Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 18)

Der Verband, der in keine Schublade passt

Seit über 100 Jahren ist der Deutsche Evangelische Frauenbund aktiv

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Das Bild den aktuellen Vorstand des Deutschen Evangelischen Frauenbundes. Foto: privat
   

„In zwei Sätzen kann ich nicht erklären, was der Deutsche Evangelische Frauenbund (DEF) ist“, sagt Kathrin Geiger, Geschäftsführerin des DEF. Es ist wie bei vielen Verbänden: Der DEF hat eine lange wechselvolle Geschichte, viele Gesichter und sogar zwei Arbeitgemeinschaften sind aus ihm hervorgegangen.
Entstanden ist der DEF vor über 100 Jahren in Kassel. Er gilt als erste bürgerliche konfessionelle Frauenorganisation. Von Anfang an war der DEF übergemeindlich und unabhängig von Gemeinden und Pfarrern. „Das Interessante damals war, dass die Gründungsurkunde von einem Mann unterschrieben wurde“, erzählt Kathrin Geiger. „Es gab ja noch keine Versammlungsfreiheit für Frauen.“ Ohne diese „männliche“ Hilfe wäre der DEF nicht entstanden.

Soziales Engagement

Hintergrund der DEF-Gründung: „Die Frauen sahen die große soziale Not vieler Menschen und wollten dagegen etwas tun“, sagt Kathrin Geiger. Durch das Engagement der Frauenbund-Frauen wurden zum Beispiel vor 100 Jahren in Berlin die ersten Sozialarbeiterinnen ausgebildet. „Auch die Bahnhofsmission geht zum Teil auf den DEF zurück.“ Klar und schematisch umreißen lässt sich der Evangelische Frauenbund nicht. Auch heute nicht. „Wir bestehen aus vielen Ortsverbänden, sie sind das Herz des DEF“, erklärt die Geschäftsführerin. Jeder Ortsverband engagiert sich in seiner Weise – je nach Begabungen und Möglichkeiten der Frauen. „In Schweinfurt zum Beispiel engagiert sich der Frauenbund in der Arbeit mit Russlanddeutschen.“ Die Frauen machen Hausaufgabenbetreuung, organisieren Treffen, Sprachkurse – alles mit dem Ziel die Menschen in die Gemeinden einzugliedern.

Ein anderes Beispiel: In Ansbach liegt der Schwerpunkt auf Second-Hand-Waren. „Es gibt eine Sammelstelle, wo Leute ihre überflüssige Kleidung abgeben können und einen kleinen Laden in der Turnitzstraße, wo die Sachen verkauft werden“, so Kathrin Geiger. Der Erlös wird für soziale EInrichtungen in der Umgebung gespendet. „So hat wirklich jede Ortsgruppe ihre eigene Prägung.“ Andere engagieren sich in der Hospizarbeit, wieder andere bieten an, Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen zu besuchen.

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Die 1. Vorsitzende aus Schweinfurt, Heike Gröner (Mitte), mit einer Gruppe von Russlanddeutschen beim Säubern des Gartens der Begegnung für Jugendliche in Schweinfurt. Foto: privat
   
Insgesamt hat der DEF vor allem zwei große Anliegen: Zum einen soziales Engagement und zum andern das Wahrnehmen von gesellschaftspolitischer Verantwortung. „Wir wollen Frauen ermutigen, Positionen einzunehmen wie im Kirchenvorstand, im Stadtrat oder in verschiedenen Gremien. So können sie die Gesellschaft aktiv mitgestalten.“ Im Lauf der Jahrzehnte hat sich der DEF verändert. Vor allem die Mitgliederzahl hat sich drastisch geändert. Vor dem 2. Weltkrieg waren es 70.000 Mitglieder. Heute sind es gerade mal noch 7.000, davon 3.500 in Bayern. „In Bayern haben wir derzeit in 38 Gemeinden Ortsverbände“, sagt Kathrin Geiger. Kein Wunder also, dass die Geschäftsstelle des DEF in München sitzt.

Zwei „Kinder“ hat der DEF hervorgebracht. 1953 entstand die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Haushaltsführungskräfte. Darin haben sich Hausfrauen unterschiedlichsten Alters und Frauen, die Hauswirtschaft in irgendeiner Weise zum Beruf haben, zusammengeschlossen. „Der AEH gibt Seminare, ist in der Verbraucherzentrale vertreten und auch auf Bundesebene aktiv“, so Kathrin Geiger. „Ziel des AEH ist es, Frauen für den Umwelt- und Verbraucherschutz zu sensibilisieren.“ Das zweite „Kind“ ist die Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung von Medienkompetenz (EAM). Entstanden ist dieser Arbeitszweig aus dem evangelischen Rundfunkdienst, der in den frühen 20er Jahren Kinofilme verfolgt hat und auf deren Jugendgefährdung ein Auge hatte.

Medienkompetenz

Der EAM Bayern feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. An seiner Gründung ist Kathrin Geiger nicht ganz unbeteiligt. „Meine Mutter hat immer sehr darauf geachtet, wenn ich als Kind mit meinen Freundinnen ferngesehen habe“, erzählt sie. So habe ihre Mutter Anke Geiger ihr Interesse an Medienarbeit entwickelt und den EAM ins Leben gerufen. „In Bayern gibt es acht Medienkreise. Die Frauen sehen sich gemeinsam Sendungen an und schicken ihre Beurteilungen an die Redaktionen der Sender“, schildert Kathrin Geiger die Arbeit. Ihre Mutter ist Vorsitzende des EAM und die beiden haben beruflich viel miteinander zu tun. „Das klappt gut“, sagt sie. „Es hat uns näher zusammengebracht und ist ein Gewinn für unsere Beziehung.“ Und ein bisschen stolz ist Kathrin Geiger auch auf ihre Mutter.

Karin Ilgenfritz

Hinweis: Die Veranstaltungen des DEF sind für alle offen. Wer ein Programm möchte oder Fragen rund um den DEF hat, kann sich wenden an: DEF GEschäftsstelle, Kufsteiner Platz 1, 81679 München; Telefon: 089/98105788; Internet: www.evangelischer-frauenbund.de.

 

 


 

Ströme des lebendigen Wassers

Am letzten Tage des Festes, der am herrlichsten war, trat Jesus auf, rief und sprach: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, welchen empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Heilige Geist war noch nicht da, denn Jesus war noch nicht verklärt.
Johannes 7, 37 - 39

„Durst nach Leben“, diese Überschrift habe ich kürzlich in einer Zeitung gefunden, Durst nach Abenteuer, nach Selbstbehauptung, nach dem „wahren Leben“, was immer man sich darunter vorstellt, Durst, vor allem von jungen Leuten empfunden, denen ihr Leben glanzlos und uninteressant vorkommt. Nicht umsonst spricht man von „Durststrecken“, die immer wieder durchmessen werden müssen. Da geht nichts voran, weder im Beruf noch im persönlichen Leben, weder bei einer langwierigen Krankheit noch bei der Verwirklichung von Plänen, die doch so verheißungsvoll begonnen hatte.
Bei alten Menschen spielt der fehlende Durst eine große Rolle. Weil sie zu wenig trinken, trocknet ihr Körper aus, die Organe arbeiten nicht mehr richtig, manche Funktionen sterben ab, es besteht Lebensgefahr. Ob das auch ein Zeichen dafür ist, dass ihr Durst nach Leben gestillt ist, dass sie sich wie die Schneeglöckchen ins Innere, ins Dunkle zurückziehen, um Kraft zu sammeln für eine Verwandlung?
Jesus hat mit anderen das Laubhüttenfest gefeiert, ein fröhliches Erntefest mit Wasser- und Lichtriten. Immer wieder hat er vor den Versammelten gesprochen, und sie lauschten ihm zwischen Unverständnis und Bewunderung. Bevor nun alle wieder auseinandergehen, ruft er, als könne und wolle er das Angebot nicht zurückhalten, Wer dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Wer denkt da nicht gleich an die Samaritanerin am Brunnen, der er Wasser anbot, das nie wieder durstig werden lässt. Hier geht Jesus noch einen Schritt weiter. Er bietet sich sozusagen als Quelle an, die Menschen in die Lage versetzt, lebendiges Wasser zu verströmen.
Lebendiges Wasser: ich stelle mir vor, wie es strudelt und rauscht, Hindernisse einfach so umfließt, überfließt, ich sehe es perlen und sprühen, es beherbergt Leben und es trägt Leben, Fische und Krebse, Schiffe und Schwimmer, es verbindet Inseln mit dem Festland, es bringt Nutzen und es spült auch manchmal gewaltig alles Bisherige hinweg.
Ströme lebendigen Wassers – das sind keine kleinen zaghaften Rinnsale, sondern kraftvolle, mitreißende Fluten, mitreißend auch im Sinne von ansteckend in ihrem Vorwärtsdrängen, in ihrer Lebendigkeit.
Die Menschen um Jesus herum scheinen sich diesem faszinierenden Angebot entzogen zu haben. Sie fragen einander, wer das wohl sei, der da den Mund so voll nimmt, anstatt dass sie sich anstecken und beschenken lassen von der mitreißenden Kraft und vom Segen für sich und andere. Wir gehen auf das Pfingstfest zu und feiern dort, wie durch den verheißenen Geist diese Ströme lebendigen Wasser, lebendigen Lichts auf die versammelte Menge ausgegossen wurden. Wir sind eingeladen, glaubensvoll aus der Quelle Jesus Lebendigkeit und Segen zu schöpfen und weiterzugeben.

Heidi Schülke, Präsidentin der Landessynode

Gebet: Vater, in Jesus bist du uns ganz nahe gekommen, dafür danken wir dir; Jesus, du wolltest uns an deiner Fülle teilhaben lassen, lass uns offen sein dafür; Heiliger Geist, lass uns lebendige, mitreißende Botschafter der überströmenden Liebe Gottes sein. Amen.

Lied 324: Ich singe dir mit Herz

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