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Kein Geheimtipp mehr
Doch trotz feuchter Kälte füllt sich langsam tröpfchenweise die Terrasse hinter der Strandwirtschaft: Die kleine Kirchengemeinde Eckersmühlen hat zum "Gottesdienst im Grünen" eingeladen. "Die Leute kommen notfalls in Gummistiefeln und mit Regenschirmen", berichtet der Schwabacher Dekan Wolfgang-Jürgen Stark. "Ausgefallen ist der Gottesdienst im Freien noch nie." Seit sechs Jahren findet er regelmäßig alle zwei Wochen statt. Und für regelrechte Freiluft-Gottesdienst-Fans ist er längst kein Geheimtipp mehr.
Als Kirche präsent sein
"Wir haben uns herausgefordert gefühlt, den vielen Badegästen, die jedes Wochenende hier sind, mit unserem Angebot entgegen zu kommen. Wir wollen als Kirche hier präsent sein", erläutert Dekan Stark. "Diese Freizeitlandschaft braucht Kirche", unterstreicht auch der Eckersmühlener Pfarrer Wilfried Wäschenfelder, der "Erfinder" der Rothsee-Gottesdienste. "Wir brauchen uns unserer Botschaft nicht zu schämen", fügt er hinzu.
Aber passen denn Kirche und Tourismus zusammen? "Die Menschen aus den Großstädten können in diesem Seengebiet entspannen, zur Ruhe kommen und die Seele baumeln lassen," erklärt Stark. "Das ist der Punkt, wo wir als Kirche ein Angebot zu machen haben."
"Fan-Gemeinde" wächst
Das Konzept ging auf, die "Kirche im Grünen" hat sich längst etabliert, immer größer wird die "Fan-Gemeinde", berichten die Veranstalter. "Bei gutem Wetter haben wir hier rund 500 Gottesdienstbesucher", berichtet Winfried Möltner. Anfangs habe es schon mal Probleme gegeben, weil sein Kiosk während des Gottesdienstes geschlossen ist. Wartende Urlauber klopften lautstark gegen die Rollläden und machten ihrem Unmut Luft. "Der Gottesdienst dauert eine halbe Stunde und so lange kann jeder warten", sagt Möltner mit Gelassenheit, stemmt seine großen Hände in die Hüften und zuckt fast gleichgültig mit den Schultern. An sonnigen Tagen verzichtet der sympathische Gastwirt so auf ein gutes Geschäft. "Um dreiviertel elf gehen dann die Rollos auf."
Gottesdienst mit allen Sinnen
"Für mich ist es schön, in der Natur zu sein, man kann auf das Wasser schauen, man hört die Vögel; für mich ist Gott in der Natur ganz nah", beschreibt eine Besucherin ihr Gefühl. Während der Predigt rauschen die Pappeln, die rund um den See stehen, die Luft riecht frisch und sauber. Einen Gottesdienst mit allen Sinnen wahrnehmen, das ist das Besondere am Gottesdienst im Grünen. "Es ist einfach schön kurz", sagt ein anderer Besucher, der sich zu Fuß auf den Weg zum Rothsee gemacht hatte, "eine sehr intensive halbe Stunde."
Simon Hupfer
Die Worte des Apostels Paulus lassen sich für derlei Spitzfindigkeiten nicht verwenden. Es geht ihm hier viel weniger um die Verurteilung bestimmter und spezieller Verhaltensweisen, als vielmehr um den ganzen Menschen. Er weiß: Wir sind Christen, wir sind getauft, wir sind durch Christi Leiden und Sterben erlöst - und dies mit Leib und Seele! Nicht nur unsere Seele, sondern auch unser Leib gehört dem auferstandenen Christus! Ihm sind wir verantwortlich auch für das, was wir mit unserem Leib, mit unserem Körper tun und lassen.
Ich bin so frei, mich an einem Glas Wein zu freuen oder sogar mal an mehreren. Doch wenn ich ohne Maß trinke, begebe ich mich in die Gefahr der Sucht und habe nicht mehr die Freiheit, mit dem Trinken aufzuhören.
Ich bin so frei, mich an Besitz zu freuen. Wird dieser Besitz aber so wichtig, dass ich alles tun muss, um noch mehr zu erreichen und zu haben, ist meine Freiheit verlorengegangen. Alles ist mir erlaubt, aber es soll mich nichts gefangennehmen - auch dies ein Satz aus dem Predigttext des Sonntags.
Hier liegt die große Gefahr miss-verstandener evangelischer Freiheit: Wir freuen uns zu Recht darüber, dass nicht jeder Lebensbereich bis ins Einzelne reglementiert und festgelegt ist. Doch wir vergessen leicht, dass Freiheit auch bedeuten kann, Dinge und Verhaltensweisen zu lassen, die uns gefangennehmen können. Was hilft es beispielsweise unseren Kindern, wenn sie frei zwischen drei Dutzend Fernsehprogram-men für ihr eigenes Gerät entscheiden können, dabei aber die Freiheit des Ausschaltens niemals erlebt haben? Was wir wieder lernen müssen in unserer so freizügigen Gesellschaft, ist zum Einen die Freiheit, "Nein!" zu sagen und nicht jeden Unsinn mitzumachen, nur weil er gerade "in" ist. Zum anderen ist es das Wissen darum, dass Freiheit immer auch die Freiheit des anderen ist.
Durch moralisch einwandfreies Verhalten werden wir das Himmelreich nicht ererben. Sondern vielmehr dadurch, dass wir uns dem Handeln des Heiligen Geistes öffnen, der eben durch uns und in uns Menschen mit Leib und Seele wirken will.
Pfarrer Johannes Heidecker,
Wir beten:
Lied 320: Nun lasst uns Gott, dem Herren
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