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Mehrere Jahre sammeln Forscherinnen Berichte, Fotos und anderes
Drei Jahre sind es nun schon. So lange gehen Barbara Eberhardt und Angela Hager den Spuren jüdischer Geschichte in bayerischen Dörfern und Städten nach. Am Ende der Spurensuche wird ein "Synagogen-Gedenkband Bayern" entstehen. Das Buch erinnert an die etwa 200 bis 250 jüdischen Gebetshäuser und Gemeinden, die um das Jahr 1930 in Bayern existierten. Das Buch soll nicht nur von den Synagogen erzählen, sondern vor allem auch von den Menschen, die in ihnen beteten und feierten. Viele Mosaiksteine Doch fast an jedem Ort finden die beiden Spurensucherinnen Zeitzeugen, Heimatforscher oder Archivare, die dem Vergessen entgegenarbeiten. Angela Hager meint: "Die unmittelbaren Erfahrungen, von denen manche Menschen erzählen, sind für uns besonders wertvoll." Sie denkt gern an ein Gespräch in Sulzbürg zurück, an dem acht Zeitzeugen teilnahmen: "Die Leute freuten sich, dass ihnen endlich jemand zuhört, wenn sie von ihren ehemaligen jüdischen Nachbarn erzählten." Barbara Eberhardt erinnert sich an die Forschungsarbeit in Unterfranken: "In Kleinbardorf und Oberlauringen haben die Zeitzeugen noch besonders detaillierte Erinnerungen an ihre jüdischen Nachbarn berichten können." So erhalten die beiden Forscherinnen ein mosaiksteinartiges Bild über die "Von-Tür-zu-Tür-Kontakte" der christlichen und ihren früheren jüdischen Nachbarn. Zeitzeugen erzählen noch manche, lebendig im Gedächtnis gebliebene Episode, beispielsweise über den Lehrer der jüdischen Schule, über die Art, wie Mazzen für das Passahfest gebacken wurde oder wie Juden am Samstag ihre Sabbatruhe verbrachten. Bisweilen bekommen die beiden Frauen alte Fotos, die das Leben der jüdischen Familien dokumentieren, oder die zeigen, wie die Synagoge aussah, als sie noch verwendet wurde. Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg sollen im Werk der beiden Forscherinnen nicht im Vordergrund stehen. Wohl aber wird deutlich erwähnt, was mit den jüdischen Gemeinden geschah. Genaue Zahlen über die in der Reichspogromnacht vom 9./10. November 1938 zerstörtenSynagogen sind nicht bekannt. Viele Gebetshäuser blieben unbeschädigt, um die Gebäude zu verkaufen und anderweitig zu nutzen. Sehr viele Synagogen in Bayern wurden damals geschändet, und die Inneneinrichtung zerhackt und verbrannt. Die genaue Zahl ist noch nicht bekannt. Auch die Zahl der Opfer steht nicht genau fest. Manche jüdische Bürger haben sich aus Furcht vor den Antisemiten das Leben genommen. Noch viel zu tun Herausgegeben und betreut wird das Projekt von Professor Dr. Berndt Hamm (Erlangen), Professor Dr. Wolfgang Kraus (Saarbrücken) und Prof. Dr. Meier Schwarz (Synagogue Memorial Institute, Jerusalem). Oliver Gußmann Hinweis: Weitere Informationen zu diesem Gedenkband gibt es im Internet: www.synagogenprojekt.de oder unter Telefon: 09131/8522689.
Gottes Erwählung sprengt unsere GrenzenUnd Mose stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein.
Der heutige Israelsonntag erinnert in besonderer Weise an Israel und an das Verhältnis zwischen Juden und Christen. Die Verse führen uns zur besonderen Erwählung Israels. An diesem Punkt stehen die beiden Religionen in einer nicht zu lösenden Spannung. Denn auch wir Christinnen und Christen verstehen uns als Auserwählte und Heilige Gottes. Wir bekennen uns zum Neuen Bund in Jesus Christus, Jüdinnen und Juden zum von uns so genannten Alten Bund. Wir sprechen vom "Priestertum aller Gläubigen", das Alte Testament benennt Israel als "Königreich von Priestern". Trotz der tiefen Wurzeln, die wir Christen im jüdischen Glauben haben, gehen Juden und Christen unterschiedliche Wege zu Gott, bis er selbst die Trennung aufheben wird. Was dabei gefährlich werden kann, ist die Exklusivität, die "Ausschließlichkeit". Wie gerne ist doch jeder Mensch und jede Gruppe einzigartig und hervorragend. "Wir sind etwas Besonderes, uns gilt die Erwählung, nicht Euch!" In diesen letzten beiden Worten - "nicht Euch!" - liegt eine große Gefahr. Denn Erwählung wurde manchmal damit verbunden, Nicht-Zugehörige bis zur Verachtung abzuwerten. So wurden aus den Heiligen Gottes, wie sich Christinnen und Christen verstehen, Kreuzritter und Folterknechte bis hin zur fürchterlichsten Judenverfolgung im Dritten Reich. Wer sich erhöht und andere ausgrenzt, läuft Gefahr, anderen nicht gerecht zu werden, ihnen Unrecht und Leid anzutun. Um der Klarheit willen: In keiner einzigen Begegnung mit Jüdinnen und Juden habe ich solch eine Abwertung je erfahren, und ich danke ihnen sehr dafür.
Ein auserwähltes Volk von Priestern sein! Wer diese Zusage Gottes annimmt, setzt sich natürlich auch seinen Ansprüchen aus. Jesus verstand sich als Erlöser aller Menschen und Völker, er achtete niemanden gering. Er stand und steht für Versöhnung. Und Gottes Auftrag zu Versöhnung und Nächstenliebe reicht so viel weiter als unser menschlicher Horizont. Sichtbar wird das in der Seelsorge. Seelsorger, Frauen und Männer, gehen in die Gefängnisse. Seelsorge für Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, bis hin zu Missbrauch und Mord. Da wird deutlich, wie sehr Gottes Gnade unsere Grenzen sprengt. Ist es nicht schon im Alltag ohne gerichtswürdige Straftaten mehr als schwer, einer aus einem Volk von Heiligen zu sein? Wie ist das mit dem Verzeihen in Familie und Ehe? Wie ist das mit der Anerkennung behinderter Menschen als gleichwertig?
Nehmen wir also Gottes Erwählung für uns, ohne anderen die Ihre streitig zu machen. Und verlassen wir uns darauf, dass er zu seinem Wort steht: Er ist für uns da und kann retten, wie einst Israel aus Ägypten. Pfarrer Frank Nie,
Stadtmission Nürnberg Gebet: Gott, um eines bitte ich dich heute: Schenke mir ein großes Herz, weite meinen Blick bis über den Horizont, vertiefe meine Seele in dich und lass mich meine Nächsten mit deinen Augen sehen. Denn dann, o Gott, wird Friede sein. Amen.
Lied 277: Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist |
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