Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 42)

„... ist zum Eckstein geworden“

In Bayern werden wieder Kichen gebaut

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Ortspfarrerin Andrea Rößler und Dekan Dietrich Wünsch gestalteten die feierliche Grundsteinlegung.
   
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Hartmut Arnold mörtelt die Nische die den Metallbehälter mit Zeitdokumenten enthält zu.
   
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An einer hervorgehobenen Stelle im Dorf wächst nun der Bau und ist bereits als Kirche zu identifizieren.
   
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Der Kirchturm, der das Gebäude als Dachreiter zieren wird, ist aufgesetzt. In den nächsten Wochen soll noch vor Einbruch des Winters das Dach geschlossen werden, anschließend beginnt der Innenausbau. Fotos: Uwe Forberg
   

Bereits seit den 60er Jahren wünschen sich die Evangelischen aus Gebsattel eine eigene Kirche. In dieser Zeit wurde auch der erste Bauplatz gekauft, auf dem eine traditionelle Kirche vorgesehen war. Als sich die evangelische Kirchengemeinde immer weiter vergrößerte und die Anforderungen an ein modernes Gemeindeleben stiegen, erwarb man ein größeres Grundstück, auf dem ein Gemeindezentrum mit Pfarrhaus vorgesehen war. Einen Nachteil hatte das Grundstück jedoch – es lag am Ortsrand. Erst nach 1997 gelang es endlich, ein passendes Grundstück in der Ortsmitte von der politischen Gemeinde zu erwerben. Damit gewann das Bauprojekt an Fahrt.

Grundsteinlegung erfolgt

Nun konnte am traditionellen Kirchweihsonntag offiziell der Grundstein zu einer evangelischen Kirche mit Gemeindezentrum gelegt werden. Versammelt hatten sich zu dem festlichen Akt beim Neubau am Bahnhofweg eine große Menge Gemeindeglieder sowie geladener Gäste. Umrahmt von Stücken des Posaunenchores gestalteten der Rothenburger Dekan Dietrich Wünsch und die Ortspfarrerin Andrea Rößler die Zeremonie. Beide würdigten vor allem den langen Atem und das Engagement der Kirchengemeinde, das nun nach 40 Jahren endlich zum Ziel gelangt.
Der Rothenburger Architekt Andreas Burkart fertigte einen Entwurf für ein Gemeindezentrum, bestehend aus einem bei Bedarf erweiterbaren Kirchenraum und zwei Gruppenräumen, der von Landratsamt und Landeskirchenamt genehmigt wurde. Seit April wird nun in Gebsattel fleißig gebaut. Viele Ehrenamtliche wirken dabei mit, angeleitet von erfahrenen Handwerkern aus der Kirchengemeinde, so dass bis jetzt schon knapp 2.500 ehrenamtliche Arbeitsstunden zusammengekommen sind. Diese Unterstützung kann die evangelische Kirchengemeinde auch gut brauchen, denn von den geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 915.000 Euro hat die Landeskirche 400.000 Euro als Zuschuss zugesagt, den Rest muss die Gemeinde selbst aufbringen. Da sind die geleisteten Arbeitsstunden und alle Spenden natürlich sehr willkommen. Kreative Sammelinitiativen, wie die Herausgabe eines Kochbuchs, von denen nun bereits das zweite pünktlich zur Grundsteinlegung erschien, unterstützen das Vorhaben. Pfarrerin Rößler stellte ihre Ansprache bei den Feierlichkeiten unter ein Wort aus dem 118. Psalm und führte aus, dass Jesus der Eckstein für eine christliche Gemeinde ist. Auf ihn kann man bauen, nicht nur in Freudentagen, sondern gerade auch in schweren Zeiten. Der katholische Ortspfarrer Gabriel Grohmann überbrachte gute Wünsche der Nachbarpfarrei, mit der ein sehr gutes Einvernehmen besteht und betonte, dass nach den biblischen 40 Jahren der Warte- und Planungszeit der Bau nun doch zu einem guten Ende kommen werde. Ebenso ging Dekan Dietrich Wünsch in seinem Grußwort auf die Zahl 40 ein, die in der Bibel eine besondere Zahl ist und wünschte der Kirchengemeinde Gottes Segen für den Kirchenbau, der in der heutigen Zeit ein seltenes Projekt sei. Nach dem offiziellen Festakt ließen sich viele Besucher vom Kirchenvorstand durch die Baustelle führen und sich das zukünftige Gebäude mit seinen Planungen erläutern. Andere unterstützten den Neubau und erwarben gleich das neue Kochbuch, das von Frauen aus der Gemeinde zusammengestellt wurde und nun für 11 Euro im Pfarramt (Telefon: 09861/3449) erhältlich ist.

Baubeginn im Frühjahr

Neben Gebsattel soll bald ein zweites Gemeindezentrum mit Kirche entstehen. Wenn die Finanzierung geklärt ist, soll es im Dekanat Ingolstatdt entsehen. Für den zuständigen Pfarrer Michael Baldeweg soll mit dem neuen Gebäude ein Ort der Begegnung für die Menschen in den Ortschaften Wolnzach, Rohrbach, Pörnbach, Langenbruck sowie die umliegenden Orte sowie die nördlichen Ortschaften von Schweitenkirchen werden. Der Neubau wird notwendig, weil die 1966 eingeweihte, evangelische Kirche zunehemnd an ihre Grenzen stößt, da die Zahl der Gemeindeglieder inzwischen von 700 auf über 2.000 angewachsen ist. Bereits 2004 wurde ein Förderverein gegründet der sich um alle Planungen kümmert. Auch ein Architektenwettbewerb fand schon statt und die dabei entstanden sechs Modelle wurden der Öffentlichkeit vorgestellt. „Seither wissen wir klarer, was wir wollen und brauchen“, sagte Pfarrer Baldeweg und ist nun fest davon überzeugt, dass das Neubauprojekt gelingen werde.

Manuela Noack

 

 


 

Vergebung!

Sündigt aber Dein Bruder an dir, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen Dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast Du deinen Bruder gewonnen. Hört er nicht auf dich so nimm noch einen oder zwei zu dir. Hört er auf die nicht so sage es der Gemeinde. Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für Dich wie ein Heide und Zöllner.
Matthäus 18, 15-17

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Eine Andere bei ihrer Schuld zu behaften, oder den vermeintlich „gerechten Zorn“ über einen Anderen zu pflegen, kann die eigene Seele belasten. Einander zu vergeben kann dagegen eine große Befreiung sein. Foto: Wodicka
   

Wer kennt das nicht, das Gefühl wenn jemand ihm/ihr Unrecht getan hat? Das ist nicht nur schmerzlich am Arbeitsplatz oder innerhalb der christlichen Gemeinde, das tut besonders weh in der Ehe und Familie. Wie sollten wir als Christen damit umgehen? Einfach den Mund halten und alles in sich rein fressen? Es tragen und sich dabei kaputt machen lassen?
Ich finde es ermutigend, dass die Bibel uns auch Hilfestellung gibt für solche und ähnliche Probleme: In dem ganzen 18. Kapitel des Matthäus- Evangeliums geht es darum, wie man mit menschlichen Fehlern umgehen soll. Es erzählt in verschiedener Weise davon, dass Jesus gerade die Sünder, die Kleinen, die Schwachen, die Fehlerhaften, die Verlorenen ganz besonders am Herzen liegen. Und mitten in diesem Kapitel finden wir Hilfe dafür, wie der Christ mit Boshaftigkeiten und Fehlern umgehen soll, durch die „der Bruder“ (also der oder die mir nahe Stehende) mich verletzt hat.
Der erste Ratschlag heißt: Nicht einfach den Mund halten! Aber: den Anderen nicht so bloß stellen, dass ihm gar nichts anderes übrig bleibt als in die Defensive zu gehen. Also nicht so, als wäre er allein der Böse und ich der/die Heilige! Ziel ist, dass der Schuldige „gewonnen“ wird!

Und wenn ich das nicht alleine schaffe, wenn ich vielleicht auch zu verletzt bin, um „gut“ mit dem Andern reden zu können, dann darf ich auch bei neutralen Menschen Hilfe suchen, die ihrerseits versuchen, den Schuldigen zu gewinnen. Beratung oder Mediation nennt man das heute. Am besten wäre eine Lösung, wo alle Beteiligten gewinnen und gewonnen werden! Und wenn alle Bemühungen fehlschlagen, dann ist der letzte Ausweg, dass er uns werde „wie ein Heide und Zöllner“. Von Heiden und Zöllnern haben Juden sich damals einfach fern gehalten. Sie wurden nicht bekämpft, aber man hat Abstand gehalten. Auch unter Christen können die Verletzungen gegenseitig so groß sein, dass der einzige Ausweg ist, sich zu meiden. Denn gerade wenn Menschen verletzt sind, kann es passieren, dass die dunkelsten Seiten von ihnen zum Ausbruch kommen, wenn sie beieinander sind. Wie barmherzig, dass Jesus uns auch zugesteht, dass wir uns von so jemandem, der eben das Dunkle in uns weckt, fern halten!

Ich glaube allerdings auch, manche Menschen pflegen ihre Verletzungen und arbeiten nicht daran, dass diese heilen. Ein so genannter „gerechter Zorn“ wird manchmal noch über Jahrzehnte gepflegt. Manche meinen, sie könnten dem Andern dadurch schaden oder ihn strafen. Sie erkennen gar nicht, wie gut es auch der eigenen Seele und dem inneren Frieden tut, Verletzungen heilen zu lassen! Hier in der Mitte des 18. Kapitels geht es Matthäus um eine „Notverordnung“, die den Menschen Zeit und Raum gibt, um letztlich den Weg zur Vergebung zu finden!
Ich glaube, wer sich ernstlich prüft, wer wirklich ehrlich zu sich selber ist, der wird spüren, wie belastend es ist, wie unfrei es macht, wenn ich einen Anderen bei seiner Schuld behafte. Es ist wie ein großer Klotz am Bein, der meine Gebete schwerer aufsteigen lässt, der meine Seele weniger glücklich, frei und geborgen sein lässt. Manchmal meinen Menschen, es wäre ein großes Opfer, wenn sie einem anderen die Schuld vergeben. Ich habe dagegen erlebt: es ist eine große Befreiung!

Pfarrerin Christa Gaiser, Kulmbach

Gebet: Danke, Herr Jesus, dass Deine Liebe auch die Schuld von mir und Anderen trägt, erträgt und gut macht. Schenke doch auch mir die Kraft vergeben zu können! Amen.

Lied 643: So prüfet euch doch selbst

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