Christliche Pavillons zufrieden
Zwischenbilanz zur Halbzeit der Weltausstellung Expo in Hannover
Gleich zu Beginn der Weltausstellung stand der Christuspavillon im Rampenlicht
der Öffentlichkeit. Der Expo-Eröffnungsgottesdienst wurde in dem gemeinsamen
Pavillon der katholischen und evangelischen Kirche gefeiert und vom ZDF
übertragen. So konnte ein Millionenpubli kum sehen: die Expo hat eine Kirche,
die am Leben der Weltausstellung teilnimmt. Im Herzen des Weltausstellungsgeländes,
an der Expo-Plaza, gelegen hat der Christuspavillon seither zahlreiche Besucherinnen
und Besucher angezogen.
Über 500.000 Besucher
Anfang August konnte der Präsident des hannoverschen Landeskirchenamtes,
Eckart von Vietinghoff, die 16-jährige Chinesin Yang Lin als 500.000.
Besucherin der Expo-Kirche begrüßen. Die Schülerin, die selbst keine Christin
ist, besuchte mit ihrer Klasse die Weltausstellung. Dass die Jubiläumsbesucherin
aus der Ferne und einer anderen Religion stammt, hat geradezu sym bolischen
Wert für die Expo-Kirche. Sie will allen Expo-Besuchern offen stehen und
ihre Botschaft des Evangeliums anbieten, ohne zu vereinnahmen.
Wer den hohen lichten Glas-Stahl-Bau betritt, spürt diese Atmosphäre.
Die Menschen bewegen sich zwanglos durch den Raum, der mit einem fahrbaren
Gottesdienst-Podest, einer kleinen Orgel und einigen Bänken nur sparsam
möbliert ist. So lockt die Halle zur Erkundung, zum Stehenbleiben und
Schauen. Wie auf einem Marktplatz begegnen sich die Besucherinnen und
Besucher, für deren Fragen und Anliegen stets jemand aus der ehrenamtlichen
Mitarbeiterschaft zur Verfügung steht. Stündlich finden kurze Andachten
statt, die stets ökumenisch und zweisprachig gehalten werden. Zu den Andachten
wird die Kirche nicht geschlossen, so dass das Miteinander von hörenden
und betenden Menschen und Besuchern, die zufälig hereinschauen und auch
wieder gehen, gegeben ist.
Dieses Konzept einer offenen und einladenden Kirche hatten sich die Planer
des Christuspavillons gewünscht. Gerhard Wegner, Leiter des Evangelischen
Expo-Büros und stellvertretender Direktor des Christuspavillons, ist mit
der bisherigen Resonanz auf die Expo-Kirche äußerst zufrieden. "Es sieht
so aus, dass unser Konzept aufgeht. Wir bieten Spiritualität, inhaltliche
Auseinandersetzung und ein breites Kulturprogramm."
Sein katholischer Kollege Michael Brandt lobt die ökumenische Zusammenarbeit
des von der evangelischen und katholischen Kirche getragenen Projektes.
"Wir bringen unsere Verschiedenheit ein, ohne zu vermischen". Persönlich
sei für ihn die Predigt des südafrikanischen Erzbischofs Desmond Tutu
am Tag der christlichen Kirchen auf der Expo, am Pfingstsonntag, ein Höhepunkt
gewesen. "Tutu hat die Lebensfreude der Kirche glaubhaft zum Ausdruck
gebracht; das ist etwas, was wir mit unserem Pavillon auch erreichen wollen."
Doch der Christuspavillon lebt nicht nur von einem vorbereiteten Konzept.
Er ist im Verlauf der Weltausstellung zur Kirche der Expo geworden. So
fand am 15. Juli unter großem Medienecho die erste Hochzeit im Christuspavillon
statt, weitere Paare haben sich bereits angemeldet. Und am 20. August
wurde das erste Kind in dem alten Taufstein in der Krypta des Pavillons
getauft. Den Trauergottesdienst für die Opfer des Concorde-Absturzes Ende
Juli feierten Bundeskanzler Schröder und ein Teil des Bundeskabinetts
in der Expo-Kirche; ebenso wandten sich Kollegen einer plötzlich verstorbenen
Expo-Mitarbeiterin an den Christuspavillon, um eine Trauerfeier zu gestalten.
Gutes Ergebnis für den Wal
Der zweite große christliche Pavillon auf der Expo, der Wal, zählte
zur Halbzeit 380.000 Besucherinnen und Besucher. Das offizielle Wahrzeichen
der Expo ist ein Gemeinschaftsprojekt von CVJM, dem Hilfswerk World Vision
und der Deutschen Evangelischen Allianz.
"Für uns steht das erste Thema des Expo-Mottos, der Mensch, im Vordergrund
des Programms im Wal", sagt Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen
Evangelischen Allianz. Die ersten zweieinhalb Monate seien "aufregend
gut" verlaufen, meinte Pavillondirektor Ulrich Parzany. Über 50 weltweite
Projekte der Hoffnung werden im Wal vorgestellt. Immer geht es um Hilfe
für benachteiligte, verarmte oder aus der Gesellschaft ausgegrenzte Menschen.
Bevor die Besucher den Bauch des Wals betreten, sehen sie den Zeichentrickfilm
"The Choice", der persönliche Entscheidungssituationen im Leben eines
Menschen thematisiert. Drinnen geht es lebhaft zu. Überall sind die jugendlichen
Ehrenamtlichen aus 38 Ländern unterwegs, beantworten Fragen, gestalten
Talk-Runden und Gebetszeiten.
Im Gegensatz zu der fast meditativen Atmosphäre des Christus-Pavillons
wirkt der Wal wie ein bunter Markt. Da in den Gesprächsrunden Themen wie
Kinder-Soldaten, Fremdenfeindlichkeit oder die Entschuldung von Entwicklungsländern
aufgegriffen werden, sei der Pavillon von einer deutschen Tageszeitung
auch schon als der "politischste Pavillon der Weltausstellung" bezeichnet
worden, berichtete Dirk Jacobs, Pressesprecher des Pavillons.
Bisheriger Höhepunkt war der vom Wal-Pavillon veranstaltete "Tag der Hoffnung"
am 31. Juli, bei dem über 700 Mitglieder von europäischen "Ten Sing"-Gruppen
auftraten, der Chor der "Youth-Ambassadors" mit 50 Jugendlichen aus 50
Ländern sang und mit Musik, Tanz und Akrobatik ein großes Fest auf der
Expo-Plaza gefeiert wurde. Anlässlich dieses Tages fand die Expo-Generalkommissarin
Birgit Breuel lobende Worte für den Wal: "Der Pavillon der Hoffnung spielt
eine besondere Rolle auf der Expo, weil er so viele Nationen zusammenführt."
Sabine Dörfel
Ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel
Halleluja! Lobet, ihr Knechte
des Herrn, lobet den Namen des Herrn! Gelobt sei der Name des Herrn von
nun an bis in Ewigkeit! Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei
gelobet der Name des Herrn! Der Herr ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit
reicht, so weit der Himmel ist. Wer ist wie der Herr, unser Gott, im Himmel
und auf Erden? Der oben thront in der Höhe, der herniederschaut in die Tiefe,
der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem
Schmutz, dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes;
der die Unfruchtbare im Hause zu Ehren bringt, dass sie eine fröhliche Kindermutter
wird. Halleluja! Psalm 113
Was für ein Jubel! Da ist einer in Israel vor lauter Freude ganz aus dem
Häuschen. Würde er seine Freude nicht in den Himmel singen, er müsste wohl
platzen. Also singt und lobt er Gott auf hebräisch: "Halleluja!" In einer
anderen Sprache und auf einem anderen Kontinent muss jemand ähnliches erlebt
haben. Eine Westafrikanerin singt das gleiche überschäumende Gotteslob:
"Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel. Die Nacht ist verflattert,
und ich freue mich am Licht" (Gesangbuch Seite 773).
Was lässt einen Menschen nur so jubeln? Ich gestehe es: Meine Sehnsucht
wird wach, wenn ich solche Verse lese. Ich möchte mich auch so freuen
wie die beiden, die da beten, wie der Jude und die Afrikanerin. Ich gönne
es ihnen von Herzen. Aber wenn ich ehrlich in mich hinein horche, dann
höre ich mich innerlich rufen wie ein kleines Kind: "Will auch!"
Und Sie? Wollen Sie auch? Ich jedenfalls will. Und ich glaube nicht, dass
Gott Sie und mich geschaffen hat, damit unser Leben eine Strapaze und
der Tod eine Erlösung sei. Ich glaube, er hat uns das Leben geschenkt,
damit wir es auskosten. Und dazu gehört nicht nur der Kelch des Leids,
der Alltag und das Einerlei. Dazu gehört Zufriedenheit, das ist schon
viel. Aber das ist noch nicht alles: Dazu gehören auch die überschäumende
Freude und das Fest, biblisch: die Hochzeit zu Kana. Die gibt schließlich
die Kraft für den Kelch. Warum sonst hätte Jesus damals Wasser in Wein
verwandelt, statt zu warten, bis der Bräutigam den Weinhändler aus dem
Schlaf trommelt? Wenn er schon solche Zeichen setzt für die Freude und
das Fest, dann kann es nicht verkehrt sein, wenn ich mich danach sehne.
Also suche ich nach der Freude, nach der Quelle dieses sprudelnden Gotteslobs.
Ich folge dem Psalm wie einem Wegweiser, richte meinen Blick nach seinen
Versen aus. Da steht: "Gott, der den Geringen aufrichtet aus dem Staube
und erhöht den Armen aus dem Schmutz". Und da ist die Rede von Gott, der
Kinder und ein erfülltes Leben schenkt. "Wann", frage ich mich, "wann
hast du dich jemals so gefühlt: Gering, und danach erhöht? Oder: Mit Leben
beschenkt?" Und - hurra! - ich werde fündig!
Das war, als ich — ein Kind damals — aus dem Krankenhaus entlassen wurde.
Schmerzhafte, gemeine Wochen wie "ganz unten im Staube" lagen hinter mir.
Aber ich wußte: du wirst wieder aufrecht laufen und spielen können. Du
wirst ohne Schmerzen leben können, wie die anderen alle auch. Und ich
sang wie der Jude im Psalm im Jerusalemer Tempel und wie die Afrikanerin
bei sich daheim.
Noch zwei Mal lernte ich so zu singen: Als die Gewebeproben vom Labor
untersucht worden waren und der Arzt mir endlich sagte: "Es ist doch kein
Krebs." Und zum bisher letzten Mal, als unsere Tochter lebendig und gesund
auf die Welt kam. Mein Gott, was habe ich da Dank und Freude gesungen!
Denn ich hatte, wir hatten zuvor bitter lernen müssen, dass ein lebendiges
Kind nicht selbstverständlich ist. Ich weiß es, und es ist gut so: Die
Freude hilft, den Kelch zu nehmen.
Wenn also einer vor lauter Freude jubelt wie im 131. Psalm; wenn ein
Mensch so freudig knallt wie ein Sektkorken zu Silvester, dann lassen
Sie die vermeintlich protestantische Nüchternheit einmal links liegen.
Denn vor Ihnen jubelt und singt ein Bote der göttlichen Lebensfreude.
Sollte er damit Ihre Sehnsucht wecken — um so besser! Nutzen Sie das,
feiern Sie mit, gehen Sie auf die Suche nach Ihrer Freude und Sie werden
sie finden. So lese ich diesen Psalm, und so lege ich Ihnen seine Verse
ans Herz:Als Wegweiser zur Freude im Namen Gottes. Greifen Sie zu, wenn
die Gelegenheit da ist! Der Dank kommt dann wie von allein: Danke, Israel,
für diesen Psalm. Danke, Afrika, für dein Gebet.
Pfarrer Frank Nie
Rothenburg/Euerbach
Wir beten:
Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel (Gesangbuch Seite
773).
Lied 503:
Geh aus mein Herz und suche Freud
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