Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 2)

Gott und das Leid

Wie kann der Gott der Liebe Naturkatastrophen zulassen?

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Wie kann man bei solchem Leid an Gott glauben? Die Frage drängt sich vielen auf. Retter bergen auf Sri Lanka ein Opfer des Seebebens.
   

"Wie konnte Gott solch eine gigantische Katastrophe zulassen?" Diese Frage steht im Raum angesichts einer der größten Naturkatastrophen der Neuzeit. Rund 160.000 Tote dürfte das Seebeben in Asien gefordert haben; über 5 Millionen Menschen hat es obdachlos gemacht. Wie ist all das damit verbundene Leid mit dem erst zu Weihnachten aufs Neue verkündigten Gott der Liebe gedanklich in Einklang zu bringen? Ist der christliche Gott nicht wieder einmal unglaubwürdig geworden?

Die beste aller Welten?

Bereits vor rund 300 Jahren hat der Philosoph Wilhelm Leibniz in einer berühmten Abhandlung der Frage nachgespürt, wie der Gottesglaube angesichts des Leidens in der Welt zu halten sei: Gibt es so etwas wie eine "Theodizee", eine Rechtfertigung Gottes im Blick auf die immer wieder schmerzvoll erfahrbare Unvollkommenheit der Welt? Leibniz vertrat damals die optimistische These, Gott habe mit unserem Kosmos die beste aller möglichen Welten geschaffen. Gott wird so "gerechtfertigt": Mit der konkreten Gestalt der Schöpfung gelten alle anderen Möglichkeiten von Welt als letztlich "ausgeschlossen", weil sie aus göttlicher Sicht noch nachteiliger gewesen wären. In dieser Form ist Leibnizens Theodizee allerdings misslungen: Gerade Naturkatastrophen, die unfassliches Leid hervorrufen, lassen es aus religiöser Intuition heraus kaum als einleuchtend erscheinen, dass eine solch schmerzdurchwobene Welt die allerbeste für den allmächtigen Gott gewesen sein soll.
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Touristen auf Thailand suchen vor den Trümmern beieinander Trost.
   
Wenn schon mit Gott gerechnet wird - und das ist ja der Sinn von "Theodizee" -, dann fordern Glaube und Hoffnung eine hellere Lösung, nämlich eine Perspektive der Erlösung für die Welt! Das Neue Testament erblickt demgemäß die beste aller möglichen Welten in einem neuen Himmel und einer neuen Erde als vollendeter Schöpfung. Heißt es im Alten Testament am Anfang der Bibel noch, der Schöpfer habe seine Schöpfung nach seinem Sechstagewerk als "sehr gut" bewertet, so lenkt das letzte Buch der Bibel, die Apokalypse des Johannes, den Blick auf die wirkliche Vollendung der Welt. Sehr gut wird die Schöpfung aus neutestamentlicher Sicht erst ganz am Ende sein. Für Jesus und die Apostel bedeutete das "Reich Gottes" jene letzte Wirklichkeit, auf die der Schöpfer mit der Welt hinaus will. Angesichts dieses Zieles erweist sich die Weltwirklichkeit durchaus als unvollendet, so dass die Bitte angemessen ist: "Dein Reich komme!"

Dass Gott auch in der unvollendeten Welt in verborgener Solidarität gegenwärtig ist, weiß das Neue Testament ebenso zu betonen wie das eigentliche Ziel fürs Universum, dass "Gott sei alles in allem". Dagegen wäre es angesichts der neutestamentlichen Sicht eine fehlgehende Annahme, alles bereits stets von Gott unmittelbar gelenkt und regiert zu betrachten. Ein solcher "Reich-Gottes"-Zustand ist noch keineswegs realisiert. Darum können zum Beispiel auch Naturkatastrophen passieren. Die Frage lautet von daher aber: Warum hat Gott die Welt nicht gleich in vollendeter Weise geschaffen? In dieser Hinsicht ist ein Gedanke in Leibnizens Theodizee bleibend wertvoll: Er verweist darauf, dass "das Geschöpf seinem Wesen nach beschränkt ist". Hat Gott die Welt aus Liebe als echtes Gegenüber gewollt, so konnte sie als wirklich Anderes nicht von vornherein selber schon göttlich-vollkommen sein.

Die für die Welt zunächst unumgängliche Begrenztheit und Unvollkommenheit besteht allerdings - das hat Leibniz nicht im Blick gehabt - unter dem Vorzeichen geplanter Vollendung: Die Schöpfung wird letztendlich am Sein Gottes teilhaben dürfen. Sie ist zur Gemeinschaft mit ihm berufen. Vor allem die ostkirchliche Theologie, aber auch Martin Luther haben diese verheißene Vergöttlichung aus Gnade stets im Blick behalten.
Dem erhofften Hinaufgehoben-werden der Schöpfung zu Gott entspricht aber zuvor das göttliche Hinabsteigen. Im Kind in der Krippe ist die Selbsterniedrigung Gottes konkret und anschaulich geworden. Weil der Schöpfer eine eigenständige, freie Welt gewollt hat, lässt er ein Gegenüber zu, das ihn selbst begrenzt. Er muss sich zurücknehmen, um der unvollkommenen Welt Raum zu geben. Das schließt einen spürbaren Verzicht auf die Aus-übung seiner Allmacht ein.

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Nach dem Beben retten Überlebende ihren Besitz aus den zerstörten Häusern Sri Lankas. Bilder: epd/dpa/Rungioj yongi/Kumara
   

Gottes Liebe wird siegen

Doch dieser Verzicht ist so vorläufig wie die Unvollkommenheit der Welt. Er ist so wenig endgültig, wie das Kreuz es gewesen ist. Wenn Gott "alles in allem" sein wird, wird die Allmacht seiner Liebe am Ziel sein. Christlicher Glaube vertraut auf den Sieg der Liebe Gottes. Und zwar nicht unbedingt blind, sondern von Jesu Kreuz und Auferstehung her verstehend. Erschütternder Weltschmerz und persönliches Leid müssen nicht verdrängt oder gar Anlass zur Verzweiflung werden, wo das Kreuz als Gottes Weisheit erkannt wird.

Werner Thiede

 

 


 

Gott führt aus der Knechtschaft in ein neues Land

Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Busch. Und er sah, dass der Busch mit Feuer brannte und ward doch nicht verzehrt; und sprach: Ich will hin und schauen, warum der Busch nicht verbrennt. Da aber der Herr sah, dass er hinging, rief ihn Gott aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Und der Herr sprach:Ich habe gesehen das Elend meines Volkes in Ägypten und habe ihr Geschrei gehört über die, so sie drängen; ich habe ihr Leid erkannt und bin herniedergefahren, dass ich sie errette von der Ägypter Hand und sie ausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt.

2. Mose 3

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Mose soll sein Volk aus der Knechtschaft in ein neues Land führen. Dieser Auftrag wird sein Leben von Grund auf verändern. Foto: privat

Gute Geschichten brauchen scheinbar einen Helden, einen wie Mose. Dazu passt die Geschichte von seiner gleichsam wundersamen Errettung als kleines Kind. Die eigentliche Geschichte beginnt aber am Horeb, und sie beginnt ganz ohne heldenhafte Ausschmückungen. Ein einfacher Schäfer hütet seine Schafe. Ein Mensch wie jeder andere auch. Nicht ganz wie jeder andere auch, denn er verlässt die gewohnten Wege, er treibt seine Schafe zu einem Berg hin. Einen Berg, den Mose bisher nur aus der Ferne gesehen und der wohl eine geheimnisvolle Anziehung auf ihn hatte.

Etwas abseits seiner gewohnten Wege begegnet Mose ein Wunder. Ein Engel in einem Busch, der brennt, aber nicht verbrennt. Ein entscheidender Moment im Leben des Hirten. Er läuft nicht weg, er nimmt seinen Mut zusammen und geht hin um sich diese Erscheinung näher zu betrachten. Da geschieht das eigentliche Wunder. Gott spricht Mose an. Er spricht ihn mit seinem Namen an. Ob der Busch noch brennt oder nicht, ist da kein Thema mehr.

Am Anfang der Geschichte vom Auszug aus Ägypten steht Gottes Wort. Er spricht den Hirten an, er ruft ihn bei seinem Namen. Das ist das Wunder, das das Leben des Hirten aus Midian und das Leben eines ganzen Volkes verändert. Ein wenig abseits der gewohnten Wege, aber doch mitten in seiner Alltagswelt hört Mose Gottes Wort an ihn. Das Besondere im Alltäglichen aber war, dass Mose einige Schritte weiter gegangen ist als er dies gewöhnlich getan hat, dass er ganz aufmerksam seine Umgebung, seine Welt wahrgenommen hat, dass er vor dem Unbekannten nicht erschrocken zurückgewichen ist. Gott spricht Mose an. Er hat einen Auftrag für ihn, einen besonderen Auftrag. Er soll das unterdrückte Volk aus Ägypten in ein neues Land führen, in dem sie in Freiheit leben können, in ein Land, in dem sie haben, was sie zum Leben brauchen.

Gott gibt Mose nicht nur einen Auftrag, sondern gleichzeitig auch ein Versprechen. Er sagt nicht: "Mose mach mal und dann schauen wir, ob es gelingt oder nicht". Er verspricht selber Handelnder zu sein: "Ich errette sie aus der Ägypter Hand und führe sie heraus in ein gutes und weites Land". Gott handelt und so ist das Gelingen des gewaltigen Auftrages verheißen. Auf diesem Boden kann Mose jeden Schritt des langen und anstrengenden Weges aus der Knechtschaft in ein neues Leben sicher gehen. Aus der Knechtschaft in ein neues Land. Ein gewaltiger Auftrag für den Hirten aus Midian, auch wenn seine Erfüllung verheißen ist. Ein Auftrag, der sein ganzes Leben von Grund auf verändert. Ein Auftrag, in dessen Vollzug er die Gaben, die in ihm stecken, entwickeln und einsetzen wird.

Aus der Knechtschaft in ein neues Land. Also auch heute gewohnte Wege mitten im Alltag mal ein Stück weit verlassen. Die Welt, unsere Lebenswelt genau wahrnehmen. Auch deren Gewaltgeschichten, deren Grausamkeiten, Ungerechtigkeiten, Hass und Unter-drückung wahrnehmen und nicht angsterfüllt wegschauen. Gottes Wort, den Ruf des Kindes aus der Krippe hören und sein Reich unter uns anbrechen lassen. Ein gewaltiger Auftrag, dessen Erfüllung Gott versprochen hat.

Pfarrer Bernd Reuther, Leiter der VHS Hesselberg

Gebet: Gott des Lebens, du rufst uns bei unserem Namen, du rufst uns zur Umkehr, du rufst uns, dein Reich in unserer Welt zu suchen. Schenke uns in unserem Alltag deinen Geist, Mut und neue Ideen, dass wir deinem Ruf folgen. Amen.

Lied 392: Gott rufet noch.

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