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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 44)

Weltkulturerbe Wartburg

Friedliche Ereignisse machten die Burg bekannt

Thema 44

"Wart Berg, du sollst mir eine Burg werden", mit diesen Worten beschloss Anfang des 11. Jahrhunderts Ludwig der Springer, sich das Gebiet anzueignen und sich eine Burg zu errichten. So zumindest beschreibt es die Sage. Die genaueren Umstände der Wartburg-Gründung liegen jedoch im Dunkeln. Historiker vermuten das Jahr 1073 als Gründungszeitpunkt.
Jetzt nach fast 1000 Jahren hat die UNESCO das geschichtsträchtige Gebäude zum Weltkulturerbe ernannt. Die Wartburg ist die einzige Burganlage unter den 22 Welterbestätten in Deutschland. "Die Wartburg gilt als ein hervorragendes Denkmal der feudalen Epoche in Mitteleuropa" heißt es in der Begründung der UNESCO für die Aufnahme der Wartburg. Das alte Gemäuer sei mit kulturellen Werten von universeller Bedeutung verknüpft. Besonders das Exil Martin Luthers wird genannt, der hier 1522 das Neue Testament ins Deutsche übersetzte. Durch ihre Lage an der innerdeutschen Grenze bei Eisenach gelte sie als Symbol für deutsche Integration und Einheit.

Elisabeth und Martin Luther

"Es ist eine Ehre für die Wartburg als Weltkulturerbe zu gelten", meint Burghauptmann Günter Schuchardt. Finanziell bringe das allerdings nichts. "Eine gewisse moralische Verpflichtung entsteht für die Geldgeber natürlich schon." Zum Großteil finanziert sich die Burg jedoch selbst. 450.000 Besucher im Jahr lassen 4,5 Millionen Mark hier. "Aber so eine Anlage in Schuss zu halten, ist nicht gerade billig." Und schließlich müsse ja auch das Personal bezahlt werden.
Die Wartburg wurde durch fried-liche Ereignisse bekannt. In den ersten Jahrhunderten war sie im Besitz der Ludowinger. Bekannteste Bewohnerin aus dieser Zeit dürfte Elisabeth von Thüringen sein. Bereits als Kind wurde die ungarische Königstochter und spätere Heilige auf die Wartburg gebracht. Später heiratete sie Ludwig IV., den Thüringer Landgrafen. Sie entsprach nicht dem Ideal einer höfischen Frau. Durch ihr Leben nach den Idealen des Franz von Assisi wurde sie zur Außenseiterin. Sie ließ ein Siechhaus und ein Hospital errichten und kümmerte sich um Randgruppen. Als ihr Gatte 1227 auf dem Weg in den vierten Kreuzzug starb, verließ Elisabeth die Wartburg.
Mitte des 13. Jahrhunderts endete die Herrschaft der Ludowinger. Heinrich Raspe IV. starb 1246 ohne Nachkommen. Es gab Streit um das Erbe und schließlich wurden die Ländereien aufgeteilt. Um 1320 wurden etliche Renovierungsarbeiten durchgeführt, weil die Burg durch Blitzeinschlag und Feuer erheblich zerstört worden war. Zehn Monate war Luther auf der Wartburg. "Von da an trat sie aus der europäischen Geschichte in die Weltgeschichte ein", erklärt Günter Schuchardt. Martin Luther, der 1483 in Eisleben geboren wurde, kannte die Wartburg und Eisenach schon als Kind. Hier ging er 1500 zur Schule. Später wurde er Theologe und krempelte die damaligen theologischen Vorstellungen gewaltig um. Seine Theologie vom liebenden und barmherzigen Gott war manchem ein Dorn im Auge. Da er beim Wormser Reichstag 1521 seine Schriften nicht widerrufen mochte, ächtete ihn der Papst und der Kaiser bannte ihn.
Kurfürst Friedrich der Weise veranlasste, dass Luther sich - gut getarnt als Junker Jörg - auf der Wartburg verstecken konnte. Vom 4. Mai 1521 bis zum 1. März 1522 hielt er sich dort auf und arbeitete unermüdlich. Es entstanden 13 Abhandlungen zu aktuellen Fragen und die Wartburgpostille, eine Sammlung weihnachtlicher Predigten. Vor allem aber übersetzte er das Neue Testament aus dem Griechischen in die deutsche Sprache.

Goethe und die Wartburg

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Wartburg zum Landesgefängnis und zu einem Aufbewahrungsort für allerlei nicht benötigte Gegenstände. Erst Johann Wolfgang von Goethe "entdeckte" sie 1777 wieder. Als Weimarer Minister regte er die Einrichtung eines Museums an. Vor allem die reizvolle Umgebung und der wunderbare Ausblick beeindruckten ihn. Doch auch die Burg selbst als Zeugnis vergangener Tage schien ihm erhaltenswert. Immer wieder verfasste er dort Texte und Gedichte.
Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das alte Gemäuer wieder hergerichtet. 1817 fand das Wartburgfest statt, ein Zeichen der Bemühungen um ein vereinigtes deutsches Reich. Immer häufiger wurde die Burg als Gesamtkunstwerk oder Nationaldenkmal bezeichnet. Heute ist die Wartburg in erster Linie ein Museum. Im Festsaal finden gelegentlich Veranstaltungen, wie zum Beispiel Konzerte, statt. Außerdem werden in der Burgkapelle etwa alle zwei Wochen Gottesdienste gefeiert. Einen Haken hat der Besuch der Wartburg allerdings: Es geht steil bergauf. Wer nicht gut zu Fuß ist oder Herz- und Kreislaufprobleme hat, sollte unbedingt den Bus nehmen. Dann steht einem Besuch auf der Wartburg montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr (April bis Oktober auch samstags von 9 bis 16 Uhr) nichts mehr im Wege.

Karin Ilgenfritz
Foto: Karin Ilgenfritz


Heilung an Leib und Seele

Leidet jemand unter euch, der bete, ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen. Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.
Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.
Jakobus 5,13-16

Andacht 44 Ein junger Zahnarzt hat einmal nach einer Behandlung seinen Patienten gefragt, was er eigentlich von Beruf sei. Als er hörte, dass er Pfarrer ist, sagte er: "Ich heile mit Medikamenten und Sie mit Worten."

Wer krank ist, braucht nicht nur gute Ärzte und Medikamente. Wer leidet und krank ist braucht auch seelischen Halt. Daran erinnern der Zahnarzt und die Worte aus dem Jakobusbrief.
Wenn jemand krank ist, muss er zum Arzt. Das ist klar. Dort bekommt er Medikamente und eine entsprechende Behandlung. Das erwartet man landläufig von einem Mediziner. Aber was würde geschehen, wenn der Arzt darüber hinaus regelmäßige Gebete und eine Salbung durch Kirchenvorsteher verschreiben würde? Das wäre sehr ungewöhnlich!
Der Jakobusbrief erinnert daran, wie sehr die leibliche mit der seelischen Gesundheit zusammenhängt. Ein Mensch, der leidet, ist ganz und gar vom Leiden getroffen. Und im Gebet kommt das zum Tragen. Wer im Leiden zu Gott spricht, spricht als ganzer Mensch mit Leib und Seele. Und wenn es ihm gut geht und er guten Mutes ist, dann ist es auch so. Wer sich rundum wohl fühlt, dem liegt leicht ein Lied auf den Lippen, um Gott für alles Gute zu danken.

Wer krank ist und leidet erfährt, dass diese Einheit von Leib und Seele bedroht ist. Gerade während einer Krankheit sind Menschen sehr empfänglich für die Worte, die andere über sie sprechen. Es ist eingroßer Unterschied, ob ein Arzt einen Patienten als Menschen mit seinem Namen anspricht, oder nur über die "Galle auf Zimmer 203" redet. Es tut gut, wenn ein Besucher geduldig zuhört und das Leiden mitträgt. Aber es schmerzt, wenn ein Kranker anstelle von Trost nur zu hören bekommt, dass er schnell wieder gesund werden soll, damit er wieder arbeiten kann.
Gott hat uns als Menschen mit Leib und Seele geschaffen. Und unser Umgang als Christen mit Kranken und Leidenden wird sich daran zu orientieren haben. Wer krank ist, wer fröhlich ist, wer Schuld auf sich geladen hat, bleibt immer ein Geschöpf Gottes mit Leib und Seele. Das Gebet und die heilende Berührung mit Öl erinnern an diese Einheit, die von Gott gewollt ist, sie entsprechen ihr. Krankheit und Schuld sind Erfahrungen, in denen diese Einheit bedroht ist. Die medizinische Behandlung des Körpers allein wird deshalb nur ein Teil sein, um im christlichen Sinn gesund zu werden. Der andere Teil im Umgang mit und zur Heilung von krank oder schuldig gewordenen Menschen wird von der Fürbitte der Gemeinde bestimmt sein.

Die Fürbitte für leidende und schuldig gewordene Menschen ist deshalb ein Beitrag der Christen, um Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten. In Leid und Schuld brauchen Menschen Beistand und liebevolle Begleitung. Der Jakobusbrief macht uns Mut als Christinnen und Christen, neben der medizinischen Therapie oder dem juristischen Verfahren ein Gebet über leidende und schuldig gewordene Menschen zu sprechen. Damit öffnet sich uns und den Betroffenen der Weg zu einer Heilung im christlichen Sinne.
Der Beziehung zu Gott und unseren Mitmenschen - die seelische und geistliche Seite unseres Lebens - gebührt auf dem Weg zur Heilung besondere Aufmerksamkeit. Pfarrer Jürgen Belz, Bergen

Wir beten:
Herr, erst wenn wir selbst krank sind, merken wir, wie wichtig es ist, gesund zu sein. Wir bitten dich für alle Kranken: Lass sie wieder gesund werden, oder, wenn es sein muss, hilf ihnen, mit ihrer Krankheit zu leben. Öffne uns die Augen für unsere Möglichkeiten, Kranken zu helfen. Wir beten besonders für … Amen.

Lied 320: Nun lasst uns Gott

Foto: Werner Spoerl

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