Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 16)

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder

Kindermusicals als moderne Form von Verkündigung immer beliebter

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Elisabeth Lachenmayr gibt den Einsatz bei der Probe "Grünschnäbel" für ihr Musical "Ein Engel?".
   

Seit etwa 20 Jahren erfreuen sich Kindermusicals in der Kinderchorarbeit wachsender Beliebtheit. Viele neue Kompositionen mit speziell christlichen Inhalten und biblischen Bezügen wurden veröffentlicht und aufgeführt. So auch in Fürth. Elisabeth Lachenmayr und Sieglinde Schmidt haben sich solch ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen. Zur Zeit proben sie für eine Aufführung in der Kirche St. Paul in Fürth. Es singen und spielen die "Fürther Grünschnäbel"; das sind Kinder der Zweiten und Dritten Klasse, die sich insgesamt in drei Chören vorbereiten und die "Ohrwürmer" aus St. Paul, ein Chor, der sich aus Viert- bis Sechstklässlern zusammensetzt. 120 Kinder sind so an diesem Projekt beteiligt.

Kriegsende vor 60 Jahren

Das Musical wird im Rahmen einer Veranstaltungsreihe "Verwundet ist die Welt" zum Kriegsende vor 60 Jahren aufgeführt. Auch im Kontext solcher Veranstaltungen ist es also einem Kinderchor möglich, sich zu engagieren. Es kommt das lebendig inszinierte Musical "Ein Engel?" von Sonja Kitsch und Christa Merle zur Aufführung, in dem ein stets zu Unfug aufgelegter Engel auf die Erde geschickt wird. Dort soll er lernen, wie man sich um andere kümmert. Daraus ergeben sich spannende Verwicklungen. Bis aber der Aufführungstag kommt, brauchen die Kinder und die Chorleiter einen langen Atem, denn Kindermusicals sind relativ lange und ausführliche Singspiele. Für eine Aufführung braucht man viele Kinder und Jugendliche.
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Die Kinder von den "Ohrwürmern" haben sichtbar Freude am Singen und der Musik und sind konzentriert bei der Sache. Fotos: Kusch
   
Sie werden im Chor, als Gesangssolisten, Sprecher, Instrumentalisten, Schauspieler und manchmal sogar als Tänzer eingesetzt. In Ausnahmefällen dürfen auch Erwachsene mitspielen. "Ohne die Mithilfe von Eltern und sonstigen hilfreichen Geistern beim Bühnenbild oder der Verkleidung wäre so etwas nicht möglich. Zusammengehalten wird ein Musical von der ersten Planung bis zur Aufführung von dem Chorleiter oder der Chorleiterin", erzählt Elisabeth Lachenmayr aus Erfahrung.
Wenn ein Kinderchor ein Musical aufführen möchte, dann braucht es dazu also eine lange Vorbereitungszeit und eine genaue Planung. Für die Aufführung wird in jedem Fall eine Bühne benötigt. In manchen Kirchen ist dazu der Altarraum geeignet, in manchen passt eher der Gemeindesaal. Die Erstellung der Requisiten, des Bühnenbildes und der Kleidung kann mehr oder wenig aufwendig gestaltet werden. Neben den bereits erwähnten Helfern braucht es aber auch ausreichend Geld und den nötigen Raum. Ebenso muss der Termin für eine Aufführung sorgfältig gewählt werden, damit auch möglichst viele Zuschauer kommen können.

Endspurt mit Sonderproben

Kurz vor dem großen Auftritt sind dann eine Reihe von Sonderproben auf der Bühne nötig, so dass das Bühnenbild auch eine gewisse Zeit stehen bleiben muss. Das fordert allen Beteiligten noch einmal eine Menge Disziplin ab - vor allem den Kindern. "Die Kinder und Jugendlichen können bei den Proben und Aufführungen sehr viel lernen", erläutert Elisabeth Lachenmayr. "So üben sie öffentliches Auftreten und Konzentration trotz Unruhe und Trubel, durch das Auswendiglernen der Rollen und Lieder trainieren sie zudem ihr Gedächtnis. Das Basteln der Requisite fördere auch ihre Phantasie, Kreativität und Fingerfertigkeit", fährt die Chorleiterin, die in drei Gemeinden tätig ist, fort. Der Probenlauf erfordert von allen Mitwirkenden also Geduld, Rücksicht, Disziplin und konstruktives Sozialverhalten. Beim Einüben der Lieder lernen die Kinder Ohrwürmer, die sie vor sich hersingen können, aber auch Lieder, die sie in Freud und Leid durch ihr Leben begleiten können. Zudem ermöglicht ein Musical den Kindern in zu ihnen passende Rollen zu schlüpfen, und sie können sich dadurch mit religiösen Inhalten auseinander setzen.
Vor allem aber geht es um die Musik. Heute ist es nicht mehr üblich, Musik selbst zu machen - überall kommt sie nur aus der Konserve. Den meisten Menschen ist es eher peinlich, selbst Töne zu produzieren. Die selber gemachten Töne und Geräusche werden oft auch als störend und unerwünscht empfunden. "Dabei ist Singen Atemtherapie und Sprecherziehung. Singen wirkt sich positiv auf die Körperhaltung aus. Musizierende Kinder und Erwachsene sind weniger aggressiv. Musik machen tut gut. Musizieren kann auch Gebet sein", meint Lachenmayr. Sie fügt an: "Musik selber machen ist ein Event - schon eine Chorprobe ist spannender als Fernsehen - meistens jedenfalls!"

Pech und Pannen

Nun kann eine Chorleiterin natürlich auch ein Lied aus der Rubrik "Pleiten, Pech und Pannen" singen. Schmunzelnd verrät Frau Lachenmayr: "Es kommt schon einmal vor, dass in der Weihnachtsaufführung gefragt werden muss: ,Verkündigungsengel, wo bist Du?' Oder die Aushilfsmaria drei Köpfe größer ist als der Joseph oder eben beim Gemeindefest Paulus zwar nicht blind, dafür aber ohnmächtig wird! Ich denke, wenn man sich bei Kinderchorleitern umhören würde, könnte man sicherlich viele weitere, mehr oder weniger lustige Anekdoten sammeln!"

Manuela Noack

 

 


 

Mächtig Krach um ein bisschen Lob

Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie. Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien: Hosianna dem Sohn Davids!, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus antwortete ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): "Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet"? Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt hinaus nach Betanien und blieb dort über Nacht.
Matthäus 21, 14-17

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Kinder spielen auch in der Bibel eine große Rolle. Im Tempel sind sie es, die Jesus zurufen: "Hosianna dem Sohn Davids!" Foto: Wodicka
   

Seit zehn Jahren haben wir ein neues Gesangbuch. Ein neues Lied aber gelingt uns nur selten. Im Stadion singen lautstark die Fans, während in vielen Gemeinden die Gesänge matt geworden sind. Es würde uns allen gut tun, wenn ab und zu der Kirchenraum bis in den letzten Winkel erfüllt wäre vom Gesang, wenn die Orgel brauste und wenn von alledem die Mauern wackelten.

Bei Matthäus ist eine Begebenheit überliefert: Da gibt es mächtig Krach um ein bisschen Lob. Warum? Ein paar Heilungen, mit einem Satz notiert. Ein paar Kinder, die nicht einmal in der Kirche leise sein können. Ein paar Leute, die sich für wichtig halten und mächtig aufregen. Ein Gottessohn, der nach kurzem Wortwechsel das Feld räumt. Keine große Sache. Aber mächtig Krach um ein bisschen Lob. Wer sich aufregt, sind die Erwachsenen. Loben tun die Kleinen, die Kinder. Im Bad. Morgentoilette der Kinder. Unvermittelt fragt meine Tochter: "Pappi, was passiert mit den Menschen, wenn sie gestorben sind?" "Sie werden begraben." "Und dann?" "Dann werden sie wieder zu Erde." "Nein", entgegnet sie vorsichtig, "sie kommen zu Gott." Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Blinde und Lahme kommen in den Tempel und werden geheilt, Männer regen sich auf, Kinder schreien: "Hosianna dem Sohn Davids!" Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Oder, weit besser, die Bibel: "Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob zubereitet." Ein bisschen Lob. Aber darum gibt's mächtig Krach. Der Abgang des Herrn jedenfalls ist heftig.

Das Telefon auflegen. Sich umwenden und gehen. Die Tür hinter sich zuschlagen. Einfach stehen lassen. Jesus lässt die Männer einfach stehen. Wirft ihnen ein Bibelzitat an den Kopf. Dann geht er: "Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt hinaus nach Betanien und blieb dort über Nacht." Seit wann kann ein bisschen Lob so aufregend sein? Wo alles gut wird, lobt der Mensch. Tut nicht mehr dies und das. Er lobt. Als Israel trockenen Fußes durchs Wasser gekommen, als der Feind mit Ross und Reiter in den Fluten verschwunden war, da "nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und ..." (2. Mose 15, 20). Und sie sangen. Mirjam und die Frauen sangen. Und auch Mose stimmte ins Lob ein mit seinen Männern.

Wo alles gut wird, lobt der Mensch. "Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen" - so sangen die Engel bei Bethlehem, so singen wir im Gottesdienst. Ehre sei Gott in der Höhe! Und niemandem sonst. Keinem Machthaber auf Erden. Man kann nicht zwei Herren gleichzeitig loben. Ob wir das wollen oder nicht: Der Gesang der Engel, der Gesang der christlichen Gemeinde ist politisch. Er gilt Gott, nicht den Herrschern. Die Kinder schrien lauthals "Hosianna dem Sohn Davids!" Die Männer regten sich mächtig auf. Lob, sagt der Herr, Lob sei das, pures Lob: "Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet." Wo Menschen schweigen, schreien die Steine (Lukas 19, 40). Wo Erwachsene sich entrüsten, loben Kinder. Und wo alles gut wird, lobt der Mensch. "Kantate", "Singet" - so heißt der Sonntag, an dem es mächtig Krach geben könnte um ein bisschen Lob. Professor Dr. Martin Nicol, Erlangen

Gebet: Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke. Wir loben dich, wir beten dich an, wir preisen dich, wir sagen dir Dank um deiner großen Ehre willen, Herr, Gott, himmlischer König, Gott, allmächtiger Vater, Herr, eingeborner Sohn, Jesu Christe. Amen.

Lied 243: Lob Gott getrost

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