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In den Wochen vor Weihnachten geht es in vielen Familien hektisch zu. Von der Besinnlichkeit der Adventszeit ist da nichts mehr zu spüren. Aber Ruhe lässt sich einüben - auch mit Kindern.
"Nein, das darf nicht wahr sein", seufzt Nils schlaftrunken. Es ist aber wahr. Was da piept, ist der Wecker, und der reisst ihn mit schrillen Tönen aus dem Schlaf. Ab jetzt zählt jede Minute: In einer halben Stunde fährt der Bus. Katzenwäsche, Tasche packen - Mist, wo ist bloß das Matheheft?
"Sieben Uhr und 25 Minuten", meldet die Zeitansage im Küchenradio - da bleibt für die Corn Flakes keine Zeit. Er schafft es gerade noch, das Türchen des Schokoladen-Adventskalenders zu öffnen, den Oma wie jedes Jahr geschickt hat. "Tschüss Mama, ich komm vielleicht einen Bus später, ich will noch was für Weihnachten kaufen."
Glück gehabt, der Bus ist noch nicht weg. Während der Fahrt kann er sich noch schnell seinen Text für die Rolle im Weihnachtsstück angucken, das seine Klasse in diesem Jahr aufführt. Irgendwie ist er gestern nicht dazu gekommen. Wieso eigentlich nicht? Ach ja, Nikolausfeier beim Judo.
Komisch - irgendwie sind die Tage immer zu kurz. Aber darüber kann er jetzt nicht nachdenken - der Text muss noch in seinen Kopf. Aussteigen, am Kiosk schnell noch Transparentpapier für Kunst kaufen. Heute wollen sie doch das Weihnachtstransparent "gestalten", wie die Lehrerin die Bastelarbeit nennt, für die der Zwölfjährige sich schon fast ein bisschen zu alt vorkommt. Die Probe fürs Theaterstück macht echt Spaß, auch wenn der Text noch nicht sitzt.
Weihnachtsmusik winselt
Auf dem Heimweg saust Nils noch schnell durch die Kaufhalle. Simone wünscht sich Pokémon-Sticker zu Weihnachten. Im Kaufhaus winselt Weihnachtsmusik: "Sti-hi-le Nacht…" Schrecklich, das Geschiebe und die Dauerdudelei.
Na, Hauptsache er hat ein Geschenk für seine Schwester. Die Großeltern mögen ja eher Selbstgebasteltes. Papa hat versprochen, die Laubsäge noch mal vorzuholen. Dabei würde Nils lieber eine CD mit Oldies für die Großeltern brennen. Na ja, egal. Jetzt wird's aber Zeit, der Bus kommt gleich. Zum zweiten Mal an diesem Tag spurtet Nils los.
Die Adventszeit, die doch "alle Jahre wieder" als Zeit der Besinnung und der Ruhe "gehandelt" wird, ist auch schon für Kinder häufig mit Hektik, Termindruck verbunden - von Ruhe oder gar Besinnung kann in vielen Familien keine Rede sein. Im Gegenteil: Die Advents- und Weihnachtszeit steht unter vielfältigen Ansprüchen: Geschenke besorgen, diverse Weihnachtsfeiern in Schule und Vereinen mitmachen, Weihnachtsmärkte besuchen, Plätzchen backen, womöglich gar ein Weihnachtsputz. Viele Eltern wollen diese Zeit zwar besonders schön und irgendwie "besinnlich" gestalten, aber häufig bleibt es bei guten Vorsätzen. Die, wenn sie nicht in die Tat umgesetzt werden, zur äußeren Hektik noch den inneren Druck hinzufügen. Auch wenn der Einzelhandel die gewinnträchtigsten Wochen des Jahres längst zur "Vorweih-nachtszeit" umgepolt hat, ist die Sehnsucht nach einem "anderen Advent" weit verbreitet. Im Kirchenjahr ist die Adventszeit als Bußzeit ausgewiesen. Renate Vosswinkel, Leiterin des Hauses der Stille in Rengsdorf, deutet Buße als "das Ablegen lebensfeindlicher Muster vor Gott" und als "Chance, neue lebensfördernde Verhaltensweisen im Vertrauen auf Gott einzuüben". So verstanden, bietet die Adventszeit gute Umkehrmöglichkeiten - auch und gerade im Leben mit Kindern: einen bewussten Kontrapunkt setzen gegen die Flut von Eindrücken, der Hetze und Hektik eine Absage erteilen, zur Ruhe und zueinander finden und eine Ahnung davon bekommen, was es bedeuten könnte, wenn Gott auf die Menschen zukommt.
Allerdings: Wer der weitverbreiteten Vorweihnachtshektik ein Schnippchen schlagen will, muss sich dazu etwas einfallen lassen. Dabei können Rituale eine wichtige Hilfe sein: Sie schaffen verlässliche Wiederholungen im Tages- oder Wochenablauf, die in "die Tretmühle unseres Alltages etwas Luft, einen Raum zum Atmen, das Gefühl von Freiheit, von Selberleben anstatt Gelebtwerden" bringen, wie der Benediktinerpater Anselm Grün die heilsame Wirkung von Ritualen beschreibt.
Wilhelm Faix, theologischer und pädagogischer Lehrer am Bibelseminar Adelshofen, hat gerade im Leben mit Kindern die positive Wirkung solcher Rituale beobachtet: Sie hinterlassen einen nachhaltigeren Eindruck als jede Anhäufung von immer neuen Höhepunkten. Denn Rituale machen freundlich einen Strich durch den übervollen Terminkalender, indem sie einfach bestimmte Zeiten reservieren, in denen klar ist, was "dran ist". Etwa so, dass in der Familie eine feste Zeit des Tages einfach reserviert wird, um den Advent gemeinsam zu erleben. Das hängt sicher vom Alter der Kinder ab und muss mit größeren Kindern vorher abgesprochen werden. Vielleicht nur eine halbe Stunde am Abend zur immer gleichen Zeit, in der alle zusammen sind.
Wiederkehr des Gleichen
Dabei, so Faix, "muss man sich abschminken, dass alles nur in Harmonie läuft". Das fängt schon mit dem Streit darüber an, wer denn nun die Kerzen anzünden darf. Und kann damit weitergehen, dass ein Familienmitglied partout nicht basteln mag. Sei's drum. Wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, mag die stetige Wiederkehr des Gleichen kaum noch missen - und wer weiß, vielleicht ermutigt die Erfahrung aus der Adventszeit dazu, auch im übrigen Jahr feste Zeiten der Begegnung und Stille "zu erfinden". Karin Vorländer
Lesetipps:
Foto: epd/ Neetz
Der Prophet Jesaja beschreibt ein wunderbares Ziel für das Volk Israel. Es gab damals das Nordreich und das Südreich. Zur Zeit Jesajas tobten in Israel große machtpolitische Kämpfe. Auch geistlich gesehen erlebte das Volk durch seine gottlosen Könige einen Verfall. Aufgrund seiner Abgötterei wurde das Nordreich Israel 722 vor Christus vom assyrischen Weltreich besiegt.
Das Südreich drohte ebenfalls zu zerbrechen und unter assyrische Herrschaft zu fallen, konnte jedoch zunächst dem Angriff widerstehen. In diesen politischen Kämpfen stand Jesaja auf, um dem Volk eine Botschaft von Gott zu überbringen. Jesaja ermahnte das Volk dringend, sich nicht auf die Großmacht Ägypten zu verlassen, sondern das Vertrauen ganz auf seinen Gott, der es erwählt hat, zu setzen. Der Prophet wusste, dass auch das Südreich Juda zum Exil bestimmt war, so wie es das Nordreich Israel schon getroffen hatte. Aber Jesaja hatte nicht nur Gerichtsbotschaft, sondern auch Trost und Freude zu verkündigen. Die Botschaft lautete: "Gott wird euch wieder in euer Land zurückbringen. Er wird sein Königreich wieder aufrichten."
Doch wenn nach Gottes ewigem Heilsplan dieses geschehen wird, dann wird er, der lebendige Gott, mitten unter seinem Volk leben, und es wird ihn sehen, wie er ist. Die Menschen werden mit Freuden Gott gehorchen, ihm dienen und im Frieden leben.
Schwester Wally Damitz,
Wir beten:
Lied 152:
Wir warten dein, o Gottessohn.
Foto: Wodicka
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