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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 30)

Warum kandidiere ich für den Kirchenvorstand?

Eine Sonntagsblatt-Umfrage unter Bewerbern in verschiedenen Regionen Bayerns

Thema 30 In den über 1.500 evangelischen Kirchengemeinden Bayerns laufen die Vorbereitungen für die Kirchenvorstandswahl am 22. Oktober. Die Liste mit den Kandidaten und Kandidatinnen stehen weitgehend. Von bisherigen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern stellen sich viele wieder zur Wahl. Aber auch zahlreiche neue Gesichter sind bereit zur Mitarbeit in dem Leitungsgremium der Kirchengemeinden.
Stellvertretend für rund 25.000 Frauen und Männer, die sich im Oktober zur Wahl stellen, hat das Sonntagsblatt einige von ihnen befragt. Die Kandidatinnen und Kandidaten erklärten, warum sie sich um einen Sitz im Kirchenvorstand bewerben und wofür sie sich besonders engagieren wollen.

Lebendige Gemeinde

"Ich habe das Gefühl, noch etwas bewirken zu können", meint Elisabeth Wüllerich aus dem unterfränkischen Obbach (Landkreis Schweinfurt). Deshalb kandidiert die 51-jährige Hausfrau wieder für den Kirchenvorstand ihrer Gemeinde. Seit 1976 gehört sie dem Gremium an. Erst als Mitglied des erweiterten Kirchenvorstandes, seit sechs Jahren als Vertrauensfrau. Die "besondere Gemeinschaft" im Leitungsgremium motiviere auch zu weiterer Mitarbeit. Die dreifache Mutter, die auch als Gemeindehilfe und Mitarbeite-rin im Kindergottesdienst aktiv ist, möchte sich als Kirchenvorsteherin dafür engagieren, "dass es eine lebendige Gemeinde bleibt". Dem Kirchenvorstand komme die besondere Aufgabe zu, "den Karren Gemeindearbeit zu ziehen".

Neuer Schwung in Gemeinde

Weil er die Arbeit des Kirchenvorstandes kennen- und schätzen gelernt hat, ist Jürgen Meiling aus Wunsiedel (Fichtelgebirge) zu weiterer Mitarbeit bereit. "Ich kandidiere gerne, weil es durch den neuen Dekan und durch neue Pfarrer eine positive Entwicklung in der Kirchengemeinde gibt", erklärt der 44-jäh- rige Bergbauingenieur. Im Kirchenvorstand würden jetzt mehr thematische Schwerpunkte besprochen wie zum Beispiel Gottesdienst oder Konfirmandenarbeit. Früher hätten Finanz- und Verwaltungsangelegenheiten im Vordergrund gestanden.
Meiling freut es, dass sich die Mitglieder des Kirchenvorstandes von selbst in Gruppen und Kreisen der Gemeinde engagieren. Er ist gerne bereit, weiter im Team für ein zweites Gottesdienstprogramm mitzuarbeiten, das auf enorme Resonanz gestoßen sei. Als Kirchenvorsteher lägen ihm besonders die Belange seines Ortsteils Holenbrunn am Herzen. Er würde sich auch als Mitarbeiter bei einem Bibelgrundkurs oder Glaubenskurs zur Verfügung stellen.

Herz schlägt für Jugendarbeit

Die Entscheidung, erstmals für den Kirchenvorstand zu kandidieren, hat sich Renate Stäbler aus Lauf (Landkreis Nürnberger-Land) nicht leicht gemacht. "Ich habe es lange überlegt, weil ich viele Aufgaben habe", sagt die Mutter von vier Kindern. Ehrenamtlich engagiert sie sich in der Jugendarbeit. Einmal in der Woche findet ein Mädchenkreis des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) bei ihr zuhause statt. Zudem organisiert sie beim CVJM-Landesverband Bayern große Freizeiten und Veranstaltungen. In Lauf engagiert sich die 48-Jährige im Jugendgottesdienstteam der Kirchengemeinde. Weil ihr die Jugendarbeit am Herzen liegt, hat sich Renate Stäbler als Kandidatin für die Kirchenvorstandswahl am 22. Oktober aufstellen lassen: "Mein Anliegen ist es, dass Jugendliche einen Bezug zur Kirche bekommen."

Gemeindeleben mitgestalten

Friedrich Stahl aus dem westmittelfränkischen Hornau (Landkreis Ansbach) stellt sich als Kandidat für die Kirchenvorstandswahl zur Verfügung, weil er aktiv das Gemeindeleben mitgestalten möchte. Für den 41-jährigen Polizisten ist es eine gute Möglichkeit, seinen Glauben zu bekennen.
Einerseits will der Familienvater Impulse geben für das Leben in der Kirchengemeinde Preuntsfelden, zu der Hornau gehört. Andererseits hofft er auch, für sich neue Ideen und Gedankenanstöße zu bekommen. Lange Zeit war Friedrich Stahl in der Jugendarbeit aktiv. Sich in der Gemeinde zu engagieren, ist für ihn selbstverständlich: "Als Christ sollte man sich nicht auf sich selbst zurückziehen, sondern in der Gemeinde sichtbar seinen Glauben leben".

Ehrenamtliche stärken

Dorothea Marquardt stellt sich im niederbayerischen Landshut zur Wahl für den Kirchenvorstand. Die verheiratete Diplom-Psychologin, die von verschiedenen Seiten vorgeschlagen wurde, hat lange überlegt, ob sie sich aufstellen lassen soll. Ausschlaggebend war für die 34-Jährige letztendlich ihr Wunsch, ihre Beziehung zu Gott wechselseitig zu gestalten: "Mein Glaube soll ein Nehmen und ein Geben sein." Sie möchte nicht nur "konsumieren", sondern sich in ihrer Kirchengemeinde einbringen. Reizvoll ist für sie die aktive Mitgestaltung, das Zusammenarbeiten ganz unterschiedlicher Menschen, die ein gemeinsamer Beweggrund verbindet. "Wenn verschiedene Persönlichkeiten mit ihrem ganz eigenen Profil mitarbeiten, entsteht eine vielfältige Kirchengemeinde."
Das wichtigste Anliegen der verheirateten Frau ist die Stärkung der ehrenamtlichen Mitarbeiterschaft. Besonders geht es ihr um die Gewinnung, Begleitung, Fortbildung und insbesondere um die Wertschätzung dieser Gemeindeglieder, deren Dienste "nicht hoch genug einzuschätzen sind".

Christliches Zeugnis wichtig

Als Pensionär will Eberhard Pabst aus München die Hände nicht in den Schoß legen. Mit 70 Jahren kandidiert er erneut für den Kirchenvorstand in der größten evangelischen Gemeinde Südbayerns. Seit 1970 gehört der frühere Sicherheits-Fachmann für Datenverarbeitung bereits dem Leitungsgremium der Münchner Christuskirche an. Ihm liegen besonders die Verkündigung und das Glaubenszeugnis in einer entchristlichten Gesellschaft am Herzen. Nicht wenige Menschen glaubten zwar an einen "irgendwie gearteten Gott". Doch Jesus als den Erlöser zu akzeptieren, falle vielen Zeitgenossen schwer. Anliegen des Pensionärs ist, dass die Kirche die Botschaft von Jesus Christus deutlich und in der Sprache der heutigen Zeit verkündigt. Deshalb möchte sich Pabst weiter im Gottesdienstausschuss seiner Gemeinde und der Hauskreisarbeit engagieren.


Gott will bei uns sein

Der Herr sprach zu Abram: "Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden." Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte.
1. Mose 12, 1-4a

Andacht 30Mein Großvater hat es mir oft erzählt, wie es damals war: Die Wirren der letzten Kriegsmonate, die Vertreibung aus den ehemaligen Ostgebieten. Nur das Nötigste konnten die Menschen damals mitnehmen, der größte Teil des Hab und Gut musste zurückbleiben. Brücken wurden abgerissen und verwandtschaftliche Beziehungen zerbrachen. Für uns, die jüngere Generation ist es kaum vorstellbar, was sich damals alles abgespielt hat.

Not, Elend und Vertreibung aus der Heimat gehören leider nicht der Vergangenheit an. An vielen Orten unserer Welt sind sie nach wie vor an der Tagesordnung. Da geht es um Macht, um wirtschaftliche Einflussbereiche, oft auch um Rache. Die Gräueltaten im ehemaligen Jugoslawien sind nur ein grausames Beispiel dafür. Und die Menschen dort? Sie haben oft keine Zukunft, keine Perspektive, sie gehen einer ungewissen Zukunft entgegen.

Als Gottes Wort an Abraham erging (zu der Zeit hieß er noch Abram), wusste auch er nicht, was ihn erwarten wird. "Geh aus deinem Vaterland" sagte Gott zu ihm, "in ein Land, das ich dir zeigen werde." Gott sagte ihm nicht, was ihn er-warten wird. Vielleicht deshalb, weil Abraham ihm dann vermutlich nicht gehorcht hätte. Die weitere Geschichte mit Abraham zeigt es ja: Ihm bleibt nichts erspart! Auch er muss sämtliche Zelte abbrechen, muss seine ganze Verwandtschaft zurücklassen, was zur damaligen Zeit ein überaus großes Risiko war. Und der Weg, den er gehen musste, war alles andere als leicht. Auch wir müssen immer wieder aufbrechen. Heraus aus den alten Verhältnissen in eine ungewisse Zukunft. Was daraus wird, das wissen wir erst, wenn wir uns darauf eingelassen haben. Gut, dass wir nicht in die Zukunft sehen können! Und auch gut, dass Gott uns nicht sagt, was auf uns zukommt…

Für Abraham lag die Zukunft im Dunkeln. Er zeigte großes Vertrauen: Er vertraute sich Gottes Führung an und er vertraute auf seine Verheißungen: "Du sollst ein Segen sein." Gott verhieß ihm aber nicht, dass es ihm immer gut gehen würde. Er sagte nicht zu ihm: "Du wirst ein sorgenfreies Leben haben." Aber Gott sagt dem Abraham sein Da-bei-Sein zu. "Ich will", sagt Gott, und das klingt fast wie ein Donnerschlag: Es ist das absolute Versprechen Gottes dabei zu sein. Versprechungen werden allerorten gemacht. Meistens wird uns ein sorgenfreies Leben versprochen, eine heile Welt vorgegaukelt. Oder es wird uns weisgemacht, wenn wir dieses oder jenes Produkt kaufen würden, dann wären wir die glücklichsten Menschen. Hinterher ist dann die Enttäuschung jedoch oft sehr groß. Gott macht keine leeren Versprechungen, er gaukelt uns keine heile Welt vor. Gott sieht unser Leben, wie es ist, mit allen seinen Höhen und Tiefen. Und da will er bei uns sein, in allem, wohin uns unsere Wege führen.

Deshalb können wir, trotz mancher schwerer Zeiten, zuversichtlich in die Zukunft gehen: Gott mutet uns nicht mehr zu, wozu er uns auch die Kraft gibt, zu ertragen!

Klaus Wening, Prädikant
Weimersheim

Wir beten:
Allmächtiger Gott, immer wieder führst du uns unbekannte Wege. Aber du hast uns zugesagt, dass du bei uns sein wirst. Wir bitten dich: Lass uns auch in den schweren Zeiten auf dich vertrauen. Gib uns die Kraft und den Mut, zuversichtlich weiterzugehen. Sende uns deinen Heiligen Geist, der uns den Weg zeigt, den du mit uns gehen willst. Amen.

Lied 395: Vertraut den neuen Wegen.

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