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Bald ist es so weit: Am 22. Oktober werden in den rund 1.500 evange-lischen Gemeinden Bayerns die Kirchenvorstände neu gewählt. Als Sonntagsblatt-Redaktion woll-ten wir wissen, wie sich unsere Leserinnen und Leser die idealen Kandidatinnen und Kandidaten vorstellen, die für sechs Jahre die Interessen der Gemeindeglieder vertreten sollen. Die Umfrage ergab ein vielfältiges Bild von Erwartungen.
Wahrhaftig sein
Er oder sie sollte ein aufrechter Christ sein, auch im Alltag und Beruf, in der Bibel Bescheid wissen, zur rechten Zeit reden und schweigen können, Gaben und Fachkompetenzen gerne in die Gemeindearbeit einbringen und eine geordnete Lebensführung haben. Daneben Mut zu helfender Kritik und unliebsamen Wahrheiten, auch dem Pfarrer gegenüber. Die beste "Dienstanweisung" - nicht nur für dieses Amt - fand ich in einer Hochzeitsanzeige: Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wach sein in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist: Christus" (Epheser 4, 15).
Bekennender Christ sein
Nach kurzem Überlegen, wie ich mir einen Kirchenvorstand vorstelle, war es mir klar. Er oder sie soll eine bekennende christliche Einstellung haben. Öffentlich sich äußern, wenn ein Kreuz am Wege beseitigt werden soll. Er soll auch mal dem Pfarrer über die Schulder schauen, offene Augen und Ohren für Wünsche oder auch Klagen der Mitchristen haben, beziehungsweise versuchen sie mitzutragen.
Eines Sinnes sein
Nun wähle ich schon zum siebten Mal und immer in kleinen Gemeinden, wo jeder jeden kennt, was natürlich seine Vorteile hat. Bei jeder Wahl war mein "Maßstab" die Ermahnung des Apostels Paulus, wo es in der Bibel unter dem Thema "Das Leben der Gemeinde" im Römerbrief Kapitel 12 in den Versen 16 bis 18 heißt: "Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jederman. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden."
Sonntags im Gottesdienst
Wenn sich jemand als Kirchenvorstandskandidat zur Verfügung stellt, so sollte er oder sie auch möglichst oft bei den sonntäglichen Gottesdiensten anwesend sein und Gottes Wort hören.
Bibeltreues Leben
Der ideale Kirchenvorsteher hat Glauben und Wissen, ist erfahren in Beruf und Familie (Vorbildcharakter!), kennt den Inhalt des Versprechens, das er im Falle einer Wahl vor der Gemeinde ablegt, und versucht bibel- und bekenntnistreu zu leben.
Im idealen Kirchenvorstand sind Männer und Frauen vertreten: Landwirte, Handwerker, Geschäftsleute, Akademiker, Beamte, Pädagogen, politisch Konservative und Liberale, 30-Jährige und Pensionisten, Alteingesessene und Heimatvertriebene. Experten in Bau- und Finanzfragen werden ebenso gebraucht wie theologisch Gebildete.
Engagement für die Jugend
Der Kandidat oder die Kandidatin sollte an Jesus Christus glauben. Dazu gehört auch, dass man ihn oder sie auch im Gottesdienst "zu Gesicht" bekommt. Es sollte eine Person sein, die die Gemeindemitglieder, aber auch die eigene Meinung im Gremium sowie auch gegenüber dem Pfarrer vertritt.
Notorische Ja-Sager, die ihre Stimmung nach den anderen ausrichten, haben bei mir keine Chance. Der Kandidat oder die Kandidatin sollen aktiv am Gemeindeleben teilnehmen und sich nicht auf frühere "Erfolge" und "Aktionen" ausruhen. Der Höhepunkt des Gemeindelebens soll nicht nur im jährlich stattfindendem Grillfest "gipfeln". Auf die Verschwiegenheit der Kirchenvorsteher lege ich großen Wert.
Ein "wärmender Ofen" sein
Bei der Wahl eines Kirchenvorstands ist wichtig, dass er oder sie regelmäßig den Gottesdienst besucht, ein Leben ohne große Sünden führt und kein oberflächlicher Schwätzer ist. Er oder sie sollten sich in der Arbeit mit Jugend, Erwachsenen oder Senioren einbringen, denn nur wer an der "Front" steht, kann über Äußerlichkeiten hinweg sehen. Im Umgang mit anderen sollte er oder sie auch Fehler zugeben können und nicht eingeschnappt sein wenn ihn ein anderer in Liebe auf Fehler hinweist. Er oder sie sollte ein Beter sein.
Karikatur: Robert Hellenschmidt
In diesem Jahr werden wir in besonderer Weise daran erinnert, wie viele Menschen aus anderen Ländern während der braunen Diktatur unfreiwillig, unter Zwang in unserem Lande arbeiten mussten, auch in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen. Wir hatten sie schon fast vergessen. Viele sind totgeschwiegen worden; die meisten sind auch schon verstorben. Aber: Totgesagte leben länger.
Das erfährt auch Herodes, König in Judäa von Roms Gnaden; er will bei seinen Landsleuten "gut Wetter machen" und verfolgt deshalb führende Christen, darunter Jakobus, der kurzerhand ohne Prozess hingerichtet wird; und Petrus lässt er um das Passahfest herum schwer bewaffnet im Gefängnis verschwinden. Die kleine Christengemeinde gerät dadurch in eine Krise, der sie hinter verschlossenen Türen mit Gebet und unruhigem Bangen begegnet. Hofft sie darauf, dass Totgesagte länger leben?
Petrus erlebt es an sich selbst. Er verschläft die entscheidende Stunde. Überraschend leicht wird er aus dem Kerker geführt und mitten in der Nacht auf der Straße stehen gelassen. Erst im Nachhinein erfährt er, was ihm widerfahren ist. Zu sich gekommen, geht ihm ein Licht auf: Totgeglaubte leben länger.
Ein Freibrief auf ungefährdete Sicherheit ist diese Befreiung nicht. Wenn auch Herodes bald darauf stirbt, muss Petrus fliehen und die Gemeinde die Türen geschlossen halten. Aber sie können ihren Weg weitergehen in Begleitung eines Stärkeren. "Und das Wort des Herrn wuchs und mehrte sich", vermerkt lapidar der Verfasser der Apostelgeschichte am Ende dieses Kapitels (Vers 24). Es ist ein lebensschaffendes Wort. Es lädt zum Vertrauen ein. Wachstum und Befreiung sind möglich, wenn auch nicht kalkulierbar oder vorhersehbar. Das Vertrauen in den lebendigen Gott ist ein belastbares Vertrauen.
Die Gemeinde ist erfreut und entsetzt zugleich, als Petrus vor der Tür steht (Verse 14 und 16). So ist Gott: er befreit und er befreit nicht. Jakobus wird getötet, Petrus gerettet, ohne sein Zutun. Aber Petrus hat zu tun, dem Vertrauen, das Gott in ihn setzt, gerecht zu werden. Denn Totgesagte sollen leben. Dazu wird Petrus mit Gürtel, Schuhen und Mantel ausgestattet. Ein Verweilen gibt es nicht; er muss aufbrechen, mit festem Tritt und im Schutz des Vertrauens, das Gott ihm schenkt, von Todeserfahrungen geprägt und doch frei, von Nacht und Angst umgeben und doch fröhlich. Vielleicht soll er ein Bote Gottes für die werden, die sich nach Befreiung sehnen und voller Staunen erkennen: Totgesagte leben länger.
Heimo Liebl, Präsident
Wir beten:
Wir danken dir, Gott, für das Vertrauen, das du in uns setzt. Lass uns aufatmen trotz aller Lasten. Lass uns hoffen trotz aller Zweifel. Lass uns leben inmitten von Angst und Schuld und Tod. Befreie uns zum Vertrauen in deine Kraft. Amen.
Lied 637: Von guten Mächten treu und still umgeben.
Foto: epd-Bild
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