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"Es ist nicht gerade ein hochfeiner Job, das macht nicht jeder", sagt Ernst Kretschmer aus Humprechtsau (Dekanat Bad Windsheim) über seine Arbeit als Totengräber. Der Landwirt hebt mit einem Kollegen zusammen in über zehn Ortschaften die Gräber aus. Der Bestatter, der für die Gegend zuständig ist, gibt den beiden Männern Bescheid und "dann rücken wir an".
Burschen als Totengräber
Mit der Aufgabe angefangen hat der heute 48-Jährige als er noch zur Schule ging. "Da gab es im Dorf keinen Totengräber mehr und so mussten wir als junge Burschen eben 'ran." Weil sie sich abgewechselten kamen sie nur selten dran. "Manchmal gab es in unserem 80-Seelen Dorf ein ganzes Jahr lang keine Beerdigung."
Familientradition
"Bei uns ist das schon fast eine Familientradition", berichtet der 65-jährige Stein. Schon der Opa war Totengräber. Sein Vater wurde im Krieg nicht eingezogen und musste diese Arbeit im Dorf übernehmen, weil es außer ihm kaum einen Mann gab, der dafür in Frage kam. "Und als mein Vater nicht mehr konnte, habe ich es übernommen." Das war vor über 40 Jahren. "Mir war die Arbeit nicht fremd, ich habe sonst schon immer meinem Vater geholfen."
Nicht immer einfach
"Manchmal geht es mir schon unter die Haut", erzählt der frühere Landwirt. Ähnlich wie Ernst Kretschmer versucht auch er beim Grab ausheben nicht viel über die Sache nachzudenken. "Aber manchmal, wenn ich den Toten gekannt habe, gelingt mir das nicht so gut." Am schwersten sei es, wenn ein Mensch ganz plötzlich und unverhofft gestorben ist wie zum Beispiel bei einem Unfall. "Wenn ich dann so vor mich hinschaffe, geht mir schon einiges durch den Kopf."
Karin Ilgenfritz
Solche Geschichten klingen heute fremd. Von der großen christlichen Hoffnung ist nur noch selten die Rede. Das liegt sicher an der Umgebung. Viele Menschen kennen kein Paradies, das über beruflichen Erfolg und persönliches Glück hinaus reicht. Sie wollen auf dem Boden der Wirklichkeit stehen. Diese Wirklichkeit ist geprägt und bewegt vom menschlichen Fortschritt. Vieles gehört dazu, was sich frühere Zeiten von Gott erwarteten. Auch die neue Welt, die am Ende des
Jesaja-Buches in den Blick kommt: Kinder müssen nicht mehr sterben.
Die Jahre des hohen Alters werden lohnend und erfüllt sein. Niemand soll vergeblich arbeiten. Heute ist die Menschheit sicher, dass ihr dies alles bald gelingen kann.
So viele Ähnlichkeiten zwischen der Hoffnung einst und ihrer nahe liegenden Erfüllung heute! Es liegt wohl daran, dass die vom Propheten verheißene Neue Welt ein irdisches Jerusalem ist. Gottes Volk erhoffte es sich nach den schlimmen Erfahrungen in seiner Geschichte, nach dem Abfall von Gott und der darauf folgenden Strafe. Im Neuen Testament ist das anders. Dort kommt ein himmlisches Jerusalem in den Blick. Diese neue Welt lässt sich mit keinem Fortschritt vergleichen oder erreichen. In der Offenbarung spricht der erhöhte Christus: "Siehe, ich mache alles neu."
Gott wird mit den Menschen zusammen sein und "abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der
Tod wird nicht mehr sein, noch
Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein." Das ist nicht das Bild einer besseren Zeit, in der
die Leute lange und erfüllt leben und einen sanften Tod sterben. In der Ewigkeit sind die Zeit und der Tod aufgehoben. Menschen werden in ein Leben mit Gott hinein genommen und das bringt ihnen die Erfüllung. Die große christliche Hoffnung - ist sie nicht zu groß? Sie zielt auf eine Welt, die weit weg ist von allem, was Menschen erfahren und
sich vorstellen können. Ist sie eine Illusion? Diese Einwände werden gemacht, aber stimmen sie? Nimmt nicht gerade die christliche Hoffnung die Wirklichkeit ernst? Sie schiebt das Schlimme in der Welt, das Schwere im Leben nicht bei Seite. Matthias Claudius beschrieb das so: "Der Mensch lebt und bestehet nur eine kurze Zeit und alle Welt vergehet mit ihrer Herrlichkeit."
Für ihn galt aber auch:
Auch das Geschick der Menschen, denen wir verbunden waren und es über den Tod hinaus bleiben wollen.
Der Sprung, den die christliche Hoffnung macht, ist ein Wagnis. Aber das gehört zum Glauben, der mit Christus verbunden sein will. Er vertraut ihm auch hier.
Dekan Christoph Schmerl,
Wir beten:
Lied 150:
Jerusalem, du hochgebaute Stadt.
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