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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 23)

Evangelische Benediktinerinnen

Die Communität Casteller Ring wird 50 Jahre alt

Thema 23 Es war fast revolutionär als 1949 die christlichen Pfadfinderinnen Christel Schmid und Maria Pfister ihr gemeinsames Leben mit vier täglichen Gebetszeiten begannen. Trotzdem waren sie sicher, dass sie "nicht katholisch werden" mussten, um ordensmäßig zusammenleben zu können, sagt Priorin Edith Therese Krug über die Anfänge der Communität Casteller Ring (CCR). An diesem Sonntag feiert der evangelische Frauenorden sein 50-jähriges Bestehen.

Ihre Glaubensgemeinschaft lebten die beiden Frauen zuerst im Ver-borgenen. Nach außen sichtbar bau-ten sie nur den Bund christlicher Pfad-finderinnen nach dem Krieg wieder auf. So entstand im unterfränkischen Castell eine geistliche Heimat für junge Mädchen und Frauen.
Erst nach sieben Jahren trat die Gemeinschaft als Communität an die Öffentlichkeit. Manche Zeitgenossen freuten sich über das neue geistliche Leben in der evangelischen Kirche oder äußerten zumindest vorsichtige Zustimmung. Andere (vor allem Pfarrer) lehnten das Ordensleben der evangelischen Christinnen vehement ab.

Bischof als Fürsprecher

Einen verständnisvollen Fürsprecher fand die inzwischen auf dem Schwanberg bei Kitzingen heimisch gewordene Communität in Landesbischof Hermann Dietzfelbinger. Er ermutigte sie 1959 bei einem Besuch zu ihrem geistlichen Weg. Nun stand dem weiteren Ausbau der sozialen und geistlichen Arbeit des jungen evangelischen Frauenordens nichts mehr im Weg. Heute sind die 43 Schwestern zwischen 24 und 79 Jahren vor allem in den beiden Tagungshäusern auf dem Schwanberg tätig. In Augsburg, Nürnberg und Erfurt unterhalten sie Außenstellen. Auf Wunsch der Gemeinden sollen sie dort neues geistliches Leben in die Innenstädte bringen.

Auf dem Schwanberg sind auch das Schwanbergcafé und vor allem die St. Michaelskirche wichtige Anlaufstellen für auswärtige Gruppen, Menschen aus der Region und Ausflügler. In der 1987 eingeweihten, roten Backsteinkirche des Architekten Alexander von Branca feiern regelmäßig zahlreiche Besucherinnen und Besucher zusammen mit den Schwestern Sakramentsgottesdienste, Tagzeitengebete und die hohen christlichen Feiertage. Auffällig und für manche gewöhnungsbedürftig ist ihre reiche liturgische Ausgestaltung, die manche Gäste fast als katholisch empfinden.
Doch die Gründerinnen der Communität haben diese Form ebenso bewusst gewählt wie ihr Leben nach der Ordensregel des Benedikt von Nursia. Sie verpflichtet die Schwestern in Übereinstimmung mit den sogenannten "evangelischen Räten" des Neuen Testaments zu einem Leben in Gütergemeinschaft, Keuschheit und Gehorsam. Die CCR-Frauen leben deshalb einerseits bewusst als Zeitgenossinnen in der heutigen Gesellschaft - andererseits wohnen sie in Klausur, das heißt in einem abgeschlossenen und für Außenstehende nicht zugänglichen Bereich. Dort haben sie Einzelzimmer und sind einander in Gruppen von sieben bis neun Schwestern zugeordnet, die alle zwei Jahre neu ausgelost werden.
Unter Umständen ist "knochenharte Beziehungsarbeit" gefragt, räumt Schwester Ursula Teresa Buske zu diesen wechselnden Gemeinschaften ein, denn nicht alle Frauen verstehen sich gleich gut miteinander. Besonders spüren das die Schwestern in den Außenstationen, die manchmal nur zu dritt oder viert miteinander auskommen müssen. Austritte haben darum immer wieder zur schmerzlichen Geschichte der Communität gehört. Doch auch manche Ehe scheitere, gibt Schwester Kerstin Dominika Urban zu bedenken.

Probezeit vor der Bindung

Um solche Enttäuschungen nach der lebenslangen Bindung an die Communität möglichst zu vermeiden, gibt es bei der Communität Casteller Ring eine mehrjährige Probezeit, wie sie auch bei anderen Orden und den Diakonissen-Mutterhäusern üblich ist. Sowohl die eintrittswillige Frau als auch die Schwesterngemeinschaft können sich so in Ruhe kennenlernen und die Entscheidung prüfen.
Die erste Zeit direkt nach dem Eintritt, das Postulat, dient der allgemeinen Eingewöhnung. Das an-schließende zweijährige Noviziat ist eine Lehr- und Lernzeit, in der vor allem die Ordensregel, Kirchen- und Ordensgeschichte, Gottesdienst und Liturgie auf dem Lehrplan stehen. Dann folgen zwei Jahre zeitliche Bindung. Der endgültige Ordenseintritt ist die Profess, die Bindung auf Lebenszeit.
Dabei bekommt die neue Schwester ihren Ordensnamen, das helle Gewand für Stundengebete und Gottesdienste und eine Kette mit dem Ordenskreuz, das bei offiziellen Anlässen über der sonst üblichen Zivilkleidung getragen wird.
"Wir wagen Bindung und gewinnen darin Freiheit" sagt das seit 1998 gültige Leitbild der Communi-tät Casteller Ring über diese Lebens-entscheidung für ein dem Gebet gewidmetes Leben, das die Arbeit für den Lebensunterhalt mehrfach täglich unterbricht. "Kernaufgabe" der Schwestern ist die "glaubwürdig" gelebte Berufung. Schwanbergpfarrer Helmut Jehle hilft ihnen dabei.
Wichtig ist der Communität, dass sie ihre Heimat in der evangelischen Kirche hat und sie sich aus die- ser Position im ökumenischen Gespräch, der Begegnung mit anderen geistlichen Gemeinschaften und der Aussöhnung von Christen und Juden engagiert. Getreu dem Leitsatz der Ordensregel "in allem Gott suchen, Christus nichts vorziehen, das Leben unter der Führung des Evangeliums gestalten" will sie auch in Zukunft offen sein für neue Aufgaben und Gedanken.

Sabine Ost


Gewissheit und Mut gegen alle Furcht

"Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?"

Psalm 27,1

Andacht 23Dieses Zeugnis gibt der Psalmist - so weist er auf die Größe und Allmacht Gottes hin. Gleichzeitig schreibt er von sich: Er bekennt, dass sein Glaube ihn von Furcht befreit und ihm Mut zum Leben gibt.
Wenn jemand sein Leben betrachtet - wer könnte da behaupten, er lebe ganz ohne Furcht? Furcht, Grauen und Angst überschatten das Leben, wenn sich jemand bedroht fühlt, wenn einem etwas genommen wird, wenn einer auf etwas zugeht, was er nicht in den Griff bekommt, wenn einer - oder eine - die eigenen Grenzen spürt. Es gibt so viele Ängste! Zum Beispiel die Schwellenängste, etwa am Anfang eines neuen Jobs oder das Bangen vor dem Jahreswechsel von 1999 auf 2000. Da gibt es Berührungsängste: Was wird auf mich zukommen, wenn ich mich mit bestimmten Menschen einlasse? Da gibt es die sogenannte Klaustrophobie, die Angst vor dem Eingeschlossen sein und die Angst vor dem Alleinsein. Kurz: Alles, was das Leben bedroht oder die Lebensfreude schmälern kann, ist eine Gefahr, die Furcht einflößt. Dabei ist es gleichgültig, ob die Furcht begründet ist oder krankhaften Charakter hat.

Die Frage ist: Wie werde ich damit fertig? Wer im Blick auf die Ängste unserer Zeit solch eine Frage stellt, wird viele Antworten finden. Da gibt es ärztlich orientierte Antworten, aber auch Hinweise von lebenserfahrenen Menschen. Schließlich gibt es eine ganze Batterie religiöser Orientierungsversuche. Alle behaupten, dem modernen Menschen in seinen Ängsten helfen zu können. Aber worauf kann man sich wirklich verlassen?

Der Psalmist gibt seine Antwort: Gott ist mein Licht auf dem dunklen Weg meiner Zweifel und in der Schwachheit meiner Ängste. Gott gibt mir das Gefühl der Geborgenheit, wenn ich enttäuscht werde, wenn mich meine besten Freunde - sogar mein Vater und meine Mutter - verlassen, wenn meine Geschäfte in die roten Zahlen rutschen und Unruhe mir den Schlaf raubt. Mein Glaube an ihn gibt mir die Gewissheit, dass ich nicht allein bin. Aus diesem Glauben erwächst mir Kraft, wieder aufzustehen, wenn ich schwach geworden bin. Dieser Glaube gibt mir Mut, zuversichtlich weiterzugehen, auch wenn ich nicht weiß, wohin mein Lebensweg führt.

Das alles lese ich aus den Worten des 27. Psalms heraus. Es lohnt sich, die Bibel aufzuschlagen und den 27. Psalm bewusst ganz durchzulesen. Gewiss, der Psalmist kennt nicht nur das Gefühl der Geborgenheit und der Zuversicht. Denn da sind immer noch die Feinde, die ihn bedrohen. Und trotz der Gewissheit, dass Gott Licht und Stärke ist, bleibt das Gebet: "Verbirg dein Antlitz nicht vor mir" (Vers 9).

Während der Psalmist auf die Erfahrung seiner Vorfahren zurückschauen konnte und so gelernt hat, auf den Gott der Väter zu vertrauen, kennen Christinnen und Christen den Zuspruch Gottes in Jesus Christus. Er ruft seiner Gemeinde zu: "In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden" (Johannes 16, 33) und: "Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Matthäus 28, 20). So ruft Jesus, der selbst durch Ängste, Nöte und Zweifel hindurch musste. Ich denke dabei an sein Gebet am Kreuz: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?" Ich denke auch daran, dass er trotz seiner Gotteszuversicht die Einsamkeit der Todesnähe erlebte und auch das Gefühl der Verlassenheit durchgestanden hat, als er starb. Aber ich denke auch daran, dass er als der Auferstandene seinen ängstlichen Jüngern begegnete und sie tröstete: "Fürchtet euch nicht!" Das ist der Herr, der auch heute in meiner Furcht und Verzagtheit anwesend ist, der mir das Gefühl der Geborgenheit vermittelt und mir Kraft gibt.

Der Glaube an ihn lässt Christinnen und Christen mutig fortschreiten in ihrem Alltag. Damit sind die Nöte und Widerwärtigkeiten nicht aus dem Leben geschaffen, aber sie beherrschen sie nicht mehr. Denn sie wissen: Gott ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen? Damit lässt es sich leben und sterben.

Pfarrer Friedrich Gierus
Blumenau (Brasilien)

Wir beten:
So nimm denn meine Hände
und führe mich bis an
ein selig Ende
und ewiglich.
Ich mag allein nicht gehen,
nicht einen Schritt:
wo du wirst gehn und stehen,
da nimm mich mit.
Amen.

Lied 376: So nimm denn meine Hände.

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