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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 22)

Die heilende Kraft des Glaubens

Medizinische Studien ergaben: Wer betet, lebt gesünder

Thema 22 Wenn Helga Anton aus Itzehoe bei Hamburg nach ihrem Beruf gefragt wird, dann gibt sie eine ungewöhnliche Antwort: "Beterin", sagt die blinde Seniorin, die einst als Geigerin arbeitete. Eines Tages stellte ihr der Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Itzehoe die Frage, die ihrem Leben eine entscheidende Wende gab: "Sind Sie bereit, in unserer Kirchengemeinde den Gebetsdienst hauptamtlich zu übernehmen?" Helga Anton entschied sich dafür. Wie die Hanna in der Bibel wollte sie Gott loben und für andere Menschen beten, wollte sie fröhlich sein in dem Herrn (1. Samuel 2, 1).

Gott erhört Gebet

Ihre Erfahrungen nach vielen Gebeten, in denen sie Jesus um Beistand gebeten und die bösen Mächte in ihre Schranken gewiesen hat: "Gott erhört wunderbar unsere Gebete. Nicht immer sofort. Nicht immer so, wie wir es uns wünschen. Aber immer so, wie es für uns am besten ist." In ihren beiden Büchern "Beten wirkt Wunder" (Brunnen Verlag Basel und Gießen, 1999) und "Unter Gottes Augen leben" (Brunnen Verlag Basel und Gießen, 2000) hat sie ihre Erfahrungen als hauptberufliche Beterin zusammengefasst. Sie berichtet von Menschen, die zu Gott gefunden und seine heilende Kraft erfahren haben. Zum Beispiel die krebskranke Frau H., bei der die Zahl der Leukozythen nach je- der Chemotherapie rapide zunahm. Helga Anton: "Da half nur Gebet. Dankbar erlebten wir, wie schnell sich danach die Blutwerte wieder stabilisierten. So etwas hatten die Ärzte vorher für unmöglich gehalten." Sie berichtet in ihren Büchern aber auch von Schicksalen, in denen Gottes Wege ganz anders waren, als Menschen es sich vorgestellt haben.

Überraschendes Ergebnis

Wie hilfreich, stärkend und mutmachend Gebete allerdings sein können, haben jetzt amerikanische Wissenschaftler in mehreren Testreihen nachgewiesen: Die heilende Kraft des Glaubens lässt sich medizinisch ganz eindeutig feststellen. Professor Randolf C. Byrd zum Beispiel hat 393 Herzpatienten des Allgemeinen Krankenhauses San Francisco in zwei Gruppen eingeteilt. Für die eine Hälfte sprachen fremde Menschen regelmäßige Gebete, für die anderen nicht. Weder Ärzte noch Kranke wussten davon. Das für die Mediziner überraschende Ergebnis: Bei den Patienten, für die gebetet wurde, kamen Herzanfälle, Herzstillstände und Lungenentzündungen wesentlich weniger vor als bei den anderen. Mehr noch: Ärzte der Duke-Universität im US-Staat North Carolina fanden bei einer Untersuchung von 4.000 Menschen im Alter von über 65 Jahren heraus: Wer re gelmäßig betet, senkt das Risiko hohen Blutdrucks um 40 Prozent. Und der renommierte Harvard-Mediziner Dr. Herbert Benson entdeckte: Beten ist eine gute Therapie bei Depressionen. Wiederholtes Gebet weist störende Gedanken ab. David Larson, Klinischer Psychologe vom National Institute for Healthcare Resarch Rockville, Mary-land, USA, sagt: "Religiosität wirkt sich in 84 Prozent der Fälle positiv auf die psychische Gesundheit aus, nur bei drei Prozent negativ." Nach einer Studie des Duke University Medical Centers (North Carolina) helfen Gebete, besser mit dem Alltag fertigzuwerden. "Gebete bauen Stress ab. Sie machen innerlich stark, bringen neue Kraft."

Starke Ausstrahlung

Unlängst berichtete die evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) von dem amerikanischen Naturforscher Dr. N. J. Stowell: Er hat bei einer sterbenden, an Gehirnkrebs erkrankten Christin die Stärke der Hirnstrahlung gemessen - im Moment ihres Todes. Ein Mikrofon zeichnete ihre letzten Worte auf. Während sie betete, schlug der Zeiger auf der Skala von -500 bis plus 500 bis ans Ende des Positivbereichs aus. Zuvor war die Stärke einer Rundfunksendung gemessen worden, die mit 50 Kilowatt ausgestrahlt worden war. Der Zeiger gelangt nur auf die Ziffer 9 im positiven Bereich. Das Gehirn einer sterbenden Frau, die mit Gott in Verbindung stand, entwickelte also eine Kraft, die 55 mal stärker war als jene Ausstrahlung der Radio-Sendung.

Grundlegende Bedeutung

Ob im Moment des Todes oder mitten im Leben - welche grundlegende Bedeutung das Gebet für Menschen der Moderne hat, beschrieb der deutsche Schriftsteller Reinhold Schneider (1903-1958) kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: "Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unseren Häuptern aufzuhalten und diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen. Jetzt ist die Zeit, dass sich das Heil verbirgt, und Menschenhochmut auf dem Markte feiert, indes im Dom die Beter sich verhüllen, bis Gott aus unsern Opfern Segen wirkt. Und in den Tiefen, die kein Aug entschleiert', die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen."
"Glaube", sagt der ProChrist-2000-Redner und Generalsekretär des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM), Pastor Ulrich Parzany, "besteht nicht aus Gedanken im Kopf. Glaube ist eine Vertrauens- und Liebesbeziehung. Sie braucht das Gespräch im Gebet und Hören auf das Wort Gottes in der Bibel."

Aufregendster Beruf

Für die Itzehoer Beterin Helga Anton sind solche Gebete und die tägliche Bitte um Heil und Heilung eine Selbstverständlichkeit. Die blinde Seniorin lebt in der täglichen Zwiesprache mit Gott. "Beterin", so das Resümee ihres Lebens, "ist der interessanteste, aufregendste Beruf, den ich mir vorstellen kann. Ich bin Gott unendlich dankbar, dass Er mich in diesen Dienst gerufen hat."

Edgar S. Hasse


Haltet an am Gebet

"Haltet an am Gebet und wachet in ihm mit Danksagung; und betet zugleich auch für uns, auf dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue, zu sagen das Geheimnis Christi, um deswillen ich auch gebunden bin, aus dass ich es offenbar mache, wie es mir zu sagen gebührt."

Kolosser 4, 2-4

Andacht 22Haltet an am Gebet - ermuntert uns der Apostel, der wegen seines christlichen Glaubens gefesselt im Gefängnis eingesperrt ist. Manchmal gibt es in unserem Leben Situationen, in denen wir wie in einem Gefängnis sitzen. Von einem Menschen oder einer Idee sind wir so fasziniert, so in den Bann genommen, so gefesselt, dass sich unser Horizont beträchtlich einengt. Unser Bewegungsradius wird erheblich eingeschränkt wie von einer Krankheit, die uns ans Bett fesselt. Manchmal müssen wir auch erfahren, dass wir mit unserem Handeln an die Grenzen unserer Macht stoßen und uns die Hände gebunden sind. Wir fühlen uns gefangen in unserer Ohnmacht, von unseren Ängsten, Sorgen und Nöten. Wir kreisen mit unseren Gedanken um uns selbst, suchen nach Lösungsmöglichkeiten, versuchen einen klaren Gedanken zu fassen und drehen uns dabei immer nur im Kreis. Es ist gut, in solch einer Situation einen guten Freund zu haben, mit dem wir wenigstens reden können. Aber entweder ist er nicht vorhanden oder er ist gerade nicht greifbar. Oder unser Problem ist so intim, dass wir unsere Freunde - gerade weil sie unsere Freunde sind - nicht mit unseren Sorgen belasten wollen. Doch wer immer wieder versucht, ohne fremde Hilfe mit Problemen fertig zu werden, wird bald einen Teufelskreis erfahren. Unsere vier Wände werden uns zu einem Gefängnis, unser Körper zu einer Zelle. Alles wird eng, unheimlich, dunkel, ohne Ausweg, ohne Lichtblick, ohne Hoffnungsschimmer. Eben wie eingesperrt in einem Kerker.

Haltet an am Gebet - in einer Situation, in der man nur noch beten kann, klingt das für manchen vielleicht etwas zynisch. Doch so mancher erlebt gerade in schweren Zeiten das Gebet als den rettenden Strohhalm, an den man sich klammern kann. Wenn wir selbst in aussichtslosen Situationen noch unsere Hände falten und beten können, spüren wir, welche heilsame Bedeutung das Gebet besitzt. Das Gebet ist wie eine Tür und wer betet öffnet diese Tür. Und wer eine Tür öffnet, der lässt automatisch Licht und frische Luft in den Raum. Licht und frische Luft sind wichtig zum Leben. Frische Luft brauchen wir zum Atmen und zum Nachdenken. Und Licht ist für uns wichtig zum Wachsen und zum Erkennen. Wer betet, der lässt frische Luft und Licht in sein Leben. Wer betet, der kann an seinen Sorgen wachsen, weil er seine Sorgen und Nöte in einem anderen Licht sehen kann. Wer betet, der dreht sich nicht mehr im Kreis, der ist nicht mehr durch sich selbst gefangen, weil er für seine Sorgen, Nöte und Ängste einen Ansprechpartner hat. Deshalb: Haltet an am Gebet!

Theologin Steffi Beck-Seiferlein
Bechhofen

Wir beten:
Guter Gott, manchmal sehen wir für das, was uns Sorgen macht, keinen Ausweg. Wir drehen uns dann nur um unsere eigene Achse anstatt sich uns dir anzuvertrauen. Wir bitten dich, dass du uns hell machst, was uns dunkel erscheint. Amen.

Lied 615: Ich lobe meinen Gott.

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