Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 29)

Starthilfe für die jüngste Generation

Verein "Großeltern stiften Zukunft" macht sich für Enkel stark

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Was können wir sinnvoll für unsere Enkel tun? überlegten Nürnberger Senioren und riefen "Großeltern stiften Zukunft" ins Leben. Foto: Wodicka
   

Seit Eva auf der Welt ist, dreht sich 24 Stunden am Tag alles um sie. Oft ist Martina T. mit ihrer Tochter allein. Wickeln, füttern und beschäftigen - manchmal wird ihr das zuviel. Dazu die Sorgen: Mache ich alles richtig? Geht es meinem Kind auch gut? Wie froh ist die junge Mutter da um die Abwechslung durch die Eltern-Kind-Gruppe im evangelischen Gemeindehaus. Hier knüpft Einzelkind Eva erste Sozialkontakte, hier lernen Mutter und Tochter Lieder, die sie zu Hause singen. Hier erfährt Martina T. erleichtert, dass auch andere Kinder beim Essen streiken.

Was kann ich tun?

Erst musste er sich an die viele freie Zeit gewöhnen. Jetzt ist Johannes S. über seinen Ruhestand glücklich. Besonders seine Freiheit genießt er sehr. Mitten in der Woche seine Enkel zu besuchen - welch ein Luxus! Dass der Opa jetzt auch manchmal abends Kinder hüten kann, nehmen die Eltern dankbar an. Doch immer öfter macht sich Johannes S. Gedanken über die Generation seiner Enkel. "Wie kann ich meine Zeit und mein Geld einsetzen, dass sie eine bessere Zukunft haben?" fragt er sich dann.

Solidarität mit der übernächsten Generation - das hat sich ein Nürnberger Verein zum Ziel gemacht. Seit einem guten Jahr existiert "Großeltern stiften Zukunft", eine bisher einzigartige Initiative von Senioren, die das Schicksal der Enkelgeneration nicht allein den Eltern und der Politik überlassen wollen. "Zur Zeit herrscht doch das Image vor: Die Alten leben auf Kosten der nachfolgenden Generation", erklärt Karl Foitzik, Mitbegründer und zweiter Vorsitzender des Vereins. "Dem wollen wir entgegenwirken." Anlass war ein ganz alltägliches Ereignis: 2003 sollte eine ABM-Stelle des Evangelischen Bildungswerkes zur Begleitung der 200 Eltern-Kind-Gruppen in Nürnberg auslaufen. Da entstand der Gedanke, die Stelle durch einen Großelternverband weiter zu finanzieren. Unter den ersten fünf Großvätern, die das Bildungswerk ansprach, war Karl Foitzik. "Die meisten von uns waren gar nicht direkt betroffen", berichtet er. Seine Enkelkinder wohnen verstreut in ganz Bayern. Eine Nürnberger Mutter-Kind-Gruppe besucht keines. Trotzdem war der siebenfache Großvater sofort dabei, als es darum ging, einen spendenfähigen Verein zur Förderung dieser Halbtagsstelle zu gründen. Vielleicht, weil er die Situation junger Eltern kannte. Vielleicht, weil er bei einer wissenschaftlichen Studie über ehrenamtliche Arbeit in der Kirche erfahren hat: "Da braucht's Beratung und Begleitung. Das kann nicht alles ehrenamtlich laufen."

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Besuch "vor Ort": Vereinsvorsitzender Raimund Loebermann spielt mit den Kleinsten.
   

"Die Fähigkeit, Gruppen zu leiten hat man ja nicht automatisch", meint auch Ursula Plihal, über deren Stelle verhandelt wurde. Plihal berät Mütter vor der Neugründung einer Gruppe und bei der Planung der Treffen, sie gibt Hilfestellungen zur Vermittlung im Konfliktfall und bietet Fortbildungen zu kindgerechten Themen an, zum Beispiel: Rituale im Kirchenjahr oder Rhythmus und Bewegung. Und sie versucht, die Gruppen untereinander zu vernetzen, damit Erfahrungsaustausch und prak-tische Zusammenarbeit stattfinden kann. "Ohne die Beratung gäbe es manche Mutter-und-Kind-Gruppen nicht", meint sie. "Andere würden eher vor sich hindümpeln." Plihal will den Leiterinnen der Gruppen zeigen, wie wichtig ihre Arbeit für das soziale Lernen der unter Dreijährigen ist. "Das ist mehr als Kaffeetrinken und Ratschen." Kinder aus Eltern-Kind-Gruppen könnten schon früh auf andere zugehen und hätten bereits einen Schatz an 20 Liedern, bevor sie in den Kindergarten kommen. "Zudem wird die Mutter entlastet und ist zu Hause entspannter. Das wirkt sich wieder auf die Kinder aus", hat die Beraterin erfahren.

Doch "Großeltern stiften Zukunft" sollte mehr als ein Förderverein für diese Stelle sein - darin waren sich die Gründungs-Großväter und -mütter von Anfang an einig. "Es geht uns nicht in erster Linie darum, Spenden zu sammeln", betont Foitzik. Vielmehr verstehe sich der Verein als Generationenvertrag zwischen den ältesten und den jüngsten Mitgliedern der Gesellschaft. Dabei geht es erst einmal darum, generell ins Gespräch zu kommen darüber: "Was braucht die Enkelgeneration von uns Großeltern? Was können wir leisten?". Dies sei gerade heute wichtig, meint der erste Vorsitzende Raimund Loebermann: "Hier übernehmen Generationen Verantwortung füreinander. Ich engagiere mich für die Startchancen der Enkel-Generation. Und ich vertraue auf die Zuwendung der Jungen zu uns Älteren." Diese Idee ging weit über den Ursprungsgedanken hinaus und stieß bei Nürnberger Senioren auf Interesse. Knapp 40 Mitglieder zählt der Verein heute: Großeltern, aber auch Senioren ohne Enkel, denen die Förderung der zukünftigen Generation am Herzen liegt. Manche von Ihnen engagieren sich bereits ehrenamtlich für Kinder: Sie lesen im Kindergarten vor oder spielen für Kinder Theater. Mit ihrem Beitritt in den Verein wollen sie sich stärker verpflichten und weit-gehender planen.

Noch steckt der Verein in den Kinderschuhen. Noch kann er die 17.000 Euro, die die Halbtagsstelle jährlich kostet, erst zu einem Drittel aufbringen. "Aber das müsste zu schultern sein", so Foitzik. Dazu hat "Großeltern stiften Zukunft" jetzt alle Senioren angeschrieben, deren Enkel die Nürnberger Mutter-Kind-Gruppen besuchen. Vielleicht, so die Hoffnung, lassen sie sich ansprechen, neben einem finanziellen auch einen ideellen Beitrag zu leisten und weiter mitzudenken über die Zukunft der Nürnberger Kinder. Denn die Pläne der Initiative reichen weit: Förderung von Projekten, praktischer Einsatz und politisches Engagement - alles können sich die Mitglieder vorstellen, solange sie damit ihre Solidarität mit den Jüngsten ausdrücken können. Langfristiges Ziel ist eine Stiftung, mit der Stellen, wie die von Ursula Plihal nachhaltig gefördert werden können. An eine Ausweitung über den Raum Mittelfranken hinaus denken die engagierten Großeltern jedoch nicht, berichtet Karl Foitzik. "Ideal wäre es natür-lich, wenn unser Verein Nachahmer fände."

Anne Lüters

Informationen zu Förderung und Mitgliedschaft gibt es im Internet unter www.grosseltern-stiften-zukunft.de

 

 


 

Worauf bauen?

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.
Matthäus 7, 24-27

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Sicher - Kinder bauen gerne im und auf Sand. Das ganze Leben sollte man jedoch nicht auf Sand bauen, so lehrt uns das Gleichnis Jesu. Foto: Wodicka
   

Sand - welche Gedanken und Gefühle ruft dieses Bild bei Ihnen hervor? So kurz vor den Ferien? Ich denke, manche erinnern sich an den letzten Sommerurlaub in Italien und an den Strand. Anderen fallen vielleicht die Sandburgen ihrer Kinder am Nordseestrand ein, die von der Flut über Nacht wieder eingeebnet wurden. Wieder andere denken vielleicht - wie ich - daran, wie sie einmal am Strand ihre Füße vom Wasser umspielen ließen und wie sie nach jeder Welle immer mehr hineingesunken sind in den unbeständigen Sand. Ein schönes Gefühl war das. Denn es gehört ja auch zum Urlaub dazu, alles einmal fließen und sacken zu lassen. Die Seele einfach baumeln zu lassen.

Am Ende der Bergpredigt macht Jesus einmal mehr mit Bildern aus dem Alltag seiner Zuhörer etwas deutlich. In diesem kleinen, unscheinbaren Gleichnis sagt er, dass es unsere Entscheidung ist, auf welcher Basis wir unser Leben aufbauen. Er sagt, dass es unsere Entscheidung ist, ob wir das, was wir gehört haben, auch in die Tat, sprich in unser Alltagsleben, umsetzen. Und: Wie sieht das bei uns aus? Halten wir uns an Gottes Weisungen für ein gutes und gerechtes Leben? Ist die Liebe der Maßstab unseres Lebens und Handelns? Die Bilder vom steinigen und vom sandigen Untergrund sprechen uns bis heute an. Wie ist das, wenn ich mein Leben auf Sand baue? Auch in meinem Alltag heute ist es doch tatsächlich weniger anstrengend, wenn ich weiß, auf welcher Basis ich lebe, was für mich wichtig und richtig ist, woran ich mich halten will. Sollte ich jeden Tag andere Regeln gelten lassen wollen oder mich heute an diese Meinung, morgen an jene anschließen, dann wird mein Alltag extrem anstrengend, und ich werde immer unsicherer. Dann stehe ich jeden Tag wieder bis zu den Knöcheln im Sand.

"Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute." Ja, das ist richtig: Es ist gut, eine feste Grundlage im Leben zu haben. Aber ist das auch so einfach? Geht es wirklich nur darum, sich einfach für Gott und Jesus Christus zu entscheiden, und dann ist alles gut? Vertrauen auf Gott als Grundlage des Lebens - das ist etwas, wonach sich bestimmt viele Menschen sehnen, weil sie auf der Suche sind nach Geborgenheit, Getragen-Sein, Zuversicht und Hoffnung. Was sie dabei vergessen: Um Geborgenheit, Vertrauen und Zuversicht zu gewinnen, müssen sie sich auf Gott einlassen.

Und das ist ja leichter gesagt als getan. Aber vielleicht können andere Menschen ja helfen, zum Beispiel das Vorbild von anderen Christinnen und Christen. Wenn ich sehe, wie jemand anders aus seinem Glauben zufrieden und freudig durchs Leben geht, dann kann das einladend sein. Oder wenn ich sehe, wie jemand aus tiefster Überzeugung anderen Menschen hilft und Gutes tut, dann kann das überzeugen. Wenn man also sieht, wie jemand sein Haus auf Fels baut, wenn er nämlich das, was er gehört hat, auch tut, dann ist das eine Einladung, sich auf diesen Glauben einzulassen.

Pfarrerin Silvia Jühne, Bamberg

Gebet: Gott des Lebens und der Liebe, bitte hilf mir, aus dir zu leben und alles, was ist, anzunehmen aus deiner Hand. Mache mein Herz zuversichtlich und meine Sinne offen für dein Wort und dein Versprechen. Sie sollen die Grundlage für mein Leben und mein Handeln sein. In Jesu Namen. Amen.

Lied 634: Lass uns in deinem Namen

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