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In einem gepflegten Ziegelbau am Rande der turgisischen Steppe hängen an der Wand als Drucke die Bilder des evangelischen Pfarrers und Arztes Kurt Reuber, darunter auch seine "Madonna von Stalingrad". Diese Zeichnung, die Maria und das Christuskind in einem Mantel umschlossen zeigt, hat Reuber an Weihnachten 1942 in einem Sanitätsbunker im Kessel von Stalingrad gemalt. In seinem letzten Brief aus der eingeschlossenen Stadt schreibt Reuber an seine Familie in Kassel, dass die Soldaten "andächtig und ergriffen" vor dem Bild an der Lehmwand des Bunkers standen. An diese unzähligen jungen Menschen, die auf den persönlichen Befehl Adolf Hitlers in den trostlosen Schneewüsten in Stalingrad auf gräßliche Weise zu Tode kamen, erinnert der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge: In Rossoschka, in der Nähe eines kleinen Ortes rund 30 Kilometer von dem ehemaligen Stalingrad entfernt, hat der Volksbund einen großen Soldatenfriedhof angelegt.
Direkt hinter diesem Friedhof hat der Volksbund als Ergänzung der kleinen Dorfschule auch ein "Gemeinschaftshaus" mit der Ausstellung der Werke Reuberts gebaut, das als Treffpunkt für Besuchergruppen des Friedhofs und auch als Turnhalle für die Schulkinder dient. Denn die Soldatenfriedhöfe sollen keine Fremdkörper für die einheimische Bevölkerung sein, erläutert Gerd Krause, der Geschäftsfüher des bayerischen Landesverbands des Volksbundes. Deshalb passt sich auch der Soldatenfriedhof bei Wolgograd, dem früheren Stalingrad, der Landschaft an. In der Nähe eines bereits von der deutschen Wehrmacht angelegten Soldatenfriedhofs hat der Volksbund in die öde Steppe mit ihrem weiten Himmel und unendlichen Horizonten eine Mauerring aus Granit mit einem Durchmesser von 150 Meter gebaut.
14.000 Namen an der Wand
In dem weiten Rund sind dann die sterblichen Überreste der Soldaten bestattet. An der 470 Meter langen Ringmauer sind fortlaufend die Namen der Gefallenen angebracht - bisher etwa 14.000. In endloser Folge reiht sich Name an Name mit Geburts- und Sterbedatum. Nur die wenigsten wurden überhaupt 30 Jahre alt. In nächster Zeit sollen dann - egal, wo sie liegen - alle 110.000 Soldaten aufgeführt werden, die im Raum Stalingrad ums Leben kamen oder vermisst sind. Bislang sind auf dem 1999 eingeweihten neuen Friedhof, der insgesamt vier Millionen Mark kostet, rund 30.000 tote Soldaten eingebettet.
Bei diesen Umbettungen steht der Volksbund in einem Wettlauf mit der Zeit. Erst nach der politischen Wende Ende der 80er Jahre war es überhaupt möglich, im Ostblock und insbesondere in Russland tätig zu sein. Bei ihrer Arbeit vor Ort brauchen die "Umbetter", die in Gruppen von sechs bis zehn Mann zusammengefasst sind, Geduld, gute Ortskenntnis und vor allem eine fast schon detektivische Spürnase. Wie Matthias Gurski, der Leiter der Umbettungs-Gruppen im Raum Wolgograd, erzählt, werden zuerst alte Unterlagen und Archive ausgewertet. Noch wichtiger sind aber Hinweise aus der Bevölkerung. Immer wieder erzählen ältere Menschen, wo tote Soldaten liegen. Allerdings werden diese Zeitzeugen immer weniger. Diese so lokalisierten Toten werden dann von den Umbettern exhumiert und nach Möglichkeit identifiziert. Rund ein Viertel können dadurch der Anonymität entrissen werden, bekommen wieder einen Namen und vor allem ein Grab. Und selbst nach Jahrzehnten ist es den Angehörigen und Hinterbliebenen ein Anliegen, wenigsten ein Mal die letzte Ruhestätte ihrer Männer, Söhne, Brüder oder Väter zu sehen.
Wie eine Umbettung in der Praxis abläuft, demonstrieren Gurski und seine einheimischen Mitarbeiter in Zaza, rund 70 Kilometer südlich von Wolgograd. In dem kleinen Dorfteich schwimmen die Enten, ein Pferdefuhrwerk zockelt auf der staubigen Straße, an der kleine, buntbemalte Holzhäuser vor großen Gemüse-Gärten stehen. Und in einem dieser Gärten liegen seit über 50 Jahren die Gebeine ehemaliger Soldaten. Den Hinweis hatte Valentin Glumbenkow gegeben, ein Nachbar, der damals 14 Jahre alt war. Zwischen Bohnen und Paprika, die in dem fast schon südlichen Klima üppig wachsen, sondieren die Volksbund-Mitarbeiter mit schmalen Metall-Sonden nach den Gebeinen. Wenn ein Grab gefunden ist, werden die Knochen behutsam freigelegt der Fund dann in eine Akte eingetragen. In diesem Fall gelingt es den Umbettern, die Toten auch zu identifizieren.
Sympathien bei den Russen
Die russische Bevölkerung verfolgt die Arbeiten mit wohlwollendem Interesse. Zum Mittagessen wird das Volksbund-Team sogar in das Wohnzimmer der alten Bäuerin eingeladen. Wie überhaupt der Volksbund nur selten auf Ablehnung und Vorbehalte in der Bevölkerung trifft, wie Gurski aus seiner Erfahrung erzählt. Es komme sogar vor, dass die alten deutschen Gräber von den Einheimischen gepflegt werden.
Feindschaft überwinden
Dem neuen Friedhof bei Wolgograd, angelegt in einem Gebiet, das für viele Russen als ein zentraler Schauplatz des "Großen Vaterländischen Kriegs" eine hohe emotionale Bedeutung hat, ging ein langes diplomatisches Tauziehen voraus. Vor allem den kommunistischen Gruppierungen war dieser Friedhof für die Deutschen von Anfang an ein Dorn im Auge. Durchgesetzt hat sich dann schließlich der Gedanke, wie er auch vom Volksbund seit Jahren gelebt wird: dass ein derartiger Friedhof ein Mahnmal für die neue Verständigung der Völker ist, gerade über Gräber hinweg. Deshalb soll auch der neue Friedhof, wie der russische Ministerpräsident Putin zur Einweihung sagte, ein Zeichen der "Überwindung der Feindschaft" und der "Versöhnung auf der Grundlage gemeinsamer Werte" sein. Achim Schmid
Smyrna ist weit weg von der Gemeinde, in der ich lebe; uns trennen mehr als nur neunzehn Jahrhunderte: "bedrängt" ist unsere Kirche nicht. Allerdings gibt es auch bei uns Menschen, die "bedrängt" sind: Manche Männer und Frauen kommen abends fix und fertig von der Arbeit nach Hause; man hat sie am Arbeitsplatz schikaniert und terrorisiert: Mobbing. Wie lange hält ein Mensch so etwas aus? Oder für manche Ehefrau ist das Familienleben zur Hölle geworden: der Ehemann demütigt sie mit Gemeinheiten, auch mit Schlägen; nicht jede Frau schafft es, sich aus dieser Hölle zu befreien. Weitere Beispiele ließen sich schnell aufzählen! Weil die Kirche selbst Bedrängnis erlebt hat, muss sie Bedrängten einen Schutzraum geben: ihre Not zur Sprache bringen, durch Seelsorge begleiten, in der Fürbitte an sie denken, durch Beratungsstellen helfen. Oft können auch Nachbarn oder gute Freunde helfen. Welcher "bedrängte" Mensch könnte meine Unterstützung gebrauchen?
Im Sendschreiben an Smyrna tauchen Worte auf, die erschrecken: "Synagoge des Satans". In vielen Orten Deutschlands gibt es Gott sei Dank wieder Synagogen. Im Sommer dieses Jahres wurden auf zahlreiche Synagogen in Deutschland Anschläge verübt: Wandschmierereien, eingeworfene Fensterscheiben. Regelmäßig erhalten Mitglieder jüdischer Gemeinden Drohbriefe. Heute gehören Juden zu den Bedrängten. Gut, dass in den letzten Wochen deutliche Worte gegen den Rechtsradikalismus gesprochen wurden! Gut auch, dass Christen und Juden einander näher kommen und ihre gemeinsame Erwählung neu entdecken!
Meine Gemeinde und Smyrna - zwei völlig verschiedene Welten? Ja, es sind zwei völlig verschiedene Welten; aber dennoch gibt es Gemeinsamkeiten. Uns verbindet die besorgte Frage: "Was bringt die Zukunft? Wie soll es weiter gehen? Werden auch unsere Kinder und Enkelkinder eine Welt vorfinden, in der man gesund, friedlich und sinnvoll leben kann? Oder wird das Böse überhand nehmen und am Ende vielleicht siegen?" Die Offenbarung des Johannes gibt Antwort; sie lautet: Fürchte dich nicht! Sei zuversichtlich! Denn Jesus Christus ist der Herr der Geschichte; er führt die Welt zu einem guten Ziel, hin zu Gottes ewigem Reich. Lass dich darauf ein, bau mit an Gottes Reich!
Pfarrer Peter Schramm,
Wir beten:
Lied 149:
Es ist gewisslich an der Zeit.
Foto: Archiv
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