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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 27)

"Treffe Entscheidungen im Vertrauen auf Gottes Hilfe"

Interview mit Heinz-Horst Deichmann, dem Chef der größten Schuhhandelskette Europas

Thema 27 Er gilt als Exot unter deutschen Unternehmern. Dr. Heinz-Horst Deichmann, der Inhaber der größten Schuhhandelskette Europas, setzt sich stark für missionarische und soziale Projekte ein. Zeitungsberichten zufolge hat er bereits über 50 Millionen Mark für Maßnahmen in Indien inves-tiert. Mit dem engagierten evangelischen Christen und Chef von rund 19.000 Voll- und Teilzeitkräften, die im letzten Jahr 72 Millionen Schuhe verkauften, sprach in Essen Sonntagsblatt-Chefredakteur Günter Saalfrank.

Sonntagsblatt: Herr Deichmann, Sie sind Chef der größten Schuhhandelskette Europas. Inwieweit haben Sie damit ein Lebensziel erreicht?

Deichmann: Es ist nie mein Lebensziel gewesen, einmal Chef der größten Schuhhandelskette Europas zu werden. Das ist das Ergebnis konsequenter einzelhändlerischer Arbeit. Ich bin natürlich froh dar-über, dass das so geschafft werden konnte. Vor allem dass mein Sohn nun an meiner Seite steht und mehr und mehr Verantwortung übernimmt. So kann das Geschäft als Familienunternehmen weitergeführt werden. Es gibt in der Größe nicht mehr viele Betriebe als Familienunternehmen.

Vertrauen zur Ware Sonntagsblatt: Sie sind von Beruf Facharzt für Orthopädie.Was ist denn das Rezept dafür, dass Sie die Firma so erfolgreich führen konnten?

Deichmann: Bevor ich Medizin studiert habe, bin ich mit dem Geschäft meines Vaters aufgewachsen. Seit meiner Kindheit ist mir der Schuhhandel bekannt. Im Studium habe ich gelernt, Dinge systematisch anzugehen. Mein Ziel ist - das habe ich von meinem Vater gelernt - zu allererst die Kunden im Auge zu behalten und das beste Produkt zum bestmöglichen Preis zu verkaufen. Also Markenschuhqualität zu erschwinglichen Preisen. Die Geschäfte müssen zudem so ausgestattet sein, dass sie dem Kunden gefallen - ohne überflüssigen Luxus. Entscheidend ist, dass die Kunden Vertrauen zur Ware haben.

Sonntagsblatt: Was bedeutet für Sie beruflicher Erfolg?

Deichmann: Beruflicher Erfolg hat mir die Möglichkeit gegeben, mich finanziell für soziale und missionarische Projekte außerhalb der Firma einzusetzen. Ohne geschäftlichen Erfolg wäre dies nicht möglich gewesen.

Sonntagsblatt: Wie lautet denn Ihre Firmenphilosophie?

Deichmann: Neben dem Kunden gilt den Mitarbeitern im Haus das größte Interesse. Wir versuchen, sie am Erfolg zu beteiligen. Zum Beispiel durch Prämien oder durch eine Altersversorgung, wo inzwischen erhebliche Beträge zurückgelegt sind. Außerdem gibt es einen Fonds für Hilfe in Not und kostenlose Gesundheitswochen in der Schweiz. Die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen. Wir wecken bei ihnen auch das Verständnis für soziale Projekte in Deutschland und der Dritten Welt, damit sie sich dort persönlich engagieren können.

Sonntagsblatt: Wie ist denn die Resonanz in der Mitarbeiterschaft auf die Projekte?

Deichmann: Es hat mir noch niemand gesagt: Das Geld könntest Du auch uns geben und den Lohn erhöhen. Viele haben von sich aus angefangen, die Projekte zu unterstützen - und wenn's nur kleine Summen sind.

Christ und Unternehmer

Sonntagsblatt: Sie verstehen sich als Christ und als Unternehmer. Wie versuchen Sie, dies in die Firmenphilosophie einfließen zu lassen?

Deichmann: Es geht darum, den Mitarbeitern gegenüber Gerechtigkeit walten zu lassen. Etwa durch die Beteiligung am Erfolg oder durch die gesundheitsvorbeugenden Maßnahmen. Neben dem mitmenschlichen Interesse möchte ich als Christ ihnen auch das Evangelium weitergeben.

Sonntagsblatt: Auf welche Weise?

Deichmann: Etwa bei den verschiedenen Feiern, die es im Unternehmen gibt. Oder bei der Mitarbeiterzeitung fließt das Evangelium mit hinein.

Sonntagsblatt: Wie reagiert die Mitarbeiterschaft darauf?

Deichmann: Interessant war die Reaktion von Mitarbeitern in Filialen der neuen Bundesländern. Sie hatten kaum Ahnung vom christlichen Glauben. Zunächst war ein Unternehmer, der zu ihnen kommt, ein Unikum. Für sie waren Unternehmer Ausbeuter. Heute sind die Mitabeiter in den neuen Bundesländern diejenigen, die die sozialen und missionarischen Projekte am meisten unterstützen. Anhand der Projekte versuche ich den Mitarbeitern deutlich zu machen, was christlicher Glaube und christliches Leben bedeuten.

Zeugnis von Jesus Christus

Sonntagsblatt: Was möchten Sie den Mitarbeitenden nahe bringen?

Deichmann: Christliches Leben und Denken sind geprägt von der Barmherzigkeit und der Liebe Gottes. Nicht abstrakt, sondern persönlich in Jesus Christus. Die Nähe zu ihm ist kennzeichnend für den christlichen Glauben. Das macht mich zum Christen, dass ich Zeugnis von ihm ablege - ernsthaft und nachvollziehbar.

Sonntagsblatt: Sie schreiben in einem Buch, am Arbeitsplatz als Unternehmer muss etwas vom Licht Gottes sichbar werden, das in die Welt gekommen ist. Was bedeutet das für Sie konkret?

Deichmann: Es kann nicht das Ziel des Unternehmens sein, das Maximum an Geld zu verdienen. Sondern die Firma erfüllt eine Aufgabe, die die Kunden, die Mitarbeiter und auch die Not in der Welt berücksichtigt. Als Schuhhandelskette versuchen wir, auf solide Weise und nicht durch schnellen Gewinn unsere Aufgabe am Markt zu erfüllen. Ich persönlich kontrolliere auch meine eigenen Ausgaben. Ich erlaube mir nicht jeden Luxus, der möglich wäre. Menschen in der Dritten Welt zu helfen ist für mich viel befriedigender als an der Cote d' Azur zu sein und mein Geld dort im Spielcasino los zu werden.

Sonntagsblatt: Manche sagen, die Bibel sei gut für die persönliche Erbauung. Aber für das Geschäft eigne sie sich nicht. Was sagen Sie dazu?

Deichmann: Die Bibel ist absoluter Gradmesser auch im Geschäft. Wenn es um Ethik in der Wirtschaft geht, dann ist diese für mich auch christlich begründet.

Sonntagsblatt: Wie zeigt sich das bei Entscheidungen?

Deichmann: Dass Entscheidungen vor Gott gefällt werden. Dass schwierige Entscheidungen im Gebet vor Gott gebracht werden und ich mit Gottes Güte und Führung rechne. Das heißt, nicht alles von vornherein in eigener Machtvollkommenheit zu lösen. Für mich ist es wichtig, dass ich jede geschäftliche Entscheidung auch im Vertrauen auf Gottes Hilfe mache.

Ehrlichkeit gefragt

Sonntagsblatt: An welchen Punkten ist der christliche Glaube in ihrem beruflichen Alltag immer wieder einer Nagelprobe ausgesetzt?

Deichmann: In allen Fragen, die mit dem Personal und der Einstellung zum Personal zusammenhängen. Zudem in Fragen der Ehrlichkeit und der Behandlung der Lieferanten. Es gehört dazu, hier ein ehrlicher Partner zu sein.

Sonntagsblatt: Inwieweit ist der christliche Glaube Garant für geschäftlichen Erfolg?

Deichmann: Er ist kein Garant für Erfolg. Das liegt in Gottes Hand.

Sonntagsblatt: Was sagen Sie zu Auffassungen wie "Mitarbeiter sind in erster Linie Kostenfaktoren" oder "Es geht um den schnellen Gewinn"?

Deichmann: Gewinn ist sicher auch wichtig. Aber Mitarbeiter sind in erster Linie Mitmenschen. Wenn Mitarbeiter sich als Menschen fühlen, bringen sie Anderen gegenüber einen besseren Service als unzufriedenes Personal. Unsere Mitarbeiter bringen eine höhere Leistung als der Durchschnitt der Mitarbeiter im Einzelhandel. Dafür werden sie auch entsprechend bezahlt und erhalten einige Vergünstigungen.

Sonntagsblatt: Sie zählen zu den 20 Unternehmern in Deutschland, die im Laufe des Lebens die meisten Jobs geschaffen haben. Welche Rolle spielt für Sie ein Arbeitsplatz?

Deichmann: Weil unsere Arbeit gewachsen ist, ist auch die Zahl der Mitarbeiter gestiegen. Wir haben nicht bis aufs Letzte rationalisiert, weil ich das nicht für gut halte. Der Wert eines Unternehmens liegt auch darin, wie die Mitarbeiter sich dort präsentieren. Bei der Lehrlingsausbildung haben wir über das zumutbare Maß hinaus Lehrlinge eingestellt, um für die Zukunft genügend Mitarbeiter zu haben. Allein in diesem Jahr fangen 700 neue Lehrlinge an.

Sonntagsblatt: Wie ist es möglich, den Überblick zu behalten, wenn die Firma weiter wächst?

Deichmann: Wichtig für einen Unternehmer ist, herumzugehen und sich umzusehen. Ich bin viel unterwegs in den Filialen. Die Übersicht zu behalten, ist mehr als Zahlen zu studieren oder Listen vor sich zu haben. Es bedeutet, sich vor Ort umzuschauen - in den eigenen Geschäften und denen der Konkurrenz.

Sonntagsblatt: Seit über 20 Jahren unterstützen Sie soziale und missionarische Projekte vor allem in In-dien. Wieso eigentlich?

Deichmann: Bei einer Einkaufsreise in Indien stand ich das erste Mal einer Gruppe von 500 Leprakranken gegenüber. Das hat mein Leben verändert. Es war ein schrecklicher Anblick, kranke und entstellte Menschen zu sehen. Da wurde mir schlagartig klar, dass Jesus diesen Anblick auch ausgehalten hat. Und ich musste daran denken, wie er sich der Kranken angenommen und ihnen geholfen hat. Ich habe es als Auftrag empfunden, mich um diese Menschen zu kümmern.

Prediger des Evangeliums

Sonntagsblatt: Bei Besuchen in der Dritten Welt informieren Sie sich nicht nur über die Projekte, sondern halten auch Ansprachen, wo jeweils ein Bibelwort im Mittelpunkt steht.

Deichmann: Es führt zu einem tieferen Verständnis eines Bibelwortes, wenn es praktisch angewendet wird. Wenn man es Anderen weitergibt, wird es auch für einen selbst bedeutsam.

Sonntagsblatt: Stichwort Bibelwort. Wie hören Sie als Schuhhändler die Aufforderung aus dem Alten Testament, die Schuhe auszuziehen, weil hier heiliges Land ist?

Deichmann: Der Beruf, Schuhe zu verkaufen, ist nicht das letzte Ziel. Es ist zwar eine wichtige Aufgabe, aber im Reich Gottes gibt es noch andere Ziele. Die Verkündigung des Evangeliums ist noch wichtiger als Schuhe zu verkaufen.

Günter Saalfrank


Seid nicht wie Kinder

"Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der profetischen Rede! Denn wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von Geheimnissen. Wer aber profetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. Liebe Geschwister, seid nicht Kinder, wenn es ums Verstehen geht; sondern seid Kinder, wenn es um Böses geht; im Verstehen aber seid vollkommen."
1. Korinther 14, 1-3+20

Andacht 27"Seid nicht wie Kinder." - Ist das etwa ein Druckfehler? Haben wir nicht vielmehr das andere Wort im Ohr: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen" (Matthäus 18, 3)? Nein, es ist kein Druckfehler. Aber der Satz "Seid nicht wie Kinder" bezieht sich auf etwas anderes: nicht auf unser Verhältnis zu Gott, sondern auf unser Verhältnis zu den Mitmenschen.

Wenn wir vom Glauben reden, dann soll unser Reden "erwachsen" sein, einsichtig, gut verständlich. Dann ist es zu kindlich, wenn einer sagt: "Das verstehe ich auch nicht, das musst du halt glauben!" Dafür ist unser Glaube viel zu wichtig. Wir dürfen ihn nicht jahrzehntelang in den Kinderschuhen stecken lassen. Als Erwachsene sollen wir uns um einen Glauben bemühen, den wir vermitteln können. In Korinth damals gab es offenbar einen ganz speziellen Wettbewerb unter den Christen: Sie übertrumpften sich gegenseitig mit ihren geistlichen Gaben. Die Zungenrede, ein unverständliches Beten in fremden Sprachen, galt als Ausweis des Geistes. Vor so kindischem Hochmut warnt Paulus und stellt klar: Was kein Mensch versteht, kann auch keinen überzeugen. Es baut die Gemeinde nicht auf. Das aber ist das Ziel aller Geistesgaben, dass die Gemeinde erbaut wird. Wer in Zungen redet, erbaut sich selbst. Das ist nicht schlecht, aber besser ist, was anderen Menschen dient.

In unseren Gemeinden ist die Zungenrede selten. Aber es gibt andere Formen, wie Menschen sich in ihrem persönlichen Glauben genügen, anstatt die Gemeinde mit aufzubauen: Der eine geht am Sonntagmorgen in den Wald, weil er Gott dort genauso gut zu finden meint. Die andere besucht lieber nur eine kleine christliche Gruppe, in der alle so ähnlich denken wie sie selbst.

Paulus schreibt: Bemüht euch um die Gaben, die Menschen aufbauen oder ermahnen oder trösten. Ganz besonders um die Gabe der profetischen Rede. Damit ist nun gerade nicht eine orakelhafte Vorhersage gemeint. Wer profetisch begabt ist, macht klare, vernünftige Aussagen, die anderen weiterhelfen. Wer profetisch begabt ist, kann kritisch unterscheiden und begründet Stellung nehmen. Wer profetisch begabt ist, begleitet das Zeitgeschehen mit dem Blick des Glaubens. Jemand hat einmal gesagt: "Ein Profet sagt nicht vorher, sondern er sagt hervor." Er lockt also hervor, was die Gemeinde aufbaut.

Das muss gar nicht spektakulär geschehen. Ich kenne eine Frau, die hat wohl etwas von dieser Gabe. Ganz unauffällig, eingebettet in eine volkskirchliche fränkische Gemeinde. Ein Erlebnis mit ihr möchte ich erzählen:
In ihrer Gemeinde war eine junge Familie neu zugezogen. Als sie den Vater kennenlernte, sah sie ihm seine Begabung sofort an: "Der kann bei uns einmal in der Jugendarbeit mithelfen", fuhr es ihr durch den Sinn. Mit Paulus gesprochen hat sie sein Charisma entdeckt, seine Gabe zum Aufbau der Gemeinde. Inzwischen arbeitet dieser Mann tatsächlich für die Jugendlichen… Ja, profetische Rede kann helfen, Gemeinde zu bauen, bis heute.

Pfarrerin Mechthild Bauer
Oberdachstetten

Wir beten:
Heiliger Geist, du schenkst deiner Gemeinde viele Begabungen. Lass uns unsere Gaben entdecken und einsetzen. Zeige uns, welchen Menschen wir helfen sollen. Und lass uns selbst von anderen aufgebaut, ermahnt und getröstet werden, wenn es nötig ist. Amen. Lied 136: O komm, du Geist der Wahrheit.

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