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Ihre Glaubensgemeinschaft lebten die beiden Frauen zuerst im Ver-borgenen. Nach außen sichtbar bau-ten sie nur den Bund christlicher Pfad-finderinnen nach dem Krieg wieder auf. So entstand im unterfränkischen Castell eine geistliche Heimat für junge Mädchen und Frauen.
Bischof als Fürsprecher
Einen verständnisvollen Fürsprecher fand die inzwischen auf dem Schwanberg bei Kitzingen heimisch gewordene Communität in Landesbischof Hermann Dietzfelbinger. Er ermutigte sie 1959 bei einem Besuch zu ihrem geistlichen Weg. Nun stand dem weiteren Ausbau der
sozialen und geistlichen Arbeit des jungen evangelischen Frauenordens nichts mehr im Weg.
Heute sind die 43 Schwestern zwischen 24 und 79 Jahren vor allem in den beiden Tagungshäusern auf dem Schwanberg tätig. In Augsburg, Nürnberg und Erfurt unterhalten sie Außenstellen. Auf Wunsch der Gemeinden sollen sie dort neues geistliches Leben in die Innenstädte bringen.
Auf dem Schwanberg sind auch das Schwanbergcafé und vor allem die St. Michaelskirche wichtige Anlaufstellen für auswärtige Gruppen, Menschen aus der Region und Ausflügler. In der 1987 eingeweihten, roten Backsteinkirche des Architekten Alexander von Branca feiern
regelmäßig zahlreiche Besucherinnen und Besucher zusammen mit den Schwestern Sakramentsgottesdienste, Tagzeitengebete und die hohen christlichen Feiertage. Auffällig und für manche gewöhnungsbedürftig ist ihre reiche liturgische Ausgestaltung, die manche Gäste fast als katholisch empfinden.
Probezeit vor der Bindung
Um solche Enttäuschungen nach der lebenslangen Bindung an die Communität möglichst zu vermeiden, gibt es bei der Communität Casteller Ring eine mehrjährige Probezeit, wie sie auch bei anderen Orden und den Diakonissen-Mutterhäusern üblich ist. Sowohl die eintrittswillige Frau als auch die Schwesterngemeinschaft können sich so in Ruhe kennenlernen und die Entscheidung prüfen.
Sabine Ost
Psalm 27,1
Die Frage ist: Wie werde ich damit fertig? Wer im Blick auf die Ängste unserer Zeit solch eine Frage stellt, wird viele Antworten finden. Da gibt es ärztlich orientierte Antworten, aber auch Hinweise von lebenserfahrenen Menschen. Schließlich gibt es eine ganze Batterie religiöser Orientierungsversuche. Alle behaupten, dem modernen Menschen in seinen Ängsten helfen zu können. Aber worauf kann man sich wirklich verlassen?
Der Psalmist gibt seine Antwort: Gott ist mein Licht auf dem dunklen Weg meiner Zweifel und in der Schwachheit meiner Ängste. Gott gibt mir das Gefühl der Geborgenheit, wenn ich enttäuscht werde, wenn mich meine besten Freunde - sogar mein Vater und meine Mutter - verlassen, wenn meine Geschäfte in die roten Zahlen rutschen und Unruhe mir den Schlaf raubt. Mein Glaube an ihn gibt mir die Gewissheit, dass ich nicht allein bin. Aus diesem Glauben erwächst mir Kraft, wieder aufzustehen, wenn ich schwach geworden bin. Dieser Glaube gibt mir Mut, zuversichtlich weiterzugehen, auch wenn ich nicht weiß, wohin mein Lebensweg führt.
Das alles lese ich
aus den Worten des 27. Psalms heraus. Es lohnt sich, die Bibel aufzuschlagen und den 27. Psalm bewusst ganz durchzulesen. Gewiss, der Psalmist kennt nicht nur das Gefühl der Geborgenheit und der Zuversicht. Denn da sind immer noch die Feinde, die ihn bedrohen. Und trotz der Gewissheit, dass Gott Licht und Stärke ist, bleibt das Gebet: "Verbirg dein Antlitz nicht vor mir" (Vers 9).
Während der Psalmist auf die Erfahrung seiner Vorfahren zurückschauen konnte und so gelernt hat, auf den Gott der Väter zu vertrauen, kennen Christinnen und Christen den Zuspruch Gottes in Jesus Christus. Er ruft seiner Gemeinde zu: "In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden" (Johannes 16, 33) und: "Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Matthäus 28, 20). So ruft Jesus, der selbst durch Ängste, Nöte und Zweifel hindurch musste. Ich denke dabei an sein Gebet am Kreuz: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Ich denke auch daran, dass er trotz seiner Gotteszuversicht die Einsamkeit der Todesnähe erlebte und auch das Gefühl der Verlassenheit durchgestanden hat, als er starb. Aber ich denke auch daran, dass er als der Auferstandene seinen ängstlichen Jüngern begegnete und sie tröstete: "Fürchtet euch nicht!" Das ist der Herr, der auch heute in meiner Furcht und Verzagtheit anwesend ist, der mir das Gefühl der Geborgenheit vermittelt und mir Kraft gibt.
Der Glaube an ihn lässt Christinnen und Christen mutig fortschreiten in ihrem Alltag. Damit sind die Nöte und Widerwärtigkeiten nicht aus dem Leben geschaffen, aber sie beherrschen sie nicht mehr. Denn sie wissen: Gott ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Damit lässt es sich leben und sterben.
Pfarrer Friedrich Gierus
Wir beten:
Lied 376: So nimm denn meine Hände.
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