Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 38)

„Dringlich ist das, was Kameras zeigen“

Die Diakonie-Katastrophenhilfe hat Partner auf der ganzen Welt – Hilfe nach Tsunami läuft gut

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Vielen Familien hat der Tsunami alles genommen. Diese Frau ist eine von vielen, die neues Geschirr und andere Haushaltsgüter bekommen hat.
   

Es klingt seltsam, hat vielleicht sogar eine gewisse Ironie, was Retno A. Soeprato im Rahmen der Fachtagung der Diakonie Katastrophenhilfe sagte: „Letztlich hatte der Tsunami auch etwas Gutes. Er hat uns nach 30 Jahren Bürgerkrieg den Frieden gebracht.“ Retno A. Soeprato ist Projektkoordinatorin der Diakonie Katastrophenhilfe in Indonesien und berichtet auf der Tagung mit dem Thema „Humanitäre Hilfe in einer globalisierten Welt“ über den Fortgang der Arbeit in ihrem Land. „Der Tsunami hat sehr viel zerstört, aber hat in der Tat den Frieden gebracht und positives Denken gefördert.“ Als Beispiel dafür nennt sie die Landrechte für Frauen. In der muslimisch geprägten Gegend um Aceh wäre es vorher nicht denkbar gewesen, dass eine Frau Land besitzen und bewirtschaften darf.

Existenzen zerstört

Nicht nur in Indonesien hatte der Tsunami ein Chaos hinterlassen. Insgesamt fanden durch die teilweise 20 Meter hohe Flutwelle über 200.000 Menschen den Tod. Mancherorts begrub das Wasser fast fünf Kilometer weit ins Landesinnere hinein alles unter sich – unzählige Gebäude und Straßen wurden zerstört. Weit über eine Million Menschen sind davon betroffen. Die jüngste Katastrophe, Hurrikan Katrina in den USA, hat nicht so viele Menschenleben gefordert, aber doch auch mehrere Hunderttausend Existenzen zerstört. Es ist die Rede davon, dass mindestens 200.000 Menschen in den nächsten fünf Jahren in Notunterkünften leben müssen.
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Die Fischer bekamen Unterstützung, damit sie sich neue Boote bauen konnten, um wieder ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Fotos: T. Lohnes
   
Nach einer solchen Katastrophe braucht es schnelle Hilfe. „Zuerst ist Nothilfe angesagt“, so Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe. „Die Menschen brauchten vor allem Nahrung, medizinische Versorgung und ein Dach über dem Kopf.“ In Amerika hat es verhältnismäßig lange gedauert bis die Hilfe anlief. „Das liegt unter anderem daran, dass in den USA fast alles privatisiert ist, es gibt keine staatliche Hilfsorganisationen.“ Inzwischen hat die Nothilfe gegriffen.
Doch damit ist es längst nicht getan. Denn nach dem ersten Schock brauchen die Menschen wieder eine Perspektive. Kinder müssen wieder in Schulen gehen können, Erwachsene brauchen eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Das Leben braucht wieder einen Alltag, eine Zukunft. „Einkommensfördernde Maßnahmen“ lautet das Schlagwort. So bekamen zum Beispiel Fischer nach dem Tsunami Material für neue Boote, Frauen ein Stück Land oder eine Waage und einige andere Utensilien, um Fische, Obst oder Gemüse zu verkaufen. Und sie bekommen das nötige Wissen für ihre möglicherweise neue Tätigkeit vermittelt.

Orientierung am Bedarf

„Zuerst geht es für uns und unsere Partnerorganisationen vor Ort um eine Bedarfsorientierung“, so Füllkrug-Weitzel. Es gebe oft schon unterschiedliche Interessen bei der Frage, wem geholfen werden solle: Politiker, Organisationen, Gruppen oder einzelne Menschen, die in Not sind? Die Diakonie-Katastrophenhilfe hat in vielen Ländern Partnerorganisationen, die sich zusammengeschlossen habten zu einer Allianz mit dem englischen Namen „Action by Churches Together (ACT) International“. Spenden werden an diese Organisationen weitergeleitet. Und diese wiederum entscheiden, wo und wie sie ihre Mittel einsetzt.
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Diskutierten auf dem Podium (v. li.): Christina Rau, Beauftragte der Bundesregierung für die Partnerschaftsinitiative Fluthilfe, Retno A. Soeprato, Projektkoordinatorin der Diakonie Katastrophenhilfe in Indonesien, Sushant Agrawal, Direktor des Hilfswerkes indischer Kirchen CASA, Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe und Moderator Andreas Malessa. Foto: F. Schultze
   
Viele Spenden gehen für einen bestimmten Zweck ein. Manchmal sogar mehr Geld, als gebraucht wird. „Deswegen hält sich unser Spendenaufruf für die USA in Grenzen“, so die Direktorin des Hilfswerkes. Denn dafür werde weltweit, besonders in Amerika selbst, genug gespendet. Dafür kämen Menschen in anderen notleidenden Gebieten zu kurz. „Das sind in der Regel die, auf deren Gesicht nicht gerade irgendeine Kamera gerichtet wird.“ Als Beispiel nennt Cornelia Füllkrug-Weitzel die Hungersnot in Niger.

Rolle der Medien

„Die Medien spielen eine ganz entscheidende Rolle“, sagt Sushant Agrawal, Direktor des Hilfswerkes indischer Kirchen CASA – auch ein Partner der Diakonie-Katastrophenhilfe. „Dringlich ist nur was, was Kameras zeigen. Die Bilder gehen um die Welt und bringen Spenden.“ Schlimm sei es, dass sich viele Hilfsorganisationen zu bereichern versuchen. „Für uns ist klar: Wir helfen, weil wir von Gott dazu berufen sind. Weder politische Gründe noch Geld bewegen uns zur Hilfe.“ Nur deswegen habe die Diakonie-Katastrophenhilfe, beziehungsweise ihre Partner, zum Beispiel im Sudan und Somalia arbeiten können, weil Rebellen wie Staat um die Neutralität der Hilfsorganisation wussten.
Eine Sache betont Cornelia Füllkrug-Weitzel sehr: „Katastrophentourismus ist kontraproduktiv, auch wenn Menschen in bester Absicht zum Beispiel jetzt nach Amerika reisen.“ Mancher bleibe an der Grenze hängen, der nächste verkrafte das Klima nicht. „Es gibt in der Regel vor Ort genug Menschen, die zur Soforthilfe bereit sind, da muss man keine Deutschen einfliegen.“

Karin Ilgenfritz

 

 


 

Die Lebensfrage

Als Jesus auf dem Weg war, lief ein Mann herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Gehe hin und verkaufe alles, was du hast. Gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben und komme und folge mir nach. Er aber wurde unmutig über dieses Wort und ging traurig davon, denn er hatte viele Güter. Die Jünger sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist´s unmöglich, aber nicht bei Gott, denn alle Dinge sind möglich bei Gott.
Markus 10,17-27

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Ob Reichtum glücklich macht, ist umstritten. Selig macht er nicht. Foto: Wodicka
   

Menschen stellen heute viele Fragen: Journalisten an Politiker, Schüler an ihre Lehrer und so fort. Wer fragt, kommt weiter. Besonders auch junge Leute werfen offen oder verborgen die zentralen religiösen Fragen nach dem Sinn und Ziel des Lebens auf. In der Geschichte für den 18. Sonntag nach Trinitatis sehen wir einen Mann, der seine tiefe Lebensfrage öffentlich vor Jesus ausspricht: Was muss ich tun, dass ich „ewiges Leben“ bekomme? Eine Frage, die heute in dieser Weise kaum jemand mehr stellt. Bewegen uns nicht längst andere Existenzfragen? Ich möchte darüber nachdenken, was der Frager mit der Sehnsucht nach ewigem Leben meint. Ewiges Leben ist Leben in tiefem Frieden, ohne dass uns die Zerrissenheit der eigenen Seele kaputt macht. Es bedeutet Geborgenheit in jeder Situation, auch in schweren Zeiten der Enttäuschung und Not. Ewiges Leben ist eine Energiequelle, die auch in der letzten Stunde des Sterbens trägt. Ewiges Leben bedeutet Hoffnung, dass wir nach dem Tod in Gottes neuer Welt zu Hause sind und im Gericht Gottes bestehen können. Ewiges Leben kann nie mehr von Gottes Liebe getrennt werden.

Gerade in unseren Tagen der Naturkatastrophen, des brutalen Terrors und der beruflichen Unsicherheiten spüren wir, wie die Sehnsucht nach gelingendem Leben in vielen Menschen aufbricht. Und das gefällt mir bei diesem reichen Mann in Israel, der Jesus den Weg abschneidet. Er krempelt nicht die Ärmel hoch und sagt: Ich werde es schon allein schaffen. Er geht zu Jesus Christus, der hinter dem Wunder unseres Lebens steht und will, dass unser Leben gelingt. Die Reaktion Jesu zeigt dies sehr deutlich: „Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb“.

In Jesus erreicht uns die Liebe des lebendigen Gottes. So ist Gott. Mit seiner Liebe kann unser Leben aufblühen, werden aber auch unsere Schwachstellen und Lebenstäuschungen aufgedeckt. Bei jenem frommen Mann war es die Herzensbindung an Besitz und Geld. Nein, Geld und Reichtum helfen uns nie, um in Frieden mit Gott leben und sterben zu können. Die Echtheit der Liebe Jesu zeigt sich daran, dass er uns einlädt, ihm zu vertrauen, unser Leben an ihn zu binden. „Folge mir nach“ – hier ist kein sektiererischer Zwang! Jesus lässt den reichen Mann, der sich an seinen Wohlstand hängt, weggehen. Das ist keine glückliche Szene, sondern eine unendlich traurige. Denn wer von Jesus weg geht, geht vom Glück weg, am wirklichen Leben vorbei. Die Frage sticht jedem Leser der Geschichte sofort ins Gewissen: Was hält uns heute ab, Jesus nach zu folgen? Gibt es überhaupt eine Chance, ewiges Leben bei Gott zu gewinnen? Menschliche Kraft und Leistung ist viel zu schwach, ewigen Frieden zu schaffen. Aber bei Gott ist es möglich, ewiges Leben zu erhalten.

Allein dieses Geschenk und nicht meine fromme Leistung geben meinem Leben Glanz, Würde und Hoffnung. Entscheidend ist Gottes Liebesenergie, die nie aufhört. Darauf will ich mein Lebenshaus bauen.

Hans-Martin Stäbler, Generalsekretär des CVJM- Landesverbands Bayern, Nürnberg

Gebet: Herr Jesus Christus, zu dir kommen wir mit unserer tiefen Sehnsucht nach echtem Leben. Du hörst unsere Fragen und verstehst unser Herz. Bitte schenke uns deine Liebe, damit unser Leben gelingt und wir Hoffnungsträger des ewigen Lebens in unserer Welt sein können. Amen.

Lied 602: SVergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn

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