Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 24)

Die Confessio Augustana

Einblicke ins Zentralbekenntnis der Reformation

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Philipp Melanchthon, der Hauptverfasser der Confessio Augustana, auf einem Gemälde von 1534. Foto: epd
   

Als Philipp Melanchthon am 27. März zum Reichstag nach Augsburg angereist war, befanden sich in seinem Gepäck wichtige Arbeitsergebnisse der Wittenberger Theologie, seit dem 19. Jahrhundert die "Torgauer Artikel" genannt. Bei ihnen handelte es sich um ein Papier zum Zweck der Verteidigung der Praxis kursächsischer Kirchenreform. In dieser Eigenschaft sind die Torgauer Artikel zur Grundlage des zweiten Teils der Fassung der Confessio Augustana (CA) von 1530 geworden, der seinerseits von Maßnahmen der Kirchenreform und ihrer Verteidigung handelt.

Konservatives Bekenntnis

Die Themen, die in den Artikeln XXII bis XXVIII angesprochen werden, sind im einzelnen folgende:

  1. Legitimer und gebotener Empfang des Abendmahls durch die Gemeinde unter beiderlei Gestalt, also nicht nur unter der Brot-, sondern auch unter der Weingestalt. Maßgebend waren hierfür Gebot und klarer Befehl des Herrn gemäß Matthäus 26,27: "Trinket alle daraus."
  2. Vom Ehestand der Priester: Der Zwangszölibat sei abzulehnen, der Ehestand auch für ordinierte Amtsträger der Kirche eine gute und heilige Schöpfungsordnung Gottes.
  3. Von der Messe: Die Vorstellung eines Messopfers einschließlich verschiedener Kauf- und Winkelmessen sei abwegig, sofern das Abendmahl als gottgegebene Gabe für uns und nicht dazu gestiftet sei, Gott Gaben darzubringen. Das Gott versöhnende Sühnopfer sei am Kreuz Jesu Christi ein für alle mal vollbracht worden und erlaube keine Wiederholung, Ergänzung oder gar Ersetzung. Das Opfer der Christen könne daher nur im Lob- und Dankopfer als Folge reinen Empfangens des Glaubens bestehen.
  4. An der Beichte wird festgehalten. Allerdings sei eine Aufzählung aller einzelnen Sünden weder möglich noch nötig. Alle Aufmerksamkeit gehöre dem Wort des Freispruchs, in dem die Reformatoren den Inbegriff des Evangeliums sahen.
  5. Erklärungen über Speiseverordnungen und Fastenvorschriften sowie über Klostergelübde schließen sich an.
  6. Im Schlussartikel wird ausführlich die Thematik kirchlicher Amtsvollmacht erörtert. Zwischen ziviler und kirchlicher Vollmacht ist demnach strikt zu unterscheiden: Während die weltliche Obrigkeit die Macht und Aufgabe hat, dem Recht gegebenenfalls auch mit Gewalt zur Durchsetzung zu verhelfen, hat die Ausübung geistlicher Vollmacht die Regel zu befolgen: "Nicht durch menschliche Gewalt, sondern durchs Wort" (CA XXVIII,21).
Was die Ordnung des ordinationsgebundenen Amtes im einzelnen angeht, so denkt die Wittenberger Reformation eindeutig von der versammelten Gottesdienstgemeinde als der Urgestalt von Kirche her. Doch weil jede Ortsgemeinde auch einen universalkirchlichen Bezug hat, wird in CA XXVIII die Möglichkeit und historische Notwendigkeit der Ausbildung übergemeindlicher Ämter, namentlich des Bischofsamtes ausdrücklich anerkannt. Unter der Voraussetzung der Duldung evangelischer Kirchenreform war man sogar bereit, das Institut der Fürstbischöfe anzuerkennen. Daran bestätigt sich der konservativ-bewahrende Grundcharakter der Wittenberger Reformation als auch die Tatsache, dass es ihr nicht um die Ausgestaltung eines eigenständigen Kirchentums ging, sondern um die Reform der einen, heiligen, apostolischen und katholischen Kirche.

Was zur Einigkeit genügt

"Dreck" hatte ihn Martin Luther in zeitüblicher Grobheit gelegentlich genannt: Dr. Eck von der Universität Ingolstadt war keineswegs von vorneherein reformunwillig, aber dennoch ein entschiedener Gegner der Reformation und Intimfeind des Wittenberger Reformators geworden. Am 4. Mai 1530 ließ er 404 Artikel unter die Leute bringen, in denen Luther, Zwingli, Taufgesinnte und Schwarmgeister als ketzerische Einheit behandelt wurden - mit dem Ziel, der Reformation Irrlehren und einen prinzipiellen Lehrgegensatz zur altgläubig-katholischen Tradition zu unterstellen. Als Melanchthon, der Hauptautor der CA, die Ecksche Flugschrift mit Entsetzen gelesen hatte, war ihm klar, dass eine Verteidigung der evangelischen Position insgesamt nötig geworden war - nämlich eine Ergänzung der Torgauer reform-praktischen Verteidigungsschrift um ein auch theoriegeleitetes Glaubensbekenntnis. So gab er Ende Mai 1530 der Augustana eine Doppelgestalt. Als hauptsächliche Textbasis der Erweiterung fungierten die Schwabacher und Marburger Artikel sowie Luthers Großes Bekenntnis von 1528. In die Stamm-Artikel des ersten Teils der CA (I bis XVII) sind mancherlei Vorarbeiten eingegangen. Das gilt ähnlich für die Zusatzartikel XVIII bis XXI, die vom freien Willen, von der Ursache der Sünde, von Glauben und Werken sowie vom Heiligendienst handeln.

Die Anlage der Stammartikel des ersten Teils der CA sieht wie folgt aus. CA I handelt von Gott und lehrt im Anschluss ans altkirchliche Glaubensbekenntnis die Einheit des göttlichen Wesens und die drei Perso-nen der Trinität. Damit sollte zweierlei klargestellt werden: Die Reformation befindet sich auf dem Boden des Reichsrechts, welches Anti-Trinitatismus mit der Strafe des Todes bedrohte; und sie weiß sich einig mit den dogmatischen Lehrentscheiden der Alten Kirche. Der christologische Artikel CA III unterstreicht dies, indem er die Lehre von den zwei Naturen in der einen Person des Gottmenschen, wie sie das Konzil von Chalcedon 451 definiert hatte, ohne Vorbehalte bejaht. Verzahnt sind diese Artikel einerseits mit dem Artikel II, der die Sünde des Menschen als fehlende Gottesfurcht, fehlendes Gottvertrauen und selbstverkehrte Begehrlichkeit bestimmt, und andererseits mit dem Rechtfertigungsartikel CA IV. Sodann beantwortet CA V die Frage, wie man den Rechtfertigungsglauben erlange, mit entsprechenden Hinweisen auf Wort und Sakrament, mittels derer der Heilige Geist den Glauben wirke, sowie auf ihren ordnungsgemäßen Vollzug, dem das "Predigamt" zu dienen habe.

Nach einem in CA VI gegebenen Verweis darauf, dass der Glaube unbeschadet seines reinen Empfangscharakters gute Früchte nicht schuldig bleiben sollte, wird in CA VII in bündiger Weise vom Wesen der Kirche gelehrt, dass "alle Zeit musse ein heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Glaubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakrament lauts des Evangelii gereicht werden." Dies genüge zur kirchlichen Einheit. "Und ist nicht not zur wahren Einigkeit der christlichen Kirche, daß allenthalben gleichformige Ceremonien, von den Menschen eingesetzt, gehalten werden." Im Anschluss daran werden Taufe (CA IX), genauer gesagt: das gegen die so genannten Wiedertäufer verteidigte Recht der Kindertaufe, sodann Abendmahl (CA X), Beichte (CA XI) und Buße (CA XII) sowie der Gebrauch der Sakramente im allgemeinen (CA XIII) erörtert. Der strittigste der bezeichneten Artikel war zweifellos der Abendmahlsartikel CA X. In ihm spiegelt sich der spätestens im Marburger Religionsgespräch von 1529 offen zutage getretene Konflikt der Wittenberger Reformation mit den Zürichern und namentlich mit Zwingli, der in Augsburg mit seiner "Ratio fidei" ein eigenes Bekenntnis vorlegte.

Im Horizont der Ewigkeit

Die Stamm-Artikel des ersten Teils der CA werden beschlossen mit Grundsätzen zur kirchlichen Ordnung: Niemand soll in der Kirche predigen oder die Sakramente verwalten, er sei denn ordentlich berufen (CA XIV); Kirchenordnungen (CA XV) verdienen als Menschensatzungen um der äußeren Verfassung der Kirche willen Respekt, wenn sie ihrem Zweck genügen und nicht unnötig die Gewissen beschweren. Das weltliche Regiment (CA XVI) hat nach dem Maß der Gerechtigkeit das Schwertamt zu üben und die Sphäre ziviler Freiheit zu sichern. Der Artikel zur Wiederkunft Jesu Christi am Jüngsten Gericht (CA XVII) stellt schließlich das weltliche Regiment und entsprechend die äußere Ordnung der Kirche in den - auch kritischen - Sinnhorizont der christlichen Endzeit-Perspektive. Damit wird deutlich: Die Evangelischen legten ihr Bekenntnis in Augsburg in dem Bewusstsein ab, sich dafür dereinst vor dem Angesicht Gottes verantworten zu müssen.

Gunther Wenz

 

 


 

Gottes wundersame Wege

Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen; aber Gott gedachte es gut zu machen, dass er täte, wie es jetzt am Tage ist, zu erhalten viel Volks.
1. Mose 50, 20

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Im Gebet dürfen Christen darum bitten, dass Gott ihren Lebensweg zu einem guten Ziel führt. Foto: gmh
   

Es gibt eine schreckliche Auferstehung der Schuld. Packend die Josef-Geschichte: Als der Vater stirbt, sehen sich die Brüder mit uralter Schuld konfrontiert: ihre Gemeinheit mit Josef. Angst packt sie; wie unmenschlich hatten sie gehandelt! Jetzt kann es nur Rache geben. Den sie damals in die Zisterne geworfen haben, der hat jetzt Macht über Leben und Tod. Sie - die Keimzelle des Volkes Gottes, als Segensträger erwählt. Zerstörung - ihr Beitrag zur Rettungsgeschichte. Gelb vor Neid verschachern sie den Träumer: sie ertragen nicht, dass Gott durch Josef etwas Besonderes tun will. Dieser eingebildete Lieblingssohn. Sind sie, die vor dem Schlimmsten nicht zurückschrecken, nicht typisch für uns? Clever verwischen sie Spuren, morden, ohne sich die Hände schmutzig zu machen und reden sich ein: Der Vater ist ja selber schuld. Jetzt, in der Begegnung mit ihrem mächtig gewordenen Bruder wird die Schrecklichkeit ihrer Schuld grell deutlich.

Ist Josef, mit allem Unrecht, das ihm geschah, nicht ein Wegweiser auf Jesus? Den einen, an dem Gott Wohlgefallen hat, will man abtun. Töten lassen ihn seine Feinde. Alle Bösartigkeit des Menschen wird doch am leidenden Jesus offenbar. Wenn Generationen nach uns unsere Zeit betrachten werden, was bleibt zu berichten: Kriege, massenweises Töten von Kindern im Mutterleib. "Aber Gott hat es zum Guten umgeplant". Großartig: Der Weltenherrscher lässt sich nicht von seinem Rettungsplan abbringen; er nimmt die bösen Pläne und gebraucht sie, um Gutes daraus zu machen.

Es sah aus, als wären Gottes Pläne von den Brüdern des Josef durchkreuzt worden. Dann aber stellt sich heraus: Gott hat die bösen Pläne gebraucht, um sie vor dem Verhungern zu retten. Josef kam als Sklave nach Ägypten, um einmal als Herr über Kornkammern seine Sippe zu retten. Geradezu widersinnig: Hätten die Brüder ihren Kleinen nicht verschachert, könnte er sie jetzt nicht retten. Wir können Schlussfolgerungen über Gottes wundersame Wege ziehen. Ein Hinweis auf den Kreuzweg Jesu? Hier das Modell für das, was Gott später in Wirklichkeit und ganzer Größe erstehen lässt! Jesus wird in schrecklichste Not gestoßen, damit wir gerettet werden. Beschämt stehen die Brüder da - überleben dürfen sie, weil ihr Bruder den Weg gegangen ist, den ihr Unrecht ihm bereitet hat. Auch wenn wir es nicht begreifen - wir dürfen davon leben! Wir gegensätzlichen Leute, wir Heiden und Feinde - wir dürfen alle mit dazugehören zum "Volk, das erhalten wird". Im Angesicht des geschändeten Bruders steht unsere Schuld schrecklich auf. Aber um Jesu willen dürfen wir leben. Jesus hat Ja gesagt zu dem schrecklichen Rettungsweg Gottes. Jetzt steht er vor uns, wie Josef vor seinen Mörderbrüdern stand - und will keine Rache, sondern uns Leben austeilen.

Unsere Versorgung will er sein. Wir sollen der Not des Verhungerns entrinnen. Unsere Seele wird durch ihn gesättigt. Unsere Schuld vor Menschen und vor Gott - wir werden sie oft nicht vergessen und müssen sie nicht verdrängen. Wir können sie uns vergeben lassen. Beichten dürfen wir: Schuld ans Kreuz Jesu bringen, damit Gottes Retten durch Jesus bei uns geschieht - immer wieder neu.

Martin Kühn, Pfarrer in Hirschaid

Gebet: Ich kann nur staunen, lieber Herr, wie du Böse-Erdachtes zum Guten gebrauchst. Gib mir das Vertrauen in dich, dass du auch meinen Lebensweg zu einem guten Ziel führst. Danke, dass Schuld mich nicht länger belasten muss; ich lege sie dir, Jesus, ans Kreuz. Amen.

Lied 372: Was Gott tut, das ist wohlgetan.

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