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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 49)

Evangelische Christen sollen Zivilcourage zeigen

Bischof: Im Umgang mit Fremden wird Nächstenliebe konkret

Thema 49

Zur Zivilcourage hat Landesbischof Johannes Friedrich die evangelischen Christen aufgerufen. "Sehen sie hin, nicht weg. Treten sie ein für Fremde, die unsere Nächsten sind - gleich welcher Rasse, Nation oder Religion sie angehören", erklärte Friedrich bei der Landessynode in Rothenburg im Blick auf ausländerfeindlichen Anschlägen in Deutschland. Es sei erfreulich, wenn inzwischen über die Hälfte der Deutschen Ausländern positiv gegenübersteht. Trotzdem dürften nicht die Augen davor verschlossen werden, dass "eine kleine rechtsradikale Minderheit ausländische Mitbürger und Mitbürgerinnen immer wieder in Angst und Schrecken versetzt, weil sie auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschreckt". Schlimm sei es, dass dabei offensichtlich viele Menschen wegsehen, wie das Beispiel im sächsischen Sebnitz zeige.

Gebot der Nächstenliebe

Im Umgang mit Fremden wird - so der Bischof in seinem Bericht vor dem Kirchenparlament - das Gebot der Nächstenliebe konkret: "In diesen geringsten Brüdern und Schwestern begegnet uns Jesus." Für nicht vertretbar hält es Friedrich, "zwischen Ausländern, die uns nützen und solchen, die uns ausnützen, zu unterscheiden". Solche Differenzierungen könnten pauschale menschenverachtende Stimmungen wecken. Christen sollten sich deshalb davor hüten, so zu reden. Der 51-jährige Theologe, der seit einem Jahr an der Spitze der evangelischen Kirche in Bayern steht, wandte sich gegen Pläne, das Asylrecht in Deutschland zu ändern. "Der Rechtsanspruch auf Asyl muss erhalten blieben." Notwendig sei, in Europa gemeinsame Regelungen anzustreben.
Friedrich rief zu missionarischem Engagement auf, auch den Menschen anderer Religionen das Evangelium zu bezeugen. Allerdings könne das nicht in aggressiver Weise geschehen: "Versöhnung muss daher auch der Maßstab für das missionarische Reden und Handeln sein."
Nach Ansicht des Bischofs muss die Kirche offensiver werden. Es komme es darauf an, "zu den Menschen hinzugehen, einfühlsame Gesprächspartner bei Kasualien, in Seelsorge und Predigt sein". Den Menschen solle nachgegangen werden, die im Begriff sind, sich von Kirche und Christentum zu verabschieden.

Mehr Präsenz zeigen

Insgesamt muss die Kirche Friedrich zufolge mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen. Empfänge und Begegnungen seien eine gute Möglichkeit, mit Vertretern von Staat und Gesellschaft über Grundpositionen der Kirche ins Gespräch zu kommen. Sich solchen Anlässen zu verweigern, widerspreche dem biblischen Auftrag, zu den Menschen hinzugehen.

Als "beunruhigend" bezeichnete es der erste Pfarrer in der Landeskirche, dass in Deutschland die Zahl der ungetauften Kinder wächst. In manchen Grundschulklassen seien es bis zu einem Drittel. Dennoch besuchten viele der Ungetauften den Religionsunterricht: "Er erfüllt eine wichtige Funktion, weil er in den christlichen Glauben einführt." Friedrich warb dafür, der wachsenden Zahl der ungetauften und ihrer Eltern mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Konkret sollten Modelle für neue Gottesdienste zur Kindertaufe zu entwickeln. Das dritte Grundschuljahr wäre - wie sich bei der Erstkommunion katholischer Mädchen und Jungen zeige - ein guter Zeitpunkt, ungetaufte Schulkinder zur Taufe einzuladen.

Kirche nicht nur Frauensache

Erfreulich ist nach den Worten des Bischofs, dass künftig Frauen rund die Hälfte aller Plätze in den Kirchenvorständen inne haben. Die Gleichstellung habe hier ihr wichtigstes Ziel erreicht. Jetzt müsse darüber nachgedacht werden, wie Männer in das kirchliche Leben an der Basis neu integriert werden können: "Gleichstellung darf nicht dazu führen, dass Männer nun Kirche als 'Frauensache' ansehen." Gerade auf dem Land sei darauf zu achten, dass sich Honoratioren nicht aus dem Kirchenvorstand zurückziehen.

Günter Saalfrank

Falscher Vergleich

Gegen einen Vergleich der sogenannten Euthansiemaßnahmen Hitlers mit der Erklärung der Landessynode zum Paragraph 218 (Rosenheimer Erklärung) hat sich Synodalpräsident Dieter Haack (Erlangen) zur Wehr gesetzt. Sonntagsblatt-Leser hatten kritisiert, Haack werfe dem früheren Landesbischof Meiser Versagen gegenüber den Maßnahmen vor, setze sich aber selbst nicht für den Schutz des Lebens ein. Unter Beifall der Synodalen wies er solche Kritik zurück: "In Rosenheim stimmten alle kirchenleitenden Organe überein, dass das fünfte Gebot - Du sollst nicht töten - für uns alle verpflichtend ist." In allen Bereichen würde sich die Synode für den Schutz des menschlichen Lebens einsetzen.
güs

Foto: kil

Die Heilkraft des Kirchenjahres

Welche Lebenshilfe christliche Feste bieten

Für Hans-Gerhard Behringer war es wie eine Entdeckungsreise. Beim Psychologiestudium ging dem Theologen ein Licht nach dem anderen über das Kirchenjahr auf. Was für ihn vorher ein traditioneller Ablauf vom ersten Advent bis zum Ewigkeitssonntag war, erschien ihm nun als echte Lebenshilfe. "Das Kirchenjahr will helfen, dass das Leben gelingt und bunt wird", merkte Behringer. Es zeige, dass beides - Licht und Schatten - dazu gehöre. Manchmal lägen diese Gegensätze sehr nahe beieinander. Wie bei Karfreitag und Ostern, wo äußerster Schmerz und große Freude dicht aufeinander folgten. Der Theologe und Psychologe spricht von der Heilkraft der Feste, weil Schattenseiten ausgeblendet würden: "Das ganze Leben ist im Kirchenjahr enthalten, nicht nur eine bestimmte Seite." erklärt der Theologe und Psychologe.

Lebenswichtiger Rhythmus

Der Kreis von Advent bis zum Ewigkeitssonntag macht - so Behringer - deutlich, dass das Leben einen Rhythmus und eine Struktur brauche. Beispiel Weihnachten: Weil es nicht geht, sich auf Kommando zu freuen, braucht es eine vierwöchige Vorbereitungszeit und - wie der 48-Jährige es ausdrückt - eine Nachfreuzeit. "Erfahrungen müssen sich setzen können oder vertieft werden", unterstreicht Behringer. 40 Tage sehe das Kirchenjahr bis Mariä Lichtmess am 2.Februar dafür vor.

Zäsuren notwendig

Wie ein roter Faden durchziehen Vorbereitungs- und Nachfreuzeiten - so der ausgebildete Therapeut - das Kirchenjahr: "Es ist wie einatmen und ausatmen." Solche Rhythmen seien wichtig für das Leben. "Menschen werden ruhelos, wenn sie nur von Höhepunkt zu Höhepunkt eilen." Wo Zäsuren und Zeit zum Innehalten fehlten, würde das Leben überladen und überbelastet. "Der Körper und die Seele rebellieren, wenn es zuviel gibt und zuviel hintereinander", betont der Theologe und Psychologe. Im Extremfall komme es zu seelischen Verletzungen. Ruhelosigkeit und Hektik stelle auch für Beziehungen eine große Gefahr dar. Wo sich Partner nicht mehr wahrnehmen würden, seien manchmal Trennungen die Folge. Behringer sieht deshalb das Kirchenjahr als "notwendiges Ergänzungsprogramm zur Erlebnisgesellschaft", weil es Aspekte enthält, die sonst leicht verloren gehen: "Das Leben braucht Zeiten des Aktivseins und des Rückzugs." Beides müsse in einer guten Balance sein.
Für die Adventszeit rät der 48-Jährige, sich nicht zuviel aufzuladen. "Wichtiger als tolle Geschenke zu besorgen und viele Plätzchen zu backen, ist, sich zusammen zu setzen, miteinander zu reden und Zeit gemeinsam zu gestalten", empfiehlt er. Menschen verlangten zu viel von sich, wenn sie bis zum Heiligen Abend hektisch arbeiteten und dann schnell auf Besinnung umschalten würden. Ohne Vorbereitungszeit könne das nicht gelingen. Behringer: "Selbst der Computer braucht Zeit, muss langsam hochgefahren werden bis das ersehnte Programm kommt."

Auf Wurzeln besinnen

Das Kirchenjahr enthält - so der Theologe und Psychologe - elementare Erfahrungen. Zum Beispiel, "sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen": Josef und Maria hätten sich auf den Weg nach Bethlehem gemacht, wo verwandtschaftlichen Wurzeln lagen. Trauernde suchten am Ewigkeitssonntag die Verbundenheit mit den Menschen, von denen sie herkommen. An Erntedank gehe es um den Bezug zur Schöpfung.
Der Kreis vom ersten Advent bis zum Ewigkeitssonntag zeigt Behringer zufolge auch "wie im Dunkel das Neue beginnt". Die Geburt im düsteren Stall von Bethlehem sei der Anfang eines außergewöhnlichen Weges. Unerwartetes geschehe auch in der dunklen Nacht von Karsamstag auf Ostern. "Wo etwas zerbricht, beginnt etwas Neues", bringt es der Therapeut auf den Punkt.
Apropos Punkt: Eine andere Grunderfahrung des Kirchenjahres ist dem 48-Jährigen zufolge, dass sich "Sehnsucht in etwas Unscheinbarem erfüllt". So erwarte die Hirten und Weisen im Stall von Bethlehem nichts Großartiges und Ganzvolles, sondern ein kleines Kind in der Krippe. Die Botschaft von Weihnachten laute, nicht nach dem Großen zu suchen, sondern nach dem Kleinen, weil das Große im Kleinen sein kann. "Nahrung für die Seele ist im Unscheinbaren und Kleinen zu gewinnen", schließt der Therapeut daraus. Am Kirchenjahr sei außerdem zu erkennen, wie Übergänge im Leben gestaltet werden müssen. So stelle das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern ein richtiges Abschiedsfest dar. Am Karfreitag und - samstag müssten die Jünger lernen, loszulassen und Jesus ins Grab hinein abzugeben.

Der Psychologe versteht den Kreis vom Advent bis Ewigkeitssonntag nicht als Korsett, in das Menschen hineingezwängt werden sollen. "Freude und Trauer lassen sich - je nach Fest - nicht verordnen", betont er. Vielmehr stelle der Jahreskreis praktische Lebenshilfe dar.

Gefragte Lektüre

Behringer hat seine langjährige Entdeckungsreise, mit der er eine Brücke schlug zwischen Theologie und Psychologie, Glaube und Leben, 1997 als Buch veröffentlicht. Das Werk fand - gerade in der katholischen Kirche - starke Beachtung. So gehört es bei Ordensleuten zur gefragten Lektüre. In einem österreichischen Kloster lesen die Mönche neben den Werken der Kirchenväter dort immer wieder aus "Die Heilkraft der Feste - der Jahreskreis als Lebenshilfe" vor.

Günter Saalfrank

Literaturhinweis: Hans-Gerhard Behringer, Die Heilkraft der Feste - Der Jahreskreis als Lebenshilfe, München 2000


Auf dem Weg zum Frieden

Nach der Geburt von Johannes , dem späteren Täufer, wurde sein Vater Zacharias vom heiligen Geist erfüllt und sprach:

Du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen, daß du seinen Weg bereitest, und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk in der Vergebung der Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Lukas 1, 76-79

Andacht 49 Unterhaltung an der Kasse im Supermarkt. "Einen Wunschzettel für Weihnachten? Ach nein, ich lasse mich einfach überraschen!" "Wenn ich es recht überlege, dann habe ich alles. Ich weiß gar nicht, was ich mir noch wünschen sollte." "Wünsche habe ich genug, aber die lassen sich nicht verwirklichen." Noch eine Antwort habe ich gehört, die nachdenklich macht: "Dieses Jahr mache ich es wahr. Ich wünsche mir gar nichts. Mir reichen die Enttäuschungen der letzten Jahre." Traurig, wenn Menschen gar keine Erwartung mehr zulassen, weil die Angst vor der Enttäuschung zu groß ist. Und wie geht es Ihnen, am Beginn der Adventszeit, beim Blick auf Weihnachten?

Bei Zacharias, so beschreibt es der Evangelist Lukas, wird ein ganz besonderer Umgang mit Wünschen und Erwartungen sichtbar. Johannes war eine Gebetserhörung. Endlich: Der lang ersehnte Sohn! Er wurde geboren, als das Ehepaar eigentlich nicht mehr mit der Erfüllung seines Kinderwunsches rechnen konnte. Zacharias aber bleibt jetzt nicht in seinem eigenen Glück gefangen. Er gibt dieses Kind frei: Es soll mehr werden als die Sonne und Stütze eines alten Ehepaares. Es soll Wegweiser werden für den kommenden Heiland der ganzen Welt.

Da gibt es also Wünsche, die weit über uns selbst hinauswirken, die andere Menschen im Blick haben. Ist das im kommenden Advent nichts für Menschen, die von sich sagen: "Ich habe alles. Ich bin zufrieden"? Wie wäre es mit einem Wunsch für andere? Plötzlich sind unserer Phantasie keine Grenzen gesetzt: Das kann beginnen, wo Jubilare statt eigener Geschenke Geld für Hilfsbedürftige erbitten und endet dort, wo Wünsche für andere zur Bitte, zur Für-Bitte werden. Das Wunschkind Johannes wird später auf den Retter der Welt hinweisen. Der, Jesus, wird Licht ins Dunkel bringen, und - welch ein Hoffnungsbild - unsere Füße auf den Weg des Friedens hin ausrichten. Diesen Weg des Friedens gehen zu können - ist das nicht ein Wunsch von uns allen für uns alle?

Gerade weil wir die Straßen der Gewalt so gut kennen. Das ehemalige Jugoslawien und Palästina stehen uns schrecklich vor Augen. Gewalt der Gedanken und Taten, die wir auch in uns und um uns herum kennen. Da stehen sich Fronten gegenüber: Hass und Rache, Gewalt und Vergeltung, Recht behalten und Recht bekommen. Auf der Straße der Gewalt geht es nicht gemeinsam vorwärts, sondern da geht immer nur einer gegen den andern los. Der Weg des Friedens aber, wie ihn Jesus beschritten hat, lädt uns ein und nimmt uns mit hin zu dem Ziel einer versöhnten Schöpfung.

Wünsche zu Weihnachten? Auf jeden Fall diesen - wir beten:
Herr, himmlischer Vater, richte meine Füße und die Füße aller Menschen auf den Weg des Friedens, damit wir zu dir gelangen. Amen.

Oberkirchenrat Helmut Hofmann,
München

Lied 540: Kündet allen in der Not

Foto: Wodicka

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