Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Unternehmen Kindergarten

Neue Finanzierung stellt Trägergemeinden vor große Herausforderungen

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Nicht die Gruppe, sondern das einzelne Kind wird in Zukunft gefördert. Foto: lü
   

Jeden Donnerstag ist Kindergartentag. Da packt Pfarrerin Ute Frank ihre Gitarre und besucht die 75 Mädchen und Jungen des gemeindeeigenen Kindergartens. Zwanzig Minuten lang singt sie mit den Kleinen und erzählt ihnen von Gott. Die Kinder freuen sich an den Geschichten, die Pfarrerin am Kontakt mit den Jüngsten. Die Förderung der Kleinsten war immer schon Anliegen der Kirche. Davon zeugen bayernweit über 1.100 evangelische Kindergärten - getragen von Gemeinden oder der Diakonie. Doch die Trägerschaft eines Kindergartens bedeutet nicht nur christliche Erziehung und Pfarrersbesuch, sondern auch hohe Verantwortung für die Gemeinde. Müssen doch Finanzen geregelt, Personal geführt und Gebäude in Stand gehalten werden.
Mit dem Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz, das der Landtag nach vierjähriger Erprobungsphase verabschiedet hat, wird die Arbeitslast noch größer. Das Gesetz sieht zwar einen weiteren Gestaltungsspielraum für die Einrichtungen vor, verlangt ihnen dafür aber einen höheren Verwaltungsaufwand ab. Dort, wo früher ein Antrag auf Gruppenförderung an den Staat genügte, müssen Träger jetzt Buchungszeiten erheben, Dienstpläne flexibel danach ausrichten und vieles mehr. Denn die staatliche Förderung richtet sich nicht mehr nach Gruppen, sondern nach der Anzahl und Verweildauer der Kinder.

Emotionale Höhen und Tiefen

"Der Kindergarten verwandelt sich in ein kleines selbstständiges Sozialunternehmen", hat Pfarrer Jürgen Nitz erfahren. Bereits seit 2001 beschäftigt sich der Kindergartenbeauftragte des Dekanats Weilheim mit dem neuen System. Seine Gemeinde Kaufering, Trägerin eines viergruppigen Kindergartens, gehört zum Modelllandkreis Landsberg, der neben der Stadt und Teilen des Landkreises Bayreuth die neue Finanzierung erprobt.
In den vergangenen vier Jahren hat Nitz erlebt, wieviel Mehraufwand auf die Träger zukommt: Etwa vier Stunden wöchentliche Arbeitszeit kostete ihn die Umstellung auf das neue System. Seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse kamen ihm dabei gut zupass. Leicht war es trotzdem nicht: "Wir sind durch alle emotionalen Höhen und Tiefen gegangen", berichtet Nitz. Der Kindergarten, der nach alter Finanzierung zu den "Gewinnern" gehörte, rutschte nach Einführung des neuen Modells deutlich ins Minus. Was tun? Statt Personal abzubauen und Gruppen zu schließen, entschied die Gemeinde, das Angebot des Kindergartens auszubauen: Mit vereinten Kräften von Team, Träger und Eltern wurden die Öffnungszeiten verlängert, das Profil weiterentwickelt und eine zusätzliche Gruppe eingerichtet. Der Einsatz hat sich gelohnt. Die Sorge um den Kindergarten hat alle Beteiligten zusammengeschweißt. Das Angebot ist jetzt stärker durchdacht, der Auftritt in der Öffentlichkeit besser. Mittlerweile ist der Kindergarten finanziell und personell hervorragend gestellt, kann Rücklagen bilden und sich für Krisenzeiten rüsten. Dies ist nötig, hat doch die Landeskirche das finanzielle Risiko der Trägerschaft grundsätzlich den Gemeinden überlassen. Diesen obliegt es, mit den Kommunen Defizitvereinbarungen zu treffen, oder Verluste aus eigenen Mitteln auszugleichen. Andererseits profitieren Gemeinden davon, wenn ihr Kindergarten blüht. Und dass ein finanzielles Plus auch nach dem neuen Modell möglich ist, haben die Kauferinger erlebt. Für evangelische Kindergärten könnte das Gesetz positive Effekte haben, meint Nitz. Denn sie genössen oft einen sehr guten Ruf.
Dennoch - nicht jede Kirchengemeinde kann und will einen solchen Kraftakt leisten, weiß Pfarrer Nitz. Manche seiner Kollegen fühlen sich von der Trägerschaft überfordert - ist sie doch nur ein kleiner Teil ihres Aufgabenbereiches. "Genau davor haben Erzieherinnen und Leiterinnen Angst: vor Trägern, die sich nicht genug um ihre Einrichtungen kümmern", berichtet der Kindergartenbeauftragte. Kirchengemeinden müssten sich ihrer unternehmerischen Verantwortung bewusst sein - als Arbeitgeber von Mitarbeiterinnen, die durch das neue Gesetz oft verunsichert sind und um ihren Arbeitsplatz bangen. Nitz hat erfahren, wie negativ sich Angst und Druck auf das Teamklima auswirken. Gerade aber die Motivation der Mitarbeiter sei entscheidend für die gute Atmosphäre und damit für hohe Kinderzahlen. Es sei Aufgabe des Trägers, finanzielle Schwankungen aufzufangen, damit das Team ruhig arbeiten kann, so Nitz. Und die Eltern? Sie müssten mit dem Modell sehr zufrieden sein. Schließlich können sie den Kindergartenbetrieb durch ihr Buchungsverhalten mitbestimmen. Zudem haben durch das neue Gesetz, das keinerlei Kürzungen vorsieht, auch Krippen, Horte und Tagespflege Anspruch auf staatliche Förderung. Dennoch haben viele Eltern Zweifel an dem Modell. Davon zeugen Demonstrationen von Kindern, Eltern und Erzieherinnen, davon zeugen auch etwa 400 Petitionen, die im Vorfeld des Beschlusses beim Landtag eingingen. Der Grund: Sorge vor Qualitätsverlust, vor Schließungen und Benachteiligungen, bis hin zu konkreten Änderungswünschen.
"Von den grundsätzlichen Ängsten sind wir weg", meint Alexandra Röthlingshöfer, Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe im Diakonischen Werk Bayreuth und Fachberaterin für die bayreuther Kindertagesstätten. Zuviele "diffuse Ängste" würden durch Unkenntnis verbreitet. Dass Eltern kürzere Zeiten buchen, kann sie beispielsweise nicht bestätigen: "Nicht das Finanzierungsmodell macht Arbeitsplätze unsicher, sondern der demographische Wandel."
Die meisten Bedenken gingen an den eigentlichen Problemen vorbei, bedauert Röthlingshöfer. Und davon gebe es einige: Die ungeklärte Vertretung im Krankheitsfall zum Beispiel, die Gastkinderregelung und die Bedarfsfestlegung durch die Kommunen. Im Modellversuch war das noch anders. "Wie sich das auswirken wird, weiß noch keiner", meint Röthlingshöfer.
Auf die Träger sieht auch sie mehr Verwaltung zukommen. Damit jedoch nicht jeder wieder ganz bei Null anfangen muss, haben Modellgemeinden ihre Erfahrungen für andere zugänglich gemacht: So hat Jürgen Nitz Informationen und Material in einer Praxishhilfe für Kindergartenträger zusammengestellt.

Anne Lüters

Das neue Praxisheft für Träger mit aktualisierter Programm CD erscheint im Oktober und kann über E-Mail: nitz.kaufering@ freenet.de bestellt werden.

Die wesentlichen Neuregelungen ab 2006

Kindbezogene Förderung:
Staatliche und kommunale Zuschüsse richten sich nicht mehr nach der Anzahl der Gruppen, sondern nach der gebuchten Stundenzahl. Je mehr Kinder also den Kindergarten besuchen und je länger sie betreut werden, desto mehr Geld erhält der Kindergarten. Desto mehr müssen aber auch die Eltern bezahlen.

Größere Altersmischung:
War die Aufnahme von Kindern unter drei bisher eine Ausnahme, so unterstützt die neue Regelung ausdrücklich die Öffnung für Jüngere und Ältere. Für die Betreuung eines unter Dreijährigen erhält die Institution doppelt soviel wie für ein Kindergartenkind, für die Betreuung eines Schulkindes immerhin den 1,2-fachen Satz.

 

 


 

Der Traum vom Frieden wird Wirklichkeit

Es wird zur letzten Zeit der Berg, da das Haus des Herrn ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben. Alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Haus des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege... Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben.
Jesaja 2, 2-4

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Mahnmal "Schwerter zu Pflugscharen" im Park der Vereinten Nationen in New York. Die Statue zum Thema Abrüstung ist ein Geschenk der ehemaligen Sowjetunion an die UN. Im Hintergrund die Fahne der UN. Foto: epd
   

Es gibt die bittere Wirklichkeit, dass mit Gewalt wohl alles geht. Nun, mit Gewalt lassen sich bestimmte Entscheidungen in der Tat erzwingen. Man kann damit auch Lebensglück und Hoffnungen zerschlagen. Doch keine Macht kann Freundschaft und Liebe, Glück und Versöhnung, Dankbarkeit, Vertrauen und Glauben erzwingen. Denn in diesen entscheidenden Bereichen des Lebens erkennt man, ob ein Leben gelingt oder scheitert.

Der lebendige Glaube weiß, dass es umfassende Gerechtigkeit geben kann. Gott selber gibt in unsere bittere Wirklichkeit sein heilendes Wort, das gegen Ungerechtigkeit und Leid in vielfältiger Form spricht. Durch dieses Wort entsteht Bewegung: Nationen und Völker machen sich auf, hin zu dieser einen Mitte; dort, wo der eine Gott zu finden ist. Wenn Menschen nicht mehr weiterwissen, wenn Unruhe und Orientierungslosigkeit die Gedanken beherrschen, wenn Angst sich breit macht, gibt es immer noch jene einladende Weisung des Herrn. Das Urbild vom hohen Berg, verbunden mit der Völkerwallfahrt, mag vielen fremd sein. Aber es ist eine wundersame Vision in friedloser Zeit, dass Gott sichtbare Zeichen setzt, dass ihm an Gewalt nichts liegt, sondern an der gelingenden Gemeinschaft vieler Völker. Die Verwandlung der Welt zum Guten begann, als Gott sein Evangelium in diese Welt hineingegeben hat. Dieses Evangelium bewegt die Menschen auf ein gemeinsames Ziel zu. Aber Träume, die nicht gelebt werden, bewirken keine Wunder. Das Weitererzählen bereits ermöglicht eine gewisse Begeisterung, nicht zu resignieren, sondern sich selber aufzumachen und für Frieden und Verständigung die ersten Schritte zu tun. Wir können tatsächlich auf Waffen verzichten, wenn die Werte Teilen und Anteilgeben, Sich-Einsetzen für andere und die Besinnung auf eine gemeinsame Mitte die alten verbrauchten Ideale wie Sich-Abgrenzen, Ausschließen, Mit-Gewalt-Verteidigen, Besitzstandswahrung usw. bei vielen Menschen ersetzen würden.

Das Miteinander-ins-Gespräch-Kommen und die Besinnung auf die gemeinsame Aufgabe, diese Erde um Gottes Willen zu gestalten und zu bewahren, machen Krieg und Gewalt überflüssig. Bauen wir doch in unserem Lebens- und Wirkungsbereich Frieden, indem wir wieder anfangen, mit Gott zu sprechen und auch miteinander ins Gespräch zu kommen.

Pfarrer Erich Eyselein, Prichsenstadt

Gebet: Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt! Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt, und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt. Amen.

Lied 267: Herr, du hast darum gebetet, dass wir alle eines sein.

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