Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 37)

Evangelische Schule im Trend der Zeit

Die Jacob-Ellrod-Schule in Gefrees erfreut sich großer Beliebtheit

Thema 37 Die Zeiten, wo in christlichen Schulen Verse auswendig gelernt werden mussten, täglich zahlreiche Gebete gesprochen und jeder möglichst mit einem freundlichen Gesicht herumlaufen sollte, sind längst vorbei - wenn es sie überhaupt gegeben hat.
In der Ganztagsrealschule im oberfränkischen Gefrees kann man sich davon überzeugen, dass evangelische Schulen durchaus im Trend der Zeit liegen. Die Schule entstand vor 32 Jahren aus einer Not heraus: Die Jugendlichen aus der ländlichen Region um Gefrees hatten kaum Möglichkeiten auf weiterführende Schulen zu gehen, weil diese zu weit entfernt waren. Lediglich 10 bis 12 Prozent der Schülerinnen und Schüler gingen nicht auf die nahe gelegene Hauptschule.

Kirchliches Engagement

Der damalige Pfarrer Hans Luther machte sich mit Erfolg in der Kirche dafür stark, dass sich diese in Gefrees für Bildung engagiert. Die Realschule wurde als Ganztagsschule konzipiert, da es damals kaum Busverbindungen gab. "Der Gedanke war, dass Eltern ihre Kinder in der Schule absetzen bevor sie auf die Arbeit gehen und sie am Spätnachmittag wieder abholen", erzählt Schulleiter Peter Hottaß. Heute sieht das anders aus: Es gibt sechs Bus-linien und die wenigsten der rund 350 Schülerinnen und Schüler werden von den Eltern gebracht oder abgeholt.
Seit 1986 hat Hottaß die Leitung der Schule und so manche Höhen und Tiefen erlebt. "In den 80er Jahren gab es eine Flaute, gerade mal zwischen 30 und 40 Anmeldungen waren es da im Jahr. Mit den verbesserten Nahverkehrsverbindungen und einigen Änderungen in der Schulstruktur wurden die Anmeldungen wieder zahlreicher. "Eigentlich wurde die Schule auf zehn Klassen ausgelegt, aber meistens haben wir mehr", schildert der 58-Jährige. Derzeit können jährlich nur 60 Schülerinnen und Schüler aufgenommen werden, weil es durch die Einführung der sechsstufigen Realschule seit kurzem mehr Klassen gibt. Vorrang haben die Jugendlichen aus der Umgebung, sind die alle untergebracht, können weitere aufgenommen werden. "Derzeit haben wird jedes Jahr eine lange Warteliste", sagt der Schulleiter.
Das Besondere an der Schule ist die christliche Ausrichtung. Die Ganztagsschule gehört der Evangelischen Schulstiftung in Bayern, mit Sitz in Nürnberg, an. Wie für alle bayerischen Schulen, gilt auch für die evangelischen der Grundsatz: 'Achtung vor Gott'. "Ich will nicht sagen, dass uns das besser gelingt. Aber wir haben die besseren Voraussetzungen dazu", meint Hottaß. "Da wir eine Privatschule sind, weist uns der Staat keine Lehrer und Lehrerinnen zu, sondern wir suchen sie selbst." Die Lehrkräfte sollen einer christlichen Kirche angehören, welcher ist nicht entscheidend.

Religionsunterricht ist Pflicht

Für die Schülerinnen und Schüler gilt, dass sie alle am Religionsunterricht teilnehmen müssen. Ihre Glaubenszugehörigkeit spielt bei der Aufnahme allerdings keine Rolle. "Wir haben immer einige Ausländer hier, die einen anderen Glauben haben, wie Moslems. Aber sie gehen alle in den Religionsunterricht." Etliche Jugendliche engagieren sich in der Schülergruppegruppe junger Christen (SJC), die sich regelmäßig trifft. "Am Montag morgen in der ersten Stunde findet für alle Klassen eine Andacht statt, die vom SJC mitgestaltet wird", so Hottaß. Diese wöchentliche Veranstaltung sei gut besucht. Und immer wieder hätten ihm Pfarrer aus umliegenden Gemeinden gesagt, es sei auffallend, dass besonders die Schüler der Jacob-Ellrod-Schule sich viel und gern in der Gemeindearbeit engagieren. "Das hören wir natürlich gern", lächelt er.
Auch auf das gute Verhältnis zu den Eltern ist der Schulleiter stolz. "Wir legen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern." Er halte seine Lehrkräfte an, auch zu für Lehrerinnen und Lehrer eher ungewöhnlichen Zeiten, wie am Spätnachmittag oder Abend, Sprechstunden zu halten. Dieses Engagement komme der Schule anderswo wieder zugute. "Bei Schulveranstaltungen und Aktionen können wir auf die Mitarbeit der Eltern zählen." Da die Schule - wie alle evangelischen Schulen in Bayern - eine Privatschule ist, fällt Schulgeld an. Der Höchstbeitrag liegt bei 550 Mark im Jahr. "Familien, die finanziell nicht so gut stehen, zahlen weniger", schildert Hottaß. "Schließlich soll jeder Jugendliche die Möglichkeit haben, unsere Schule zu besuchen." Dazu kommen rund 1.000 Mark Essensgeld, denn jedes Mittagessen kostet 5,50 Mark. Kann jemand gar kein Schul- und Essensgeld zahlen, gibt es Stiftungen, die das übernehmen, was derzeit bei 12 Schülerinnen und Schülern der Fall ist.

Wer näheres über evangelische Schulen in Bayern wissen möchte, kann sich an Telefon: 0911/2441112 wenden oder sich im Internet unter www.essbay.de informieren.

Karin Ilgenfritz


Handeln im Namen Gottes

Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit. Und es wurde ein Mann herbeigetragen, lahm von Mutterleibe; den setzte man täglich vor die Tür des Tempels, die da heißt die Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth, steh auf und geh umher! Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest, er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.
Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben. Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor der Schönen Tür des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war.
Apostelgeschichte 3, 1-10

Andacht 37 Es war kurz vor drei Uhr, Zeit für das Nachmittagsgebet im Tempel. Petrus und Johannes befanden sich auf dem Weg dorthin. Sie waren die Führer der noch ganz jungen Kirche, die lediglich das Gebiet von Jerusalem umfasste. An einem Tor des Tempelvorhofs wurden sie von einem Gelähmten aufgehalten und angebettelt. Der erwartete im günstigsten Fall eine Geldzuwendung.
Etwas Unerwartetes geschah jedoch: Petrus besaß zwar kein Geld; aber er machte den Gelähmten im Namen Jesu gesund. Damit würde der vormals Kranke ab sofort selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen können. Auf Almosen war er dann nicht mehr angewiesen. Petrus konnte nur geben, was er selbst hatte. Geld war es nicht. Aber er konnte handeln, und zwar mit Vollmacht im Namen Jesu.

Es fällt auf, dass in der Urgemeinde Reden und Handeln der Gemeindeleiter stets im Namen Jesu geschahen. Die Verkündigung drehte sich immer um die Person Jesus Christus. Das kann uns heute als einzelnen Christenmenschen und als Kirche ein Anstoß sein, unser Reden und Tun zu überprüfen. Wie begegnen wir einer sozialen Herausforderung von der Art, wie sie in unserem biblischen Text beschrieben wird? Was die Gesellschaft von Christen und von der Kirche erwartet und auch weitgehend akzeptiert, ist zum Beispiel Folgendes: Finanzielle Hilfe, Fürbitte im Gottesdienst, diakonisches Engagement, ein "Wort" der Kirche zur vorliegenden Problematik, die "Verurteilung des Umstandes, dass betroffene Personen zu Almosenempfängern wurden". Das ist es, was man möglicherweise erwartet. Wird hier "Handeln im Namen Jesu" richtig umgesetzt? Und: Was könnten wir "Unerwartetes" tun?

Die Steuerreform wird dazu führen, dass die Kirche weniger Geld einnimmt. Wenn durch diese Entwicklung die Rückbesinnung auf das Reden und Handeln im Namen Jesu verstärkt wird, dann würde der finanzielle Rückgang sogar geistliches Wachstum bewirken ("Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir"). Das soll nicht bedeuten, dass wir die finanziellen Mittel, die wir (noch) haben, gering achten sollen. Nach wie vor gilt, dass das Geldspenden durch einen "fröhlichen Geber" auch im Namen Jesu geschehen und deshalb gesegnet sein kann.

Handeln im Namen Jesu ist - heute wie damals - nie ergebnislos; auch wenn sich nicht immer eine unmittelbare Krankenheilung einstellt. Ein klein wenig Nachdenken führt uns zur Erkenntnis, dass wir schon wiederholt als Beschenkte beteiligt waren. Wenn wir vergessen haben, dafür zu danken, dann können wir das sogleich nachholen und es wie der geheilte Bettler machen. Der "sprang umher und lobte Gott". Die Menschen, die das alles miterlebten, waren "betroffen und ganz außer sich" (Gute Nachricht).

Wo Christen und Christinnen - auch bei den schlichten Tätigkeiten des Alltags - im Namen Jesu handeln, tut Gott kleine und große Wunder. Die Folge ist, dass manche Menschen betroffen und mit "Entsetzen erfüllt" werden. Uns aber führt solches Geschehen zu fröhlichem Danken.

Günter Hessenauer, Rückersdorf
Mitglied der Landessynode

Wir beten:
Vater, ich bekenne, dass mein Tun und Lassen im Alltag vielfach von Routine geprägt ist. Hilf mir dabei, bewusst im Namen Jesu zu reden und zu handeln. Ich danke dir für die kleinen und großen Wunder, die du mich immer wieder erleben lässt. Amen.

Lied 289: Nun lob, mein Seel, den Herren.

Diese Woche - Archiv - Editorial - Geschichte - Redaktion - Abo-Service - Anzeigen - Evang. Reisedienst - Impressum
© copyright ROTABENE! Medienhaus