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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 51)

Spenden und Steuern: Quittung gefällig?

Bei Zuwendungsbestätigungen ist Sorgfalt angebracht - gerade bei "Brot für die Welt"

Thema 51

"Brot für die Welt" - die evangelische Hilfsaktion ist auch heuer am Ersten Advent eröffnet worden. Der Termin ist geschickt gewählt, denn in dieser Jahreszeit steigt die Spendenfreudigkeit deutlich an. Etliche gefüllte Spendentütchen werden in Klingelbeuteln und Opferstöcken eingelegt oder manchmal direkt im Gemeindepfarramt abgegeben. Wer für seine Spende dann eine "Zuwendungsbestätigung" - salopp Spendenquittung genannt - haben will, der ist bei größeren Beträgen gut beraten, die Zuwendungsbestätigung seiner Kirchengemeinde links liegen zu lassen und sich direkt an das Hilfswerk zu wenden.

Wichtig ist das besonders für Steuerzahler, die mehr als fünf Prozent ihres Einkommens spenden. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Frage, ob nachgewiesen werden kann, dass die Spende "mildtätigen" Zwecken dient. Denn Spenden für mildtätige Zwecke können in Höhe von bis zu zehn Prozent des Einkommens als Sonderausgabe steuermindernd abgezogen werden. Bei Spenden für kirchliche Zwecke ist diese Grenze bereits bei fünf Prozent des Einkommens erreicht. Klartext: Wer "mildtätig" spendet, kann mehr von der Steuer absetzen als jemand, der ausschließlich "kirchlich" spendet. Ein Pfarramt, das den "mildtätigen" Zweck einer Spende bestätigt, muss ihn zweifelsfrei nachweisen können - und dazu ist es bei "Brot für die Welt" nicht in der Lage. Denn kein Gemeindepfarrer kann die Verwendung der Spende beim Hilfswerk bis ins letzte Detail belegen. So bleibt dem Pfarramt, das die Spende weiterleitet, nichts anderes übrig, als "kirchliche" Zwecke zu bescheinigen. Und die werden steuerlich eben nicht ganz so stark gefördert wie rein mildtätige Zwecke.

Das heißt nun nicht, dass der Staat Zweifel an der Lauterkeit des evangelischen Hilfswerks mit Hauptsitz in Stuttgart hegt. Es geht allein um die Nachweispflicht dessen, der eine Spendenquittung ausstellt. "Brot für die Welt" kann sehr wohl nachweisen, dass die Spende ausschließlich für mildtätige Zwecke verwendet wird - und nicht etwa zu Teilen für Verwaltungs- oder Werbungskosten. Entsprechend werden in der Stuttgarter Zentrale "mildtätige" Zwecke bescheinigt - und der Spender erhöht damit die Summe aller Zuwendungen, die er beim Finanzamt geltend machen kann.

Musterbeispiele helfen

Wolfgang Janowsky, der Direktor des Landeskirchenamtes in Ansbach, verweist zu all dem auf eine "Handreichung zum Spendenrecht", die an alle evangelischen Pfarrämter verschickt wurde. Das von Kirchenverwaltungsdirektor Hans-Peter Hübner erstellte 35-seitige Heft soll dazu beitragen, dass die Zuwendungsbestätigungen von Pfarrämtern den seit 1. Januar 2000 geltenden neuen Vorschriften entsprechen.

Denn "hand-gestrickte" Quittungen werden von den Finanzämtern bei genauerer Prüfung einfach nicht mehr anerkannt. So viel mehr Angaben als früher werden eigentlich nicht verlangt, aber, so Janowsky, "es fällt jetzt mehr auf, was alles verlangt wird." Denn die Arbeitshilfe enthält Musterbeispiele, die Punkt für Punkt abfragen, was alles anzugeben ist. Dazu gehören selbstverständlich Name und Anschrift des Spenders und des Pfarramtes, die Verwendung des Geldes, und - das ist neu - ein rechtlicher Hinweis darauf, dass der Quittungsaussteller für falsche Angaben haftbar gemacht werden kann. Eine Zeile des Dankes an den Spender darf dagegen niemals auf der Vorderseite der Quittung stehen.

Frank Nie

Als Dankeschön für Ehrenamtliche ungeeignet

Die Anfrage ist bekannt: "Herr Pfarrer, mein Mann hat doch so viel für die Gemeinde getan! Könnten's da nicht eine Spendenquittung ausstellen, sagen wir, 200 Mark?" Über 100 Stunden hat der Mann ehrenamtlich beim Umbau des Gemeindehauses geholfen. Da ist so eine Quittung doch eine bescheidene Geste, erst recht, wenn man bedenkt, was der überzeugte Helfer so alles an Werkzeug und Material gekauft hatte ohne es in Rechnung zu stellen!

Trotzdem: Als derartiges "Dankeschön" für ehrenamtliche Mitarbeit ist eine Zuwendungsbestätigung absolut ungeeignet, erklärt der Leiter der Landeskirchenstelle Ansbach, Wolfgang Janowsky. Ein Pfarrer, der diese Bitte erfüllt, verstößt gegen geltendes Recht. Denn der Ehrenamtliche hat "auf diese Art keinen Anspruch begründet, auf den er nachträglich verzichtete", erklärt der Kirchenverwaltungsdirektor. Es gibt freilich eine rechtlich einwandfreie Variante: Zuerst müsste nachweislich ein Vertrag geschlossen werden, in dem der Geldwert festgehalten ist. Auf die Bezahlung des Betrages müsste der Ehrenamtliche dann verzichten, und für den Verzicht stellt das Pfarramt dann eine Zuwendungsbestätigung aus. Gewonnen hätte der Spender damit jedoch in aller Regel nichts: Bei seiner Steuererklärung müsste er die vereinbarte Summe als Einnahme verbuchen, um den Verzicht auf das Geld dann als Spende gegenrechnen zu können. Fazit des Fachmanns: So eine Zuwendungsbestätigung bringt nur etwas, "wenn sich mindestens eine Seite inkorrekt verhält". Juristisch korrekt und finanziell interessant sind dagegen zwei andere Wege: Zum einen kann sich der Ehrenamtliche für das, was er gekauft und gespendet hat, eine Quittung über Sachzuwendungen ausstellen lassen. Zum anderen kann die Gemeinde seine Auslagen (Material, Fahrtkosten, Telefonkosten) erstatten. Das Geld könnte der Ehrenamtliche dann im Nachhinein tatsächlich spenden, gegen Zuwendungsbestätigung, versteht sich.
fn


Gottes Trost kommt in die Welt

Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet freundlich mit Jerusalem und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des Herrn für alle ihre Sünden.
Jesaja 40, 1-2

Andacht 51 Mit diesen Worten beginnt einer der geheimnisvollsten und gewaltigsten Abschnitte des Alten Testaments. Ein unbekannter, großer Zeuge Gottes spricht da, ein Mann mit weiten Ausblicken und kühnen Gedanken, mit dem überragenden Zeugnis von der Majestät des überirdischen Herrn. In diesen Versen kommt ein Hauch von Gottes Ewigkeit mitten hinein in die irdische Vergänglichkeit und Flüchtigkeit. Und es ist, als ließe sich alles, was von Gott her an die Menschen auszurichten ist, zusammenfassen in dem einen Wort: Trost.

Und wahrhaftig! Sie hatten Trost nötig, jene Menschen, denen diese Worte als ersten zugerufen wurden. Jahrzehnte schon saßen sie in Babylon in Gefangenschaft. 2.000 Kilometer von Jerusalem entfernt, weggeschleppt über Berge und Täler durch die Wüste ins Zweistromland, wie unsere Väter und Großväter als Kriegsgefangene nach Sibirien.

Die Israeliten hatten endlich begriffen, dass es mit einem flachen Optimismus nichts ist. Hinabgestoßen von den Thronen der Selbstsicherheit hörten sie mit einem Male, dass da ein Bote Gottes von einem aufgehenden Stern der Geschichte redete, der das Schicksal des Volkes wenden sollte, weil Gott es so wollte. Dadurch sollte die Herrlichkeit Gottes, das Herr-Sein des Herrn, offenbar werden. Die Israeliten hatten begriffen, dass der Herr, den die Menschen so leicht vergessen, nicht ein Schatten, nicht ein Gedanke, sondern eine heilige Macht ist. Sie erfuhren, wie sich das Herr-Sein Gottes mit seiner Güte verbindet.So, wie die Sonne mächtig und gütig zugleich ist, so ist unser Gott. Tröstet mein Volk! Das ist nun etwas, was es nur auf dem Boden der Heiligen Schrift gibt: Trost. Dieser Trost Gottes besteht nicht in ein paar aufmunternden Worten, sondern in der Heilstat der Vergebung. Lässt er uns diesen Tag erleben, was auch immer wir in der vergangenen Woche gedacht und getan haben, lässt er uns das Licht dieses Tages schauen, dann hat das seine Ursache darin: Er hat uns vergeben, damit wir in einem neuen Leben vor ihm wandeln. Gott ruft zu einem Trösten auf, das nicht vertröstet oder die Not und Schuld verharmlost. Tröstende wenden sich den Verzweifelten zu, stimmen sie auf eine Veränderung und Wende ihrer trostlosen Lage ein, ermutigen zu Leben und Zukunft. Trösten ist eine mütterliche Geste: "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet", heißt es von Gott (Jesaja 66, 13).

Wer soll trösten? Der Aufruf beschränkt sich nicht auf den damaligen Propheten. Alle sind aufgerufen, alle, denen Not zu Herzen geht! Gott sucht auch heute noch Menschen, die mit ihm zusammen trösten. Bringt Trost in alle Verzagtheit, bringt Trost in alles Sterben, redet freundlich, redet zu Herzen den Verzweifelten und Schwermütigen, sagt Gott auch heute. Redet freundlich auch mit den in diesen Tagen vor Weihnachten besonders Geforderten. Redet freundlich auch mit den Überforderten. Redet freundlich mit den in diesen Tagen so sehr Gehetzten. Redet freundlich mit allen, die das Feiern und Sich-Freuen ebenso verlernt haben wie das Hoffen und Erwarten. Kein Verzagter soll von uns erschreckt und kein Suchender verscheucht werden. Redet freundlich; denn Unfreundliches und Trostloses hören die Menschen genug.

Jeder von uns ein Freudenbote Gottes! Und mögen es auch nur kleine und bescheidene Schritte sein, die wir tun können, es liegt dennoch ein geheimnisvoller, wohltuender Glanz über ihnen. Es ist der Glanz jener Nacht, in der wir es wieder hören dürfen: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren!"

Pfarrer Gerhard Schick,
Mainbernheim

Wir beten:
Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal. Amen.

Lied 15: "Tröstet, tröstet"

Foto: Golobitsh

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