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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 32)

Der "Ruf" in die Mission kam Scheibchen weise

Warum eine Pfarrfamilie mit Sack und Pack zum zweiten Mal nach Tansania geht

Thema 32 Aus manchen Biografien kennt man ihn: Den spektakulären Ruf in die Mission. Da weiß eine Person durch irgendein Ereignis plötzlich ganz genau, sie soll gehen. Schwierigkeiten müssen überwunden werden, aber schließlich klappt es. Diese Erzählungen beziehen sich meist auf die Zeit der ersten Missionare. Doch in vielen Köpfen stecken doch noch ähnliche Gedanken, wenn bekannt wird, dass jemand die Zelte in seinem Heimatland abbricht und als Missionar zum Beispiel nach Afrika geht.

So mag es auch manchen evangelischen Christen aus Nabburg und Pfreimd (Dekanat Sulzbach-Rosenberg) gegangen sein, als sie hörten, dass ihr Pfarrer mit Familie nach Tansania gehen wird. "Bei uns kam der Ruf eher Scheibchen weise", räumt Pfarrer Fritz Berg mit der fromm-romantischen Vorstellung vom "Missionsruf" auf. Er und seine Frau Gudrun sind seit 1992 in der oberpfälzischen Gemeinde. "Für uns war von vornhe-rein klar, dass wir nochmal wechseln wollen", sagt Gudrun Berg, die als Religionspädagogin im Gymnasium Religion gab. Im letzten Jahr habe sie immer wieder mal das Amtsblatt durchgeblättert, um sich über freie Pfarrstellen in Bayern zu informieren.

Zweiter Auslandsaufenthalt

Das Ehepaar war bereits von 1984 bis 1991 in der Mission. Erst drei Jahre in Tansania, dann vier Jahre im heutigen Kongo. Letzten Herbst erfuhren die beiden auf einem Treffen ehemaliger Tansania-Mitarbeiter, dass das Missionswerk Probleme hat, genügend Mitarbeitende für die Mission zu finden. "Das war der Impuls, dass wir das Nachdenken anfingen", berichtet der 49-jährige Pfarrer. Nach einem Telefonat mit dem Missionswerk hat sich diese Möglichkeit als "echte Alternative zu einem 'normalen' Stellenwechsel entwickelt".
Schließlich wurde Fritz Berg von Freunden gefragt, ob er nicht mit ihnen nach Tansania reisen würde, um ihnen das Land zu zeigen. Gesagt, getan - "Dort fiel mir wieder auf, wie schön das Land ist. Mit der Sprache klappte es auch noch gut." Ausschlaggebend für das Ehepaar war schließlich, was ihr Sohn Florian dazu sagen würde. "Hätte er es sich nicht vorstellen können, würden wir nicht gehen", betont die 45-jährige Mutter. Florian gab grünes Licht: "Ich freue mich schon - vor allem auf den Kilimandscharo", strahlt der 11-Jährige.

Wenig Bindung an einen Ort

Auch vor 16 Jahren, als sie zum ersten mal nach Tansania gingen, hatte das Ehepaar kein einschneidendes Erlebnis. Es hatte sich vieles so zusammengefügt, dass sie sich schließlich zu diesem Schritt entschlossen. Nach dem Vikariat Bergs stand ein Wechsel an. Durch einen Artikel im Sonntagsblatt sei er überhaupt erst auf die Idee gekommen, ins Ausland zu gehen. Er las, dass Mitarbeiter in Tansania gesucht wurden. Er erinnerte sich an die Partnerschaft seiner Augsburger Heimatgemeinde mit einer Gemeinde in Süd-Tansania. So wurde diese Möglichkeit immer greifbarer. "Schließlich entschieden wir uns beide für Tansania. Auch Papua-Neuguinea wäre möglich gewesen, aber das war uns zu weit."
Keiner von beiden hatte den Traum, eines Tages ins Ausland zu gehen. "Das hat sich alles so ergeben und war relativ unspektakulär", meint der Pfarrer. Seine Frau erzählt allerdings: "Als Jugendliche habe ich manchmal mit meiner Schwester vom Auswandern nach Australien geredet." Aber sie habe diese Gedanken nie weiter ernsthaft verfolgt. "Sicher macht es auch etwas aus, dass wir beide von jeher wenig Bindung an einen bestimmten Ort hatten", meint Fritz Berg. Seine Eltern kamen nach dem Krieg aus der damaligen DDR und seine Familie sei öfter umgezogen. Ähnlich war es auch bei Gudrun Berg. Die beiden Erwachsenen und ihr Sohn sind der Typ Mensch, der Herausforderungen gern hat.
"Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagt Fritz Berg. In den letzten Jahren sei viel gewachsen und der Abschied falle ihnen nicht leicht. Gleichzeitig sind sie gespannt, was sie in Tansania erwartet. Am 8. August geht es los. Sie verstehen sich als Mitarbeitende in der dortigen Kirche, weniger als Missionare im herkömmlichen Sinn. "Wir werden von der bayerischen Kirche ausgesandt, unterstehen dann der dortigen Kirche."

Neue Aufgaben

Fritz Berg ist für die Gemeinde in Same im Norden Tansanias zuständig. Religionsunterricht, Kindergottesdienst und Alphabetisierung sind die Aufgaben von Gudrun Berg. Ihr Sohn wird unter der Woche in einem Internat auf die Schule gehen und nur an den Wochenenden bei seinen Eltern sein. "Fünf oder sechs Jahre werden wir bleiben, das hängt auch von Florians Schule ab", meint seine Mutter. Aber klar ist, dass es ein Aufenthalt auf Zeit werden wird.

Karin Ilgenfritz


Konkurrenzlos gut

Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.
Philipper 2, 1-4

Andacht 32 "Konkurrenz belebt das Geschäft", heißt es. Warum auch nicht? Besonders überzeugt ein belebender Wettbewerb, wenn er - kundenfreundlich - dem eigenen Geldbeutel dient. Der Konkurrenzkampf kann aber auch knallhart sein. "Gnadenlos" heißt das dazu passende Mode-Unwort unserer Zeit. "Gnadenlos ist der Markt", wird gesagt. Die Stärkeren fressen die Schwächeren. "Wir müssen unsere Konkurrenten eliminieren", sagte ein Manager. So ist es. Darum geht's: Den anderen ausschalten, ihn möglichst für immer erledigen. Die Guten überleben und um die anderen ist es nicht schade. "So muss das Leben wohl sein, es holt alle Verlierer mal ein." Dieser Schlagervers beschreibt unsere Wirklichkeit. An erster Stelle der Hitliste steht der Götze "Markt". "Ich bin der Herr, mein Markt. Ich soll keine anderen Märkte neben mir haben." So lautet sein erstes Gebot. Gut ist, was dem eigenen Geschäft förderlich ist und das Geschäft der anderen ruiniert.

"Tut nichts aus Eigennutz..." Müssen wir nicht die Pleite befürchten, wenn wir uns nach diesen Versen richten? Und überhaupt: Wann ist es denn unter Christen schon konkurrenzlos zugegangen? "Sie stritten so heftig miteinander, dass sie sich schließlich trennten", steht in Apostelgeschichte 15. Es wurden getrennte Wege gegangen, verschiedene Ziele angepeilt. Hat da nicht auch die Konkurrenz das "Geschäft" belebt? Ganz allgemein: Spieler und Gegenspieler wird es immer geben. Die Anfragen wollen ernst genommen werden. Die Tatsache, dass es auch unter Christen menschelt, ist kein Grund, einem Verdrängungswettbewerb zu huldigen. Gerade als Christen können wir der Wettbewerbsgesellschaft zeigen, dass es noch etwas anderes gibt als die gnadenlose Konkurrenz. Einen Wettbewerb nämlich, der nicht auf Vernichtung aus ist. Was selbst in der harten Geschäftswelt möglich ist, gilt unter christlichen Vorzeichen erst recht für das Zusammenleben im Alltag. Unterstützende Belebung statt lähmendem Konkurrenzneid! Durch Jesus Christus mit Mut anderen in ihrem Leben dienen. Menschen, die sich dazu einmütig bekennen, sind sich auch einig: Ein solcher "Wettbewerb" dient letztlich allen. Er überzeugt gerade in einer Welt gnadenloser Beispiele. Die Verse des Apostel Paulus sind tatsächlich konkurrenzlos gut.

Dekan Hans Hager, Thurnau

Wir beten:
Herr, unser Schöpfer, Gott des Lebens. Du dienst uns in Jesus Christus. Hilf uns zu erkennen, was Sinn macht. Damit wir in liebender Aufmerksamkeit einander würdigen, aufeinander achten, einander dienen und mutig beistehen in Jesu Namen. Amen.

Lied 170, 2: Keiner kann allein Segen sich bewahren.

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