Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 20)

Kirche im Netz

Arbeitsstelle Vernetzte Kirche hat viele Angebote

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Das Foto zeigt die Menschen, die dafür sorgen, dass die Kirche im Netz ist. Von links: Karin Melde (Projektstelle), Pfarrer Marius Strecker (sitzend), Sekretärin Ulrike Binder-Gross, Pfarrer Miklós Geyer und Online-Redakteurin Ruth Alexander.
   

Anfangs wurde die Arbeit der „Vernetzten Kirche“ äußerst kritisch beäugt. Bis heute sind Internet, Email und Intranet manchen Menschen suspekt. Zum Glück nicht allen – wer weiß, was sonst aus den begeisterten Mitarbeitern der Vernetzten Kirche in München geworden wäre. Was als zeitlich befristetes Projekt an den Start ging, nennt sich seit Anfang des Jahres Arbeitsstelle Vernetzte Kirche. „Jetzt haben wir erst mal einen Haushalt für zwei Jahre“, freut sich Pfarrer Marius Strecker, Projekt Manager der Vernetzten Kirche. „Nach zwei Jahren gibt es eine Auswertung und unsere Arbeit wird geprüft.“ Fünf Menschen sorgen dafür, dass die Evangelische Landeskirche in Bayern im Netz gut vertreten ist. Einer der Arbeitsplätze ist eine befristete Projektstelle. „Wir freuen uns sehr, dass die Grundstimmung in der Landeskirche inzwischen positiv ist und erkannt wurde, welche Erleichterung das Internet bringt“, so Strecker. Immerhin sind inzwischen rund zwei Drittel der Gemeinden in irgendeiner Weise online.

Wesentlicher Unterschied

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen Projekt und Arbeitsstelle: „Vorher hatten wir einen festen Etat zur Verfügung. Jetzt müssen wir uns teilweise refinanzieren“, erklärt Marius Strecker. Geld für ihre Leistungen zu verlangen fällt den Mitarbeitern nicht ganz leicht. Auch für manchen Kunden ist es ungewöhnlich. „Aber im Grunde ist es berechtigt“, meint Strecker. Wenn zum Beispiel eine Gemeinde einen ausgeklügelten Internetauftritt bekommt oder eine andere Landeskirche Module des von der Vernetzten Kirche entwickelten Intranets übernehmen will.
Apropos Intranet. Nicht zu verwechseln mit Internet, wo das Intranet unter www.elkb.de zu finden ist. Auf die Seiten kommt man aber nur, wenn man einen persönlichen Zugang hat. Der muss über den Dienstweg beantragt werden – also über Pfarrer, Dekan oder andere kirchliche Vorgesetzte. Einen Zugang bekommen alle haupt- und ehrenamtlichen kirchlichen Mitarbeiter. Für jeden werden die Seiten freigeschaltet, die für ihn interessant sind. Manches, das sonst in gedruckter Form vorlag, ist nun im Intranet zu finden. Zum Beispiel der Fortbildungskatalog oder der Personalstand (Verzeichnis aller kirchlichen Dienststellen, Pfarrer etc.). Außerdem sind dort Lesepredigten zu finden, Pressemeldungen des epd oder die Rechtssammlung. „Der größte Renner im Intranet ist derzeit der Stellenmarkt“, weiß Marius Strecker.

Doch die Vernetzte Kirche bietet noch weit mehr. „Besonders gut angenommen wird unser Veranstaltungskalender“, berichtet der Pfarrer. Unter www.evangelische-termine.de sind zahlreiche Veranstaltungen von Kirchengemeinden, Dekanaten, Jugendgruppen und anderen kirchlichen Einrichtungen und Vereinen zu finden. An der Veranstaltungsdatenbank der Evangelischen Landeskirche können sich alle Gemeinden und Einrichtungen beteiligen. „Der große Vorteil ist, dass man die Termine nur einmal eingeben muss und sie dann in verschiedenen Dateiformaten abrufen kann“, so Pfarrer Marius Strecker. Für evangelische Kirchenmusik gibt es einen eigenen Veranstaltungskalender unter www.solideo.de.
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Die Arbeitsstelle Vernetzte Kirche ist zu erreichen unter Telefon: 089/5595651, Fax: 089/5595635, Email: vernetztekirche@elkb.de. Der Newsletter der Vernetzten Kirche kann im Intranet abonniert werden. Fotos: kil
   
Wer im Umgang mit Internet und Intranet geschult werden möchte, kann bei der Vernetzten Kirche an einem E-Learning-Kurs teilnehmen. Dabei übt jede und jeder am eigenen PC, wann und wo es passt. Die Teilnehmenden werden von Tutoren fachlich begleitet. So ein Kurs dauert etwa zehn bis zwölf Wochen und zum Abschluss gibt es ein Zertifikat. Der nächste Kurs ist für Herbst geplant und kostet 450 Euro.

Die Vernetzte Kirche hat derzeit allerhand neue Projekte am Laufen und in Planung: Da ist zum einen die Initiative „Offene Kirchen in Bayern“, die im Juni eröffnet werden soll. Derzeit können sich Gemeinden melden, die sich daran beteiligen wollen. Außerdem soll am Kirchentag in Hannover ein Kinderprojekt eröffnet werden. Unter www.kirche-entdecken.de gibt es ab Ende Mai christliche Kinderseiten. Landesbischof Johannes Friedrich wird die Seiten am 27. Mai ab 15 Uhr auf dem „Forum Kinder“ beim Kirchentag freischalten.

Auch ab Juni soll es eine Fundraisingbörse geben, die Menschen vernetzt, die im Bereich Fundraising tätig sind. Sinn und Zweck dieser Börse ist es, Aktionen, Ideen und Projekte dort einzustellen, „damit man voneinander lernen und profitieren kann“. Denn Fundraising wird immer wichtiger, ist Marius Strecker überzeugt. In Planung ist außerdem das „Sichere Kirchennetz“, das einen sicheren Zugang zum Internet ermöglichen soll. Und in Arbeit ist eine Datenbank mit dem Titel „e wie evangelisch“. Dort sollen rund 1.000 Begriffe aus evangelischer Sicht erläutert werden. Die Arbeit geht den „vernetzten Kirchenmitarbeitern“ so schnell nicht aus.

Karin Ilgenfritz

 

 


 

Sich Gottes Geduld zum Vorbild nehmen

Gnädig und barmherzig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
Psalm 145,8

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Gnädig und geduldig ist unser Gott – deswegen können auch wir uns unseren Mitmenschen in Geduld zuwenden. Foto: Wocdicka
   

Wieder einmal saß ich vor dem Fernseher und habe mir die fröhlich plaudernde Runde bei Johannes B. Kerner angeschaut. Schauspielerinnen und Schauspieler unterschiedlichen Alters haben über einen gemeinsamen Film gesprochen. Der Moderator fragt in die Runde, welche Werte die einzelnen Gesprächsteilnehmer und -teilnehmerinnen heute für wichtig halten. Ein von mir sonst sehr geschätzter Schauspieler macht seinem Ärger Luft: Die Kirchen haben auf ganzer Linie versagt, schon im vergangenen Jahrhundert.

Ich spüre Zorn in mir aufsteigen und frage mich: Was für ein Bild von Kirche trägt dieser Mensch in sich? Welche Erwartungen hatte er an „die Kirche“ geknüpft? Und wie groß muss die Enttäuschung darüber sein, dass diese Erwartungen nicht erfüllt wurden?

Überhaupt stelle ich immer wieder fest, mit welcher Selbstverständlichkeit Menschen die Kirche öffentlich kritisieren. Sie stellen Personen an den Pranger, die sich wahrscheinlich die größte Mühe gegeben haben oder geben, um die Inhalte ihres Glaubens „rüberzubringen“. Vielleicht sind ihnen dabei Fehler unterlaufen, sie haben nicht den richtigen Ton getroffen, das nötige Feingefühl an den Tag gelegt. Vielleicht haben sie theologisch danebengelegen oder einfach die Gefühlslage des Gegenübers falsch eingeschätzt. Wer mit Menschen zu tun hat, läuft immer Gefahr, zu verletzen, zu enttäuschen und andere vor den Kopf zu stoßen.

Die Kirche Jesu Christi besteht nun einmal aus unterschiedlichen Menschen – Gott sei Dank. Und ich bin dankbar dafür, dass es viele Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder gibt, die sich in diese Gemeinschaft einbringen – mit ihrer ganzen Person. Die Kirche Christi lebt – deshalb ist sie angreifbar.

Dies konnten wir auch unmittelbar nach dem Tod Johannes Paul II. in vielen Gesprächsrunden am Bildschirm verfolgen. Nicht nur die Verehrer des Papstes kamen zu Wort, auch seine Kritiker. Nicht selten ließen es Letztere an der nötigen Barmherzigkeit fehlen. Zum Glück hat die Kirche – und hier schließe ich alle Menschen ein, die sich zu Jesus Christus bekennen – einen HERRN an ihrer Spitze, der so ganz anders ist als wir. David hat diesen HERRN im Psalm 145 wunderbar beschrieben: ER ist gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte.

Wie oft wünsche ich mir in den Begegnungen mit Anderen, dass ich nur ein Stück dieser Größe aufbringe. Stattdessen bin auch ich gnadenlos, unbarmherzig, ungeduldig und boshaft. Oft haben sich Gemeindeglieder über mich geärgert, und diesen Ärger an „der Kirche“ ausgelassen. Nicht „die Kirche“ hat versagt, sondern ein einzelner Mensch, ein Christ. Und indem ich meinem Ärger Luft mache, was oft genug vorkommt, bin ich gleichsam ungerecht und gnadenlos.

Ich will mich immer wieder und immer öfter an dem HERRN dieser Kirche orientieren, von dessen Gnade und Geduld ich täglich leben darf. Statt über meine Mitmenschen zu schimpfen, will ich über ihre guten Seiten nachdenken. Ich will versuchen, über ihre Schwächen hinwegzusehen und sie stattdessen als von Gott geliebte Kinder betrachten. Das wird mir nicht leichtfallen, aber jeder Versuch macht die Welt ein klein wenig freundlicher und liebenswürdiger. Und vielleicht gelingt es mir auf Dauer, mein Menschenbild so zu verändern, wie es Jesus Christus von mir erwartet: nämlich den anderen so zu lieben wie mich selbst. So kann Kritik an „der Kirche“ am Ende als Chance verstanden werden, den Blick der Unzufriedenen mehr auf den HERRN dieser Kirche zu lenken als auf sein Bodenpersonal. Denn letzten Endes gibt Jesus Christus allein die Richtung unsers Denkens, Redens und Handelns an.

Worte wie „Barmherzigkeit“, „Geduld“ und „Güte“ müssen täglich neu erarbeitet und umgesetzt werden. Das gilt nicht nur für den Raum der Kirche, das gilt für alle menschlichen Bereiche; auch und gerade dort, wo wir uns öffentlich äußern. Leserbriefe zum Beispiel sind dafür ein gutes Übungsfeld. Möge Gott uns immer wieder die Herzen öffnen, damit wir unseren Mitmenschen so begegnen, wie ER uns selbst begegnet: barmherzig, geduldig und von großer Güte.

Ralph Knoblauch, Pfarrer in Tirschenreuth

Gebet: Vater im Himmel, ich danke Dir für all deine Liebe, die ich jeden Tag neu erleben darf. Schenke mir den Mut und die Kraft, meinen Mitmenschen so zu begegnen, wie Du uns in Jesus Christus begegnet bist: gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte. Amen.

Lied 602: Vergiss nicht zu danken

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