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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 41)

Nähe zur Bibel und zum Gottesdienst

Umfrage zu "idealen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern"

Thema 41

Bald ist es so weit: Am 22. Oktober werden in den rund 1.500 evange-lischen Gemeinden Bayerns die Kirchenvorstände neu gewählt. Als Sonntagsblatt-Redaktion woll-ten wir wissen, wie sich unsere Leserinnen und Leser die idealen Kandidatinnen und Kandidaten vorstellen, die für sechs Jahre die Interessen der Gemeindeglieder vertreten sollen. Die Umfrage ergab ein vielfältiges Bild von Erwartungen.

Wahrhaftig sein

Er oder sie sollte ein aufrechter Christ sein, auch im Alltag und Beruf, in der Bibel Bescheid wissen, zur rechten Zeit reden und schweigen können, Gaben und Fachkompetenzen gerne in die Gemeindearbeit einbringen und eine geordnete Lebensführung haben. Daneben Mut zu helfender Kritik und unliebsamen Wahrheiten, auch dem Pfarrer gegenüber. Die beste "Dienstanweisung" - nicht nur für dieses Amt - fand ich in einer Hochzeitsanzeige: Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wach sein in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist: Christus" (Epheser 4, 15).
Luise Berendes, Ansbach

Bekennender Christ sein

Nach kurzem Überlegen, wie ich mir einen Kirchenvorstand vorstelle, war es mir klar. Er oder sie soll eine bekennende christliche Einstellung haben. Öffentlich sich äußern, wenn ein Kreuz am Wege beseitigt werden soll. Er soll auch mal dem Pfarrer über die Schulder schauen, offene Augen und Ohren für Wünsche oder auch Klagen der Mitchristen haben, beziehungsweise versuchen sie mitzutragen.
Bebby Oertel, Scheinfeld

Eines Sinnes sein

Nun wähle ich schon zum siebten Mal und immer in kleinen Gemeinden, wo jeder jeden kennt, was natürlich seine Vorteile hat. Bei jeder Wahl war mein "Maßstab" die Ermahnung des Apostels Paulus, wo es in der Bibel unter dem Thema "Das Leben der Gemeinde" im Römerbrief Kapitel 12 in den Versen 16 bis 18 heißt: "Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug. Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jederman. Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden."
Dieter Weiß, Stadtlauringen

Sonntags im Gottesdienst

Wenn sich jemand als Kirchenvorstandskandidat zur Verfügung stellt, so sollte er oder sie auch möglichst oft bei den sonntäglichen Gottesdiensten anwesend sein und Gottes Wort hören.
Fritz Rummel, Krautostheim

Bibeltreues Leben

Der ideale Kirchenvorsteher hat Glauben und Wissen, ist erfahren in Beruf und Familie (Vorbildcharakter!), kennt den Inhalt des Versprechens, das er im Falle einer Wahl vor der Gemeinde ablegt, und versucht bibel- und bekenntnistreu zu leben. Im idealen Kirchenvorstand sind Männer und Frauen vertreten: Landwirte, Handwerker, Geschäftsleute, Akademiker, Beamte, Pädagogen, politisch Konservative und Liberale, 30-Jährige und Pensionisten, Alteingesessene und Heimatvertriebene. Experten in Bau- und Finanzfragen werden ebenso gebraucht wie theologisch Gebildete.
Wichtig sind Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, eigene Überzeugung, Ausdrucksfähigkeit, Geduld und gute Nerven! Die Gemeinde will ihr Geschick in Händen von Repräsentanten wissen, die nicht zu allem "Ja" sagen oder nur auf "Neues" aus sind; sie sollten ihr Ego bescheiden in den Hintergrund stellen.
Klaus Brand, Dinkelsbühl

Engagement für die Jugend

Der Kandidat oder die Kandidatin sollte an Jesus Christus glauben. Dazu gehört auch, dass man ihn oder sie auch im Gottesdienst "zu Gesicht" bekommt. Es sollte eine Person sein, die die Gemeindemitglieder, aber auch die eigene Meinung im Gremium sowie auch gegenüber dem Pfarrer vertritt. Notorische Ja-Sager, die ihre Stimmung nach den anderen ausrichten, haben bei mir keine Chance. Der Kandidat oder die Kandidatin sollen aktiv am Gemeindeleben teilnehmen und sich nicht auf frühere "Erfolge" und "Aktionen" ausruhen. Der Höhepunkt des Gemeindelebens soll nicht nur im jährlich stattfindendem Grillfest "gipfeln". Auf die Verschwiegenheit der Kirchenvorsteher lege ich großen Wert.
Im KV sollen idealerweise Männer und Frauen vertreten sein und möglichst alle Altersgruppen. Die Kandidaten sollten nicht in sämtlichen Vereinen engagiert sein, da sonst für diese wichtige Arbeit im Kirchenvorstand zu wenig Zeit und Engagement bleibt. Bevorzugt werden von mir Kandidaten, die sich auch in der Jugendarbeit engagieren.
Christel Klein, Mittelsinn

Ein "wärmender Ofen" sein

Bei der Wahl eines Kirchenvorstands ist wichtig, dass er oder sie regelmäßig den Gottesdienst besucht, ein Leben ohne große Sünden führt und kein oberflächlicher Schwätzer ist. Er oder sie sollten sich in der Arbeit mit Jugend, Erwachsenen oder Senioren einbringen, denn nur wer an der "Front" steht, kann über Äußerlichkeiten hinweg sehen. Im Umgang mit anderen sollte er oder sie auch Fehler zugeben können und nicht eingeschnappt sein wenn ihn ein anderer in Liebe auf Fehler hinweist. Er oder sie sollte ein Beter sein.
Dem idealen Kandidaten liegt der geistliche Wachstum seiner Gemeinde am Herzen und dies ist nur mit Gottes Liebe möglich. Am wichtigsten ist es aber, dass Gottes Liebe zuerst im Herzen des Menschen zu wirken beginnt, so dass er kein Eisblock sondern ein warmer Ofen ist, der auch andere wärmen kann.
Emma Schlagbauer, Ansbach

Karikatur: Robert Hellenschmidt


Totgesagte leben länger

Herodes tötete aber Jakobus, des Johannes Bruder, mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen... Aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis. Und siehe, der Engel des Herrn kam herein, und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf! Und die Ketten fielen ihm von seinen Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir! Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass ihm das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen... Und sie gingen hin eine Straße weit; und alsbald verließ ihn der Engel. Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat.
Apostelgeschichte 12, 1-11

Andacht 41 Im Jahre 1989 begrüßte Erich Honecker Michail Gorbatschow in Berlin mit den Worten: "Totgesagte leben länger." Damit wollte er sich und seinen Parteigängern Mut zusprechen: Der Staat der DDR - von vielen totgesagt und zu Tode gewünscht - wird noch lange leben. Wenige Monate später war dieser Staat wirklich am Ende.

In diesem Jahr werden wir in besonderer Weise daran erinnert, wie viele Menschen aus anderen Ländern während der braunen Diktatur unfreiwillig, unter Zwang in unserem Lande arbeiten mussten, auch in kirchlichen und diakonischen Einrichtungen. Wir hatten sie schon fast vergessen. Viele sind totgeschwiegen worden; die meisten sind auch schon verstorben. Aber: Totgesagte leben länger.

Das erfährt auch Herodes, König in Judäa von Roms Gnaden; er will bei seinen Landsleuten "gut Wetter machen" und verfolgt deshalb führende Christen, darunter Jakobus, der kurzerhand ohne Prozess hingerichtet wird; und Petrus lässt er um das Passahfest herum schwer bewaffnet im Gefängnis verschwinden. Die kleine Christengemeinde gerät dadurch in eine Krise, der sie hinter verschlossenen Türen mit Gebet und unruhigem Bangen begegnet. Hofft sie darauf, dass Totgesagte länger leben?

Petrus erlebt es an sich selbst. Er verschläft die entscheidende Stunde. Überraschend leicht wird er aus dem Kerker geführt und mitten in der Nacht auf der Straße stehen gelassen. Erst im Nachhinein erfährt er, was ihm widerfahren ist. Zu sich gekommen, geht ihm ein Licht auf: Totgeglaubte leben länger. Ein Freibrief auf ungefährdete Sicherheit ist diese Befreiung nicht. Wenn auch Herodes bald darauf stirbt, muss Petrus fliehen und die Gemeinde die Türen geschlossen halten. Aber sie können ihren Weg weitergehen in Begleitung eines Stärkeren. "Und das Wort des Herrn wuchs und mehrte sich", vermerkt lapidar der Verfasser der Apostelgeschichte am Ende dieses Kapitels (Vers 24). Es ist ein lebensschaffendes Wort. Es lädt zum Vertrauen ein. Wachstum und Befreiung sind möglich, wenn auch nicht kalkulierbar oder vorhersehbar. Das Vertrauen in den lebendigen Gott ist ein belastbares Vertrauen.

Die Gemeinde ist erfreut und entsetzt zugleich, als Petrus vor der Tür steht (Verse 14 und 16). So ist Gott: er befreit und er befreit nicht. Jakobus wird getötet, Petrus gerettet, ohne sein Zutun. Aber Petrus hat zu tun, dem Vertrauen, das Gott in ihn setzt, gerecht zu werden. Denn Totgesagte sollen leben. Dazu wird Petrus mit Gürtel, Schuhen und Mantel ausgestattet. Ein Verweilen gibt es nicht; er muss aufbrechen, mit festem Tritt und im Schutz des Vertrauens, das Gott ihm schenkt, von Todeserfahrungen geprägt und doch frei, von Nacht und Angst umgeben und doch fröhlich. Vielleicht soll er ein Bote Gottes für die werden, die sich nach Befreiung sehnen und voller Staunen erkennen: Totgesagte leben länger.

Heimo Liebl, Präsident
des Diakonischen Werkes Bayern,
Nürnberg

Wir beten: Wir danken dir, Gott, für das Vertrauen, das du in uns setzt. Lass uns aufatmen trotz aller Lasten. Lass uns hoffen trotz aller Zweifel. Lass uns leben inmitten von Angst und Schuld und Tod. Befreie uns zum Vertrauen in deine Kraft. Amen.

Lied 637: Von guten Mächten treu und still umgeben.

Foto: epd-Bild

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