Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 4)

Neuer Trend: Wohngemeinschaften für ältere Menschen

Bisherige Wohnformen wie Heime oder Betreutes Wohnen für viele zu teuer

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Traudl Baumeister schaut, was Hündin Leila macht. In ihrem gerade mal sechs Jahre alten Haus ist noch Platz für ein bis zwei Mitbewohnerinnen.
   

Eine gute Idee hat Traudl Baumeister aus Heilgersdorf (Dekanat Michelau). Und sie hat den Mut, die Idee in die Tat umzusetzen: Seit dem Tod ihres Mannes vor zwei Jahren lebt sie allein in einem geräumigen Einfamilienhaus. Weil das auf Dauer ziemlich einsam ist, sucht sie eine oder zwei Mitbewohnerinnen. "In ein Altenheim möchte ich nicht", sagt Traudl Baumeister. "Dafür bin ich zu rüstig. Ich möchte meine Eigenständigkeit wahren, solange es geht." Platz genug hat die Rentnerin. "Es wäre schön, wenn wieder mehr Leben in meinem Haus wäre." Sie stellt sich vor, dass sie mit einer Mitbewohnerin gemeinsam etwas unternehmen könnte. "Zum Beispiel mal nach Bamberg oder Coburg fahren, um ins Theater zu gehen oder zum Bummeln." Auch ein gemeinsamer Spaziergang im nahe gelegenen Thüringer Wald würde ihr mehr Spaß machen, als allein mit dem Hund über die Felder zu laufen. An Unternehmungslust fehlt es der 70-Jährigen nicht.

Mutige Menschen

"Es ist gut, dass es so mutige Menschen gibt", meint Renate Backhaus vom Diakonischen Werk Bayern (Nürnberg), als sie von Traudl Baumeisters Idee hört. Backhaus ist Referentin für stationäre und teilstationäre Wohnformen. "Das wird in Zukunft immer häufiger der Fall sein, dass sich ältere Menschen zu einer Wohngemeinschaft zusammentun", sagt sie. Die Lebenserwartung der Menschen ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark gestiegen. Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung für einen neugeborenen Jungen 75,6 Jahre und für ein Mädchen 81,3 Jahre. Auch für ältere Menschen ist die Lebenserwartung gestiegen: Ein 60-jähriger Mann kann noch mit einer Lebenserwartung von im Durchschnitt 19,8 Jahren rechnen, eine gleichaltrige Frau mit 23,9 Jahren. Zum Vergleich: Im Deutschen Reich Ende des 19. Jahrhunderts lag die Lebenserwartung bei 35,6 Jahren für Jungen und bei 38,5 Jahren für Mädchen. Die Lebenserwartung hat sich mehr als verdoppelt.

Dank moderner Medizin bleiben viele Ältere auch lange gesund. Einsamkeit und ein knappes Budget sind oft die Hauptprobleme. "Da ist eine Wohngemeinschaft doch ideal", so Renate Backhaus. In Zukunft werde diese Wohnform sich mehr und mehr durchsetzen, ist sie überzeugt. "Die klassischen Möglichkeiten für ältere Menschen, wenn sie nicht mehr allein wohnen wollten oder konnten, waren bislang Alten-, Pflege- oder Altenwohnheim." - Inzwischen redet man nicht mehr vom Altenwohnheim, sondern von Betreutem Wohnen. Übrigens eine interessante Zahl: Der Altersdurchschnitt in Alten- und Pflegeheimen lag 1985 bei 70 Jahren, heute sind es 85 Jahre. "Ein Heim geht in Richtung Rundum-Versorgung", sagt Renate Backhaus. "Betreutes Wohnen heißt, dass in einem Wohnhaus oder -block Wohnungen an ältere Menschen vermietet werden." Die Wohnungen sind altersgerecht gebaut, es gibt kein Betreuungspersonal vor Ort. Über Notruf ist nachts ein ambulanter Pflegedienst zu erreichen.

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Der 500-Seelen-Ort Heilgersdorf liegt idyllisch zwischen Hügeln gebettet. Fotos: kil
   
Doch sowohl Alten- als auch Pflegeheim sind kostspielig. Ein Platz im Altenheim kostet zwischen 1.500 und 2.000 Euro, im Pflegeheim liegt der monatliche Satz bei 3.000 Euro. Auch Betreutes Wohnen ist teuer. "Das können und wollen sich viele ältere Menschen nicht leisten", sagt Renate Backhaus. Viele seien fit genug, um selbstständig zu leben. Wäre da nicht die Einsamkeit. "Da sind Wohngemeinschaften neben dem Betreuten Wohnen eine sehr gute Alternative." Die Diakonie unterstützt sowohl die Menschen, die auf der Suche nach einer solchen Wohnform sind, als auch die, die Wohnraum anzubieten haben. "Unsere Beratungsstellen helfen gerne weiter", so Backhaus. Immer öfter gebe es neue Modelle. Sie berichtet vom "Bunker" in Nürnberg. Das Gebäude - ein alter Bunker - wurde alters- und rollstuhlgerecht umgebaut. Mehrere Menschen haben sich zusammengetan, den Umbau finanziert und leben nun darin. "Es sind fünf oder sechs Parteien, jeder hat seine eigene Wohnung, aber sie sind füreinander da."

Die Grenzen seien dann erreicht, wenn jemand schwer pflegebedürftig wird. Das sieht Traudl Baumeister ähnlich - füreinander da sein, "aber wenn eine zum Pflegefall würde, müssten wir neu überlegen". Aber solange sie fit ist, möchte sie nicht weg aus ihrem Dorf, in dem sie sich wohl fühlt. "In einer Stadt, in einem anonymen Wohnblock, würde ich mich einsamer fühlen." Baumeister ist in der Kirchengemeinde aktiv, singt im Taizé-Chor mit und hat auch einige Verwandte in der Gegend. Ihre Kinder allerdings wohnen weit weg. "Mal eben auf die Enkelkinder aufpassen geht leider nicht."

Für die Menschen da sein

"Uns ist es wichtig, Menschen flächendeckend zu erreichen", sagt Renate Backhaus. "Damit gerade ältere Menschen wissen, welche Möglichkeiten es für sie gibt und wie ihnen die Diakonie weiterhelfen kann." In den meisten Städten gibt es Beratungsstellen der Diakonie. "Wir kommen auch gern zu Vorträgen in Kirchengemeinden." Dabei geht es dann um sämtliche Themen, die das Alter betreffen - auch um die Möglichkeiten einer Wohngemeinschaft. "Damit Ideen wie die von Traudl Baumeister belohnt wird."

Karin Ilgenfritz

Hinweis: Wer sich vorstellen kann, mit Traudl Baumeister in einer Wohngemeinschatt zu leben, kann sich mit ihr in Verbindung setzen unter Telefon: 09569/ 980888.

 

 


 

Gottes unendliche Geschichte: Die Bibel

HERR, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht; deine Wahrheit währet für und für. Du hast die Erde fest gegründet, und sie bleibt stehen. Sie steht noch heute nach deinen Ordnungen; denn es muss dir alles dienen. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Erhalte mich durch dein Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.

Psalm 119, 89-91. 105.116

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Der letzte Sonntag im Januar ist in unserm Kirchenjahr der Bibel gewidmet. Es gehört ja zum Erkennungszeichen einer evangelischen Kirche, dass auf dem Altar eine aufgeschlagene Bibel liegt. Die Bibel - das sagt schon ihr Name - ist eine Bibliothek von unterschiedlichen Büchern, von verschiedenen Verfassern in verschiedener Zeit an unterschiedliche Menschen mit verschiedener Sprache geschrieben. Sie ist innerhalb von etwa 1200 Jahren entstanden, circa von 1000 vor bis 200 nach Christus. In ihr stehen Mythen und Glaubensbekenntnisse, Lieder und Gleichnisse, Proteste und Trostworte, Gesetze und Streitgespräche, spannende Erzählungen und Visionen, Predigten und Briefe. Das ist die eher nüchterne Seite dieses Buches. Was aber ist seine Seele? Vor allem dies: In der Bibel stehen die Erfahrungen von Menschen aus Palästina mit einer Wirklichkeit, die sie GOTT nennen, die sie erschüttert hat; die von ihr ergriffen wurden; die sie hat hoffen lassen, wo alles schon verloren schien. Diese Erfahrung ist die "unendliche Geschichte" Gottes mit den Menschen. Sie endet nicht mit dem hin-teren Buchdeckel. Aber durch die Buchdeckel wird diese Gotteserfahrung zu einer gemeinsamen Urkunde aller Menschen, die an den dreieinigen Gott glauben. Sie ist uns heilig. Deswegen nennen wir sie gern "Heilige Schrift".

Wir nennen sie auch "Gottes Wort". Sie ist zwar nicht vom Himmel gefallen, aber in den Menschenwörtern ist Gottes Wort verborgen. Das gilt es herauszulesen. Und das kann zu einer spannenden Sache werden. Manchmal müssen wir uns bei der biblischen Lektüre entscheiden, ob wir sie immer wörtlich oder ernst nehmen wollen. Das Meer besteht schließlich auch nicht nur aus der Wasseroberfläche, sondern vor allem aus seiner Tiefe, die manchmal sogar unergründlich ist. Gottes Wort hat Tiefgang, der Geist liegt hinter den Buchstaben.

Unsere Bibel ist eine Schatztruhe für das Leben: Da sind die Schöpfungsgeschichten, die uns unser Eingebettetsein als Geschöpfe in die Natur vor Augen führen und zugleich unsere göttliche Ebenbildlichkeit; da erzählt man uns in der Sündenfall-Geschichte, dass das Misstrauen die Ur-Sünde der Menschheit ist; da erfahren wir bei Kain und Abel, dass jeder Krieg im Sumpf des Neids und Hasses geboren wird; da begreifen wir, dass unsere Erde wie eine Arche sein müsste zum Schutz des Lebens; da sehen wir den dramatischen Auszug der Kinder Israels aus Ägypten und erkennen in Gott einen Herrn, dem die Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen am Herzen liegt; da sind die 10 Gebote zum grundlegenden Moral-Kodex der ganzen Welt geworden; da erscheinen uns die Propheten wie mutige Menschen, die keinen König scheuen; da ist die Liturgie unserer Gottesdienste ohne die Psalmen nicht vorstellbar; da erblickt an Weih-nachten ein Kind die Dunkelheit der Welt, damit es hell werde auf Erden; da spüren Menschen, dass ihnen durch Jesus Christus Heilung und Heil widerfährt; da wird aus einem Kreuz ein Floß über das Meer unserer menschlichen Bedrängnisse; da wird aus dem Tod ein Ostertanz hinein ins Leben.

Gottes Wort wurde Fleisch. Es wurde Leben. Und es wurde Papier. Aber es möchte nicht nur Papier bleiben. Es will lebendig bleiben und lebendig werden in unserem Leben. Und: es soll nicht schützen vor neuen Erfahrungen mit dem lebendigen und immer neuen Gott.

Pfarrer Peter Noack, Detwang und Rothenburg

Gebet: Rede zu uns, Herr, wir möchten hören.Menschen lehren den Buchstaben, du aber öffnest den Sinn. Lass nicht zu, dass uns dein Wort dadurch zum Gericht wird, dass wir es hören, aber nicht tun; dass wir es kennen, aber nicht lieben; dass wir es glauben, aber ihm nicht gehorchen. Amen.

Lied 197: Herr, öffne mir die Herzenstür

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