Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 13)

Volksfrömmigkeit mit allen Sinnen erleben

Das erste evangelische Kirchenmuseum Bayerns eröffnet 2006

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In der Spitalkirche werden die letzten Gerüste entfernt.
   

In der Spitalkirche in Bad Windsheim wird eifrig gewerkelt. Bauarbeiter schleppen die letzten Gerüste aus dem ehrwürdigen Gebäude. Das über 650 Jahre alte Gotteshaus wurde in mehreren Abschnitten für über drei Millionen Euro renoviert und umgebaut. Eine Menge Staub hat sich seitdem auf dem Fußboden und auf den Emporen niedergelassen. Doch dieses Überbleibsel der Überarbeitung wird nicht lange Bestand haben. „Nun können wir endlich mit der Einrichtung des neuen Kirchenmuseums beginnen“, sagt die Kunsthistorikerin und Projektleiterin Andrea Thurnwald erfreut.

Engangierter Förderverein

Ursprünglich sollte das erste evangelische Kirchenmuseum Bayerns im Frühjahr 2007 eröffnet werden. Da die Arbeiten jedoch gut vorangingen, wird jetzt der 9. Juli 2006 als Starttermin anvisiert. Das Kirchenmuseum wird dem Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken angegliedert. Finanzielle Mittel steuern die evangelische Landeskirche, der bayerische Kulturfonds, der Bezirk Mittelfranken, die Stadt Bad Windsheim, der Landkreis und ein privater Förderverein bei, der im Jahr 1991 ins Leben gerufen wurde. Gerade Letzterem ist es zu verdanken, „dass mehr als 300.000 Euro zusammenkamen“, unterstreicht Thomas Spyra, der für die Baumaßnahmen an der Spitalkirche verantwortlich zeichnet. In dem Förderverein finden sich fast ausschließlich Bürger aus Bad Windsheim. „Viele sind eben seit ihrer Kindheit, durch eine Taufe, Konfirmation oder Hochzeit, eng mit dieser Kirche verbunden“, erklärt Thomas Spyra die überragende Spendenbereitschaft.

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Die über 650 Jahre alte Spitalkirche, Eigentum der Stadt Bad Windsheim, wurde in mehreren Abschnitten für über drei Millionen Euro renoviert und umgebaut.
   

Zu den Besonderheiten des neuen Museums zählt ein begehbarer Dachstuhl mit einem so genannten „Heilig-Geist-Loch“. Eine Art Lasershow soll die Ausstellungsstücke unter dem Dach in Szene setzen. In einem Turmzimmer, das mit Glocken und Uhr ausgestattet ist, kann über das Thema „Zeit“ nachgedacht werden. Und die zweite Empore wird für kirchenmusikalische Anregungen genutzt. Eine „gläserne“ Orgel, unterschiedliche Instrumente, die man auch testen kann, zudem etliche Hörstationen informieren zum Beispiel über die Geschichte des Posaunenchors oder des Gesangbuchs. Die freiberufliche Kirchenmusikerin Katharina Pfretzschner-Runge aus Kronach bringt hier zahlreiche Ideen mit ein.

Auf der ersten Empore werden geschichtliche Einblicke in die Zeit des 18. bis 21. Jahrhundert gegeben. Stichwortartig erhalten die Besucher Informationen über Pietismus, Patronats-Herrschaft, Rationalismus, kirchliche Vereine, Erweckungsbewegung, Konfirmation im Wandel der Zeit, das Verhältnis von Staat und Kirche sowie über Herausbildung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Der Zwischenbau im Erdgeschoss dient dagegen Themen wie „Tod und Friedhofsinszenierung“. „Die Besucher sollen bereits beim Betreten der Spitalkirche neugierig auf das Motto unseres Museums gemacht werden: Kirche in Franken und evangelische Frömmigkeit“, so verdeutlicht es Andrea Thurnwald.
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Projektleiterin Andrea Thurnwald am Eingang des begehbaren Dachstuhls – ein so genanntes doppeltes Hängewerk aus dem Jahr 1420. Fotos: Kusch
   

„Wir wollen, dass sie Geschichte mit allen Sinnen wahrnehmen.“ Alte Textilien und Bücher, aber auch echte Prinzipalstücke (Taufstein, Altar, Kanzel und Lesepult) dürfen da natürlich nicht fehlen. Wobei es an dieser Stelle tatsächlich noch mangelt: „Wir suchen noch eine Gemeinde, die uns einen Taufstein als Dauerleihgabe oder zumindest für Zeit der Eröffnung zur Verfügung stellt“, sagt Andrea Thurnwald. Und noch einen Wunsch hat die 43-jährige Kunsthistorikerin: „Auch Sponsoren sind weiterhin gefragt!“ Nicht nur für die Technik, also die geplanten Hörstationen. Andrea Thurnwald braucht die finanzielle Unterstützung vor allem für einen Traum, den sie auf jeden Fall verwirklichen möchte. „Mir schwebt da so eine Art Filmprojekt vor“, deutet sie vorsichtig an. Sie denkt dabei an das Konfessionsbild von Andreas Herneisen aus dem Jahre 1601. Dieses Ölgemälde könnte zur Grundlage eines Multimedia-Projektes werden. „Aus dem Bild entspringen dann Personen, die den Zuschauern liturgische Hintergründe und kirchliche Handlungen wie Beichte oder Abendmahl erläutern“, umschreibt die 43-Jährige ihre Vision. Ziel wäre eine Verbindung von volkskundlichen und theologischen Aspekten.

Beratender Arbeitskreis

Auch dafür wurde übrigens vorgesorgt: Dass sämtliche Ausstellungsstücke und Texte „Hand und Fuß“ haben. So hat man eigens einen Arbeitskreis ins Leben gerufen, der sich aus Theologen und Kunsthistorikern zusammensetzt. Dazu gehören beispielsweise die Regionalbischöfe Helmut Völkel (Ansbach-Würzburg) und Hans-Martin Weiss (Regensburg). Gemeinsam berät das Team über die inhaltliche Gestaltung des Museums „Kirche in Franken“. Zudem hat die Landeskirche eine halbe Projektstelle eingerichtet, die mit der Pfarrerin Anna Becker besetzt wurde. So bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Halt, ein Anliegen möchte Andrea Thurnwald dem Projekt dann doch noch mit auf den Weg geben: „Wir brauchen vor allem Eines: viele, viele Besucher!“ Günter Kusch

 

 


 

Leben aus der Auferstehung Jesu

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias: Es waren beieinander Simon Petrus und sechs andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten es nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl!
Johannes 21, 1 bis 12 (in Auszügen)

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Foto: Wodicka
   

Es ist gut nachvollziehbar, das Verhalten der Jünger. Jesus ist gestorben. Die Männer sind ratlos und traurig. Sie wissen nicht so recht, was sie jetzt tun sollen und wie sie sich verhalten sollen. Also kehren sie erst einmal zurück in ihren Alltag. Sie ziehen sich zurück und besinnen sich auf das, was sie können: Fischen gehen. Es ist naheliegend und vernünftig, sich nach einem Schicksalsschlag oder nach einem Scheitern zurückzuziehen und das zu tun, wobei man sich am sichersten fühlt.

Aber dann müssen die Jünger eine traurige Erfahrung machen: Es klappt nicht so, wie sie sich das vorgestellt haben. Sie fangen nichts, nicht einen einzigen Fisch. Auch das ist eine Erfahrung, wie sie wohl viele Menschen kennen: Sie wollen einen Neuanfang in ihrer alten Umgebung machen, aber es klappt nicht. Es scheint kein Land in Sicht zu sein. Dinge haben sich verändert und sind auch dadurch nicht rückgängig zu machen, indem man versucht weiterzumachen wie vorher.

Plötzlich taucht bei den Jüngern ein Mann am Ufer auf. „Habt ihr nichts zu essen?“ fragt er sie. Und die Jünger geben zu, dass sie nichts haben. Als er sie auffordert, das Netz nocheinmal auszuwerfen, tun sie es. „Warum auch nicht?“ mögen sie sich gedacht haben. Zu verlieren hatten sie nichts. Und dann dieser Fang! Endlich kapieren sie es: „Es ist der Herr!“ Hätten es die Jünger nicht besser wissen müssen? Warum haben sie sich so hängen lassen? Hat ihnen Jesus nicht mehrmals gesagt, dass er auferstehen wird? Sie hätten es besser wissen können. Er hat es ihnen gesagt. Aber Menschen neigen nun einmal zum Zweifel, zum Pessimismus und zur Traurigkeit. Manchmal ähnelt mein Leben dem Frust der Jünger, die sich nach seinem Tod irritiert zurückziehen und ihrem alten Leben nachgehen – fast so, als hätten sie Jesus nie gekannt.

Manchmal lebe ich so, als wäre Jesus nicht auferstanden, lasse mich unterkriegen von Situationen und Ereignissen in meinem Leben. Gott sei Dank kommt dann immer wieder Jesus und fragt, was los ist. Er begegnet mir in der Stille, in Mitmenschen und Situationen. Und wie den Jüngern geht mir ein Licht auf: „Es ist der Herr!“ – Jesus ist Realität, er ist gestorben und auferstanden. Er ist uns heute so nahe wie damals den Jüngern.

Jesus hat nicht nur dafür gesorgt, dass die Jünger Fische fangen, sondern hat seine Freunde auch noch zum Essen eingeladen. Er hat ihnen mehr zuteil werden lassen, als sie zu hoffen wagten. Er sorgte nicht nur dafür, dass ihre Netze gefüllt werden, sondern die Jünger selbst waren erfüllt. Erfüllt mit Hoffnung, Zuversicht und Freude. Auch wenn sie ihn zuerst nicht erkannt hatten, jetzt wussten sie, dass es Jesus ist, der bei ihnen sitzt. Und dass es sich lohnt, auf ihn zu hören. Damals wie heute.

Karin Ilgenfritz, Schweinsdorf

Gebet: Jesus Christus, du Auferstandener, wir bitten Dich: Erinnere uns immer wieder aufs Neue an Deine Auferstehung. Bewahre uns vor Verzweiflung und lenke unseren Blick auf Dich. Ziehe uns in Dein Licht. Amen.

Lied 114: Wach auf, mein Herz, die Nacht ist hin.

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