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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 24)

Wie der Heilige Geist heute im Alltag zu spüren ist

Pfingsterfahrungen: Keine kurzlebige Begeisterung, sondern lange glühendes inneres Feuer

Thema 24 "Tor, Toor, Tooor, Toooor!!!", schreit der Reporter, "die Bayern sind Meister!" Seine Stimme überschlägt sich fast vor Begeisterung. Freudengeschrei braust durch's Stadion und daheim jubeln die Fans. Ähnlich groß ist der Freudentaumel von Jugendlichen bei einem Konzert ihrer Lieblings-Band. Vor allem junge Mädchen können sich häufig vor Erregung kaum fassen, wenn sie ihren Idolen leibhaftig begegnen.

Beständige Begeisterung

Solche Begeisterung aber flaut meist ebenso schnell wieder ab wie sie entflammt war. Ruhe und Gleichmaß kehren bald wieder ins Leben ein, denn das himmelhochjauchzende Gefühl lässt sich kaum über längere Zeit festhalten.
Neben solch kurzlebiger Ekstase gibt es aber auch eine beständigere Begeisterung. Ein Feuer, das innerer Antrieb eines Menschen sein kann und ihn lange trägt. Manche Kirchentagsteilnehmer kennen dieses Gefühl, wenn sie oft noch lange nach dem kirchlichen Großereignis die jubelnde, mitreißende Stimmung in sich spüren und neuen Glaubensmut für ihren Alltag in sich tragen. Sie fühlen dann etwas von der Kraft, die Jesu Jünger und Jüngerinnen mitgerissen und herausgerissen hatte aus ihrer Trauer undHoffnungslosigkeit nach Jesu Tod.

Lodernde Flamme

Am Pfingsttag hatte es sie plötzlich unwiderstehlich auf die Straßen und Plätze hinausgezogen. Noch ehe Jesu Freunde recht begriffen wie ihnen geschah, erzählten sie den Menschen von Jesus. Und ihre Worte kamen bei vielen Zuhörern an und trafen sie ins Herz - ganz gleich welchen Dialekt oder welche Muttersprache jemand sprach und in welcher Sprache das Evangelium gepredigt wurde. Die Jünger fühlten: Das ist von Gott gekommen. Der Heilige Geist, den Jesus ihnen versprochen hatte, musste das bewirkt haben. Darum loderte ihre Liebe zu Jesus wieder auf, setzte ungeahnte Fähigkeiten in ihnen frei und brannte fortwährend in ihnen.

Erwartung ist wichtig

Diese geheimnisvolle Gotteskraft erleben auch manche Besucher von Kirchentagen oder Missionsveranstaltungen wie ProChrist. Sie sind bereit, dort neue religiöse Erfahrungen zu machen - und Gottes Geist wirkt tatsächlich in ihnen. Im üblichen Sonntagsgottesdienst dagegen ist das kaum der Fall. Doch das liegt wohl weniger an den Gottesdiensten und ihrer Ordnung als an der Voreinstellung der Besucher und Besucherinnen: Sie erwarten sonntags in ihrer Kirche meistens kein außergewöhnliches religiöses Erlebnis.
Anders bei Sondergottesdiensten wie Segnungsfeiern oder Frauengottesdiensten. Dort sind die Menschen auf Ungewohntes eingestellt. Der berühmte Funke springt oft auch tatsächlich über: Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erleben, wie Gottes Geist sie anrührt und buchstäblich bewegt.
Auch in Teams aus ganz unterschiedlichen Menschen wirkt er, wenn sie gemeinsam eine Konfirmandenfreizeit, einen regionalen Kirchentag, einen Chorauftritt oder ein anderes Projekt so vorbereiten, dass dort Gott erlebbar wird. Denn nur mit der Hilfe des Heiligen Geistes können die Mitglieder eines Teams ihre verschiedenen Begabungen, Meinungen und Ideen zu einem guten, sinnvollen Ganzen verschmelzen.

Gott ganzheitlich erleben

Religiöse Erfahrungen ermöglichen vielen Menschen auch Freiluftgottesdienste oder Osternachtsfeiern, weil sie die Teilnehmenden ganzheitlicher ansprechen als traditionelle Gottesdienste in der Kirche. Sie üben deshalb besondere Anziehungskraft nicht zuletzt auf sonst eher distanzierte und religiös unentschiedene Menschen aus.

Boten Gottes

Es wäre allerdings ein Missverständnis zu glauben, dass Gottes Geist nur im gottesdienstlichen Feiern wirkt. Er ist genauso gegenwärtig in jedem Miteinander von Menschen, zum Beispiel, wenn sie einander Trost geben für ihr Leben und Sterben. Das kann durch ganz normale Worte und Gesten geschehen. So können jeder Christ und jede Christin zu Boten Gottes werden, nicht nur Pfarrer und Pfarrerinnen. Denn Gott hat jedem Menschen in der Taufe seinen Geist versprochen.

Unauffälliger Dienst

Manchmal ist der Zeugendienst sogar so unauffällig, dass der betreffende Mensch selbst gar nicht merkt wie er zum Werkzeug Gottes wird: Zum Beispiel, weil er in der Kirchengemeinde hervorragend organisieren oder zuhören kann, einen Raum schön gestaltet oder erkennt, wo ein Mensch Hilfe und Zuwendung braucht. All das und noch viel mehr kann mitten im Alltag ein Werk des Heiligen Geistes sein. Gottes Kraft kann auch in einem Bibeltext begegnen, der für einen zu sprechen beginnt. Und er ist sicherlich am Werk, wenn jemand nach dem Abendmahl sagt: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich von einem Stückchen Brot innerlich so satt werde."
Ganz sicher ist es auch ein Geschenk von Gottes Geist, wenn sich die Teilnehmerinnen eines Frauenfrühstücks zuerst in kleinen Gruppen und dann im ganzen Saal darüber austauschen, wann das Beten ihnen einmal geholfen hat. Nicht zuletzt wirkt Gottes Geist im Segen, der das Leben begleitet und schützt und den Menschen einander immer wieder neu zusprechen und wünschen können - nicht nur sonntags in der Kirche. Gottes Geist bewegt Menschen also auf vielfältige und oft recht unauffällige Weise. Doch eines zeigt sich immer wieder: Wenn der Heilige Geist Menschen erfüllt, ist das anders als die kurzlebige Begeisterung nach einem Fußballsieg oder bei einem Konzert der Lieblings-Band. Denn das innere Feuer, das aus solch persönlichen Erlebnissen mit Gott wächst, flammt meist nicht nur kurz auf und verlöscht wieder. Im Gegenteil: Es glüht oft sehr lange in einem Menschen und wirkt in ihm fort. Vielleicht sogar ein Leben lang.

Sabine Ost / Ulrike Werner


Verborgene Geschenke entdecken

"Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, so dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten das Wirken des Geistes auf geistgewirkte Art."

1. Korinther 2, 12f.

Andacht 2425 Jahre ist es ungefähr her, aber es prägt und begleitet mich bis heute:
Unser Jugendgruppenleiter hatte uns eingeladen mitzukommen. Er wollte Elisabeth (Name geändert) besuchen. Manchmal schon hatte er von ihr gesprochen. Wir wussten, dass sie an die sechzig Jahre alt war und seit Jahren fortschreitend unheilbar krank, dauerhaft ans Bett gefesselt. Zu dritt kamen wir mit. Wie klein, zusammengekauert lag sie in ihren Kissen. Unser Jugendgruppenleiter und Elisabeth begrüßten sich. Er stellte uns ihr vor. Da sah ich ihre hellen, fröhlichen Augen, die uns aus Falten anblickten. Sie fragte uns, wo wir zur Schule gingen und womit wir uns in der Jugendgruppe beschäftigten. Wir erzählten von unserer letzten Freizeit, unseren Unternehmungen und dass wir zusammen Bibel lesen, beten und über Gott und die Welt reden.

Das freute sie, und sie fing an von sich zu erzählen. Offen sprach sie von ihren Schmerzen, ihren schwindenden Kräften, aber auch von ihrer Dankbarkeit gegenüber ihrer fürsorglichen Tochter und gegenüber Gott. Sie sei froh, ein Kind Gottes zu sein und zu Jesus Christus zu gehören. Sie fühle sich nicht allein und verlassen, auch wenn in ihrem Zimmer niemand anwesend sei. Gott sei bei ihr. Mit leuchtenden Augen sprach sie davon, wie gut das sei, dass sie mit Gott reden könne, dass ihre Schuld vergeben sei und dass sie - wenn Gott sie ruft - bei ihm sein werde. Mit ganz einfachen Worten erzählte sie von ihrem Glauben und ihre leuchtenden Augen erzählten mit. Bald wurde sie müde. Als wir uns verabschiedeten, versprach sie für uns zu beten, sie habe ja Zeit.

Es beeindruckt mich bis heute, wie einem Menschen, der so viel zu ertragen hatte, solch eine Ausstrahlung geschenkt war. Ich wünsche mir und erbitte von Gott, dass ich mich, wenn ich einmal ähnlich viel zu tragen habe, so von ihm getragen weiß. Ihr war fast alles genommen, was nach menschlichem Ermessen zu einem glücklichen Leben gehört und sie wirkte auf uns wie eine reich Beschenkte.

"Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der von Gott kommt, damit wir erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist."

Nach menschlichen Maßstäben ist solch ein Menschenleben arm. Es wäre einsichtig und natürlich gewesen, wenn sie anders geredet hätte. Etwa so: Mein ganzes Leben habe ich gearbeitet und nun bin ich zu nichts mehr zu gebrauchen. Ich habe keine Freude mehr am Leben, falle nur zur Last. Was soll solch ein Dahinsiechen? Es wäre besser, ich wäre nicht mehr. Solche Worte aus Elisabeths Mund wären verständlich gewesen und keiner hätte ihr das verübelt. Ich schließe auch nicht aus, dass solche Gefühle und Gedanken sie immer wieder beschlichen. Aber ihre Augen erzählten, dass diese fröhliche Dankbarkeit sich immer wieder bei ihr durchsetzte und sie trug.

Von diesem Geist, der von Gott kommt, war etwas zu ahnen in diesem Krankenzimmer. Gottes Geist hat ihr Augen geschenkt, zu sehen was ihr geschenkt ist. Es beeindruckt mich bis heute, dass der Glaube, das Verbundensein mit Gott, so verändern kann: Uns und unsere Sicht der Welt und unserer eigenen Lage. Das ist keine Leistung, das ist ein Geschenk. Es ist ein Geschenk, dass wir erkennen, wie beschenkt wir durch Gott sind. Gottes Geist schenkt uns Augen, die erkennen, dass wir reich sind.

Oberkirchenrätin Dr. Dorothea Greiner
München

Wir beten:
Heiliger Geist, Du bist die Kraft Gottes, die auf Jesus ruhte, Du bist der Tröster, den Jesus uns gesandt hat, Dir öffne ich mich, Öffne Du mich dir, Dein kräftiger Trost tröste mich und durch mich andere. Amen.

Lied 134: Komm, o komm, du Geist des Lebens.

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