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Eine Ausnahmeerscheinung
Er war einst einer der jüngsten Kirchenvorsteher in der bayerischen Landeskirche. Heute zählt er zu den dienstältesten: Fast ein halbes Jahrhundert hat Friedrich Bissinger aus Appetshofen (Dekanat Donauwörth) im Leitungsgremium seiner Kirchengemeinde mitgearbeitet. Als sich der Landwirt 1952 mit 25 Jahren zur Wahl stellte, brauchte er noch eine Ausnahmegenehmigung des Landeskirchenrates. Denn damals lag das Mindestalter, um kandidieren zu können, bei 30 Jahren. Obwohl er als jüngster und letzter auf dem Wahlzettel stand, erhielt er viele Stimmen. Bissinger war kein Unbekannter mehr: Er hatte in der Ries-Gemeinde Jahre zuvor einen Jugendkreis gegründet und leitete Seminare der evangelischen Landjugend. Er wollte "die Jugend sammeln und sie zu einem lebendigen Glauben führen".
Im Rückblick stellte der heute 73-Jährige fest, dass sich der Kirchenvorstand vor allem mit Bauangelegenheiten befasst hat. So sei unter anderem die Kirche renoviert, das Pfarrhaus erweitert und der Gemeindesaal neu gebaut worden. Diese Projekte hätten bei den Sitzungen breiten Raum eingenommen: "Seelsorgerliche und geistliche Fragen kamen leider zu kurz." Bissinger bedauert, dass bei den Sitzungen kaum Zeit blieb, um zu überlegen, "wie die Gemeinde zum lebendigen Glauben hingeführt werden kann."
Dem langjährigen Vertrauensmann, der sich auch im Dekanat und auf Landesebene engagierte, lag vor allem der Gottesdienstbesuch am Herzen. Er freut sich darüber, dass in Appetshofen nach wie vor 30 bis 40 Prozent der 400 Evangelischen sonnntags in die Kirche gehen.
Ungewöhnliche Direktwahl
25 Jahre gehörte Sibylle Heyl Leitungsgremien von Kirchengemeinden an, zuerst in Augsburg und seit 1982 in München. Dass eine Frau direkt gewählt wurde, galt 1970, als sie erstmals kandidierte, noch als ungewöhnlich. "Der Pfarrer, der mir damals die gute Nachricht überbrachte, war selbst erstaunt", erinnert sich die Religionslehrerin mit abgeschlossenem Theologiestudium. Inzwischen habe sich das Bild grundlegend geändert: "Bei den Tagungen der Vertrauensleute der oberbayerischen Kirchenvorstände sind zu 75 Prozent Frauen anwesend." In der Münchner Christuskirchen-Gemeinde, deren Kirchenvorstand sie seit drei Perioden angehört, ist es ähnlich: Die deutliche Mehrheit des Leitungsgremiums in der größten evangelischen Gemeinde Südbayerns ist weiblich.
In den letzten 25 Jahren hat sich nach Ansicht der Vertrauensfrau das Verhältnis von ehrenamtlich zu hauptamtlich Mitarbeitenden in der Kirche deutlich geändert. Während es früher ein deutliches Gefälle von Hauptberuflichen zu freiwillig Engagierten gegeben habe, gehe es jetzt
partnerschaftlicher und lockerer zu. Ehrenamtliche hätten mehr Selbstbewußtsein: "Sie wissen, dass sie gebraucht werden und dass ohne sie nichts geht."
Gestiegen ist im Kirchenvorstand - so Sibylle Heyl - das Interesse an Fragen der Frömmigkeit und an biblischen Themen. "Es gibt ein deutliches Bedürfnis, sich des eigenen Glaubens zu vergewissern", sagt die 67-jährige Vertrauensfrau, die die Verantwortung in jüngere Hände legen möchte. So unterstütze der Kirchenvorstand auch das Anliegen, öfters das Abendmahl zu feiern. In der Christuskirche werden inzwischen die Gottesdienstbesucher sonntags alle 14 Tage zum Tisch des Herrn eingeladen.
Verstärkt hat das Leitungsgremium nach Angaben der langjährigen Mitarbeiterin die Öffentlichkeitsarbeit: "Es ist wichtiger geworden, wie sich eine Kirchengemeinde nach außen präsentiert." So komme es vermehrt darauf an, Flagge zu zeigen und auszustrahlen in den Stadtteil hinein.
Langwierige Entscheidungen
Seit 30 Jahren engagiert sich - mit einer kurzen Unterbrechung - Fritz Lieb im Kirchenvorstand der Rothenburger St.Jakob-Kirche. 1970 wurde er als 38-Jähriger in das Leitungsgremium berufen. Er kam sich damals als "junger Hupfer unter Honoratioren" vor. Dem Gremium gehörten unter anderem ein Schuldirektor, ein Amtsgerichtsrat und der Oberbürgermeister an.
"Wie ein roter Faden durchzogen Bauangelegenheiten die Sitzungen", blickt Lieb zurück. Die Gemeinde hat mehrere Kirchen und Gebäude zu unterhalten. Eine große Rolle spielte auch, die zahlreichen Kunstschätze zu erhalten wie den berühmten Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider.
In den vergangenen drei Jahrzehnten haben dem Vertrauensmann zufolge die Zahl der Sitzungen und auch deren Dauer zugenommen. "Es ist mehr Zeit für die Arbeit des Kirchenvorstandes aufzuwenden." Einen wesentlichen Grund sieht Lieb darin, dass Entscheidungsprozesse langwieriger geworden sind: "Bei 12 Kirchenvorständen und sechs Pfarrern gibt es viele Gedanken zu einem Thema". Der Kaufmann, der sich in der Gemeinde und im Dekanat vielfältig ehrenamtlich engagiert, hält es für wichtig, genügend Zeit für Entscheidungen zu haben. Seine Erfahrung: "Je komplizierter eine Sache ist und je mehr darüber diskutiert wird, des-o klarer kristallisiert sich ein Beschluss heraus." Lieb zufolge ist es besser, manchmal noch eine Sitzung zu warten, um dann eine Entscheidung zu treffen, die möglichst viele mittragen.
Schon bei der letzten Wahl kündigte der langjährige Mitarbeiter an, im Jahr 2000 für das Leitungsgremium nicht mehr zur Verfügung
zu stehen. Obwohl er keine Stunde seiner Mitarbeit missen möchte, betont der 68-Jährige: "Das Rentenalter gilt auch für den Kirchenvorstand."
Günter Saalfrank
Vielleicht hätte Spurgeon auf die Christen in Thessalonich hinweisen sollen. Die junge Gemeinde von Paulus gegründet, scheint wirklich ideal gewesen zu sein. Zumindest der Anfang des Briefes lässt darauf schließen. Paulus rühmt "das Werk im Glauben, die Arbeit in der Liebe und die Geduld in der Hoffnung". Was lässt sich Lobenderes von einer Gemeinde und den dort Mitarbeitenden sagen? Erst im weiteren Verlauf des Briefes geht Paulus auf die Dinge ein, die nicht so gut sind.
Auf dem Hintergrund von Lob lässt sich Kritik leichter äußern und ertragen. Wenn wir bei einem Menschen spüren, dass er uns so nimmt wie wir sind, können wir besser hören, was sich ändern sollte. Tun wir uns vielleicht in der Gemeinde mit Kritik deshalb so schwer, weil wir zu wenig gelobt werden beziehungsweise loben - nach dem Motto: Nichts gesagt, ist gelobt genug. Viele Aktivitäten nehmen wir so selbstverständlich, dass wir sie keiner Erwähnung wert halten. Wir übersehen wieviel Mühe, Arbeit und Einsatz hinter einer Gemeindeveranstaltung steckt.
Was genau lobt Paulus an den Thessalonichern? Da ist zum einen ihr "Werk im Glauben"! Paulus wendet nichts gegen Glaubenswerke ein. Es ist ganz selbstverständlich, dass aus dem Glauben Werke wachsen. Sie sind unsere Antwort auf den von Gott geschenkten Glauben. "Glaube ohne Werke ist tot." (Jakobus 2, 17) Diesen Satz könnte Paulus auch sagen. Was er bekämpft, ist die Haltung: Die Werke bringen mich zum Glauben. Wenn ich in der Gemeinde schon so aktiv bin, muss Gott mich dafür mit Glauben belohnen. Nicht Glaube aus den Werken, sondern Werke aus dem Glauben, lobt Paulus.
Und Paulus lobt die "Geduld in der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus", die er bei den Thessalonichern beobachtet. Jesus behält das Heft in der Hand. Das gilt für unser Leben, für das Leben der Gemeinde und die Weltgeschichte. Mag der Augenschein etwas anderes sagen. Die Thessalonicher lassen sich davon nicht täuschen. Sie halten geduldig in der Hoffnung aus. Sie können aushalten, weil sie sich im Glauben an Jesus hängen.
Gibt es sie - die ideale Gemeinde? Gab es sie jemals? Vergessen wir nicht, Gott zu loben und ihm zu danken für die Gemeinde als geistlichen Lebensraum. Mögen wir in der Hoffnung leben, dass Jesus ihn uns erhält.
Prädikantin Edelgard Mandt,
Wir beten:
Lied 268: Strahlen brechen viele aus einem Licht.
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