Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 45)

Vom Gottbüchlein zum Bibel-Comic

Vom Wandel der Kinderbibeln im Laufe der Zeit

Thema 45

Das Wort "Gottbüchlein" lässt vor allem viele ältere Menschen aufhorchen. Sofort stehen ihnen Bilder vor Augen wie das vom "lieben Gott" als altem Mann mit weißem Bart, der mild von einer Wolke auf eine Schar Englein blickt.
Heute ist die Mischung des Gottbüchleins aus altertümlich klingenden Bibeltexten, Gebeten, Gesangbuchversen, Geboten und moralisierenden Hinweisen größerer Nüchternheit gewichen. Kindgerechte Texte und Bilder überwiegen, die alles Süßliche der älteren Zeit vermissen lassen. Das ist aber erst seit wenigen Jahren so, denn das "Gottbüchlein" hatte sich lange als Glaubensbuch behauptet.

Beginn einer neuen Epoche

Doch als um 1960 zuerst die Kinderbibel des holländischen Lehrers Anne de Vries und dann eine vom Patmos-Verlag erschien, brach eine neue Epoche an. Gott sollte - so das Ziel - in Kinderbibeln nicht mehr als alter Mann dargestellt werden, der alles kontrolliert und den Menschen droht. Zugleich standen Illustratoren aber vor einer schweren Entscheidung, denn im Vater Unser ist von Gott als Vater die Rede. Zudem erfahren Kinder in der Bibel, dass Gott jeden einzelnen Menschen hört und beschützt, also menschenähnliche Eigenschaften hat. Die Zeichner mussten überlegen, ob sich Kinder Gott deshalb "automatisch" als eine Art Mensch vorstellen, ob das Bild einer Hand für die Aussage reicht, dass Gottes Hand Menschen trägt und ob Kinder solche Symbole überhaupt verstehen können.

Als Schwierigkeit erweist sich für Herausgeber von Kinderbibeln auch der unterschiedliche Umfang von Altem und Neuem Testament: Der erste Teil der heiligen Schrift ist länger und enthält wesentlich mehr Geschichten als der zweite. Doch die Kinder sollen in einem einigermaßen handlichen Buch sowohl mit Jesus und dem Beginn des christlichen Glaubens vertraut gemacht werden wie mit den Geschichten aus alttestamentlicher Zeit. Hierfür das rechte Maß zu finden, ist für die Herausgeber nicht leicht.

Entscheidend für die Qualität einer Kinderbibel sind überdies der Einklang von Geschichten und Bildern und die Art der Illustrationen. Denn Bilder prägen sich - siehe Gottbüchlein - viel intensiver ein als Texte.
Für kleine Kinder gut geeignet ist deshalb der Sammelband "Das große Bibel-Bilderbuch" mit den bekannten Darstellungen des holländischen Künstlers Kees de Kort. Kurze, einfache Sätze mit klaren, aufs Wesentliche beschränkten Bildern bringen Kindergartenkindern 27 biblische Geschichten beim Betrachten nahe. Detailreichere Bilder zieren "Die neue Kinderbibel" von Wilfried Pioch, deren Geschichten von der Schöpfung bis zur Gründung der ersten christlichen Gemeinden in eine Rahmenhandlung eingebettet sind. Zwei Geschwister sprechen darin mit ihren Eltern über das Gehörte und bekommen Sachinformationen. Die zahlreichen farbigen Illustrationen von Eva Bruchmann verdeutlichen die Lebensumstände der handelnden Personen und zeigen ihre Gefühle. Eine Rahmengeschichte - diesmal von zwei Eseln - bietet auch die Kinderbibel "Der Morgen weiß mehr als der Abend" von Jörg Zink, die sich nicht an die biblische Reihenfolge hält. Stattdessen ordnet Zink alt- und neutestamentliche Geschichten sechs Themenbereichen zu. Ein Verzeichnis am Ende des Buches enthält Angaben über die Bibelstellen. Attraktiv machen diese zum Vor- oder Selberlesen geeignete Geschichtenbibel wunderschön lebendige Bilder von Hans Deininger.

Eindrückliche Bilder

Überaus eindrücklich mit orientalischem Flair sind die zahlreichen Illustrationen von Annegert Fuchshuber in der "Kinderbibel" Werner Laubi, die auch - kommentarlos - Bilder von Mutter Teresa, Mahatma Ghandi und anderen zeigen. Lesekundige Kinder können in dem Buch mit größerer Schrift blättern und sich festlesen.
Ein Schmöker für Lesegeübte ist dagegen der zweispaltige Text der "Neukirchner Erzählbibel", den Illustrationen der Künstler Kees und Michiel de Kort nur selten unterbrechen. Sie bietet auch Geschichten aus biblischen Büchern, die traditionell in Kinderbibel wenig vertreten sind, zum Beispiel aus der Zeit zwischen Salomo und Jesu Geburt sowie der Apostelgeschichte und der Offenbarung.
Interessant für die Beurteilung einer Kinderbibel ist außerdem die Darstellung von Frauen in Text und Bild: Aufschluss darüber geben zum Beispiel der Stellenwert von Abrahams Frau Sara und die Geschichte von Rut. Wichtig ist, ob Jesus nur Männer wie den Blindgeborenen, den Gichtbrüchigen oder Aussätzigen heilt oder auch die Tochter des Jairus oder die blutflüssige Frau. Nicht nur Mädchen sollten wissen, dass neben Barnabas und Timotheus auch Lydia und Priska mit ihrem Mann Aquila mit Paulus zusammenarbeiteten.
Eine gute Hinführung zum Glauben bietet neben den Kinderbibeln auch eine fast unübersehbare Flut von mehr oder weniger ausführlichen Sachbüchern und - allerdings umstrittenen - Bibelcomics.
Sabine Ost

Einkaufstipps

Beim Kauf einer Kinderbibel sind auf jeden Fall das Alter des Kindes und seine Vertrautheit mit Büchern ausschlaggebend. Zu beachten ist, dass für jüngere Kinder andere Darstellungen geeignet sind als für ältere - Szenen wie die "Opferung des Isaak" und "Jesu Kreuzigung" sollten auf keinen Fall Angst machen. Wenig geeignet erscheinen manche Übersetzungen aus dem Amerikanischen mit künstlerisch einfachen, manchmal Comic-ähnlichen Bildern.
Os

Foto: Sabine Ost


Haben als hätten wir nicht

Paulus spricht: "Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht; und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht."
1. Korinther 7, 29-31

Andacht 45 Wie beruhigend ist es, etwas zu haben: eine Heimat, ein Zuhause, einen Beruf, eine Familie und genügend Geld, um sich möglichst viele Wünsche erfüllen zu können. Nicht wenige sind fast ausschließlich damit beschäftigt, die Haben-Seite ihres Lebens zu festigen und zu erweitern. Sie arbeiten und rackern sich ab, um sich eine Rücklage zu schaffen. Sie schuften Tag und Nacht, um auf der beruflichen Karriereleiter aufzusteigen. Sie leisten sich ein aufwendiges Leben, um gut dazustehen. Und für alle Fälle spielen sie Woche für Woche Lotto, in der Hoffnung auf den ganz großen Gewinn. Der Traum eines sorgenfreien Lebens wird millionenfach geträumt.

Aber der schöne Traum hat eine Kehrseite. Der Schriftsteller Eugen Roth beschreibt in einem Gedicht, wie ein Mensch auf der Wohlstandsleiter immer weiter aufsteigt, vom Nichts mit einem Stückchen Brot bis zum reichen Mann bei Sekt und Hummer: Dann kommt das Erwachen: "Doch sieh, zu Ende ist die Leiter; Vom Hummer aus geht's nicht mehr weiter. Beim Brot, so meint er, war das Glück, Doch findet er nicht mehr zurück."
Paulus hat in seinen Worten an die Gemeinde in Korinth einen Weg aufgezeigt, wie man zum Brot-Glück, also zu einem erfüllten Leben zurückfinden kann. Er sagt: Wer an Christus glaubt, der kann alles haben, aber so, als hätte er es nicht. Paulus tadelt die Menschen nicht, weil sie etwas haben oder kaufen oder gebrauchen. Er empfiehlt nicht die völlige Armut. Aber er legt den Daumen darauf, wie wir mit den Dingen des Lebens sinnvoll umgehen können: Es muss nicht sein, dass wir uns vom Geld beherrschen lassen, so dass wir an nichts anderes mehr denken können. Das Miteinander von Menschen muss nicht in Sackgassen enden. Eltern müssen sich nicht an ihre Kinder klammern und damit ihre Entwicklung blockieren.

Paulus hält den Schlüssel zur Lösung bereit. Von Christus her unterstreicht er die Freiheit eines Christenmenschen. Wer an Christus glaubt, der kann das Endgültige vom Vorläufigen, oder wie Dietrich Bonhoeffer gesagt hat, das Letzte vom Vorletzten unterscheiden. Weil Christus das endgültige Heil offenbart hat, lassen sich alle weltlichen Dinge als vorläufig einstufen. Nichts darf gottähnlichen Charakter bekommen: kein Mensch und kein Reichtum und kein Gefühl. Nichts auf dieser Welt darf uns in einem Übermaß an sich binden. Wohl aber können wir alles als Gabe Gottes und als seine Leihgabe annehmen: den Ehepartner und die Kinder, unsere Freude und unseren Kummer, und erst recht alle käuflichen Dinge, ja, die ganze Welt - das alles sind Leihgaben Gottes auf Zeit. Wir sollen damit sorgfältig umgehen. Eines nicht so fernen Tages müssen wir alles loslassen. Dann können wir es in die Hand Gottes zurückgeben, das Gute und das Belastende. Dann hat Gott das letzte Wort. Bis dahin können wir frei leben im Haben, als hätten wir nicht. Martin Luther hat es auf den Punkt gebracht. Sein Lied ist Ausdruck des Vertrauens, dass Gott am Ende alles gut machen wird: "Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: lass fahren dahin, sie haben's kein Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben."

Oberkirchenrat Dr. Martin Bogdahn,
München

Wir beten:
Herr, das Leben ist ein Geschenk, die Sorgen sind überflüssig, die Welt vergeht, aller Besitz ist vorläufig, die Zeit ist kurz, dein Reich ist ewig, unser Dank ist groß. Amen

Lied 352: Alles ist an Gottes Segen.

Foto: Wodicka

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© copyright ROTABENE! Medienhaus