Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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"Geistliche Begleitung" - Christusbruderschaft bietet Kurs an

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Schwester Christa im persönlichen Austausch mit Teilnehmenden. Fotos: Privat
   

Eine alte Frau hält sich an ihrem Stock fest, eine unsichere Bergsteigerin greift nach dem Seil, ein Wanderer auf einer schmalen Brücke tastet nach dem Geländer: Menschen brauchen Stützen auf ihrem Weg. Ein Tourist erkundigt sich nach einem Ausflugsziel, ein Mensch in einer Lebenskrise sucht psychologische Beratung, ein verunsicherter Christ benötigt Hilfe auf seinem Glaubensweg: Menschen brauchen Orientierungs- und Wachstumshilfen - gerade angesichts der weiter zunehmenden Vielfalt religiöser Gruppen und deren Angebote. Der Kurs "Geistliche Begleitung", der seit 1998 von der Communität Christusbruderschaft in Selbitz angeboten wird, stellt eine solche Orientierungshilfe dar. "Er soll den Glauben vertiefen, die Eigenverantwortlichkeit stärken und zur Findung geistlicher Identität beitragen",betont Schwester Christa Grau.

Jahwes Begleitung

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Begleitung - wenn man sie in weitem Sinne fasst - schon immer ein ursprüngliches Bedürfnis und eine alte christliche Praxis war: Jeder Christ kann für andere zum Begleiter auf dessen Glaubensweg werden. Die Einführung des Tauf- und Firmpaten diente ursprünglich genau diesem Zweck. Eine der biblischen Wurzeln von Begleitung ist im Alten Testament zu finden. Jahwe wird hier als Gott beschrieben, der sein Volk leitet und begleitet. Seinen Namen offenbart er als "Ich-bin-der-ich-bin-da" - der Theologe Martin Buber übersetzte: "Ich-bin-wo-du-bist". Sicher steht im Bild von Jahwe als dem Hirten Israels das Geschehen von Führen und Leiten im Zentrum. Aber Leitung geschieht nur in Begleitung. Die Ziele, zu denen "der gute Hirte" führt, sind die Sehnsüchte der Schafe selbst: grüne Auen, Schutz vor Gefahr, Weggeleit durch finstere Schluchten und Weideplätze am Wasser (Psalm 23). Die Ziele der "Geistlichen Begleitung" sind deshalb bewusst personenbezogen. "Es handelt sich um einen Prozess, der sich auf den ganzen Menschen bezieht. Er lernt, das eigene Leben zu deuten, vor Gott zu reflektieren und in Beziehung zu ihm zu bringen", erklärt Schwester Christa Grau. Zudem werde die persönliche Berufung geklärt und eventuell auf Glaubenskrisen eingegangen.
Seit sieben Jahren gibt es diesen Kurs nun in Selbitz - ausgebildet wurden bisher insgesamt 150 Teilnehmer. Wobei nicht alle Absolventen anschließend in der "geistlichen Begleitung" tätig werden. Der Kurs wende sich in erster Linie an PfarrerInnen, Haupt- und Ehrenamtliche, aber auch an diejenigen, die einen verbindlichen geistlichen Weg gehen und andere auf einem solchen Weg begleiten wollen. Die Inhalte dieser Ausbildung sind überaus vielfältig. So werden die Teilnehmenden bekannt gemacht mit unterschiedlichen Formen des Gebets und der biblischen Betrachtung. Sie erhalten Hilfestellungen, um sich für den geistlichen Weg und die Selbstreflexion vorzubereiten. Außerdem lernen sie Modelle der Gesprächsführung und die psychologischen Grundlagen dafür kennen. Übungen für ein empathisches, sprich: einfühlendes, Hören und für die Wahrnehmung von Körpersprache kommen hinzu.
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Kursteilnehmer bei einer thematischen Einheit - das theoretische Wissen wird hier durch praktische Übungen umgesetzt und vertieft.
   
Die Nachfrage nach dem Kurs ist derzeit groß. Unter einer Vielzahl von Bewerbungen können 30 ausgewählt werden. Worauf dieses Interesse zurückzuführen ist? "Es gibt in der evangelischen Kirche bisher nur wenige Angebote in dieser Richtung", erklärt sie. Die Methode der Supervision ist eher berufsbezogen und von einer sachlichen Arbeitsweise geprägt. In der katholischen Kirche habe "Geistliche Begleitung" dagegen schon eine jahrhundertelange Tradition," betont Christa Grau. So entwickelte Ignatius von Loyola eine Form der Begleitung, die bei seinen Exerzitien zum Einsatz kam. Aber auch bei Luther sei eine Wurzel für "geistliche Begleitung" zu finden. Als wichtiger Akzent dieser Methode gelte zudem die Beichte, die für den Reformator von großer Bedeutung war.
Wie soll man sich den Prozess der "Geistlichen Begleitung" nun aber in der Praxis vorstellen? "Bei einem Erstgespräch werden zunächst die Erwartungen geklärt", sagt Schwester Christa. Danach geht es um die Rahmenbedingungen: Dauer der Gespräche, Häufigkeit der Treffen und Rückblick auf den gemeinsam beschrittenen Weg. Bei den Treffen selbst darf alles zur Sprache kommen, was das Leben des Betreffenden ausmacht.

"Am Ende kann eine Vereinbarung stehen, zum Beispiel der Entschluss, sich jeden Tag eine feste Zeit für Stille vorzunehmen", fügt die Schwester hinzu. Bei all diesen Punkten gibt es jedoch keinen Automatismus. "Das Wichtigste ist die gemeinsame Zielrichtung, nämlich Gott", sagt Christa Grau. "Auf ihn bewegen wir uns zu. Ich gehe diesen Weg ein Stück mit, will mich aber wieder entbehrlich machen."

Gegen die Sprachlosigkeit

Andrea Linhard, eine der Kursteilnehmerinnen, berichtet von ihren Erfahrungen: "Ich habe einen intensiven Prozess durchgemacht und viel an meiner eigenen Person gelernt", sagt sie. Als gelernte Erzieherin ist die 39-Jährige ehrenamtlich in der Kinder-, Familien- und Erwachsenenarbeit ihrer Hersbrucker Gemeinde aktiv. Dabei erlebt sie, dass die Probleme, zum Beispiel in der Schule, zunehmen. "Ich mache diese Ausbildung deshalb auch, um nicht sprachlos zu sein und um helfen zu können", verdeutlicht die Mutter dreier Kinder. Der Kurs habe außerdem dazu beigetragen, "Verwundungen in der eigenen Lebensgeschichte wahrzunehmen". Infos zum Kurs "Geistliche Begleitung" gibt es unter Telefon 09280/680 oder über E-Mail: "gaestehaus@christusbruderschaft.de".

Günter Kusch

 

 


 

Komm, Schöpfer Geist

Geist über dem Chaosmeer
Der du das Nichts bezwingst
Totes zum Leben bringst
Danke dass du
    auch in mich dringst

Geist über stürmischer See
Der du den Zweifler hältst
Füße auf Wasser stellst
Danke dass du
    dich zu mir gesellst

Geist über stillen Wassern
Der du mir Frieden schenkst
Und mich gen Himmel lenkst
Danke dass du
    mich ewig umfängst

Werner Thiede

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Die Kraft der Veränderung

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wenn ich gehe, will ich den Tröster zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht. Über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.
Johannes 16, 7-11

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Diese Altardecke aus dem Berliner Dom rückt die Taube als Symbol für Pfingsten ins Bild. Foto: epd
   

Ein altbayerischer Spruch beklagt die Unanschaulichkeit von Pfingsten: "Heit gibt's nix und heit kimmt nix: koa Christkind und koa Osterhas. Heit kimmt grad der Heilige Geist." Die Worte des Johannesevangeliums bringen nicht gerade mehr Anschaulichkeit in das Pfingstfest, wenn sie von dem Tröster sprechen, der "der Welt die Augen auftun wird über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht."
Eine Anschaulichkeit eigener Art fand ich in dieser Erzählung: "Es ist eine ganze Menge begabter Leute darunter", sagte der Wachtmeister und führte den Journalisten durch das Gefängnis. "Der Kleine dort malt ganz tolle Bilder!" Im Dienstzimmer zeigte er dann so ein Bild in kühnen Farben: Zwölf Männer blicken bestürzt nach oben, ihr Haar zerzaust, die Gesichter in strahlendes Licht getaucht, die Augen weit aufgerissen und übertrieben groß. Der Wachtmeister etwas abfällig: "Pfingsten nennt er das Bild. Er hat es für die Anstaltskirche gemalt. Aber er darf es nicht aufhängen, weil er nur Mitgefangene gemalt hat, und zwar die Allerschlimmsten, die richtigen Verbrecher." Später durfte der Journalist mit dem Maler sprechen. "Ich finde Ihr Bild aufregend", begann er, "aber warum haben Sie nur Strafgefangene gemalt? Die Männer vom ersten Pfingstfest waren alles fromme Leute!" Das traf den Maler. Er meinte etwas aufgeregt: "Aber an Pfingsten ist alles anders geworden. Denen, die an sich zweifeln, muss man zeigen, dass ein neuer Anfang möglich ist. Pfingsten ist ein Wunder. Die kleinen Sünder kann auch die eigene Frau ändern. Manche ändert sogar das Gefängnis. Aber die ganz großen, die kann nur Gott ändern." Man spürte, wie er mit sich kämpfte. Dann klopfte er wortlos auf eine Stelle des Bildes. Da hatte er sich selbst mit hineingemalt. "Die ganz großen", wiederholte er noch einmal, "die ändert nur Gott."
Mich hat diese Geschichte sehr bewegt, die das "Wunder von Pfingsten" irgendwie auf die Spitze treibt und doch auf den Punkt bringt. Wirklich verändern kann nur Gott, und er tut es durch die Kraft des Heiligen Geistes.
"Der Fürst dieser Welt ist gerichtet." Das Gericht liegt hinter uns. Gott gibt ganz neue Gerechtigkeit. Ein neuer Anfang ist möglich. Unsere "Sünde" ist, dass wir es dem Christus nicht glauben, sondern immer wieder zurückfallen in die alte Weltordnung ohne erlösendes Kreuz und ohne rettende Auferstehung. "Und nun bekommen wir eine machtvolle, trotzige Hilfe, dass wir nicht zurückfallen! Das ist Jesus selbst, das ist sein Heiliger Geist - ein Kampfgeist gegen das Zurückfallen" (Dietrich Bonhoeffer).
Die Ostergeschichten waren noch geprägt von mutlosem Zurückfallen. Die Frauen sahen das leere Grab und die Engel. Doch sie fielen zurück in ihre Furcht und flohen. Die Jünger sahen den Auferstandenen. Doch sie erlitten einen Rückfall und verschlossen die Türen aus Furcht. Es musste erst der Heilige Geist als der Beistand und Tröster kommen - "ein Kampfgeist gegen das Zurückfallen" in Resignation und Furcht. Es musste erst der Heilige Geist kommen, dass wir dem Christus und der erneuernden Kraft seiner Auferstehung glauben. Wenn sogar im Gefängnis etwas gespürt wurde von der verändernden Kraft des Heiligen Geistes, dann wollen auch wir das "Wunder von Pfingsten" für unser Leben erbitten und "den Kampfgeist gegen das Zurückfallen" an uns wirken lassen.

Wilfried Beyhl, Regionalbischof in Bayreuth

Gebet: Das ist das Fest, das uns der Herr bereitet in einer Welt, die voller Trauer ist. Du hast an uns so wunderbar gehandelt, dass unser Herz in dir geborgen ist. Herr, gib uns deinen Geist, den Geist der Freude. Verändere du die Welt, ja Herr, noch heute!

Lied 134: Komm, o komm, du Geist des Lebens

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