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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 28)

"Polizisten erleben oft schlimmes"

Detlev Hapke ist einer von zwei hauptamtlichen evangelischen Polizeiseelsorgern in Bayern

Thema 28 Auf seinem Schreibtisch finden sich Bleistiftspitzer, die wie Polizeihelme aussehen, Miniaturkellen, deren Original man als Autofahrer gar nicht liebt und dazu eine Engelsfigur. Detlev Hapke (55) ist einer der beiden hauptamtlichen evangelischen Polizeiseelsorger in Bayern. Sein Amtszimmer liegt auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei Nürnberg.

Seine Aufgaben bestimmt ein Vertrag zwischen dem Staat und der Landeskirche: Er erteilt Unterricht in Berufsethik, genauer, "lebenskundlichen Unterricht nach den Grundsätzen der evangelischen Soziallehre". Und er steht den Polizeibeamtinnen und -beamten als Seelsorger zur Verfügung, ist einer von insgesamt vier hauptamtlichen Geistlichen der beiden großen Konfessionen für rund 32.000 Beamte im Freistaat. Die vier arbeiten als ökumenische Teams von München und Nürnberg aus. An anderen Ausbildungsstandorten der Polizei gibt es zusätzlich nebenamtliche Kräfte.

"Polizisten erleben oft Schlimmes", erklärt der Geistliche. "Sie schauen ständig in menschliche Abgründe. Sie sind immer da, wo andere nicht sein mögen." Unfälle, Wirtshausschlägereien, Großdemonstrationen, Familiendramen und Todesfälle - dieser Beruf bringe erhebliche seelische Belastungen mit sich. "Denken Sie nur an die Gewalt, die Polizistinnen und Polizisten sehen und ausüben", sagt er. "Die können seelische Störungen bei den Beamten auslösen, die auch auf ihre Familien wirken." Genaue Untersuchungen darüber gibt es nicht, aber Hapke schätzt, dass die Selbstmordrate bei Polizeibeamten etwa 1,5 bis zwei Mal so hoch liegt wie im Durchschnitt.

Gewalt hinterlässt Spuren

Die Belastungen werden deutlich, wenn er die Themen nennt, die in seinen Seelsorgegesprächen eine Rolle spielen. Zum Beispiel der "Schusswaffengebrauch": Wenn ein Polizist zur Waffe greift und auf jemanden schießt, und trifft. Meist stünden die Beamten dann unter Schock. Es wüchsen Zweifel, Einsamkeit und Schuldgefühle: "War das richtig? Was passiert jetzt mit mir? Steht meine Dienststelle zu mir? Hätte ich eine Zehntelsekunde länger gewartet ... hätte er sich nicht so bewegt..." - quälende Fragen.
Öfter ginge es allerdings um "Einsatzfahrten mit Unfallfolgen". Da werde ein Beamter, sein Kollege oder ein Dritter verletzt oder getötet. Besonders gefährlich sei in dieser Hinsicht die Arbeit der Autobahnpolizei. Ein Beamter sichere einen liegen gebliebenen Lastzug ab, und ein anderer LKW erkennt das Hindernis nicht und fährt ungebremst hinein, der Beamte stirbt.
Da gibt es die Frustrationen, Probleme oft nicht wirklich lösen zu können. Was können Beamte zum Beispiel noch tun, wenn eine misshandelte Ehefrau ihre Anzeige am nächsten Tag zurückzieht? Dazu kämen im dienstlichen Bereich Aufgaben wie das Überbringen einer Todesnachricht, Probleme wie Mobbing und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Die privaten Probleme, die angesprochen würden, decken sich mit den Themen, die in der allgemeinen Seelsorge wichtig sind: Beziehungsprobleme, Krankheiten, Überlastung, Todesfälle.

Es ist dieser Bezug zur Seelsorge, die die Arbeit bei der Polizei für Detlev Hapke interessant macht. Das, und sein Interesse daran, dass "staatliche Gewalt ein menschliches Angesicht behält". Er ist weder ein Blaulichterotiker noch ein Hobby-Kommissar. An ihm ist kein Polizist verloren gegangen: "Ich bin für die Gewalt, wie sie die Polizei anzuwenden hat, nicht zu gebrauchen." Schon seinen Wehrdienst habe er mit einem inneren Widerspruch geleistet: "Ich könnte nicht schießen."

Einsätze begleiten

Neben Unterricht und Seelsorge bietet er auch Einkehrtage, Familienrüstzeiten und Gottesdienste an. Gelegentlich begleiten Polizeiseelsorger auch große Einsätze, zum Beispiel bei den Castor-Transporten oder auch am 8. August, als sich früher Nazis zum Todestag von Rudolf Hess in Wunsiedel trafen.
Und die Seelsorger fahren los, wenn es "brennt". So kam Detlev Hapke nach Aschaffenburg, als dort im Januar ein Polizist im Dienst ums Leben kam. "Da habe ich den "Tod eines Kriminalbeamten mit den Kollegen nachbearbeitet", erklärt er. Im allgemeinen hielten Polizisten sich mit der Äußerung ihrer Gefühle zurück, damit sie ihnen nicht als Schwäche ausgelegt würden. Umso wichtiger sei es, ihnen die Möglichkeit zu geben, darüber zu reden. Der Tod mehrerer Beamter in den letzten Monaten, so beobachtet der Polizeiseelsorger, zeige jedem Polizisten, wie gefährdet er selber ist. Hapke: "Das kann verunsichern. Und er will hören, dass die Ausrüstung verbessert wird und das Recht voll ausgeschöpft wird." Polizistinnen und Polizisten wünschten sich angesichts der schlimmen Ereignisse ein Singal ihres Dienst-herren: "Wir nehmen das nicht hin. Dein Leben ist uns etwas wert." Und sie würden stärker auf ihre eigene Sicherheit achten.

Mann der ersten Stunde verabschiedet

Seit dem 1. Oktober 1979 gibt es die hauptamtliche evangelische Polizeiseelsorge in Bayern. Den Auftrag, diesen Arbeitsbereich aufzubauen erhielt damals Kirchenrat Dieter Kreysler (München). Kreysler wurde nach fast 20 Jahren Dienst als Polizeiseelsorger am 30. Juni mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem Empfang des Innenministers in den Ruhestand verabschiedet. Im Rückblick ist er zufrieden: "Die Polizeiseelsorge ist im Bereich der Polizei verankert", stellt er fest. Und er empfindet es als ein "schönes Zeichen", dass dort gut ökumenisch "von unserer bayerischen Polizeiseelsorge" gesprochen wird - ohne Trennung nach Konfessionen.

Frank Nie


Gottes Licht schenkt Leben

Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben, und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.
1. Johannes 1, 5-7

Andacht 28Ein Mann kommt vom Gottesdienst nach Hause. Seine Frau fragt: Worüber hat der Pfarrer denn gepredigt? Über Sünde. Und was hat der Pfarrer über die Sünde gesagt? Er war dagegen.

Belanglos, überflüssig, ein Thema, über das man nicht redet? So wird die Sünde, die Schuld des Menschen vor Gott und den Mitmenschen oft gesehen. Ein Thema, das ausgeklammert, zumindest aber verharmlost wird. Mag ja sein, dass der Pfarrer gegen die Sünde ist, ist ja auch sein Job, aber wen erreicht er mit seiner Predigt? Wer will davon etwas hören? Auch der Apostel Johannes hatte da im übrigen seine Schwierigkeiten.

Andere haben uns die Arbeit abgenommen, das Thema für sich vereinnahmt. Denn auch das ist die Wirklichkeit: das Thema wird ins grelle Licht der Öffentlichkeit gezogen, Menschen dadurch verletzt, ihr Ruf ruiniert. Ein Thema, das mit Ängsten besetzt ist.
Die Boulevardpresse stürzt sich doch auf jedes Detail, das über einen Prominenten ruchbar wird. Das gibt eine Balkenüberschrift und die erhöht die Verkaufszahlen. In Talk-shows werden alle möglichen Themen breit getreten. Da wird nichts ausgelassen, sei es auch noch so peinlich. Wer sich nicht alleine zu helfen weiß, der findet im Fernsehen seinen persönlichen Racheengel. Der erledigt das dann. Vor einem Millionenpublikum. Schadenfreude ist die schönste Freude? Ob der Gerächte sich dann wohler fühlt? Ob der Hereingelegte dann weiß, was er falsch gemacht hat und dies einsieht? Das darf nicht nur, das muss bezweifelt werden.

Das ist im Grunde die Finsternis, von der der Apostel Johannes redet. Finsternis, die bleibt, die in immer neuen Spielarten vorkommt, die sich mehr und mehr ausbreitet. Gott will Licht in die Sache bringen. Kein grelles Licht, kein Flutlicht, das bloßstellt und blendet, das nur ein Interesse am Skandal hat. Sondern ein Licht, das die Konturen sichtbar macht, das die Wahrheit liebt, das Menschen nicht in Verzweiflung, Einsamkeit und Hilflosigkeit zurücklässt.

Gott ist kein himmlischer Voyeur, der sich an den Fehlern der Menschen weidet. Er ist - wie Jesus es in einem Gleichnis ausdrückt - der liebende Vater, der nur darauf wartet, dass seine verlorenen Töchter und Söhne zu ihm zurückkehren. Dass sie ihre Schuld und alles, womit sie selber nicht fertig werden, bei ihm loswerden können. Gott steht auf der Seite des Sünders. Gottes Licht stellt nicht bloß, es öffnet Menschen, darüber nachzudenken, was in ihrem Leben nicht in Ordnung ist, was sie von Gott trennt. Sünde ist dem Wortsinn nach Trennung, Absonderung, Einsamkeit, sich selber ins rechte Licht setzen. Doch das funktioniert nicht. Gottes Angebot, die offenen Arme des liebenden Vaters sind die Zeichen, sich ihm anzuvertrauen. Sich ihm zu öffnen. Zu dem, was falsch gelaufen ist, persönlich zu stehen und Vergebung der Schuld durch Gott zu finden. Und damit Licht ins Leben zu bekommen. Durchatmen zu können. Frei zu werden. Durch Gottes Licht, durch seine Liebe zu uns werden wir ermutigt, diesen Schritt zu wagen. Schuld einzugestehen und Vergebung zu erfahren. Gott steht auf der Seite des Sünders. Er will Licht in alle Finsternis bringen.

Pfarrer Dieter Knihs
Schönwald

Wir beten:
Wende dich mir zu, Herr, mit deiner Güte, deiner Vergebung. Geh auf mich zu, Herr, und verschaffe mir wieder Zugang zu dir. Berühre mich, Gott, damit ich mich wieder rühren kann. Befreie du mich, damit ich wieder zu Atem komme. Nimm du mich in die Arme, damit ich handeln kann. Verbinde mich mit mir, mit anderen, mit dir, damit ich wieder Halt finde. Umgib mich wie eine zweite Haut, von allen Seiten, damit ich geborgen bin. Amen.
Aus einer liturgischen Nacht

Lied 615: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt.

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