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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 38)

Wenn das Altenheim ein besseres Leben verspricht

Das "Heim" von früher hat ausgedient. Gefragt ist eine Service-Zentrale, die das Leben erleichtert

Thema 38 "Ja, wir haben das mal überlegt, aber so weit sind wir Gott sei Dank noch nicht" winkt das ältere Ehepaar ab. Zwar spüren beide, wie ihre Kräfte nachlassen. Aber in ein Altenheim wollen sie am auf keinen Fall. Und wenn es sein muss, dann so spät wie nötig. Für die eigenen vier Wände nehmen sie allerhand in Kauf. Schließlich trennt sich niemand gern von der vertrauten Wohnung, den Möbeln und Erinnerungsstücken, von der Nachbarschaft.

Lieber daheim bleiben

Dafür steigen sie mühsam die Treppen im Haus rauf und runter; dafür schleppen sie schwere Ölkannen aus dem Keller zu den Öfen. In die Badewanne trauen sie sich nicht mehr hinein, denn die ist so rutschig. "Aber Waschen reicht ja auch. Früher hat man sowieso nicht täglich geduscht", heißt es dazu. Der Weg zur Bushaltestelle ist weit, aber daran können sie nichts ändern. Bei schlechtem Wetter verzichten sie halt auf den Einkauf. Irgend etwas zu essen findet sich ja immer. Früher, mit dem Auto, da war das alles kein Problem. Neuerdings machen sie sich aber doch Sorgen: Er hat "mit dem Herzen zu tun", und wenn es ihm eng wird in der Brust, dann fragt er sich schon, ob er es im Notfall noch bis zum Telefon schaffen würde. Also haben die beiden es sich überlegt, das mit dem Heim. Und sie kamen zu dem Schluss: So weit sind wir noch nicht.
Diakon Günter Gundel (53) leitet zwei "Altenheime" des Diakonischen Werks Schweinfurt. Dort wohnen über 230 alte Menschen. Er kennt und versteht die Befürchtungen alter Menschen, sofern sie dabei an ernste Krankheiten und eine aus der Not geborene Unterbringung in einem Pflegeheim denken. Aber wenn es um andere "Heimformen" geht, wie zum Beispiel das Betreute Wohnen, dann sähe die Sache schon anders aus. "Ich habe Damen hier, die haben sich mit Freude komplett neu eingerichtet", erzählt er. Und hört immer wieder: "Das hätte ich schon viel früher tun sollen." Denn nach dem Umzug sei das Leben leichter geworden.

Bewusst entscheiden

Damit so ein Umzug gelingen kann, empfiehlt der Diakon: "Es muss jeder für sich entscheiden, wann der Umzug eine Steigerung der Lebensqualität mit sich bringt." Er fragt also nicht nach dem Zwang, sondern dem Wunsch, es im Alter möglichst schön zu haben. Lift statt Treppen, Zentralheizung, seniorengerechte Duschwanne, dazu allerhand Handreichungen vom Glühbirnen Einschrauben über das Putzen und Kochen bis zur Krankenpflege in den eigenen Räumen, falls die Grippe jemanden ins Bett zwingt. Sollte ein Bewohner körperlich immer kränker und wirklich auf Dauer pflegebedürftig werden, dann kann er trotzdem in seiner (neuen) Wohnung bleiben.
Der richtige Zeitpunkt für so einen Wechsel? Gundel: "Wenn ich noch mobil bin und meine Sachen selbst machen kann. Damit ich meine privaten Sachen selbst packe, selbst sortiere, was ich behalte und was ich hergebe, selbst entscheide wohin ich ziehe und mich dort bewusst neu einleben kann."

Trends in Bayern

Pfarrer Klaus Meyer, der zuständige Abteilungsleiter und Vorstandsmitglied beim Diakonischen Werk Bayern (Nürnberg) bestätigt, dass der unterfränkische Heimleiter im bayernweiten Trend liegt: "Die Heime sind auf dem Weg zum 'Hotel inklusive Pflege'. Ich wohne da, bin mein eigener Herr und genieße den Service des Hauses vom Gästezimmer für Angehörige bis zur Hilfe bei Behördengängen." Die Häuser würden sich auf drei Entwicklungen einstellen. Erstens: Das Alter derer, die aus gesundheitlichen Gründen in ein Pflegeheim ziehen müssen, steigt an. Zur Zeit liegt es zwischen 85 und 86 Jahren. Zweitens: Die Zahl der Bewohner, die an Desorientiertheit leiden, steigt an. Drittens: Die Häuser sind offener und vielfältiger als früher. Wer sich überlegt, ob eine Kombination aus Wohnung und Service sein Leben leichter machen kann, der sollte nicht nur ein Haus anschauen.

Frank Nie
Foto: Wodicka


Den Fängen des Raubtiers entrissen

Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer, aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. Da sprach der Herr zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist's nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.
1. Mose 4, 4b-7

Andacht 38 Warum gelingt anderen, was ich nicht zustandebringe? Warum läuft es bei ihnen besser? - Neid erwacht. Ich gönne meinem Nächsten nicht das Glück, das er hat. Warum ist er gesegnet? Warum lässt Gott sein Antlitz leuchten über ihm, nicht über mir? Dann senkt sich finster mein Blick.

Etwas Vorwurfsvolles drängt sich in meine Beziehung zu Gott. Ich bin nicht einverstanden. Innerlich distanziere ich mich von ihm. Das heißt, die Missgunst gegenüber dem Nächsten zieht die Frömmigkeit in Mitleidenschaft. Der unbefangene, vertrauensvolle Aufblick zu Gott gelingt nicht mehr. In diesem Augenblick blinkt im Wort Gottes sozusagen eine Warnleuchte auf. Wer noch mit Gott im Gespräch ist, wird aufmerksam gemacht, dass er eine Gefahrenzone betritt. "Die Sünde lauert vor der Tür". Liest man diese Formulierung, denkt man an ein Raubtier, das vor der Tür liegt, gierig nach Beute. In einer Wildlife-Lodge im tansanischen Nationalpark der Serengeti-Steppe, wo nachts wilde Büffel und Löwen um die Bungalows streifen, werden die Gäste streng ermahnt, keinesfalls einen Fuß vor die Tür zu setzen. Niemand darf das Gebäude verlassen. Wer durch die Tür geht, muss sofort in ein bereitstehendes Fahrzeug einsteigen. Hinter jedem Busch kann ein Raubtier auf der Lauer liegen oder sich lautlos anschleichen. Unvorsichtige Touristen wären den Wildkatzen eine leichte Beute.

So warnt Gott Kain: Tritt nicht über die Schwelle! Du bist dabei, dich in eine Gefahrenzone zu begeben. Hüte dich!

Wenn ich nicht zufrieden bin, wie Gott mit mir und anderen verfährt, dann bin ich im Begriff, die Schutzzone zu verlassen. Ich bin nicht einverstanden, dass Gott jemand gnädiger ansieht, als er es in meinen Augen verdient hat, und dass er mich weniger gnädig behandelt, als es mir, meiner Ansicht nach, zustünde. Missstimmung kommt auf. Das Verhältnis zu Gott ist nicht mehr gut, es ist gestört. Das spürt man selbst.
Gott fragt: "Ist's nicht so: Wenn du fromm bist, dann kannst du frei den Blick erheben." Wenn aber etwas zwischen mir und Gott steht, wenn ich unzufrieden bin und an Gott etwas auszusetzen habe, dann löst sich die Frömmigkeit auf und ich betrete das Feld, wo "die Sünde lauert". Der Mensch soll von einem sicheren Posten aus die Sünde unter Kontrolle halten, die auf dem Sprung ist, sich auf ihn zu stürzen und ihn in ihre Fänge zu bekommen. Gott sagt zu Kain: "Du aber herrsche über sie!"

Wer aber den geschützten Raum des Gottvertrauens und der Liebe zu Gott unmutig und vorwurfsvoll verlässt, mit dem hat die Sünde leichtes Spiel. Kain war schon draußen. Gottes Wort ging an ihm vorbei. Er fädelte es geschickt ein und kühlte seinen Mut an dem beneideten Bruder Abel. Dabei floss Blut. Das schrie zum Himmel. Und Kain, von dem Raubtier Sünde angefallen, musste gestehen: "Meine Schuld ist größer, als dass man sie tragen könnte" (Vers 13). Er blieb am Leben, aber ging "hinweg von dem Angesicht des Herrn" (Vers 16).

Die Warnung gilt nach wie vor. Aber seit Jesus besteht Hoffnung für die, die sie leichtsinnig in den Wind geschlagen haben, wie Kain. Sie können zurückkommen vor das Angesicht Gottes. Jesu Blut "redet besser, als Abels Blut" (Hebräer 12, 24). Es erwirkt Vergebung. Da wird man den Fängen des Raubtiers, das einen schon verletzt hat, schließlich doch noch entrissen.

Pfarrer Wolfhart Schlichting,
Augsburg
Foto: Wodicka

Wir beten:
Herr, allmächtiger Gott, lass uns lernen, statt unsere Sicht der Dinge durchsetzen zu wollen, mit Deinen Fügungen zufrieden zu sein und Dich über alles liebzubehalten, nachdem uns Christus von der Macht der Sünde erlöst hat, der mit Dir und dem Heiligen Geist, in Wahrheit ein Gott, lebt und herrscht in Ewigkeit. Amen.

Lied 389: Ein reines Herz, Herr schaff in mir

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