmahl

Ein wiederkehrender Ablauf, der sich an den Bedürfnissen, Gefühlen und Fähigkeiten der Betroffenen orientiert, sorgt für Sicherheit, Geborgenheit und Orientierung. Das Ziel ist es, dass sich die Gäste wohlfühlen und in entspannter Atmosphäre gesellige Stunden mit anderen verbringen. So steht jeder Nachmittag unter einem Thema. Das reicht von Fasching, Frühling, Garten, Erdbeeren, Sonnenblumen, Erntedank, Kirchweih, Erntedank, Advent und Weihnachten hin bis zu Abendmahlsfeiern. Dabei werden kleine Impulse gegeben, gespielt, gebastelt, bekannte Lieder gesungen, Gymnastik gemacht und vor allemKaffee getrunken, um die noch vorhandenen Ressourcen zu aktivieren. Den Dementen wird die Chance gegeben, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten einzubringen. Genauso wichtig ist aber auch, dass die pflegenden Angehörige, die ihre Kranken in der Regel bringen und wieder abholen, die Möglichkeit bekommen, andere Menschen in vergleichbarer Situation kennen zu lernen und sich mit ihnen auszutauschen. Oft staunen die Angehörigen über dass, was in der Gruppe geschieht, und so fällt schon mal der Satz: „Daheim hätten sie das nicht mitgemacht!“ Ruth Banna fasst die Arbeit so zusammen: „Wir wollen den Menschen nicht ihre Grenzen aufzeigen, sondern dass, was sie noch können.“

Manuela Noack

 

 


 

Auf Gottes leises „Ja“ hören

Jesus spricht: Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.
Matthäus 10, 26.27.32.33

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Die Stimme Jesu ist eine leise Stimme und kann von den lauten Geräuschen im Leben übertönt werden. Das aufmerksame Hören auf Gottes Stimme stärkt und gibt Mut zum Handeln. Wir hören sie im Gottesdienst, im Gebet, im persönlichen Gespräch und in tiefen Lebenserfahrungen. Foto: Wodicka
   

In dieser Woche wird in unseren Gemeinden das Reformationsfest gefeiert, teils am 31. Oktober als dem Tag, an dem Martin Luther seine 95 Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg anschlug, teils auch am darauf folgenden Sonntag, dem 6. November. Im Predigttext für das Reformationsfest begegnen uns Jesusworte aus dem 10. Kapitel des Matthäusevangeliums. Das Stichwort „bekennen“ gab wohl den Ausschlag, dass gerade sie ausgewählt wurden.

Vielen evangelischen Christen hat sich von Jugend auf das Bild tief eingeprägt, wie Martin Luther auf dem Reichstag in Worms vor Kaiser und Reichsfürsten furchtlos sein Bekenntnis zum befreienden Evangelium von Jesus Christus ablegt. „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, soll er gesagt haben.

Jahrelang hatte er sich als Mönch in der Klosterzelle mit strengsten Bußübungen gequält, aber keinen Frieden mit dem Furcht erregenden Gott der mittelalterlichen Frömmigkeit und auch nicht mit sich selbst gefunden. Bis ihm aus der Bibel die Einsicht aufging: Gott ist nicht der gnadenlose Richter, sondern der gütige, liebevolle Vater, der uns in Jesus Christus bis zur Selbstaufopferung liebt. Aus dieser Einsicht erwuchsen die 95 Thesen. Mit dieser Gewissheit konnte Luther das lebensgefährliche Risiko wagen, vor die Mächtigen des Reiches zu treten. Was er mit Jesus Christus erlebt hat, lässt ihn so mutig auftreten.
Mit den Worten Jesu aus dem Evangelium gesagt: Was er für sich allein „in der Finsternis“ gehört hat, was ihm „ins Ohr geflüstert“ wird, das sagt er im Licht der Öffentlichkeit. Was er erlebt hat, das ist das Entscheidende, das ihm das Bekennen erst möglich macht. Das gilt sicher nicht nur für Luther, sondern genauso für uns. Jesus lädt uns ein, dass wir das, was wir von ihm gehört und mit ihm erfahren haben, auch den anderen sagen.

Wir sind deshalb zuallererst eingeladen, intensiv zu hören. Hören auf die Stimme Jesu, wie sie uns vielfältig begegnet in der Bibel, im Gottesdienst, in der Stille, im Gebet, in der Gemeinde, im persönlichen Gespräch, in tiefen eigenen Lebenserfahrungen. Sie ist dennoch eine leise Stimme, die so oft in unserem Leben von anderen, lauten und schrillen Geräuschen übertönt wird. Gerade deshalb ist das aufmerksame Hören so wichtig. Denn dabei schöpfen wir immer wieder neu aus der Quelle.
Das stärkt und gibt Gewissheit für den eigenen Lebensweg. Denn was ich da erfahre und spüre ist ein einziges, umfassendes Ja zur mir, wie ich es mir selbst niemals so sagen und spüren lassen kann. Ich bin geliebt, von Gott zutiefst geliebt, und nichts kann mich von seiner Liebe trennen. Und wenn von Jesus Christus zu mir so unbegrenzt Ja gesagt wird, dann ist mein eigenes Ja zu ihm eigentlich die ganz selbstverständliche Reaktion. Bekennen meint nichts anderes als dieses auf die erfahrene Bejahung antwortende Ja, meint diese eigentlich ganz selbstverständliche Reaktion.

Die Worte, die uns Jesus im Evangelium sagt, können uns also davor bewahren, das Reformationsfest nur als einen Gedenktag an ein Ereignis der Vergangenheit. Wir werden vielmehr hingewiesen auf das, was unserem eigenen Leben seine Tiefe und seinen Sinn gibt. Das Reformationsfest lädt uns ein, darauf zu achten, intensiv zu hören.

Pfarrer Gerhard Pfister, Starnberg

Gebet: Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass wir deine Stimme auf vielerlei Weise ganz persönlich hören dürfen. Sie gibt uns den Zuspruch, den wir uns nicht selbst geben können. Lass unser ganzes Leben eine dankbare Antwort darauf sein, ein Bekenntnis zu deiner Liebe. Amen.

Lied 630: : Fürchte dich nicht

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