Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 27)

900 Jahre altes Handwerk

Lasst Gottes Licht scheinen in der Welt

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Der Glas- und Porzellanmalermeister sowie Kunstglaser Harald Stephan. Fotos: Privat und M. Noack
   

Lasst Gottes Licht scheinen in der Welt, nirgends wird dieser Spruch bildlicher dargestellt als in der Kunst der farbigen Kirchenfenster. Auch Holger Stephan hat 1968 begonnen, sich diesem Beruf zu widmen, als er in einer Kunstglaserei das über 900 Jahre alte Handwerk des Glas- und Porzellanmalers und Kunstglasers erlernte. Drei Jahre dauerte die Ausbildung, bevor er 1971 seinen Gesellenbrief ablegte. Sein Weg brachte ihn dann in einen Glasgroßhandel, wo er vor allem Bleiverglasungen für Türen und Haustüranlagen fertigte. 1981 meldete sich der ehrgeizige Handwerker in Regensburg zur Meisterprüfung an und erhielt 1982 seinen Meisterbrief.

Neue Heimat in Rothenburg

Seit September 1985 arbeitet er in seiner eigenen Werkstatt in der Herrngasse in Rothenburg. Vor allem sein Meisterstück beeindruckt gleich beim Betreten des Raumes: Dort hängt ein zwei mal drei Meter großes Bild, eine Ansicht vom Heidelberger Schloss. Gefertigt aus 1856 Einzelteilen, bestehend aus 72 Farben, entstanden in zwei Monaten und 406 Arbeitsstunden. Seit seinem Berufsanfang aber hat es ihm besonders die sakrale Kunst angetan. Schon in seiner Lehrzeit war er mit der südlichen Rose im Freiburger Münster beschäftigt. Die Kirchen und ihre Glasfenster haben ihn seither nicht mehr losgelassen. Egal ob Neuverglasungen oder Restaurierungen - viele Kirchen tragen die Handschrift des einzigen Glas- und Porzellanmalermeisters im Bereich der Handwerkskammer Mittelfranken. So hat er in einem Kloster in Wien drei Neuverglasungen zu den Themen Eucharistie, Heiliger Geist und Maria und Josef geschaffen und in Norwegen in einer Kapelle einer Rehaklinik ein Schöpfungsbild oder eben in Nürnberg (siehe Bilder).
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Die Bilder von links oben nach rechts unten zeigen den chronologischen Ablauf bei der Herstellung von Glasfenstern: Auf die Schablone werden die einzelnen zugeschnittenen farbigen Glasteile wie bei einem Puzzle zusammengesetzt und nummeriert, bis das ganze Bild fertig ist (Bild 1 und 2).
   
Sein wohl größter Auftrag aber war die Restaurierung der Fenster der Franziskanerkirche in Rothenburg. Dort hatte er es mit Glasscheiben zu tun, die schon rund 300 Jahre alt sind. "Bei so altem Glas muss man besonders behutsam sein, da es viel weicher ist als heutiges Glas und vor allem - wohl aus Kostengründen - viel dünner hergestellt wurde", schwärmt der Handwerker. Noch hat er genügend "altes, mundgeblasenes" Glas eingelagert, so dass er bei Restaurierungen solches verwenden kann. "Ich bin viel bei Sperrmülltagen he-rumgefahren und habe alte Fensterrahmen mit mundgeblasenem Glas eingesammelt. Zu Hause hab ich das Glas vorsichtig ausgebaut und eingelagert". Detailarbeit ist also gefragt - nicht nur bei der Herstellung. Apropos Rothenburg: Auch die Fenster der Heilig Geist Kirche, der Wolfgangskirche, in St. Jakob und in St. Peter und Paul in Detwang hat er bereits restauriert. Auf die Frage, ob er lieber neu geschaffene Fenster herstellt oder restauriert antwortet Holger Stephan verschmitzt: "Schön ist, wenn ich etwas Altes und Kaputtes wieder herrichten kann. Aber schön ist es auch, wenn ich ein neues Fenster erschaffen kann. Beides ist gleich schön."

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Danach werden die einzelnen Teile zu Fensterteilen verbleit und anschließend verlötet (Bild 3). Das letzte Bild zeigt das "Reich Gottes Bild" am Ort seiner Bestimmung in der Dreieinigkeitskirche in Gostenhof in Nürnberg, für das er 200 Arbeitsstunden benötigte.
   

Totes und lebendiges Glas

Eine eindeutige Präferenz hat er nur beim Material selber: "Industrieglas, wie es heute gefertigt wird, ist ein toter Gegenstand, die Scheiben sind immer gleich. Ich verwende nur mundgeblasenes Glas, denn da ist Leben drin mit den Bläschen und Strukturen." Sein Glas bezieht er aus der Glashütte Lambertz in Waldsassen. Es ist die einzige Glashütte, die in Deutschland noch so ein Glas herstellt, das pro Scheibe etwa die Größe von 60 x 90 Zentimeter hat. Die andere Hütte ist in Südfrankreich. Mehr gibt es nicht mehr. Über 1000 Farben können inzwischen bei der Glasfertigung hergestellt werden. Dem Quarzsand werden dabei Metaloxide zugefügt. Bei Blau zum Beispiel Kobald, für die Farbe Rot Goldstaub!

Wenig Nachwuchs

Seine Arbeit ist vielseitig. Als Glasmaler bemalt er die Scheiben mit Konturfarbe und brennt sie anschließend mit 600 Grad ein. Das hat er vor allem in Wolframs-Eschenbach in St. Sebastian, der Friedhofskapelle, gemacht. Als Kunstglaser schneidet er das Glas nach einer Schablone zu, verbleit und lötet es. Auch hier kennt der Künstler keine Vorlieben. Auch hier macht er beides gleich gerne. Schade findet er nur, dass es so wenig junge Menschen gibt, die dieses kreative Handwerk noch erlernen wollen. "Die jungen Menschen wollen halt viel lieber was mit dem Computer erlernen", meint er. Holger Stephan selber ist nach mehreren Operationen und Unfällen nicht mehr in der Lage, seine Fenster in die Kirchen noch selber einzubauen. "Ich kann nicht mehr auf den Gerüsten herumklettern - da hilft mir jetzt ein Schlosser, aber ich bin froh und dankbar, dass ich wenigstens an meinem Tisch in der Werkstatt noch arbeiten kann".
Neben Glasfenstern schafft er auch sakrale Kleinkunst. Glaskrippen und Sterne zur Weihnachtszeit und verschiedene Glaskreuze. Ein Besuch beim freundlichen Kunstglaser in der Werkstatt lohnt sich immer. Er erklärt gerne seine Kunst und ist offen für jeden und lässt einen schon auch mal etwas selber ausprobieren.

Manuela Noack

 

 


 

Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen

Das Volk sprach zu Jesus: Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? Unsre Väter haben in der Wüste das Manna gegessen, wie geschrieben steht "Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen." Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmer-mehr dürsten.
Johannes 6, 30-35

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Unser Bild zeigt die Heilige Elisabeth vom Hochaltar der St. Jakobskirche in Rothenburg mit Suppentopf und Brotlaib. Foto: St. Jakob
   

Das Wort "Brotzeit" erweckt angenehme Empfindungen: Erinnerungen an die Rast bei einer Wanderung, an Feierabend, an den Schatten von Kastanienbäumen an heißem Sommertag, an Erquickendes und Erfrischendes, Deftiges und Kräftiges. Im Zeitalter der "Burgers" einerseits, der Heerscharen von Fernsehköchen andererseits ist "Brotzeit" ein sympathisch beschaulicher und bodenständiger Begriff.
Auch Jesus spricht von Brotzeit, nicht dem Wort, aber der Sache nach. Brotzeit ist immer, wenn Menschen zu ihm kommen und an ihn glauben. Zwischen "allezeit" und "nimmermehr" liegen die Termine der Brotzeit: Allezeit Lebensbrot, nie mehr hungern, nimmermehr dürsten. Das Wort "Brot", das Jesus für sich selbst in Anspruch nimmt, spricht seine eigene Sprache: Brot ist noch immer der Inbegriff dessen, was wir täglich zum Leben brauchen, ein Bild für das, was wir haben, aber auch für das, was wir uns wünschen, jedoch oft entbehren müssen. Ohne das Brot vom Bäcker könnten wir notfalls schon leben. Und manche Menschen leben ganz gut ohne Brot.

Eine Königin soll einmal gesagt haben, als man ihr klagte, ihr Volk habe kein Brot mehr zu essen, dann sollten die Menschen halt Kuchen essen. Das war doppelt dumm von der Königin. Einmal, weil sie in ihrem Luxus gar nichts von der Not der Armen kapiert hat. Und dann, weil sie das Brot nur buchstäblich und nicht dem Sinne nach verstanden hat. Obwohl sie doch auch das Vaterunser gekannt hat mit der Bitte "Unser tägliches Brot gib uns heute", und von daher hätte wissen können, dass Brot nicht nur das meint, womit wir uns den Magen füllen, sondern auch das, was das Herz erfüllt und das Leben lebenswert macht. Ich glaube, da wären unsere Konfirmanden klüger als diese Königin.
Warum aber hat man denn seit alter Zeit bis heute immer wieder "Brot" als Bild für das hergenommen, für das, was das Leben ausmacht? Das Brot und nicht den Apfel, die Banane, die Kartoffel, nicht den Braten und schon gar nicht die Vitamintablette oder die Infusionsflasche?

Das hat wohl noch einen anderen Grund als nur den, dass Brot für viele Völker das "Grundnahrungsmittel" ist. Ich denke, der Grund liegt darin, dass zum Brot das Teilen gehört. Brot kann man teilen und hat es immer geteilt. Von Jesus und den Jüngern wird das oft erzählt. Wenn Jesus das Brot gebrochen hat, hat er es damit geteilt.
Brot ist eigentlich Nahrung für eine Gemeinschaft von Menschen, nicht für einen alleine. Ein Brötchen esse ich auch alleine. Einen Laib Brot, den teilt man am besten. Zum Brot gehört das Teilen, wie zum Leben das Teilen gehört. Brot entsteht ja schon durch Teilen, durch Arbeitsteilung. Da arbeiten viele Hand in Hand, dass Brot werden kann: Der Bauer, der Müller, der Bäcker. Brot wird nicht im Alleingang gemacht und soll nicht allein gegessen werden. Zum Brot gehören die vielen Hände, die austeilen und empfangen. Deswegen, glaube ich, deswegen vor allem, weil das Brot nicht nur satt macht und schmeckt, sondern auch zum Teilen anstiftet, Arbeit zu teilen und Speise, Lasten und Freude, deswegen ist Brot ein so vielsagendes und verständliches Bild für unser Leben, ein Bild, in das sich Jesus Christus hineinbegeben hat und das er "voll ausfüllt".

Dietrich Wünsch, Dekan in Rothenburg

Gebet: Wunderbarer Gott, du schenkst uns alles, was wir zum Leben brauchen, das tägliche Brot und das Brot des Lebens. Danke! Und bitte: Mach unser Herz und unsere Hände bereit zum Empfangen und zum Teilen. Amen.

Lied 171: Bewahre uns Gott

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