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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 25)

Trinität im Bild

Wie Künstler die Dreieinigkeit dargestellt haben

Thema 25 Es ist nicht einfach, Dreieinigkeit zu beschreiben. Schließlich gehört Trinität zu den schwierigsten Inhalten des christlichen Glaubens. Von Gott als einem Wesen in drei Personen zu sprechen, erscheint wie "höhere Mathematik". Für Künstler verschiedener Epochen war es immer wieder eine neue Herausforderung, in Form und Farbe zu bringen, dass Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist wirkt. Es legte sich nahe, Trinität symbolisch zu beschreiben.

Eine der ältesten Darstellungen der Dreieinigkeit lässt sich bis ins vierte Jahrhundert zurück verfolgen. Sie zeigt den Thron Gottes. Der eigentliche Thron steht als Sinnbild für den Vater. Das Kreuz und das Evangelienbuch dienen als Symbol des Sohnes und die Taube meint das Sinnbild des Heiligen Geistes.

Dreieck als Zeichen

Besondere Verbreitung fand in der christlichen Kunst das gleichseitige Dreieck als Zeichen für den dreieinigen Gott. Meistens war es von einem Strahlenkranz umgeben. In der Mitte der geometrischen Form sind meist das Auge Gottes zu sehen oder der Gottesname, der mit seinen vier hebräischen Buchstaben (JHWH) wiedergegeben ist. Das Dreieck zeigt die drei, die doch Eines sind.
Strahlen und Auge erinnern an das alles durchdringende Wesen Gottes. Mit dem hebräischen Gottesnamen wird darauf Bezug genommen, dass Gott sich selber mit seinem Namen bekannt gemacht hat ("Ich bin, der ich bin" heißt es in 2. Mose 3,14).

Engelgleiche Gestalten

Bekannt wurde auch die Ikone des russischen Malers A.Rubljew (um, 1410), der sich vom Besuch der "drei Männer" bei Abraham inspirieren ließ (nach 1. Mose 18). Die Dreieinigkeit erscheint hier in drei engelgleichen Gestalten, die sich den einzelnen göttlichen Personen zuordnen lassen. Der Künstler will zeigen, dass Gott so zu den Menschen gekommen ist. Unterstrichen wird dies noch dadurch, dass auf dem Tisch mit Kelch und Brot die Gaben des Sakramentes zu sehen sind.

Darstellung vom Gnadenstuhl

In westlichen Ländern wurde Trinität auf andere Art abgebildet: Gott Vater als gekrönter alter Mann, umfängt von oben her das Kreuz, an dem der Sohn hängt. Über beiden schwebt der Geist in der Gestalt der Taube. Diese Darstellung, wie sie zum BeispielAlbrecht Dürer in seinem großen Allerheiligenbild von 1511 zeigt, wird Gnadenstuhl genannt. Er ist der Ort der Anwesenheit Gottes. Der Gnadenstuhl zeigt: Gott ist auf dreifache Weise in der Welt gegenwärtig.

Am häufigsten findet sich in mittelalterlichen Altären und Bildern die Dreieinigkeit als zwei nebeneinander sitzende bärtige Männer. Vom Betrachter her ist der rechte und ältere der Vater. "Zu seiner Rechten" - vom Betrachter links - sitzt der Sohn. Über oder zwischen ihnen schwebt die Taube, die beiden verbindend. Als Sinnbild des Heiligen Geistes, der das Band des Friedens ist.
Mit drei Tafeln zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist hat die Rothenburger Künstlerin Kochana der Trinität Form und Farbe gegeben. Bei ihren zeitgenössischen Darstellungen verzichtet die Malerin weitgehend auf klassische Symbole. Sie versucht stattdessen einen neuen Zugang zur Dreieinigkeit. Das Bild des Vaters deutet den Beginn der Schöpfung an: Punkte ballen sich zu Körpern zusammen. Gott gibt sich in die Welt hinein, haucht seinen Atem in jedes Leben. Gott weckt auch die Kräfte der Gegensätze. Nur in diesem Spiel von Gegen- und Miteinander ist Entwicklung denkbar.

Heimkehr

Auf der Tafel des Sohnes findet sich ein Schmetterling, der aufsteigt zum Himmel - mit Flügeln, die noch vom Blut der Welt gezeichnet sind, aber befreit von aller Erdenschwere. Die Botschaft der Künstlerin: Der Sohn kehrt in den Himmel heim.
Auf der dritten Tafel bewegen sich Tauben als Sinnbilder des Heiligen Geistes durch eine von Gott Vater und Sohn erlöste Schöpfung. Die Farben des göttlichen Ursprungs und der Erde gehen in ein harmonisches Miteinander zusammen und zeigen die Vision einer Welt, in der Menschen gottgemäß leben und anderen zum Bruder werden können.

Günter Saalfrank


"So wichtig bin ich Gott?"

"Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus... In ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe hat er uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein... In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade... Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte...In ihm sind wir auch zu Erben eingesetzt worden...damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit... In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, ... als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit. "

Epheser 1,3-14

Andacht 25"Wie war denn das, als ich geboren wurde?" "Ach, Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie aufregend das war! Zehn Tage warst Du über die Zeit! Ich bin jeden Tag zum Arzt gegangen. Dein Vater hat sich kaum noch aus dem Haus getraut, er wollte doch unbedingt bei deiner Geburt dabei sein! Jeden Tag hat er etwas entdeckt, was noch fehlt. Den Laufstall hat er zwei Mal gestrichen, und trotzdem war er ihm nicht schön genug. Die Wände im Kinderzimmer hätte er am liebsten noch einmal tapeziert. Ganz verrückt hat er uns alle gemacht!" "So hat der sich auf mich gefreut?" Es klingt ungläubig.

Man gewöhnt sich an die alltäglichen Zeichen von Zuwendung und Liebe. Dass sie sich aneinander freuen, sagen Menschen einander nicht jeden Tag. Manchmal im Leben aber muss man es neu gesagt bekommen: "Du bist gewollt, geliebt, sehnsüchtig erwartet." Und es ist ein Lebensmittel in Zeiten, in denen es einem schlecht geht.

Solche Vergewisserung hat unser Text im Sinn: Er erzählt von einem aufgeregten, atemlos handelnden Gott: was hat er nicht alles in Bewegung gesetzt für uns, lange schon, ehe es uns gegeben hat - wie Eltern vor der Geburt des ersten Kindes! Schon vor unserer Taufe ("Versiegelung") hat er an uns gedacht, für uns alles vorbereitet. Gott hat alles auf uns eingestellt. "So wichtig bin ich ihm?" Ja, er will, dass wir seine Kinder sind. Unser Leben ist gewollt: von langer Hand vorbereitet soll es auf ihn zu gehen, dieses Leben. Für Irrwege und Umwege schenkt er Vergebung.

"So wichtig bin ich Gott?" Es klingt unglaublich. Man muss sich daran erinnern lassen, vor allem, wenn es einem nicht gut geht. Das Leben bekommt Glanz, der Alltag einen neuen Schein. Mit neuem Mut, vielleicht gar Begeisterung geht man wieder an sein Lebenswerk. Wir sind geliebte Menschen, gewollt - nicht verurteilt, zu leben. Wer das weiß, kann es auch mit anderen Menschen aushalten - ohne Neid, ohne Angst, zu kurz zu kommen. "Ich bin jemand" - unabhängig von allen Urteilen von Menschen, das gibt Sicherheit fürs Zusammenleben.

Dekan Martin Ost,
Markt Einersheim

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