Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 21)

In schnellerem Tempo zum Pfarrdienst

Pfarrverwalter(in) werden in unserer Landeskirche

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Hoffnungsvolle Pfarrverwalterinnen und -verwalter; zweiter von rechts: Dozent Dr. Christian Eyßelein. Foto: Privat
   

Junge Menschen sind es in der Regel, die sich fürs Theologie-Studium entscheiden. Doch in einigen Fällen führen erst viel später im Leben die Tätigkeit im Beruf, der Glaube oder ehrenamtliche Mitarbeit in der Gemeinde zu dem Wunsch, in den Pfarrdienst zu treten. In dieser Hinsicht bot die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern bis Mitte der 80er Jahre mit ihrem Pfarrverwalterseminar in Neuendettelsau so genannten „Spätberufenen“ die Möglichkeit, sich zum Pfarramt ausbilden zu lassen. Wegen sehr hoher Theologiestudierenden-Zahlen wurde dieses Seminar geschlossen.

Bisher gute Erfahrungen

Angesichts neuerer Nachfragen kam es in den letzten Jahren jedoch wieder zur Entwicklung eines Ausbildungsgangs für ,,Pfarrverwalterinnen und Pfarrverwalter“ an der Augustana-Hochschule. Mittlerweile sind zwei unterschiedliche Wege am „Studienseminar Pfarrverwalterausbildung“ an der Augustana-Hochschule eingerichtet. Für Personen zwischen 26 und 39 Jahren, die mindestens mittleren Schulabschluss und sechsjährige Bewährung in einem erlernten Beruf mitbringen, gibt es einen vierjährigen Ausbildungsweg; für Personen bis zu höchstens 43 Jahren, die nach einer mindestens dreijährigen biblisch-theologischen und pädagogischen Ausbildung wenigstens zehn Jahre im kirchlichen oder einem vergleichbaren Dienst gearbeitet haben, ist ein Studienjahr vorgesehen.
Auf der Grundlage von Bibel und Theologie werden künftige Pfarrverwalterinnen und Pfarrverwalter dazu befähigt, „nah an den Menschen“ und in Auseinandersetzung mit den Themen unserer Zeit in Verkündigung, Unterricht, Seelsorge und Gemeindeleitung zu arbeiten. Dabei ist ihr Unterschied zu „richtigen“ Pfarrer(inne)n gar nicht sonderlich groß: Sie bringen jedenfalls ihre besonderen Berufs- und Lebenserfahrungen indirekt mit in den Pfarrdienst ein; und rechtlich kann ihre Ausbildung erst nach einem abschließenden Prüfungs-Kolloquium dem wissenschaftlichen Studium gleichgestellt werden. Dabei erhalten sie bis zu diesem Termin etwas niedrigere Dienstbezüge und übernehmen ihre Pfarrstelle eben zur „Verwaltung“ .
Ihre theologische Ausbildung absolvieren sie im Lehrangebot der Hochschule nun gemeinsam mit den Theologiestudierenden. Die guten bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen angesichts der hohen Motivation, die hinter einer beruflichen Neuorientierung steht, kaum eine Rolle spielen. Heidrun Hemme zum Beispiel hat 26 Jahre Kindergottesdienst geleitet, war Lektorin und Prädikantin; jetzt befindet sie sich im vierten Semester. „Ich find’ es spannend, ja begeisternd, dass ich nach vielen Jahren der Berufstätigkeit als Erzieherin noch einmal etwas Neues lernen darf. In besonderem Maß kann ich nun eigene theologische Interessen mit den Anforderungen der Ausbildung koppeln. Und mir scheint, die Zeit reicht beinahe nicht aus – also bitte: wo ist das nächste Buch?“

Nebenher erwerbstätig

Oft trägt der größere Erfahrungshintergrund dieser älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Lehrveranstaltungen zu deren Gelingen bei. Wo Schwierigkeiten auftreten, bewähren sich die an einer überschaubaren Hochschule mögliche Aufmerksamkeit der Dozierenden, aber auch die Nähe von Mitstudierenden. So genießt Frau Hemme „die Atmosphäre auf dem Campus, das Leben hier in einem kleinen Ort, die Ruhe und Ungestörtheit des Arbeitens, den Umgang mit den vergleichsweise jungen Studierenden, die unkomplizierten Kontakte mit Professoren und Dozenten und nicht zuletzt die Freundlichkeit der hauswirtschaftlichen Mitarbeiterinnen.“ Besonders begleitet und beraten werden die Auszubildenden durch Pfarrer Dr. Christian Eyselein, den Dozenten am Studienseminar. Er sorgt auch dafür, der Gruppe in eigenen Veranstaltungen ein Forum zu schaffen und den erforderlichen Informationsaustausch mit Landeskirchenamt und Hochschule zu gewährleisten. Der vierjährige Ausbildungsweg beginnt mit einem Probejahr, in dem zunächst die Prüfung im biblischen Griechisch zu bestehen ist und erste Vorlesungen, Übungen und Proseminare belegt werden. Nach insgesamt sieben Semestern schließt die Theologische Aufnahmeprüfung für Pfarrverwalterinnen und Pfarrverwalter die Ausbildung ab.
Der 28-jährige Thomas Kohl, der nach der Fachhochschulreife als Sachbearbeiter in einem bayerisch-pfälzischen Notariat arbeitete, ist froh darüber, „dass man eine fundierte theologische Ausbildung erhält, ohne hierfür eine allgemeine Hochschulreife vorweisen zu müssen.“ Zwar sei er zunächst auf Distanz, teils sogar Ablehnung seitens der Theologiestudierenden gestoßen, werde mittlerweile jedoch respektiert – „wohl weil ich bemüht bin, mich dem akademischen Niveau dieser Bildungseinrichtung anzupassen und in schnellerem Tempo den annähernd gleichen Stoff wie die Theologiestudierenden zu bewältigen.“ Zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes ist er nebenher noch erwerbstätig. Das kostet viel Kraft, zumal er obendrein freiwillig einen Hebräisch-Kurs besucht und sich lateinische Grundbegriffe angeeignet hat. Denn: „Leistungsanforderungen nach dem Ausbildungsplan und Lehrangebote der Hochschule sind in manchen Bereichen noch nicht hinreichend aufeinander abgestimmt.“

Unterwegs zur Ordination

Auch Reiner Redlingshöfer ergeht es ähnlich. Er erzählt: „Sehr wohltuend und erfrischend habe ich die Zusammenarbeit mit den ‚normalen’ Theologiestudierenden in den Seminaren erlebt, obwohl die meisten von ihnen nur wenig älter als meine beiden Kinder sind.“ Er freut sich schon, ab September im Vorbereitungsdienst als Pfarrverwalter „loslegen“ zu dürfen. Die 30-monatige Phase des Vorbereitungsdienstes steht unter der Verantwortung des Predigerseminars. Bei entsprechendem Wunsch und persönlicher Eignung kann sich mit ihm bereits die Verwaltung eines Gemeindesprengels verbinden. Nach der Theologischen Anstel-lungsprüfung stehen schließlich die Ordination zum geistlichen Amt und die Übernahme einer Pfarrstelle zur Verwaltung – zunächst im Probedienst. Dieser endet mit der Erteilung der Bewerbungsfähigkeit.
Das Studienjahr für Personen, die bereits aus einem kirchlichen Beruf kommen und über einen biblisch-theologischen und pädagogischen Abschluss verfügen, wird in Bezug auf die jeweiligen individuellen Voraussetzungen geplant. Es ist geprägt von eigenständigem und aufgabenorientiertem Lernen und Arbeiten. Plangemäß mündet es ebenfalls in den dreißigmonatigen Probedienst. Für Pfarrverwalterinnen und Pfarrverwalter mit überdurchschnittlichen Prüfungsergebnissen besteht frühestens fünf Jahre nach der Theologischen Anstellungsprüfung die Möglichkeit zu einem Theologischen Kolloquium als Grundlage für die Übernahme in den regulären Pfarrdienst.

Detaillierte Informationen über die Ausbildungswege sind auf den Internetseiten von www.augustana.de sowie über Telefon 09874-66616 zu erhalten.

Werner Thiede

 

 


 

Wenn dein Kind dich morgen fragt…

Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist's, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen; aber ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht?
Joh 5,39-44

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„Wie sieht Gott aus?“, „Was spricht eigentlich für Jesus?” Kinderfragen führen manchmal direkt zum Kern unseres Glaubens. Foto: epd
   

„Wenn dein Kind dich morgen fragt“ lautet das Motto des Kirchentags, der in diesen Tagen in Hannover stattfindet. Wer Kinder hat, der weiß, dass es ihre Fragen manchmal in sich haben. Antworten fallen da nicht immer leicht. Vor allem die großen Fragen des Glaubens lassen einen gelegentlich um Worte ringen: „Wie sieht Gott eigentlich aus?“, „Wie alt wird Gott?”, „Warum gibt Gott nie eine Antwort, wenn ich ihn etwas frage?”. Die Fragen werden gewöhnlich nicht leichter, wenn aus den Kindern kritische Jugendliche werden, die angesichts der religiösen Pluralität unserer Zeit etwa fragen: „Was spricht eigentlich für Jesus?”

Diese Frage bewegte auch die Skeptiker, mit denen Jesus diskutierte. Anlass der Auseinandersetzung war die Heilung eines Gelähmten am Teich von Bethesda. Durch Jesus konnte der wieder laufen, nach 38 Jahren erstmals wieder selbst sein Bett tragen. Das hätte eigentlich für Jesus sprechen können, Anlass zur Freude, auch für die Umstehenden sein sollen. Doch im Gegenteil. Es gibt Streit. Die jüdischen Gesetzestreuen entrüsten sich: Am Sabbat soll keiner sein Bett tragen! Und Jesus, so heißt es, verfolgen sie sogar. Er hatte den Kranken an einem Sabbat geheilt. Befremdliche Szenen. Aber es kommt noch schlimmer: Aus den Gegnern werden Todfeinde als Jesus sagt: Ich handle in völliger Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Damit spricht für die Frommen endgültig alles gegen Jesus. Mit seinem Handeln und Reden hat er sich als falscher Prophet entlarvt.

Jesus hat es hier nicht mit unmoralischen Weltkindern zu tun, sondern mit hochreligiösen Leuten. Die kennen nicht nur die Spielregeln ihrer Religion, sie halten sie auch ein. Und sie kennen die Belegstellen aus dem Gesetz, mit Punkt und Komma. Das sind klare und eindeutige Maßstäbe. Aber Jesus will nicht mit diesen Maßstäben gemessen werden. Weder von seinen Kritikern damals, noch von wohlmeinenden Fürsprechern heute, die in Jesus einen vorbildlichen Menschen sehen. Denn es sind die Maßstäbe des Gesetzes. Auch wenn sie in der Kategorie des menschlichen Gutseins daherkommen, sind sie geprägt vom Denken nach frommer Leistung. Das lässt zwar die Herzen der Religiösen zu allen Zeiten höher schlagen, weil es Anerkennung verspricht. Doch Jesus kennt uns Menschen besser: Wie schnell wird das Urteil von Menschen wichtiger als das Urteil Gottes, wie leicht verwechselt man das eigene Wollen mit dem Willen Gottes, Selbstgerechtigkeit mit Glauben. Ja schlimmer noch: Auf diese Weise kann auch der Religiöse die Liebe Gottes verfehlen. Gottes Weg mit uns Menschen ist ein anderer. Unsere Rettung liegt nicht in religiösen Vorschriften, Tugendkatalogen oder Neudeutsch: einem Wertekanon – wie sollte mir das jemals das Herz abgewinnen? Nein, Gott rettet diese Welt, indem er uns in Jesus Christus als ein lebendiges und liebendes Du begegnet, dem wir uns bedingungslos anvertrauen können, auch in Schuld und Not. Er geht mit uns bis an das Ende der Zeit. Von ihm soll uns weder Zukünftiges noch Gegenwärtiges, weder Tod noch Leben trennen. In ihm erfüllt sich nicht nur die tiefste Sehnsucht der Glaubenszeugen des Alten Bundes, in ihm finden wir auch zur Bestimmung unseres Lebens: Aus Gottes Liebe heraus Liebe zu üben. „Was spricht also für Jesus?“ Dass er mehr ist als ein guter Mensch, nämlich der Einzige, in dem wir Gott und uns selbst erkennen. Deshalb sollten wir nicht „religiös” werden, sondern stets auf Jesus schauen.

Dr. Thomas Kothmann

Gebet: Gütiger Gott, Lass uns aus deiner Liebe leben und anderen durch diese Liebe zum Leben verhelfen.

Lied 401: Liebe, die du mich zum Bilde.

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