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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 26)

Ein "gepflegter" Urlaub

Erholung für Pflegebedürftige und Angehörige

Thema 26 Es war vor über zwei Jahren in der Toskana, als Ewald Gratzl die zündende Idee des "gepflegten" Urlaubs kam. Der Geschäftsführer der Diakoniestation im oberbayerischen Piding genoss seinen Urlaub, fernab von seiner pflegebedürftigen Oma. Der 38-Jährige konnte in dieser Zeit gut entspannen und Kraft tanken für den Alltag. Es kam ihm der Gedanke, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen selten die Möglichkeit haben, Urlaub zu machen. Dem beschloss er Abhilfe zu schaffen.
Zurück in der Diakoniestation unterbreitete Gratzl die Idee seinen Kolleginnen und Kollegen. Begeistert machten sie sich mit an die Arbeit und entwickelten ein Konzept. "Wir wollen sowohl pflegebedüftige Menschen als auch die pflegenden Angehörigen ermutigen, Urlaub zu machen", erklärt der Familienvater. Der Service geht schon bei der Anreise los. Wer möchte, wird vom Malteser Fahrdienst zu Hause, am Bahnhof oder am Flughafen abgeholt und zum Hotel gebracht. Gratzl: "Einmal ließ sich sogar jemand aus Berlin abholen."
Organisator des "gepflegten" Urlaubs ist die Pidinger Diakoniestation, die eng mit den Maltesern und mit 14 Hotels und Ferienwohnungen zusammenarbeitet. Die Gäste wählen aus dem Angebot die geeignete Unterkunft. Aus rechtlichen Gründen müssen sie die Übernachtungen selbst buchen, da die Sozialstation kein Reiseveranstalter ist. Wer in eine Ferienwohnung möchte, kann sich Essen auf Rädern bestellen, das der Malteserdienst ausliefert.

Pflege ist gesichert

Die Diakoniestation in Piding (Telefon: 08651/3113) gewährleistet die nötige Pflege und ist auch sonst Ansprechpartner für die Belange der Gäste. "Wir wollen den Leuten vor allem die Sicherheit geben, dass sie in ihrem Urlaub gut versorgt sind", betont der Geschäftsführer. Wer möchte, kann sich Bad Reichenhall anschauen, einen Ausflug nach Salzburg machen oder auf das 1.800 Meter hoch gelegene Roßfeld fahren und die Aussicht genießen. Der Malteser Fahrdienst bringt die Gäste auf Wunsch überall hin.
Das Pidinger Konzept wurde 1998 vorgestellt und im gleichen Jahr mit dem Altenhilfe-Preis ausgezeichnet. "Das war für uns prima und öffnete uns manche Tür", schildert Ewald Gratzl. "Die Presseaufmerksamkeit war enorm und es floss noch so mancher Zuschuss." Naheliegend, dass das Bayerische Diakonische Werk stolz auf den "gepflegten Urlaub" ist. "Es ist unser Vorzeigemodell", sagt Vorstandsmitglied Klaus Meyer.

Angebot kommt an

Im letzten Jahr lief die Sache gut an. 47 Pflegebedürftige und 49 Angehörige nutzten das Angebot. In diesem Jahr sind es bereits Ende Juni schon mehr als im gesamten letzten Jahr. Älteste Urlauberin bisher war eine 102-jährige Frau, die mit ihrer 86-jährigen Tochter nach Bad Reichenhall kam. "Dabei war allerdings die Tochter pflegebedürftig und die Mutter betreute sie!" berichtet Gratzl von seinen bisher äl-testen Gästen. "Zwischen 50 und 100 Jahre alt sind die Leute, die sich für unser Angebot interessieren." Meistens kommen Ehepaare oder Al-leinstehende, die sich ohne Unterstützung der Diakoniestation keinen Urlaub zutrauen würden. "Das ist eine ganz tolle Sache hier", schwärmt Maria Fehrmann-Nitzsche. "Von etwas Vergleichbarem habe ich noch nie gehört." Sie und ihr Mann Hannsheinrich Nitzsche sind seit knapp einer Woche im Kurhotel in Bad Reichenhall. Der 85-Jährige hat Parkinson und wird von ihr gepflegt. "Freunde haben uns von dem Angebot hier erzählt", sagt Maria Fehrmann-Nitzsche. "Ich war begeistert bei dem Gedanken, trotz der Erkrankung meines Mannes mal Urlaub machen zu können."
Beinahe wäre der Aufenthalt in Bad Reichenhall noch in letzter Minute gescheitert, denn Hannsheinrich Nitzsche bekam kurzfristig eine Reha verordnet. "Aber wir konnten dann umbuchen und sind nun in der Kurklinik untergebracht, wo er seine Reha bekommt und sogar ich einige Anwendungen erhalte, die mir der Arzt noch vor dem Urlaub verschrieben hat."
Das Ehepaar aus dem oberfränkischen Goldkronach ließ sich zu Hause abholen. "Mit dem Zug hätten wir nicht fahren können, mein Mann ist zu schlecht zu Fuß", erklärt die freundliche 77-Jährige. Begeistert schildert sie, wie gut der Herr des Malteserdienstes gefahren sei. Und überhaupt: "Alles lief so unkompliziert."
Mit Ewald Gratzl unterhält sich die Oberfränkin über die Möglichkeiten der Pflege und Betreuung. Er bietet ihr an, jemanden mal für einen Nachmittag zu schicken, damit sie beruhigt einen Ausflug machen kann. Maria Fehrmann-Nitzsche wird ganz aufgeregt. Mit strahlenden Augen versichert sie sich, ob sie das Angebot richtig verstanden hat: "Das heißt, ich könnte wirklich mal einen Ausflug mitmachen... Das wäre ja toll."
Gleichzeitig versichert sich die Frau immer wieder, ob ihr Mann auch ja gut versorgt wäre. "Wissen Sie, ich will ihn nicht allein lassen und er soll sich auf keinen Fall abgeschoben fühlen." Ewald Gratzl ermutigt sie, sich den einen oder anderen Ausflug zu erlauben. Ihr Mann werde in dieser Zeit bestens versorgt. "Dann könnte ich vielleicht sogar mal nach Salzburg", denkt sie laut und strahlt vor Freude.

Kraft für den Alltag tanken

Nach Gratzls bisheriger Erfahrung geht es vielen Angehörigen ähnlich wie Maria Fehrmann-Nitzsche. "Die Angst, der Partner, Vater oder Mutter könnten sich abgeschoben fühlen, haben viele", berichtet der Chef von rund 60 Mitarbeitenden. "Dabei ist das ganz selten der Fall. Die pflegebedürftigen Leute sind froh, wenn sich ihre Angehörigen mal was gönnen. Schließlich profitieren sie ja auch davon, wenn der Angehörige Kraft tanken kann." Dass Urlaub ungeahnte Kräfte und Ideen freisetzt zeigte ja bereits die Erfahrung Gratzls, der in seinem Urlaub auf die Idee des "gepflegten" Urlaubs kam.

Karin Ilgenfritz


Was uns als Christen wirklich eint

"Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Es ist wie das feine Salböl auf dem Haupte Aarons, das herabfließt in seinen Bart, das herabfließt zum Saum seines Kleides, wie der Tau, der vom Hermon herabfällt auf die Berge Zions! Denn dort verheißt der Herr den Segen und Leben bis in Ewigkeit."

Psalm 133

Andacht 26Kürzlich las ich über christliche Gemeinden in Indonesien folgendes: "Das Christentum breitet sich heute von selbst aus. Die Menschen sehen, die Gemeinde tut etwas für sie. Die Christen untereinander mögen sich und halten zusammen. Das spricht die Menschen an."
Wenn man das doch über unsere christlichen Gemeinden auch so sagen könnte! Leider sieht die Realität häufig anders aus. Statt Eintracht herrschen oft Zwietracht und Streit, die unsere Gemeinschaft lähmen und gefährden.

In einer bildreichen Sprache beschreibt dieser kurze Psalm das Glück und den Segen der Eintracht. Die beiden Bilder vom herabfließenden Salböl und vom herabkommenden Tau bringen zum Ausdruck, dass Gottes Segen von oben auf die herabkommt, die in Liebe und Eintracht miteinander leben.
Streit und Zwist waren dem Volk Gottes nicht fremd. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament finden sich immer wieder Mahnungen zur Einheit. Die Bibel klammert Konflikte und Streit nicht aus. Sie schildert die Menschen so, wie sie wirklich sind.

Konflikte und Streit sind im Zusammenleben der Menschen - auch der Christen - nicht immer vermeidbar. Auch Jesus selbst zeigt sich nicht konfliktscheu. Es kann also nicht darum gehen, jeden Konflikt zu vermeiden, weil sonst eine Scheinharmonie erzeugt wird, die der Wirklichkeit nicht standhält. Deshalb die Frage: Was zerstört die Einheit der Christen wirklich?

Streitfragen und Konflikte an sich müssen die Einheit der Gemeinde Jesu nicht zwangsläufig gefährden oder zerstören. Voraussetzung dafür, dass Konflikte bewältigt und überwunden werden können, ist, offen und in Liebe miteinander umzugehen und nichts unter den Teppich zu kehren.
Auch in dieser Beziehung können Christen heute von der Bibel lernen: In seinem Konflikt mit Petrus widerstand Paulus ihm "ins Angesicht". Das heißt, er hat ihm das offen und ehrlich gesagt, was er nicht gut fand und hat nicht hintenherum geredet (Galater 2).
Zumeist sind es nicht strittige Sachfragen, die zu Unfrieden und Zwist führen - diese werden häufig nur vorgeschoben -, sondern Vorgänge, die sich auf der Beziehungsebene abspielen: Man fühlt sich verletzt oder zurückgesetzt. Auch Eifersucht, Lieblosigkeit und Egoismus können mitschwingen. Sympathie oder Antipathie entscheiden häufig über das Verhältnis, das Christen zueinander haben. Auf dieser Ebene spielt sich zerstörerischer Streit ab, der Unfriede und Spaltung in unsere christlichen Gemeinden bringt.

Bei der Einheit der Christen geht es nicht um organisatorische Einheit. Die Einheit der Gemeinde Jesu hat ihre Begründung und ihr Vorbild in der Einheit von Vater und Sohn (Johannes 17, 21).
Die Einheit muss nicht erst gemacht werden, sie ist in Jesus geschenkt. Als Christen gehören wir durch ihn zur "Familie Gottes". Nicht weil wir uns so gut verstehen, gehören wir zusammen, sondern weil Jesus uns das Heil geschenkt hat durch seinen Tod am Kreuz.
Von der Mitte her, von Jesus her, müssen wir unsere Konflikte in Demut, Liebe und Wahrheit austragen. Nicht zuletzt um des Zeugnisses nach außen willen. Darauf liegen, wie es im 133. Psalm heißt, "Segen und Leben in Ewigkeit".

Hermann Sörgel,
Heilsbronn
Präses des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Deutschland

Wir beten:
Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du aus Liebe alles für uns getan hast, was zu unsrem Heil nötig ist. Danke, dass du uns durch dein Opfer am Kreuz mit dem Vater versöhnt hast. Bitte vergib uns, wo wir durch Lieblosigkeit und Egoismus aneinander schuldig geworden sind. Amen.

Lied 251: Herz und Herz vereint zusammen.

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