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Seine Aufgaben bestimmt ein Vertrag zwischen dem Staat und der Landeskirche: Er erteilt Unterricht in Berufsethik, genauer, "lebenskundlichen Unterricht nach den Grundsätzen der evangelischen Soziallehre". Und er steht den Polizeibeamtinnen und -beamten als Seelsorger zur Verfügung, ist einer von insgesamt vier hauptamtlichen Geistlichen der beiden großen Konfessionen für rund 32.000 Beamte im Freistaat. Die vier arbeiten als ökumenische Teams von München und Nürnberg aus. An anderen Ausbildungsstandorten der Polizei gibt es zusätzlich nebenamtliche Kräfte.
"Polizisten erleben oft Schlimmes", erklärt der Geistliche. "Sie schauen ständig in menschliche Abgründe. Sie sind immer da, wo andere nicht sein mögen." Unfälle, Wirtshausschlägereien, Großdemonstrationen, Familiendramen und Todesfälle - dieser Beruf bringe erhebliche seelische Belastungen mit sich. "Denken Sie nur an die Gewalt, die Polizistinnen und Polizisten sehen und ausüben", sagt er. "Die können seelische Störungen bei den Beamten auslösen, die auch auf ihre Familien wirken." Genaue Untersuchungen darüber gibt es nicht, aber Hapke schätzt, dass die Selbstmordrate bei Polizeibeamten etwa 1,5 bis zwei Mal so hoch liegt wie im Durchschnitt.
Gewalt hinterlässt Spuren
Die Belastungen werden deutlich, wenn er die Themen nennt, die in seinen Seelsorgegesprächen eine Rolle spielen. Zum Beispiel der "Schusswaffengebrauch": Wenn ein Polizist zur Waffe greift und auf jemanden schießt, und trifft. Meist stünden die Beamten dann unter Schock. Es wüchsen Zweifel, Einsamkeit und Schuldgefühle: "War das richtig? Was passiert jetzt mit mir? Steht meine Dienststelle zu mir? Hätte ich eine Zehntelsekunde länger gewartet ... hätte er sich nicht so bewegt..." - quälende Fragen.
Es ist dieser Bezug zur Seelsorge, die die Arbeit bei der Polizei für Detlev Hapke interessant macht. Das, und sein Interesse daran, dass "staatliche Gewalt ein menschliches Angesicht behält". Er ist weder ein Blaulichterotiker noch ein Hobby-Kommissar. An ihm ist kein Polizist verloren gegangen: "Ich bin für die Gewalt, wie sie die Polizei anzuwenden hat, nicht zu gebrauchen." Schon seinen Wehrdienst habe er mit einem inneren Widerspruch geleistet: "Ich könnte nicht schießen."
Einsätze begleiten
Neben Unterricht und Seelsorge bietet er auch Einkehrtage, Familienrüstzeiten und Gottesdienste an. Gelegentlich begleiten Polizeiseelsorger auch große Einsätze, zum Beispiel bei den Castor-Transporten oder auch am 8. August, als sich früher Nazis zum Todestag von Rudolf Hess in Wunsiedel trafen.
Mann der ersten Stunde verabschiedet
Seit dem 1. Oktober 1979 gibt es die hauptamtliche evangelische Polizeiseelsorge in Bayern. Den Auftrag, diesen Arbeitsbereich aufzubauen erhielt damals Kirchenrat Dieter Kreysler (München). Kreysler wurde nach fast 20 Jahren Dienst als Polizeiseelsorger am 30. Juni mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem Empfang des Innenministers in den Ruhestand verabschiedet. Im Rückblick ist er zufrieden: "Die Polizeiseelsorge ist im Bereich der Polizei verankert", stellt er fest. Und er empfindet es als ein "schönes Zeichen", dass dort gut ökumenisch "von unserer bayerischen Polizeiseelsorge" gesprochen wird - ohne Trennung nach Konfessionen.
Frank Nie
Belanglos, überflüssig, ein Thema, über das man nicht redet? So wird die Sünde, die Schuld des Menschen vor Gott und den Mitmenschen oft gesehen. Ein Thema, das ausgeklammert, zumindest aber verharmlost wird. Mag ja sein, dass der Pfarrer gegen die Sünde ist, ist ja auch sein Job, aber wen erreicht er mit seiner Predigt? Wer will davon etwas hören? Auch der Apostel Johannes hatte da im übrigen seine Schwierigkeiten.
Andere haben uns die Arbeit abgenommen, das Thema für sich vereinnahmt. Denn auch das ist die Wirklichkeit: das Thema wird ins grelle Licht der Öffentlichkeit gezogen, Menschen dadurch verletzt, ihr Ruf ruiniert. Ein Thema, das mit Ängsten besetzt ist.
Das ist im Grunde die Finsternis, von der der Apostel Johannes redet. Finsternis, die bleibt, die in immer neuen Spielarten vorkommt, die sich mehr und mehr ausbreitet. Gott will Licht in die Sache bringen. Kein grelles Licht, kein Flutlicht, das bloßstellt und blendet, das nur ein Interesse am Skandal hat. Sondern ein Licht, das die Konturen sichtbar macht, das die Wahrheit liebt, das Menschen nicht in Verzweiflung, Einsamkeit und Hilflosigkeit zurücklässt.
Gott ist kein himmlischer Voyeur, der sich an den Fehlern der Menschen weidet. Er ist - wie Jesus es in einem Gleichnis ausdrückt - der liebende Vater, der nur darauf wartet, dass seine verlorenen Töchter und Söhne zu ihm zurückkehren. Dass sie ihre Schuld und alles, womit sie selber nicht fertig werden, bei ihm loswerden können. Gott steht auf der Seite des Sünders. Gottes Licht stellt nicht bloß, es öffnet Menschen, darüber nachzudenken, was in ihrem Leben nicht in Ordnung ist, was sie von Gott trennt. Sünde ist dem Wortsinn nach Trennung, Absonderung, Einsamkeit, sich selber ins rechte Licht setzen. Doch das funktioniert nicht. Gottes Angebot, die offenen Arme des liebenden Vaters sind die Zeichen, sich ihm anzuvertrauen. Sich ihm zu öffnen. Zu dem, was falsch gelaufen ist, persönlich zu stehen und Vergebung der Schuld durch Gott zu finden. Und damit Licht ins Leben zu bekommen. Durchatmen zu können. Frei zu werden. Durch Gottes Licht, durch seine Liebe zu uns werden wir ermutigt, diesen Schritt zu wagen. Schuld einzugestehen und Vergebung zu erfahren. Gott steht auf der Seite des Sünders. Er will Licht in alle Finsternis bringen.
Pfarrer Dieter Knihs
Wir beten:
Lied 615: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt.
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