Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 31)

Mit Gottes Segen unterwegs

Was wir uns beim Grüßen wünschen

Thema 31 Die Urlaubszeit steht vor der Tür. Nur selten spricht jemand einen Reisesegen bevor er zu seinem Ziel aufbricht - sei es in den Urlaub oder sonstwohin. Und doch haben Reiselieder, -segen oder -psalmen eine lange Tradition.
Im alten Gesangbuch hat ein einziges Lied eine Zwischenüberschrift. Bei der Numer 292 "In allen meinen Taten" steht vor den Strophen 10 bis 15 die Zeile "Auf der Reise". Der Arzt und Dichter, der selbst 1640 todkrank von einer sechsjährigen Persienreise zurückkam, ist überzeugt: "Bin ich in wilder Wüste, so bin ich doch bei Christus, und Christus ist bei mir; der Helfer in Gefahren, der kann mich doch bewahren, wie dorten, ebenso auch hier." Im neuen Gesangbuch stehen diese Strophen nicht mehr, dafür hat es das Lied "In Gottes Namen fahren wir" übernommen, Gebete und Segensworte aufgenommen (siehe Nummern 878,9-11 und 902).

Reisepsalm und Grußwort

Als Reisepsalm gilt Psalm 121: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat... Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit." Aber schon die klassischen Begrüßungsworte oder Abschiedsgrüße beinhalten fromme Wünsche - auch wenn einem das oft nicht so bewusst ist. Die folgenden Überlegungen zum gesegneten Fahren gehen von den fränkischen und bayerischen Grußformeln aus und enden jeweils mit einem Segenswort, das an irischen Segenssprüchen angelehnt ist:

Ade

Das war der häufigste Abschiedsgruß in Franken, bevor das "Tschüss" sich meldete. Ade kommt vom Französischen "a dieu"und bedeutet "Mit Gott". Es kann ja sein, dass ein Abschied ein letzter Abschied ist, auch bei gesunden und jungen Leuten. Es kann sein, dass jemand in Gefahr gerät. Eltern , die gewohnt waren, ihre Kinder zu versorgen und zu beschützen, geben sie in stärkere Hände, wenn über der Eigenverantwortung der Kinder die schützende Hand Gottes gesehen wird.
Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen, möge der Wind dir den Rücken stärken, möge die Sonne dein Gesicht erhellen und der Regen um dich her die Felder tränken. Bis wir uns wiedersehen, möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.

Grüß Gott

Dieser Gruß kennzeichnet Süddeutschland, einen Teil der deutschsprechenden Schweiz und Österreich. Hier wird schon bei der Begrüßung ein Segenswunsch ausgesprochen: Gott möge dich grüßen. "Stell dir in der Länge eines Vater-unsers vor, wie der lebendige Gott dich freundlich und liebevoll ansieht", so empfiehlt Ignatius von Loyola.
Der Herr segne die Welt und was sie erfüllt. Er segne das Haus und die es bewohnen. Er segne Hände und Augen, das Aufstehen am Morgen und das Niederlegen am Abend. Er umsorge selbst die Herde des Nachts, damit ich in Frieden ruhen kann.

Pfiadi

Mehr im Bayerischen als im Fränkischen kennen wir dies kurzgefasste "Behüt dich Gott" als Abschiedsgruß. In diesem Wunsch ist eingeschlossen, dass man sicher seine Wege geht, in den Gefahren geschont wird und sein Ziel erreicht. Du mögest immer Arbeit haben, für deine Hände etwas zu tun, immer Geld in der Tasche. Die gute Hand eines Freundes möge dir immer nahe sein. Und Gott möge dich mit Freude ermuntern.

Gott befohlen.

Wer befiehlt hier wem? Es ist mehr eine Empfehlung gemeint. "Beste Empfehlungen an die Gattin" sagen wir oder deutlicher: "Empfehlen Sie unsere Firma weiter". Das Schicksal des Scheidenden wird Gott anempfohlen.
Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen, der Herr sei neben dir, um dich zu schützen, der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen. Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist, der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

So Gott will

Im Zusammenhang von Reiseplanungen finden wir diesen oft gebrauchten Hinweise auf die höhere Macht in unserem Leben: Im vierten Kapitel des Jakobusbriefes steht die Erkenntnis, dass unser Leben ein Rauch ist und wir nicht einfach sagen können "heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und Handel treiben". Sondern davon soll alles Planen bestimmt sein: "Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun." Dieser neutestamentliche Abschnitt wird immer als Epistel am Neujahrstag gelesen. "So Gott will" soll ein Grundgedanke das Jahr über sein. Das arabische "Inschallah" meint das Gleiche. Nicht nur Moslems sagen es, sondern auch die arabischen Christen.
Segen sei mit dir, der Segen strahlenden Lichtes. Aus deinen Augen strahle Licht wie zwei Kerzen aus den Fenstern eines Hauses. Wem du auch begegnest, ein freundlicher Blick von dir möge ihn treffen.

Geh unter der Gnade

Dieses Lied mit seiner stark ins Gefühl gehenden Melodie hat sich in den letzten Jahren sehr verbreitet. "Wer singt, betet doppelt" hat schon Augustin gesagt. Ob man sich allein auf den Weg macht oder als Gruppe reist: Ein Lied ist ein wunderbarer Tagesbeginn. Es schließt die Seele auf und eine Reisegruppe zusammen und ist gleichzeitig eine Brücke zu Gott. "Das Beste, was wir von einer Reise mitbringen können, sind gesunde Glieder" hat schon Goethe gesagt. So möge Gott bei den Reisen dieses Sommers und durchs Leben Hand, Fuß und Auge leiten.
Wie der Herr über Gute und Böse die Sonne scheinen lässt, ist er auch mit seinem Segen bei allen. Denn niemandes Herz könnte schlagen und Kraft geben ohne des Allerhöchsten Wille. Wer vom Segen weiß, geht dankbar seine Wege, verschmerzt Umwege und Hindernisse. Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen; segne unser täglich Brot, segne unser Tun und Lassen; segne uns mit selgem Sterben, und mach uns zu Himmelserben.

Ernst Burmann


Von allen Seiten schützend umgeben

Herr, du erforschest mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es. Du verstehst meine Gedanken von ferne. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da, bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.Spräche ich Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtet wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.
Psalm 139 (in Auszügen)

Andacht 31Mit wieviel Vertrauen macht sich hier eine oder einer auf den Weg des Gebetes! Was mag sie oder ihn veranlasst, gedrängt oder innerlich gezwungen haben, so zu sprechen? Da ist zum einen sicher eine große Unruhe und Unsicherheit: Zweifel an sich selbst, sich nicht mehr selbst zu kennen, sich seiner nicht mehr sicher sein.

Auch wenn ich mich selbst nicht mehr verstehe - Gott hat eine Ahnung, wer ich bin und was ich soll. Und bei Gott ist das Urteil nicht fertig, das Etikett nicht schon aufgeklebt. Nein, da darf ich noch auf dem Weg sein. Mag sein, dass ich Kopfschütteln auslöse, aber die schützende und liebende Hand hält mich doch. Auch wenn ich sie abschütteln will und mich losreißen möchte von aller Verbindung und Verlässlichkeit: Ich kann nur fliehen vor mir selbst - vor meiner Angst und allen Lügen. Vor allem, dem ich mich nicht stellen will.

Himmel und Hölle - Weite und Ferne empfangen mich mit der Wahrheit: Gott ist da und blickt mich an und hilft mir auf. Auf Bildern von Konfirmandinnen und Konfirmanden, die einzelne Verse dieses wunderschönen Psalmes im Bild wiedergaben, begegnen diese lachenden Augen, die umhüllende Hand oder der ausgestreckte Arm Gottes. Nacht und Tag sind bei Gott eins - Finsternis ist wie das Licht.

Und in den Bildern wird sichtbar, wie solch ein Gespräch mit Gott herausführt aus der Furcht vor dem Tod, aus der Angst vor Verlassenheit und vor dem Ausgeliefert sein. Wer diese Worte betet, merkt, wie die Seele ins Licht gerät, der Mund zum Loben und das Gemüt ins Staunen kommt über Gott. Die Kraft des Gotteswortes führt aus dem Dunkel der Angst ins helle Licht des Vertrauens.

Mögen einem Menschen Zweifel an sich selbst überkommen, bittere Trauer die Tage dunkel machen oder drückende Schuld die Luft zum Atmen nehmen: Wer die Psalmworte betet und ihnen vertraut, für den tut sich ein neuer Weg auf, der gestärkt und aufrecht gehen lässt.

Pfarrerin Gabriele Meyer,
Nürnberg

Wir beten:
Wo ich auch bin - Fasse mich Gott, stärke mich. Und leite mich auf deinen Weg, den Weg des Lebens. Amen.

Lied 603: Ich sitze oder stehe.

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